
Bild von Engin Akyurt auf Pixabay
Ich nenne sie mal Lotte,
längst habe ich ihren Namen,
genauso wie sie vergessen,
Plastiktüten erinnerten mich an sie.
Wir trafen uns in der U-Bahn,
überfüllt um diese Uhrzeit,
mit vielen Taschen behangen
drängte sie sich neben mich.
Beim Aussteigen klebten wir an uns
wie die Zungen an gefrorenem Eisen,
auf dem Bahnsteig entwickelten sich
unsere Körper und die ersten Worte.
Taschen, Plastiktüten, kleiner Koffer,
Handtasche, dicker Mantel, Schal, Hut,
warme Stiefel, mitten im Sommer,
gedrückt und trotzdem fröhlich wirkte sie.
Kannst du den mal kurz festhalten,
sie reichte mir den abgewetzten Koffer,
wo habe ich bloß den Haustürschlüssel,
er steckte in einem ihrer Handschuhe.
Haste Zeit, könnte Hilfe gebrauchen,
schon hatte ich zwei Tüten in der Hand,
wohn nicht weit von hier, sind gleich da,
und ich trottete folgsam neben ihr her.
Die Wohnung karg eingerichtet, fast leer,
das Wichtigste ist immer bei mir,
man weiß ja nie, wann die Bomben fallen,
Lotte, fast 70-jährig, traf ich 1984 in Berlin.
Doris Mock-Kamm