
Bild von Stefan Keller auf Pixabay
Ich habe mich von Wörtern ernährt,
die Farben von Bildern getrunken,
mich beim Tanzen in der Stille gebadet,
damals, als mein Herz alt war,
mein Verstand in Weiten flatterte,
ohne den Schlaf herbeizusehnen,
denn Müdigkeit kannte er nicht,
nur die flimmernden Träume,
die ohne Anfang und Ende
das Gefühl der Freiheit in sich trugen,
bis mein Herz an das Gebirge prallte
mit den scharfkantigen Felsen,
für keinen Verstand durchlässig,
das Gestein verteidigt sein Alter,
seine Vorherrschaft, sein Schwere,
sein Beweis für ewige Beständigkeit,
kein Durchkommen für neue Gedanken,
Abprall, Sturz, Verletzung,
mein Alter zerbarst,
nun wissend, nie darf das Herz altern,
ich ernähre mich von Wörtern,
trinke die Farben der Bilder,
bade in der Stille meines Tanzes,
heute, seit mein Herz jung wurde.
Doris Mock-Kamm