
flickr.com/ Truus, Bob & Jan too!/ (CC BY-NC 2.0)
Nicht nur Musikerherzen finden sich
Auf dem Weg nach hause mußte Matse in sich hineingrinsen, so gut hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Daß ihm Ritchie über den Weg gelaufen, ein Wink des Schicksals, überlegte er noch, beließ es aber dabei. Jetzt galt es, die Bekanntschaft zu festigen, er erahnte viel Potential in diesem neuen Musikschaffen. Vor allem beflügelte den Urur-Zille-Enkel die großartige Möglichkeit, politische Botschaften in den Texten mit den Songs den Menschen übermitteln zu können.
Matse wußte nur zu genau, wie nachhaltig Musik wirken könne. Als er seine Wohnungstür aufschloß, kam ihm Carmen, Steffens Schwester, entgegen, umarmte ihn innig und küßte ihn überschwänglich. Damit hatte er so gar nicht gerechnet, konnte aber ihrem Kuß nicht entweichen, erwiderte diesen umso heftiger, bemerkte dabei, daß sie nur einen Slip trug, sonst nichts. Die beiden begaben sich sehr gezielt in sein Schlafzimmer.
„Sollen sie doch weichen, weltweit täglich Leichen, weil die den Hals nie voll genug kriegen.“ Diese Textzeile des Spontansongs vom Nachmittag mit Ritchie ging Matse nicht aus dem Kopf, als er gemütlich neben Carmen lag, die ihm liebevoll über seine Haare strich.
„Sag mal, Matse, sollen wir es Steffen beichten? Über kurz oder lang spürt der das sowieso. Und du als sein bester Freund solltest mit offenen Karten spielen, oder“, begann sie vorsichtig. Er schloß die Augen und nickte nur, war viel zu vertieft, dachte über die nächsten Schritte in Sachen Musik nach. Das Telephon klingelte plötzlich, die Melodie, der Beginn von „We Will Rock You“ von Queen, kennzeichnete Steffen.
„Hi, mein Bester“, begrüßte dieser Matse voll Freude und fragte, „weißt du zufällig, wo Carmen sich befindet, wir sind seit zwanzig Minuten verabredet?“ Matse berichtete vom plötzlichen Liebesrausch, bemerkte dabei erst jetzt, daß sie sich in seiner Wohnung befunden hatte. Carmen gab wohl zu verstehen, sie habe den Ersatzschlüssel Steffen entwendet, dieser habe sich auf dessen Couchtisch befunden. Nach kurzem Zögern beglückwünschte Steffen die beiden und beendete das Gespräch.
Zeitgleich saß Ritchie in seinem alten Probenraum, ließ die Rapmucke laufen, übte fleißig das Stück vom Nachmittag, ergänzte die eine oder andere Zeile. Er war froh, Matse kennengelernt zu haben, jede Menge Gedanken überschlugen sich, vor lauter Aufregung verließ er besser den Raum, begab sich nach draußen an die frische Luft, mußte unbedingt mal laufen.
Lotar Martin Kamm
Straffreier Raum Internet – wenn Zille sich austobt – Teile 1 und 2