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Etliche Arten auf der Roten Liste
Vorurteile tragen oftmals in der Tierwelt dazu bei, daß bestimmte Tierarten als gefährlich für den Menschen betrachtet werden, obwohl sogar das Gegenteil der Fall. Dies gilt ebenso für eines der größten Insekten in Mitteleuropa, den Libellen (Odonata), die weder stechen noch beißen, sich viel eher somit als ungefährliche Flugakrobaten mit höchstem Sehvermögen auszeichnen. In Luxemburg wurde ihnen der Name „Siwestécher“ (Siebenstecher) angedichtet, weil mit sieben Libellenstichen ein Mensch sterben könne. Doch wo kein Stachel, kann kein Stich erfolgen!
Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 km/h haben selbst 40 Meter weit entfernt sitzende Fliegen keine Chance, zumal manche Arten an die 30.000 Einzelaugen, zu den sogenannten Facettenaugen zusammengesetzt, verfügen, mit denen ein Entrinnen kaum noch möglich wird. Dennoch meinten schon in der Vergangenheit die Medien, die Angst in der Bevölkerung unnötig zu schüren, wie z.B. eine Meldung vom 28. Juli 1989 der Deutschen Presseagentur (dpa) in den „Badischen Neuesten Nachrichten“, wo es hieß: „Invasion in Turin – Libellen verbreiten Angst und Schrecken“ sowie BILD mit folgender Meldung vom 11. Juli 1997 maßlos überzogen schrieb: „am Müritzsee vertrieben riesige Libellen die Badegäste … Zehntausende 18 Zentimeter große Libellen stürzten sich mit Tempo 100 auf die Badegäste … und lösten Panik aus“.
Die noch vor 23 Jahren als „Insekt des Jahres“ gewählte Plattbauchlibelle zählt zu den rund 5.680 Arten (Stand 2008), wobei hierzulande 80 Arten vorkommen, 29 Arten aus der Familie der Kleinlibellen (Zygoptera) und 51 Arten aus der Familie der Großlibellen (Anisoptera). Libellen überqueren durchaus den Atlantik in einer Flughöhe von 2 km, verharren beobachtend im Flug oder fliegen sogar rückwärts, die größten Arten erreichen gar eine Flügelspannweite von 19 cm.
Dabei haben Libellen ohne weiteres in spirituellen Kreisen eine ganz besondere Bedeutung, zählen zu den Krafttieren, stehen für altes Wissen oder Weisheit, für Farbe und Licht, Botschafterin, Erinnerung an geliebte Verstorbene und Vorfahren. Symbolisch gelten sie als Verbindung zur Anderswelt, als Elfen oder Feen.
Traurige Schattenseite dieser wunderschönen Insekten: Über die Hälfte der in Deutschland lebenden Arten sind auf der Roten Liste in verschiedenen Gefährdungskategorien verzeichnet. Als Hauptgrund kommt die Absenkung des Grundwasserspiegels in Frage, aber auch die weiterhin stattfindende Entwässerung der Hochmoore, Bachbegradigungen sowie -befestigungen, die generelle Gewässerverschmutzung und nicht zuletzt der Klimawandel tragen entscheidend dazu bei, die Libellen zu gefährden. Vor 360 bis 300 Millionen Jahren trat die uralte Tiergruppe der Libellen bereits auf, manche erwachsenen Insekten verfügten über eine Flügelspannweite von 75 cm. Und nunmehr trägt Mensch dazu bei, ihnen den Lebensraum zu nehmen.
Im Jahre 1834 schrieb Karl Friedrich Hartmann Mayer folgendes Gedicht:
An die Libelle
Libelle, Jungfrau ohne Tadel,
Die das metallne Blau der Nadel
Am Bachgebüsche heftet an,
Was Wunder, dass dein Tun der Freude,
Den Mai zu schmücken mit Geschmeide,
Am jungen Gott nicht enden kann!
Lotar Martin Kamm
Kategorie: Naturschutz