Trubartics CD veröffentlicht
Vor fünf Jahren interviewten wir bereits den Liedermacher Trubartic, wobei damals schon der Titel seiner Musik feststand: Lieder gegen Menschenverachtung, er bestätigte, daß eine CD in Planung sei, die nunmehr im September veröffentlicht wurde.
Vierzehn Lieder, allesamt ebenso komponiert, musikalisch begleitet und mit bearbeitet von Jürgen Fastje, ein professioneller, guter Freund Trubartics. Vierzehn Titel, die durchaus als Appell wider menschliche Grausamkeit verstanden werden sollten, ein Aufruf an alle freiheitsliebenden Demokraten.
Unantastbar – in erster Linie die Betonung zum GG, Artikel 1, die Würde des Menschen ist unantastbar. Im Refrain: Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu schützen, unser höchstes Gut, dieses Grundrecht ist durch nichts ersetzbar gegen Herrenmenschenwahn und faschistischer Wut. Jürgen Fastje begleitet mit der E-Gitarre per Solo-Einsätzen.
Kriegskinder – das Gedicht schrieb Barbara Naziri. Im Refrain zu lesen:
Kindermörder, Kriegsverbrecher, so maßlos und so kalt
gnadenlos, machen nicht mal vor Geburtshäusern halt
morden feige aus der Ferne kleine Leben
ihren Schutz, unsre Hoffnung, Ihre Seelen
unsren Schutz, ihre Zukunft, unsre Seelen
Mit unverwechselbarer Stimme singt Trubartic die eindringlichen Strophen ihres Gedichtes, eine treffsichere musikalische Vertonung, auch hier im Video zu verfolgen.
Kleine Seele – ein Antikriegslied, wenn Eltern ihre Kinder in Kriegen verlieren, Fassungslosigkeit einen schier übergroßen Raum einnimmt. Der Schmerz darüber trägt das Lied, ohne dabei pathetisch zu werden, aus tiefstem Herzen wird der Verlust vorgetragen, die Sinnlosigkeit grausamer Kriegsgeschehen.
Ukraine – es zerreißt mein Herz, wie furchtbar ist dein Schmerz, was wird dir angetan, im mörderischen Wahn, so die ersten Zeilen, um im Refrain deutlicher zu werden:
Der Killer kommt direkt aus deiner Nachbarschaft,
Ist skrupellos, dein Bruder war der nie.
Ein Hasardeur versteckt, sein Hass ist seine Macht,
Ein Gernegroß, Autokrat der kalten Despotie.
Expliziter kann man kaum mehr diesen völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine musikalisch kommentieren.
Zan*Zendegi*Azadi – Frau*Leben*Freiheit: Für Euch – nach einem Gedicht von Barbara Naziri. Trubartic spricht hierbei von der iranischen Schlüsselrevolution, aus seinem YouTube-Video rezitiere ich seine Eingangserklärung: Der Mut der Frauen und der unterstützenden Männer im Iran ist für mich atemberaubend. Unbeschreibliche und mörderische Gewalt, Sittenmiliz, Knüppel, scharfe Munition, Gefangennahme, Folter und Todesstrafen halten sie nicht auf, das verkrustete, korrupte, diktatorische und brutale Mullahfaschismus-Regime abzulösen. Seit September 22, seit der Ermordung der 22-jährigen Masha Jina Amini, demonstrieren tausende Menschen gegen einen durchstrukturierten, staatspatriachatsreligiösen und brutalrepressiven Unter-drückungsapparat, der sich von Gott persönlich eingesetzt sieht und seine Autorität mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Insbesondere Frauen werden im Iran bevorzugt nachhaltig benachteiligt. Und insbesondere Frauen stehen für diese Revolution.
Das Fritzchen mit dem Banjo – ein Antikriegslied, Trubartic weist hier im Video zum Lied auch auf den Film Die Brücke hin, den er 1970 in der Schule zum ersten Mal gesehen hatte, wie er selbst und seine Mitschüler*innen bestürzt waren. Ein Credo für Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, gegen Hetze populistischer, politischer und religiöser Art.
Heiliger AfD-Wutbürger in 28 Schritten – trefflich zusammengetragene Sprüche dieser Nazi-Partei, die jeder aufrechte Demokrat nur negieren kann und muß. Umso wichtiger dies auf allen Kanälen zu tun, erst recht unter Kunstschaffenden. Denn es ist schnell die Zeit künstlerischer Freiheit beendet, wenn sie an die Macht kämen!
Höckes Welt – ein Satz von Trubartic sprang mich sofort an in seinem Text zum Video: Wenn ein Berufspolitiker wie Höcke so häufig antisemitische oder rassistische Anspielungen in seinen Reden formuliert, kann niemand mehr von einzelnen Ausrutschern sprechen. So ist es, genau darum geht es, vor den neuen Nazis zu warnen, so wie in diesem Lied, per Banjospiel begleitet.
Die Ballade von kein Spass – vor sechs Jahren bei YouTube erschienen, hat die Essenz des Liedes weiterhin traurige Gewißheit, wie simpel eine AfD hofiert wird, nicht zufällig, sondern mit freundlicher Unterstützung mitten in der Gesellschaft. Die verantwortliche Politik hat ein großes Stückweit mit dazu beigetragen per Kapitalismus, verfehlter Flüchtlingspolitik, sozialen Mißständen.
Vom Menschen – eine Interpretation von Bert Brechts Einheitsfrontlied, dessen Musik der österreichische Komponist Hanns Eisler schrieb, somit von Trubartic umgeschrieben, versteht sich. Ihn beeindruckten auch die Coverversionen von Ton Steine Scherben sowie von Hannes Wader als auch von deutschen Punk-Bands.
Farben – für eine bunte Welt, gegen Rassismus. Im YouTube-Video wird anschaulich von Trubartic geschildert, wie dieses Lied entstand, was ihn dabei bewegte. Bunte Menschen sind mit dabei, so betont im Text, der Haß auf Menschenfarben hat kein Recht, natürlich nicht!
Kein Mensch ist illegal – was für ein toller Beginn mit seiner Mundharmonika, um dann mit Banjo und Gitarrenspiel textlich die absurde Behauptung so unterstreichen, warum denn der Mensch illegal sein soll! Gefangen in der Freiheit einer Welt, in der Unrecht zu Recht wird, musikalisch per Gitarren-Solo begleitet. Ein Lied, was unter die Haut geht.
Ghandikämpfer*in – für Fridays For Future, wie Trubartic unterstreicht im Lied. Sein Herz und seine Hoffnung sind bei ihnen. „Luisas und Gretas Wert ist aber monetär nicht zu messen. Tragischerweise hat das intern. Finanzkapital diese Tatsache noch nicht begriffen“, wie er im Text schildert. Mehr dazu im YouTube-Video-Text.
Fridays For Future, bitte, nehmt mich mit Euch – als Vorlage dient das italienische Partisanenlied Bella Ciao, welches vor über 100 Jahren entstanden. Zu Recht betont Trubartic, wie wichtig diese Bewegung sei, wohl mit die wichtigste Bürger*innenbewegung unserer Zeit. Dem kann ich nur zustimmen.
Trubartics CD Lieder gegen Menschenverachtung, eine gelungene Protestsong-Sammlung, die durchaus jede/n Hörer*in erreichen kann und soll, besonders in diesen Zeiten, wo Autokraten und Nazis sich mal wieder formieren wie vor hundert Jahren.
Lotar Martin Kamm
