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Emma saß am Straßenrand,
den Trauring in der Hand.
Die Schokolade schon gegessen,
weil sie ihre Jacke vergessen.
Trübsinnig starrte sie aufs Pflaster,
Tropfen schleuderte ein Laster
gegen ihr verweintes Gesicht,
doch das störte sie nicht.
Den Schirm unterm Arm geklemmt,
den Kopf leicht nach vorne gesenkt,
um sich vor dem Regen zu schützen,
suchte sie einen Weg entlang der Pfützen,
damit nicht noch ihre Socken naß würden
zur anderen Straßenseite, nach drüben.
Der Weg nach Hause war nicht mehr lang,
doch war es ihr bei der Vorstellung bang,
den Trauring, den sie so sehr liebte,
allein bei dem Gedanken schon vermißte,
es ihr nicht möglich war, ihn zu behalten.
Sie las die Gravur „E. von Salten“
während des schweren Gangs nach Haus.
„Paß doch auf kleine Maus!“,
pöbelte ein vorbeieilender Passant,
lächelnd zu ihr hingewandt.
Die weiße Hochzeit, Kutsche, Gratulanten
durch diesen Satz verschwanden.
Sie hörte die Worte, kaum die Türglocke läutete:
„Liebes, du kommst aber spät heute!“
„Du bist ja völlig durchnäßt!
Warum hältst du die Faust so gepreßt?“
„Ich hab an der Straße was gefunden,
ging mit dem Kopf nach unten,
weil der Schirm kaputt gegangen,
da hab ich ihn mitgenommen,
da ist was tätowiert.“ „Graviert“, mein Schatz.
„Mama, wenn ich groß bin, soll ein ganzer Satz
in meinem Ring zu lesen sein:
Emma ist jetzt nie mehr allein!“
Nafia