
https://www.flickr.com/photos/insm/52169792985/sizes/z/ (CC BY-ND 2.0)
Warum Deutschland unter Merz viel mehr zu leiden hat
Komödien und Politik haben eines gemeinsam, man sollte sie niemals allzu ernst nehmen. Letzteres trifft erst recht zu, nachdem besonders die Medien und Social Media sich vollmundig über die Ampel ausgelassen hatten, ein Bashing wie niemals je zuvor gegen eine Regierung. Man stelle sich für einige Momente jenes Spektakel in Zeiten von Kohl und Merkel vor. Schwamm drüber, mit jenem Friedrich Merz haben Sie die Gelegenheit. Ach, lieber sein lassen? Wen wundert’s?!
Jetzt hat Scholz ein Problem mehr, meint Florian Schmidt im T-Online-Artikel. Das hat Kanzler Olaf Scholz ohnehin, mitnichten wegen jenes „Maulhelden“ Friedrich Merz, der schon zu Beginn der 80er Jahre dadurch auffiel, viel Phrasen zu dreschen, statt konstruktiv-soziale Kompetenz auszustrahlen. Danach verschwand er von der politischen Bildfläche hin zu BlackRock, ein gezieltes Techtelmechtel, um jetzt zu meinen, er sei die Wirtschaftskompetenz in persona. Im Gegenteil, Stillstand und Ignoranz dem Klimawandel gegenüber bedeutet eine gefährliche Gratwanderung, die somit auch der deutsche Wähler selbst zu verantworten hat!
Jetzt mal Butter bei die Fische
Der lang befürchtete Worst Case tritt ein, keinesfalls überraschend und Knall auf Fall. Das war von langer Hand genau so geplant. Ob mit oder ohne Brandmauer, Merz tönt schon länger im selben Vokabular wie die Nazis im Deutschen Bundestag, die Ampel sprang bereits mehrfach über die Stöckchen, die die Union ihr hinhielt.
Nicht etwa aus politischer Ein- oder Übersicht, sondern in erster Linie aus machtpolitischen Ambitionen. Allen voran die Sozialdemokraten, den Ausgang der 21. Bundestagswahl im Visier. Weil dann höchstwahrscheinlich nur eine erneute Große Koalition schlimmeres verhindern mag. Die FDP wird ihren Verliererkurs fortsetzen, an der 5-Prozent-Hürde scheitern, die Linken ohnehin, das BSW die Grünen überflügeln. Insofern nähern sich die beiden extremen Parteien zusammengerechnet den 40 Prozent. Tragisch genug!
Von wegen Strippenzieher
Nein, Herr Schmidt, Merz zog an keinen Strippen, er hatte den Bashing-Bonus als Vorteil. Immerhin scheiterte er 2018 und 2020 als potenzieller Parteivorsitzender, zunächst stahl ihm Annegret Kramp-Karrenbauer die Show, danach Armin Laschet. Ein Jahr später erhielt der Sauerländer seine Chance nach Laschets Rücktritt mit der verlorenen Bundestagswahl 2021.
Mit Strippenziehen hat dies somit nichts zu tun, vielmehr mit Abmühen ohne große Wirkung. Vielleicht tobt sich ja Herr Merz deshalb vollmundig über die Ampelpolitik so herzhaft aus. Mal schauen, inwieweit er kleinlaut sich wegduckt, wenn er selbst im Herbst 2025 als 10. Bundeskanzler antreten darf. Wir werden ihn sehr scharf beobachten und zu berichten wissen!
Lotar Martin Kamm