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Proteste gegen Freiburger Großsiedlung
Reißende Wassermassen suchen sich ungehindert ihren gefährlich vernichtenden Weg, das alles nur weil Mensch meint, er müsse Flüsse begradigen und zubetonieren, wie man das auch hierzulande seit Jahrzehnten beobachten kann. Anstatt daraus zu lernen, jene zerstörerische Erfahrungen anderen nicht weiter zuzumuten, setzt man erst recht den Flächenverbrauch fort.
Der Verein Rettet den Regenwald ging mit einer Petition an die Öffentlichkeit, „Bauern und Bürger gegen Großprojekt!“, im Westen der südbadischen Stadt Freiburg soll die Dietenbach-Niederung als auch das Naturschutzgebiet Rieselfeld bebaut werden, ein neues Stadtviertel für 15.000 Menschen.
Deutschlandweit werden 62 Hektar Land tagtäglich zubetoniert
Um die Größenordung zu verinnerlichen, ein Hektar entspricht 10.000 m², was bedeutet, daß z.Zt. 226,3 km2 hierzulande in einem Jahr zubetoniert werden, was in etwa der Größe der Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen entspricht. Zum Vergleich, da nicht jeder Hamm kennt, Chemnitz ist ein wenig kleiner.
Betrachtet man den Anteil der neu bebauten Siedlungsflächen der einzelnen Bundesländer, belegt Baden-Württemberg den ersten Platz gefolgt vom Nachbarn Bayern. Zwar hat sich die Zunahme des Flächenverbrauchs von 1996 (täglich 120 ha) bis 2015 (täglich 61 ha) fast halbiert, die weitere Reduzierung wird zu Lasten der Umwelt und Landwirtschaft dennoch viel zu zaghaft vorangetrieben.
Dominanz des Autoverkehrs sorgt für viel Flächenverbrauch
Wer kennt das nicht, die berechtigte Kritik eines zubetonierten Deutschlands. Dabei spielt der Straßenbau für den Kraftfahrzeugverkehr eine zentrale Rolle, müssen wichtige Landwirtschaftsflächen und Wälder weichen. Es wird zwar angeblich abgewogen zwischen Nutzen und Rücksicht auf die Natur, letztere zieht aber in der Regel den Kürzeren.
Bleiben wir beim betroffenen Beispiel der Dietenbach-Niederung. Obwohl dort ein absolutes Bauverbot besteht, um das ökologisch wichtige Überschwemmungsgebiet zu erhalten, das Rheinwasser sucht sich stets Wege, wenn sein Pegel alljährlich ansteigt, meint die verantwortliche Stadtpolitik, sich widersetzen zu müssen.
Anstatt Alternativen zu berücksichtigen, die durchaus realisierbar sind, verlockt der neue Bauboom, schließlich kann man dadurch profitabel etliche Baufirmen anlocken, Geld verdienen. Viel zu kurzfristig gedacht, rücksichtslos und umweltschädigend. Insofern ist dieser Protest ein wichtiges Signal, es wäre noch erfreulicher, wenn sich mehr Stimmen erheben.
Lotar Martin Kamm
Wenn die ganze Erde eine Stadt wäre, dann wäre die Erde eine Wüste.
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