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Narrenfreiheit findet stets ihre Wege
Die Narren sind los! Wirklich? Rennen sie nicht vielmehr dauernd durchs Weltgeschehen, um ihre Narreteien zu verbreiten? Im Wissen und der Hoffnung nicht erkannt zu werden, verschleiern sie ihre Absichten, Thesen, Meinungen in sprachgewandte Wortgefüge, dessen sie selbst nicht mehr zu folgen imstande sind. Durch Rechtsgelehrte in mühevoller Arbeit wieder in verständliche Form gebracht, aufgelistet in seitenweise differenzierter, fast tabellenartiger Erklärungen zu Erklärungen, bleiben am Ende des Verstehens mehr Fragen als Antworten.
Doch so soll es sein. Ein Narr, der glaubt, andere auf Dauer täuschen zu können. Ein Narr, der Täuschungen nicht erkennt. So leben sie friedlich nebeneinander her, bis das Spiel seinen Reiz verliert. Bis beide behaupten, das Spiel gewinnen zu können, weil in ihrer Hand der höhere Trumpf, die besseren Karten liegen.
Der Narr, der Tölpel, Tollpatsch, Unwissende, eine Figur, geliebt wie gehaßt, durfte bei Hofe ungestraft Stellungen beziehen, Dinge aussprechen, die andere im Traum nicht gewagt hätten, zu denken, geschweige auszusprechen. Heute noch gilt für die Narren die Narrenfreiheit, die in unserer Zeit sehr oft in der Rolle der Kabarettisten, scharfzüngige Reden schwingen, die der Wahrheit mehr ähneln als ein Werbeplakat.
Die Faszination des Narren, der Narretei finden wir auch in den Geschichten des Barons Münchhausen, der Schildbürger, Don Quijote. In vielen Filmen „als die Bilder laufen lernten“ spielt gerade der Tollpatsch, der Narr, die Figuren, die scheinbar Richtiges in Frage stellten und somit den Zuschauern eine Art Spiegel vorhielten. Kleinkinder, Kinder geben sehr oft durch ihre Unbefangenheit (Prädikat für Narr) die aufrichtigsten Antworten. Hinterfragen mit Inbrunst nicht verstandene Begriffe und führen oftmals Erwachsene selbst an die Grenzen des Wahnsinns und der Narretei, wenn die Logik der Erwachsenenerklärung entlarvt wird.
Der Narr vielleicht der bessere Mensch? Er darf ungezügelt mit List und Tücke, Schlauheit, Naivität alles in Frage stellen, ohne gespaltene Zunge alles ehrlich aussprechen und sich nicht so wichtig nehmen, da er die Fähigkeit hat, sich selbst den Spiegel vorzuhalten.
Auf ihr Narren, zeigt der Welt ihre böse Fratze, nehmt sie mit in die unbeschreibliche Schönheit des freien Denkens, in der durch Reflektion, Spiegelbild, kein Narr durch Ehrlichkeit sein Gesicht verliert.
Doris Mock-Kamm