Weltschmerz alles andere als ein Phänomen


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Warum aufgeben, wenn noch Hoffnung besteht?

Wir leben in sehr gefährlichen Zeiten. Diesen Satz haben sich wohl schon Hunderte von Generationen in allen möglichen und unmöglichen Lebenssituationen zugeraunt. Und in den allermeisten Fällen muß man ihnen durchaus Recht geben, ganz besonders wenn Krieg und Elend im Spiel waren. Die Menschheit hat es bis heute nicht verstanden, ihre Welt wirklich nachhaltig harmonisch zu gestalten, sondern ganz im Gegenteil, in sämtlichen geschichtlichen Epochen waren stets Krieg und Zerstörung ein ständiger Begleiter.

Eine Welt des Schreckens, obwohl das Paradies vor der Haustür? Man möchte am liebsten vor lauter Weltschmerz resignierend sich total zurückziehen, gleichzeitig bei einem Restfunken Optimismus die berechtigte Frage stellen: Warum aufgeben, wenn noch Hoffnung besteht?

Desinteresse eine gefährliche Einstellung

Wer tatsächlich glaubt, es sei damit getan, sich einfach nicht einzumischen bzw. zu kümmern, um die Belange seiner eigenen kleinen Welt, verkennt die eigentlichen Zusammenhänge des Lebens selbst! Alles Leben ist miteinander verbunden, das bedeutet, niemand vermag sich wirklich zu isolieren, von den paar Eremiten, die sich auf einer einsamen Insel, mitten im undurchdringlichen Dschungel oder sonst wo an sehr dünn besiedelten Orten der Welt zurückgezogen haben, um allein ohne Kontakt zur menschlichen Außenwelt zu existieren, mal abgesehen.

Kaum jemand möchte mit ihnen tauschen, weil ein solcher Weg mit extremen Entbehrungen verbunden. Aber der ganz große Rest der Menschheit versucht ständig, miteinander auszukommen, die gegenseitige Abhängigkeit kommt ziemlich klar zum Vorschein. Unser Leben ist Politik selbst, und gerade deshalb bleibt denjenigen, die die Möglichkeit haben, sie mitzugestalten, nichts anderes übrig, als das Bestmögliche zu erreichen.

Warum also Desinteresse, diese gefährliche Einstellung, mit der ganz besonders Politikverdrossenheit sich ausbreitet? Eine nicht zu unterschätzende Mischung, bei der extreme Gruppierungen profitieren, die alles daransetzen, jene resignierenden Menschen zu erreichen, mit welchen simplen oder nicht gleich einfach zu durchschauenden Mitteln auch immer.

Jean Pauls Weltschmerz einmal „entlassen“ auf der Reise?

Es war der 1825 in Bayreuth geborene Johann Paul Friedrich Richter, der sich zu Ehren von Jean-Jacques Rousseau schon in jungen Jahren fortan Jean Paul nannte, der den Begriff „Weltschmerz“ prägte. In seinem letzten Werk „Selina oder über die Unsterblichkeit“ weist er auf den Weltschmerz hin: „Nur sein Auge sah alle die tausend Qualen der Menschen bei ihren Untergängen. Diesen Weltschmerz kann er, so zu sagen, nur aushalten durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet.“

Später bedienten sich ebenso zwei große Schriftsteller der deutschen Literatur des Weltschmerzes, nämlich Heinrich Heine und Thomas Mann. Einmal „entlassen“ und auf der Reise mag der Begriff selbst all das zusammenfassen, was uns Menschen bewegt, wenn wir resignierend, nahezu ohnmächtig zuschauen müssen, was da alles verkehrt läuft in der Welt, ohne selbst im Namen des Humanismus real eingreifen zu können.

Nur ein Zahnrad im Getriebe – die Stärke des kollektiven Bewußtseins

Hoffnung vermag ein Strohhalm sein, an dem sich festzuhalten, vielleicht eine zeitlang Sinn machen kann, bevor man gänzlich in Pessimismus verfällt. Auf Dauer wird sie allerdings nicht ausreichen, weil klare Taten folgen müssen. Sicherlich mögen wir uns als Zahnrad in einem gigantischen Getriebe fühlen, wo der Einzelne scheinbar gar nichts auszurichten vermag. Doch diejenigen sollten mal einen scharfen Blick zu den Eliten richten, die ebenso nur aus einzelnen Individuen bestehen, aber als zusammenhaltende Gruppe selbst großen Einfluß und Macht ausüben. Es gilt daher, daß die vermeidlich Schwächeren ein kollektives Bewußtsein erkennen, entwickeln und einsetzen, bevor sie sich restlos „versklaven“ lassen, wie dies bisherig knallhart geschieht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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