Familienidyll in Not: Wenn Faktor Wohlstand den Alltag bestimmt


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Konsum und Statusdenken verhindern Familien-sinn

Schnell mal die Wäsche aufsetzen, während draußen die Kinder fröhlich spielend im Garten alles Lebendige entdecken, welches sie tags zuvor noch gar nie gesehen hatten. So äußerte sich zumindest neulich Florian ganz aufgeregt zwischen seinen Weinanfällen, da er wieder mal über sein eigenes Spielzeug gestolpert war. Wie oft hatten wir ihm schon empfohlen, es einfach wegzuräumen. Doch wer nicht hören will, muß fühlen.

Nein, solche Sätze gefielen dem Jüngsten überhaupt nicht, auch wenn er sie langsam begriff. Apropos begreifen: Wie können Eltern nur so herzlos sein, um ihre Kinder einfach ganztags fremdbetreuen zu lassen? Haben sich all die Hoffnungen auf den Kinderwunsch darin bestätigt, schließlich ab einem gewissen Alter ihr Aufwachsen nur noch an freien Tagen, im Urlaub mitzuerleben, während abends ein kurzes Drücken, das schnelle morgendliche Frühstück den überwiegend jährlichen Alltag bestimmen? Und woran mag es wohl liegen, daß so viele Eltern sich dieser Notwendigkeit beugen?

In der Jobfalle – wo seid ihr Eltern, wenn ich weine?

Hat doch prima funktionert in ollen DDR-Zeiten, wo die Alten ganztags ihren Jobs nachgingen, während die Sprößlinge staatlich ordentlich versorgt fremdbetreut wurden. Im Kollektiv lebt es sich leichter, weil alle sich danach richten, keine Widergedanken aufkommen, und die Welt auf diese Weise gut funktioniert. Tat sie das wirklich?

Kinder, die ihre tiefsten Sehnsüchte und Sorgen fremden Betreuern anvertrauen sollen, obwohl viele dies dann bestimmt unterlassen aus Scham, Angst und Unsicherheit? Wo seid ihr Eltern, wenn ich weine, fragten sich die heute längst dem System entwachsenen, weil seit über 35 Jahren Deutschland vereint. Doch inzwischen herrschen wieder neue Überlegungen einer Wirtschaftswelt, in der Kindheitsträume geopfert werden, Hauptsache die Alten funktionieren im Sinne des Wachstums.

Die Familie, Hort der sicheren Geborgenheit, wenn denn ein Elternteil die Chance erhält, für die Kinder auch wirklich da zu sein, wenn Sorgen sie befällt. Das kann keine Fremdbetreuung abdecken, und sei sie noch so pädagogisch wertvoll geschult. Emotionale Verbundenheit läßt sich weder programmieren noch ersetzen, zerrüttete Existenzen mit ihrer eigenen Hilflosigkeit einmal ausgeklammert. Daher auch die Pflege-Mafia und bestimmte Jugendamtsmitarbeiter in trauter Zusammenarbeit mit deutscher Gerichtsbarkeit mehr denn je in Frage zu stellen sind.

Unterordnung vs. Systemrebellion – die Unfreiheiten durch schlecht bezahlte Arbeit

Wer sich unterordnet, wenn beide Elternteile zwei Jobs nachgehen, womöglich gar einem Nebenjob, dem diktiert diese Abhängigkeit die Notwendigkeit, seine Kinder fremdbetreuen zu lassen. Chancen sich diesem System zu entziehen, dagegen zu rebellieren? In Bürgergeldzeiten, im Niedriglohnland Deutschland ein schwieriges Unterfangen, wenn man nicht gleichzeitig gänzlich aussteigt. Die Unfreiheiten durch schlechte und somit zu gering bezahlter Arbeit erfordern den Verzicht der betroffenen Familien, so daß ein ideales Zusammenleben verhindert wird.

Das scheint der Wirtschaft völlig egal zu sein, für sie hat die funktionierende Arbeitskraft oberste Priorität, ob dabei Familien leiden oder nicht, obwohl es längst Modelle harmonischer Vereinbarkeit gibt zwischen Jobsharing und behutsamer Firmenpolitik einzelner Betriebe.

Aber Ausnahmen bestätigen wohl die Regel des weiter fortschreitenden, gesellschaftlichen Zerfalls. Denn was nutzen gut beherrschbare Arbeitskräfte, die an der wichtigsten Nahtstelle menschlichen Daseins ein lebenslanges Defizt aufbauen: dem Urvertrauen emotionaler Bindungen. Wenn das gestört, dann brauchen wir uns nicht weiter verwundern, daß Vereinsamung fortschreitet, die sich nicht ausschließlich beim Singledasein festmacht, sondern generelle Bindungsängste hervorbringt, menschliche Nähe, Vertrauen und Geborgenheit kaum aufholbar nicht mehr sich entwickeln, Einsamkeit, Depressionen, aber auch Aggressionen folgen.

Reinhard Mey formulierte mal: Je kaputter die Welt draußen, desto heiler muß sie zu Hause sein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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