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Wenn zu Ostern nur noch der Schokohase herhält
Wer hat sich nicht schon gefreut, was in der Regel ohnehin höchst selten vorkommt, einmal einen leibhaftigen Feldhasen zu Gesicht zu bekommen. Die meisten erschraken dann viel eher ob dessen stattlicher Größe, weil die Bilder im Kopf vom niedlich flauschigen, wesentlich kleineren Kaninchen.
Feldhasen dank Lebensraumverlust bald endgültig verdrängt, lediglich zu Ostern nur noch der Schokohase herhält, weil Meister Langohr nicht mehr durch Feld und Wiesen hakenschlagend unterwegs? Der Mensch ist ihm wohl doch zu dicht auf die Pelle gerückt.
Scheu, dämmerungs- und nachtaktiv ist der Lepus europaeus
So die lateinische Bezeichnung für den Feldhasen, die wohl größte Hasenart Europas. Immerhin können sie vom Kopf bis zum Schwanzansatz gar 70 cm groß werden, wobei ihr Schwanz selbst eine Maximallänge von 13,5 cm erreichen kann. Während das dämmerungs- und nachtaktive Tier bei Gefahr sich eher bewegungslos an den Boden drückt, möglichst nicht gesehen werden will, schnellt es im allerletzten Moment hervor, um mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h wegzurennen, dabei ohneweiteres obendrein hakenschlagend es Freßfeinden wie dem Fuchs erst recht schwermacht.
Doch inzwischen steht auch der Feldhase längst auf der Roten Liste gefährdeter Arten, muß sich einreihen als Opfer menschengemachter Lebensraumbeschneidung.
Welche Möglichkeiten verbleiben noch, den Rückgang zu stoppen?
Zunächst sollten ganz deutlich die Gründe seiner Verdrängung benannt werden. Zum einen trägt die intensive Bebauung und damit die einhergehende Zerstückelung der Landschaft erheblich dazu bei, seinen Lebensraum einzuengen. Zum anderen spielt die intensive Landwirtschaft eine tragische Rolle, weil Kunstdünger, aber vor allem Pestizide ihm erheblichen Schaden zufügen, die Perversion der konventionellen Agrarwirtschaft belastet daher auch den Feldhasen.
Bedenken wir, diese Tiere ernähren sich bevorzugt von Grünpflanzen sowie Wurzeln und Knollen, aber auch Getreide. Im Winter dient ihnen die Rinde junger Bäume, was den Förster wiederum dazu veranlaßt, diese mittels Maschendraht vor Wildfraß zu schützen.
Während weiterhin erst recht Monokulturen dem Feldhasen keineswegs hilfreich sind, so vermag eine Extensivierung der Landbewirtschaftung als auch die Bepflanzung von Hecken, so wie dies früher sowieso der Fall war, diese gar großartigen Schutz boten vor Sturm und Schneeverwehungen, und das Anlegen von Blühstreifen durchaus hilfreich sein. Dadurch haben die Feldhasen wieder ein reichhaltigeres Nahrungsanbebot und Chancen, sich besser zurückzuziehen.
Lotar Martin Kamm