Hauptsache quertreiben

Sie haben das Bedürfnis,
ihre Meinung sagen zu müssen,
zu demonstrieren, wo immer möglich,
lauthals Menschen anzuspucken,
Galgenschilder hochzuheben,
die Kanzlerin zu verdammen,
auf Grundrechte zu pochen,
Masken tragen zu verweigern,
von Verschwörungen zu faseln,
rücksichtslos andere zu gefährden,
Covid-19 als Lüge hinzustellen,
von Propaganda zu schwafeln,
während die Zahlen der Infizierten
stetig steigen,
immer mehr Tote zu beklagen sind.

Lotar Martin Kamm

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Bereicherung auf höchstem Niveau

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Armut nimmt zu

Immer diese Rücksichtnahme, dieses vorsichtige Anfassen mit Samthandschuhen sollte endlich ein Ende finden, weil im umgekehrten Fall mit vielen Menschen alles andere als fair umgegangen wird. Nennen wir doch das Übel beim Namen. All jene, die kaltschnäuzig ohne jedweden moralischen Zweifel sich an der Arbeit der Menschen bereichern, diese obendrein noch verhöhnen, ob sichtbar in aller Öffentlichkeit oder versteckt im Hintergrund.

Wir sprechen folglich genau von denjenigen, die über das meiste Kapital verfügen, eine Minderheit. Sie selbst bestimmt den Verlauf der Weltpolitik, die Rechnung, daß Geld die Welt regiert, entspricht der Tatsache, an und für sich nichts Neues.

Die Dekadenz lesen wir auch in der Presse

Wer den menschlichen Fortschritt analysiert, sollte dabei wirklich alle Umstände auf den Tisch packen und schon gleich gar nicht eine Polemik aufbauen, die darauf zielt, mit einfachen Mitteln die Menschen zu verunsichern, während die eigentlichen Verursacher mal wieder unbenannt bleiben. Allein schon die Überschrift, die Zeit des Massenwohlstands ist vorbei, offenbart eine irreführende Denkweise und Behauptung in diesem Artikel. Es gab noch nie einen Wohlstand für die Masse, es sei denn, man unterstelle ihr, sie sei selbst verantwortlich für die weltweite Ausbeutung aller Ressourcen.

Die Masse der Menschen im sogenannten „reichen Westen“ war immer denjenigen dienlich, die davon profitierten und sich dadurch einen unverhältnismäßig großen Wohlstand aufbauen konnten. Aber das verschweigt der Autor, stattdessen läßt er ausgerechnet China sprechen und bestätigt dessen Aussage vom Sozialstaat, den wir uns schon lange nicht hätten leisten dürfen und setzt selber noch eins drauf, in dem er meint, unsere westlichen Staaten und Bürger hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Mehrere Millionen Bundesbürger am Rande der Existenz, täglich sogar real ärmer werdend, sind ein Indiz zu mehr Wohlstand, während im nächsten Moment die wiedererlangte Wettbewerbsfähigkeit infolge der Sozialreformen und des Lohnverzichtes der Arbeitnehmer als das Patentrezept hoch gelobt wird? Zynischer geht es wohl kaum, oder?

Anstatt die eigentlichen Verursacher der weltweiten Verarmung zu benennen, zieht es auch hierbei die Presse vor, den Schwarzen Peter den Völkern selbst anzulasten. Es werden sozialdemokratische Reformer angesichts der Stutzung des Sozialstaates vielmehr gelobt.

Solange wir den eigentlichen Überreichtum gewähren lassen, ändert sich nichts

Was kann daran so schwer sein, eine weltweit gerechte Verteilung endlich zuzulassen, anstatt weiterhin auf Kosten der Menschen Armut zu pflegen? Ganz banal, eine völlig gleichgültige Lebenseinstellung der Überreichen. Es geht nicht darum, neidisch zu sein, sondern einfach der endlosen Gier die rote Karte zu zeigen und zwar überdeutlich.

Wenn die Menschheit das nicht schafft, wird der Weg der Ausbeutung völlig bedenkenlos fortgesetzt, und willige Medien unterstützen diesen mit billigen Phrasen, Hauptsache der „einfache Bürger“ läßt sich beeindrucken, ordnet sich kleinlaut unter. Dieses perfide „Spiel“ hat auf diese Weise bisher prima funktioniert. Doch in Zeiten demokratischer, meist friedlicher Aufstände sind etliche Zeichen erkennbar, immer mehr Menschen hinterfragen die ungerechten Zustände, artikulieren und fordern ihre berechtigten Menschenrechte ein.

„Zum Reichtum führen viele Wege, und die meisten von ihnen sind schmutzig.“
(Marcus Tullius Cicero)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Immerhin

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nicht
umhin
bin
vorhin
ich gekommen
als
im Streit
mittendrin
er
dorthin
lief
worin
reduzierte
Maschinen
darin
lagen
daraufhin
verließ ich
ihn
immerhin
ergab
darin
der Streit
seinen Sinn

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Als es zu früh war

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Kein Gedanke entschlüpfte
dem frühlingshaften Schmerz,
blindes Gefühl der Enge
auf einem durchnäßten Seil,
wolkenverhangen die Enden,
ein wissendes Erkennen
streifte meine Wangen
im Himmel gibt es Engel.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Am Leben vorbei

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Ein Kommen und Gehen
wir uns betrachten dürfen,
viele das unbedingt wollen sehen,
dabei gar Champagner schlürfen.

Die Quoten entscheiden das Programm,
ob uns das gefällt oder auch nicht.
Reaktionen einfältig und lahm
in allen Größen bis zum Wicht.

Von der Glotze zur Politik,
der Unterschied nicht allzu groß.
Große Monitore gelten als besonders schick.
Was ist da nur in den Köpfen los?

Unterhaltungswerte auf flachem Niveau,
Hauptsache Action und Gewalt haben ein Ventil.
Zuviel Ablenkung dabei, gar bis ins Klo.
Wohin führt uns dieses denkwürdige Ziel?

Abgestumpft, emotionslos der Fernsehkonsum,
vergessen das Leben in der Natur,
manch einer fragt sich, was tun.
Wer durchbricht jene Struktur?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Kinder

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Sie lieben es,
in deinen Augen einzuschlafen,
jeder Lidschlag
das zärtliche Streicheln
über ihr Gesicht.

Sie lieben es,
in deinen Augen einzuschlafen,
jeder Lidschlag
das sanfte Wiegen
ihrer Lebenssicht.

Sie lieben es,
in deinen Augen einzuschlafen,
jeder Lidschlag
das wachsame Sorgen
ihrer Seelenschicht.

Sie lieben es,
in deinen Augen einzuschlafen,
jeder Lidschlag
das beruhigende Lösen
der Ängste Gewicht.

Sie lieben es,
in deinen Augen einzuschlafen,
jeder Lidschlag
das vertrauliche Willkommen
im Schatten und Licht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Vom Neoliberalis politicus

Eine Berufsgattung der besonderen Art

Selbstverständlich erhebt der folgende Bericht keinerlei wissenschaftlich fundierten Anspruch, aber hegt die Gewißheit, daß jede Menge aufopferungsvolle Beobachtungsgaben ihm vorausgingen. Als die ahnungslosen Eltern ihren Filius auf Erden empfingen, nannten sie ihn zugleich Guido (etwaige Ähnlichkeiten oder Assoziationen zu lebenden oder verstorbenen Personen sind als rein zufällig zu betrachten). Schon zu Beginn der Schulzeit, das Baby- und Kleinkindalter haken wir als üble Notwendigkeit der Persönlichkeitsfindung ab, stellte sich ziemlich schnell heraus, mit welchen Strategien Klein-Guido im Klassenverband agierte. Oberstes Ziel war natürlich, Klassenprimus zu sein.

Dabei verstand er es bereits ziemlich gut, einerseits seine Mitschüler stets zu verraten, wenn diese dem Unterricht nicht gehorsamst folgten, man nennt es auch petzen, andererseits traute sich kein Opfer, nach Schulschluß die gängige Überzeugungsarbeit ihm angedeihen zu lassen. Kurz ausgedrückt, ihn zu verprügeln. Wie hat Guido denn das bewirken können, fragen Sie sich jetzt? Genau hierbei zeichnete sich eines der wesentlichen brauchbaren Eigenschaften für die Laufbahn als Neoliberalis politicus aus. Scheinbar Mächtige umschmeicheln und mögliche Konkurrenten ausschalten, Hauptsache man selbst steht immer gut da. Und weil unser Primus die Gunst der Lehrer breitgefächert genoß, wurde seinen Ausführungen und Meinungen meistens viel Raum gelassen.

Diesen benutzte er fortan voller Enthusiasmus, um somit den Grundstein seiner rhetorischen Übungen zu setzen. Er durfte einfach, im Gegensatz zu seinen Mitschülern. Diejenigen, die ihm ans Leder wollten, hatten zunächst es erst mal mit seiner „Security“ zu tun, die meist aus Mitläufern bestand oder aber per einfacher Bezahlung geschmiert wurde. Dazu muß erwähnt werden, daß seine Eltern entsprechend finanzkräftig ausgestattet waren, eine unabdingbare Voraussetzung zur Wandlung zum Neoliberalis politicus. Elitedenken braucht eben nicht geimpft zu werden, sondern stellt eine Selbstverständlichkeit dar.

Wenn Sie nunmehr vermuten, Guido hätte sich während seiner Oberstufenzeit im Gymnasium als Klassen- oder Schulsprecher versuchen wollen, so muß ich Sie leider enttäuschen. Diese Arbeit blieb den sozial human eingestellten Mitschülern überlassen. Für solche Gedanken oder gar Taten durfte natürlich kein Podium geschaffen werden. Vielmehr war er bestens bei den Jungen Liberalen aufgehoben und das gleich im Alter von 14 Jahren, um möglichst schnell die Hürden der Parteihierarchie zu meistern.

Der Grundstein zur steilen Karriere zum Neoliberalis politicus war gesetzt. Wer sollte ihn noch aufhalten? Was bereits schon sehr früh begonnen hatte, treffsicher die Ellenbogen einzusetzen, verstand er nunmehr brillant umzusetzen. Jeder mögliche Konkurrent wurde kurzerhand weggemobbt, einzig und allein das Ziel zur Parteispitze vor Augen beflügelte seinen sturen Kurs. Minderheiten, Schwächen und soziale Mißstände hatten genausowenig im politischen Kalkül eine Berechtigung wie jedwede Zweifel am neoliberalen Kurs.

Das Hofieren der willigen Lobbyisten stets vor Augen ließ jede Kritik an seiner Politik abperlen, selbst Wählerstimmenverluste ließen ihn kalt. Was einmal für gut befunden, dem mußte sich alles beugen, selbst wenn manche Opfer in den eigenen Reihen vorhanden. Einem geradlinigen Neoliberalis politicus kann nichts und niemand erschüttern. Denken wir nur an seine großen Vorbilder: den Hans-Dietrich, den Walter, die Hildegard oder den Klaus.

Neben dem Neoliberalis politicus hat hierzulande die Bevölkerung auch den Sozialis politicus, den Christialis politicus und den Viridis politicus zu ertragen, wobei es ohne weiteres vorkommen kann, daß die anderen neoliberale Tendenzen aufweisen, bis hin zu brüderlichen Kurzschlußhandlungen neigen, weil Macht solche Verfehlungen mit sich bringt. Diese Nazis im Deutschen Bundestag lassen wir mal außen vor, weil sie nicht als politische Kraft zu betrachten sind!

Besorgten Eltern, die sich jetzt schon Gedanken und Sorgen machen, wie es denn zu verhindern sei, daß ihre Kinder zu Neoliberalis politicae heranwachsen, sei ein ganz einfaches Rezept empfohlen: Klassenbesten ohne Veilchen oder Blessuren sofort das Taschengeld entziehen, bei überdeutlicher Rhetorik PC-Verbot und Bücherverbrennung, frühe Förderung sozialer Mitmenschlichkeit. Einfach mal ein Praktikum bei einem Streetworker absolvieren lassen, ein Urlaub in einem besetzten Haus, bei Demos sie mitnehmen.

Es bleibt zu hoffen, daß diese Menschenspezies schon sehr bald als Paradebeispiel einer politischen Fehlentwicklung in Geschichtsbüchern zu lesen sein wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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