
Bild von Светлана auf Pixabay
Wo, wenn nicht hier
liegt ein Klappmesser aus Papier
auf meinem Schreibtisch,
jeder Schnitt noch ganz frisch.
Ganz frisch auch Spuren von Asche,
sieht aus wie Schmutz im Schnee.
In meinen Wimpern hängen Tränen,
durch ihr Schimmern sehe ich Schwänen
zu, schwarzen Schwänen, die zum Ufer
gleiten, zu mir, dem unbekannten Rufer.
Ich stehe auf des Messers Schneide,
umspült von sanften Wellen, beneide
der Schwäne majestätische Gelassenheit
in dem zugefrorenen See, mit Sicherheit
die brüchigen Eisstellen zu finden,
die durch ihre Bewegungen verschwinden
und ihnen den Weg zu mir freimachen,
damit meine Tränen fließen vom Lachen.
Mein Mascara ist längst verteilt
auf dem Papier und meinem Gesicht, es eilt
nicht, das Weinen zu beenden.
Ohne diese Tränen fänden
die Schwäne nicht den Weg zu mir,
und das Klappmesser aus Papier
hätte nie Spuren des Gebrauchs,
kein Abschnitt bliebe meines Zeitenhauchs.
Doris Mock-Kamm