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Naturschutz hat sportlichen Kommerz zu weichen
Allein schon die Formulierung Naturerlebnispark in Verbindung mit dessen Folgen, die unweigerlich ziemlich belastend eintreten, zeigt die kaltschnäuzige Ignoranz auf, die dessen Initiatoren und daran beteiligte Firmen im Zusammenspiel mit verantwortlicher Politik an den Tag legen. Wer Naturschutz sich auf die Fahnen schreibt, sollte ihn auch strikt einhalten.
Davon scheint der geplante „Bike und Naturerlebnispark Idarkopf“ im FFH Gebiet „Idarwald“ und in der Kernzone des Naturparkes „Saar-Hunsrück“ weit entfernt zu sein. Es zählt wie immer bei derartigen Bauvorhaben der profitable Nutzen, dem insofern besonders Wildkatzen zum Opfer fallen, die jüngst gestartete Petition des Vereins Rettet den Regenwald weist eindringlich auf die Mißstände hin.
„Downhill-Trails“ durchziehen das Schutzgebiet
Hinzu kommen ein Event- und Campingplatz, Berg- und Talgastronomie, ein Schlepplift sowie ein Transportband, Parkplätze und andere Einrichtungen zur geplanten Infrastruktur. Dann wird das eigentliche europäische Schutzgebiet seiner Funktion nicht mehr gerecht. Das gesamte Plangebiet umfaßt eine Fläche von 90 ha, wovon der weitaus größere Teil von 70 ha im Wald liegt.
Von Schutzvorgaben kann tatsächlich nicht die Rede sein. Das Gegenteil ist somit zu befürchten. Allein schon die zu erwartenden jährlichen 27.000 Besucher deuten auf den großen Andrang hin, wobei die Planer selbst nach fünf Jahren mit einer Verdoppelung gar rechnen. Erfahrungsgemäß wird ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der Mountainbiker Schäden in der Natur verursachen, weil sie eben das Weggebot schlichtweg mißachten.
Europäische Kommission leitete Vertragsverletzungsmaßnahmen gegen Deutschland ein
Es sei seinen Verpflichtungen gemäß den EU-Vorschriften zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume und geschützten Arten nicht genügend nachgekommen. Sie sind Teil des Natura-2000-Netzes, welches seit 1992 nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG, kurz FFH-Richtlinie) errichtet wird.
Nachdem das vom Aussterben bedrohte Westliche Haselhuhn in der Vergangenheit im FFH-Gebiet nachgewiesen wurde, betrifft es beim „Bike und Naturerlebnispark“ die europäische Wildkatze. Welch Hohn, denn im letzten Jahr wurde sie noch seitens der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres benannt. Obwohl sie nach wie vor auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft wird, unterstützt die regionale sowie bundesdeutsche Politik jenes Bauvorhaben. Ein Widerspruch zu europäischen Naturschutzrichtlinien. Erneut entscheidet der Profit, der sich über sie stellt. Völlig berechtigt reichen Naturschutzverbände Klagen ein.
Lotar Martin Kamm