Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 5)


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Ein Drama mit offenem Ende

Angie im Bett liegend, gut zugedeckt. Unruhig sich dabei hin- und herwälzend. Murmelnd vor sich hin im Halbschlaf.

Angie: Was träume ich da nur für einen Unsinn von einem Debattierclub der Alemannen. Obendrein mich dort ständig rechtfertigend, vor allem ausgerechnet vor diesem Schnösel Schröder. Also, so was aber auch. Dabei müßte eigentlich ich flüchten vor lauter Anfeindungen in letzter Zeit. Aber nein! Mir die Flüchtlingsfragen nonstop nachtragen, meinen Satz „Wir schaffen das!“ ständig ankreiden. Geht gar nicht, ich meine es doch gut.

Ein entschiedenes Klopfen an der Tür ihres Hotelzimmers.

Angie: Wer stört mich da mitten in der Nacht?

Bodyguard: Frau Merkel, die Beerde hat ein wichtiges Treffen mit den USA begonnen. Sie weiß, außerplanmäßig. Ließ sich nicht vermeiden. Ihre Anwesenheit wird dringend erwünscht.

Angie: Ja, ja, schon gut, danke. Ich beeile mich. Sagen Sie dem Chauffeur, er könne in zehn Minuten vorfahren.

Dabei steht sie schnell auf, stolpert fast übers lange Nachthemd und begibt sich ins Bad.

Der Vorhang schließt sich. Umbau zur neunten Szene. Die deutsche Nationalhymne erklingt, aber ohne Text. Q tritt vors Publikum.

Q: Na, haben Sie’s bemerkelt? Äh…bemerkt, tschuldigung, das Merkel färbt ab, ist doch wahr! Sie dahinten in der dritten Reihe brauchen nicht so pikiert zur Seite gucken. Aha, selber wohl die CDU gewählt, oder? Dann glotzen Sie nicht so erstaunt! Wer den C-Parteien zur Macht verhelfen tut, bei dem auch später klebt ganz viel Blut! Übertrieben? Sie werden sich noch wundern, in welche Grotte die uns führen, wenn alle Systeme zusammenbrechen vor dem letzten Krieg. Sie haben richtig gehört. Das geht nicht gut! Ob wir noch eine Chance zum Frieden haben? Nein. Frieden war gestern. Den wollte ja niemand mehr, also kommt der Krieg unweigerlich zu uns. Ist doch klar!

Q geht ab, ohne weitere Antworten abzuwarten. Der Vorhang öffnet sich. Beerde, Angie, die USA und ein Moderator, der dem Jauch verblüffend ähnlich sieht, sitzen in trauter Runde einer Talkshow, die allerdings des nachts aufgezeichnet wird, ohne Publikum.

Herr Jauch: Wir sitzen hier alle zusammen, weil Wladimirowitsch gestern abend eine deutliche Ansage gen Westen formuliert hatte, die wir nicht unkommentiert im Raume stehen lassen. Für Sie, liebe Fernsehzuschauer, nochmal der Abspann seiner Ansprache, bzw. der entscheidende Passus. Bitte schön.

Hier nickt Herr Jauch überdeutlich. Die Leinwand hinter ihm wird zum Leben erweckt.

Der Bär: …genau aus diesem Grund bitte ich den Westen, folgendes dringendst zu verinnerlichen: Solange die USA zusammen mit der EU und dort im Besonderen die BRD unter Frau Merkel keinerlei Zugeständnisse machen, daß sowohl beim Ukraine-Krieg und erst recht beim Syrien-Krieg alle Optionen auf Konfrontationen gen Russland stehen, was einer Kriegserklärung gleicht, werde ich keine Ruhe geben, in aller Deutlichkeit Sie alle zu entlarven und vor der Weltöffentlichkeit anmahnend zurecht zu weisen. Hören Sie auf, ständig weitere Maßnahmen einzuleiten, die eben nicht deeskalierend wirken, so wie die neuliche Operation „Assads Fall“, ein hinterhältiger Versuch, den legitimen Präsidenten Syriens zu töten, eine Parallele zu Gaddafi erkennt die Russische Föderation mit Schrecken, außer, daß Sie nicht direkt die syrische Armee angriffen. Unterlassen Sie jedes weitere Vorgehen, ansonsten sehe ich mich gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das ist meine letzte Ansage!

Die Leinwand wird wieder dunkel. Herr Jauch schwenkt seinen Drehstuhl wieder seinen Gästen zu.

Herr Jauch: An Sie, Frau Bundeskanzlerin, zunächst das Wort, weil Wladimirowitsch Sie intensiv bedachte. Was sagen Sie zu seinem Machtwort?

Angie: Das geht natürlich gar nicht, sollten wir uns nicht bieten lassen, oder?

Dabei blickt sie entsetzt zur USA.

USA: Well, wenn ich da bestätigen darf? Der Westen sagt immer: Let’s go west. Was will der Bär nur? Vor allem, was hat er mit dem Assad mal wieder zu schaffen? Soll uns machen lassen, wir haben immer die besten Optionen für den Weltfrieden!

Beerde: Gerade nach dem Mauerfall, als der Eiserne verschwand, gab es doch genügend Gelegenheiten für Russland, besser mit uns zusammenzuarbeiten. Aber nein, die NATO wurde angegangen, die bekanntlich friedlich strukturiert.

Herr Jauch: Und was sagen Sie zur NATO-Ostererweiterung, die fand nicht statt?

Die Regie schaltet sich ein.

Regie: Ihre Frage zeichnen wir nicht auf. Wir hatten doch besprochen, keine kritische Bemerkung, oder?

Herr Jauch zieht seine Schultern für alle sichtbar nach oben.

Herr Jauch: Mit der angeblichen NATO-Osterweiterung übertreibt dabei Wladimirowitsch ein wenig, sollte er nicht so kleinlich sehen. Außerdem dienen die Raketen in Polen, den Iran in Schach zu halten.

USA: Okay, Herr Jauch. Sie treffen den Kern der Sache. Thanks für die Vorlage.

Der Vorhang schließt sich, es folgt die US-amerikanische Nationalhymne. Eine sehr leicht bekleidete junge Frau tritt auf, geht von rechts nach links am Vorhang entlang, hält dabei ein Schild gen Publikum, auf dem geschrieben steht: God save the American Dream – Putin’s star will never gain steam!

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 1)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 2)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)

Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 4)

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