
flickr.com/ Allie_Caulfield/ (CC BY 2.0)
Einem Zufall von der Schippe springen
„Du hast aber den Bogen raus!“ Diesen Kommentar bekommt man zu hören, wenn etwas gut gelungen ist, vielleicht sogar auf Anhieb, ohne lange dafür geübt zu haben, was beim Gegenüber nicht nur Staunen, sondern auch Neid hervorrufen kann.
Kennen Sie folgende Situationen: Sie versuchen, ein geknülltes Papier in den Papierkorb zu schnipsen, es gelingt Ihnen aber nicht sofort, der Arbeitskollege, der Ihr Bemühen beobachtet, schnipst ebenso ein Papierknäul und trifft auf Anhieb, Sie stehen am Ufer eines Sees, werfen glatte Steine ins Wasser, damit sie mehrmals aufs Wasser aufschlagen, bevor sie untergehen, angeregt durch Ihr Tun findet sich ein Nachahmer ein, der es schafft, Ihre Anzahl an Wasseraufschlägen zu toppen.
Sicher, es kann auch Zufall sein, ein einziges Mal geschehen, alle folgenden Versuche können fruchtlos bleiben, aber den Bogen raushaben für einen Moment oder öfters, stimuliert zur Fortsetzung des Erfolges. Für den einen mag es in Sucht enden, denken wir an die Spielsucht, wenn der Spielautomat nach einem Einwurf Geldstücke nur so ausspeit, für den anderen kann es zur Erkenntnis und Weiterentwicklung seines Talents werden.
Wie auch immer, die Erklärungen warum wir diese Redensart benutzen, sind mannigfaltig und nicht auf ein Ereignis zurückzuführen. Sicher hat es mit der Handhabung des Bogens als Schußwaffe zu tun, denn der Pfeil wird nicht weit fliegen, wenn gradlinig abgeschossen. Erst durch die Flugbahn eines Bogens kann der Pfeil auch fernere Ziele treffen, es sei denn, man hat Zielwasser getrunken.
Es kann uns nicht immer alles gelingen, selbst der beste Koch hat schon mal die Suppe versalzen, aber lassen wir uns nicht entmutigen, mal nicht den Bogen rauszuhaben. Solange wir den Bogen nicht überspannen, bleibt uns Zeit zum Üben, denn auch Übung macht den Meister.
Sind nicht viele Dinge gerade deshalb inspirierend, weil sie nicht perfekt sind, wir müssen nicht auf allen Gebieten den Bogen raushaben, aber sicherlich öfters einen Bogen um diejenigen machen, die uns beharrlich unsere Fehler vorhalten.
Ihre
Doris Mock-Kamm