Füllwort sozusagen auf Siegeszug


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Sprache vermag wesentlich mehr

Schon mal aufmerksam bei Politiksendungen oder Talkshows gelauscht, was dortige Gäste oder gar Moderatoren von sich geben? In letzter Zeit fällt ein Füllwort ziemlich deutlich auf, dessen Siegeszug hat gefühlt gar zugenommen, ganz ähnlich wie ein Virus verbreitet es sich in Gesprächen mit einer Selbstverständlichkeit und Wiederholung, daß der aufmerksame Zuhörer sich nur noch wundern mag. Das Wörtchen sozusagen.

Vor über zwei Jahren hat sich bereits Peter Henkel über die Füllwörter quasi und sozusagen echauffiert, um dabei sogenannten modischen Sprachmüll genauer unter die Lupe zu nehmen.

Seitdem haben sich jene Wörtchen keinesfalls vom Acker gemacht, sie werden nonchalant munter angewandt, manchmal in fünf Minuten gar gleich mehrmals, unerschrocken mit einer Selbstverständlichkeit, die kritische Zuhörer schlichtweg zu überhören scheinen. Wieso? Weil kein Widerspruch aufkommt!

Ob in der NDR-Talkshow, bei Markus Lanz oder anderen Formaten, wo Gäste, aber auch Moderatoren selbst zu Wort kommen, besonders sozusagen hat sich verselbständigt, taucht ziemlich oft auf. Woran mag dies wohl liegen? Bequemlichkeit? Oder eher ein unbewußtes Nachäffen? Denken wir nur an bestimmte Gewohnheiten, wie am Ende eines Satzes „ne?“, „woll“? oder „nicht wahr?“ anzufügen. Ebenso eine grundlegende Marotte, die man ohne weiteres sich abgewöhnen sollte.

Dabei hat unsere Sprache einen enorm großen Wortschatz, auf den wir allesamt vielfältig zugreifen können, wenn wir denn auch wollen. Allerdings bedarf es eine intensive Beobachtung von einem selbst, wobei auch andere Zuhörer durchaus mal den Mut haben sollten, solche Sprachgewohnheiten zu thematisieren, wenigstens hinterher Betreffende darauf hinzuweisen. Besonders mithilfe von Videos oder Mediatheken kann der ein oder die andere selbst mal in die Sendungen zappen, wo sie in Diskussionen mitmischten, um eben jene Gewohnheiten festzustellen. Ein wertvoller Lerneffekt, wer denn bereit dazu, sich selbstkritisch zu hinterfragen.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Ludwig Wittgenstein)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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