Weltgeschehen keineswegs hilflos im Taumel böser Kräfte

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Loslassen und Geist selbst verinnerlichen

Lange Schatten finden unwillkürlich Wege der Selbstfindung im stillen Dasein grausamer Erinnerungen, die schier nie endenwollend den Geist böser Zungen beflügeln. Ausgesprochene, auf eine immerwährende Reise entsandte Worte verselbständigen sich ohne jedwede Gesetzmäßigkeiten, die Anarchie des Chaos sucht sich bedingungslose Wege der Entfaltung.

Darf das angeblich höchste Wesen auf Erden solchen Gedankenströmen Glauben schenken? Oder aber vergreift es sich in völliger Selbstüberschätzung am Plan der Schöpfung, der übergeordnet in allem Sein schwingt? Geist schweigt in sich gekehrt, ohne jedwede Regung nach außen, während im Innern Assoziationen einen wahrhaftigen Tanz auf dem Vulkan veranstalten, der in unsichtbaren Analysen versucht, Unbegreifliches wertfrei zu verstehen.

Im stillen Klang, ganz tief in seelenumwogenen Träumen und Wünschen liegt im Verborgenen die klare Sehnsucht nach einem Ausgleich der Kräfte zwischen Gut und Böse. Jene Waagschale sich hin- und herpendelnd das Weltgeschehen entscheidend beeinflußt. Mensch hat es daher selbst in der Hand, sein Dasein zu gestalten, Mutter Erde respektvoll zu behandeln, was oftmals nicht der Fall. Lernende auf einem kosmischen Schiff in den unendlichen Weiten des Alls, unterwegs ohne navigatorische Kenntnisse, außer mit dem dürftigen Wissen, welches der Materie verhaftet?

Erahnen einige wache Geister schon ewiglich den Lauf sämtlicher Geschehnisse, die weit verzweigt sich entfalten müssen, verhaftet die große Masse stets Suchender im Augenblick der Ahnungslosigkeit, um beinahe hilflos ein Stückweit an Orientierung zu gewinnen. Während alle anderen Wesen im Kreislauf natürlicher Gesetze sich anpassend fügen, arbeitet der unruhige Verstand des Homo sapiens pausenlos, um gerade Mal im Schlaf selbst ein wenig zur Ruhe zu erlangen.

Einmal entzündet, gibt es für Gedankenflüsse keinerlei Zurück, sie müssen sich Wege bahnend entfalten, austoben und Spuren hinterlassend stets gestalten, ohne irgendwelche Grenzen, die lediglich seitens kränkelnder Machthaber kurzfristig aufflackern. Geist selbst läßt sich durch gar nichts aufhalten, weil dies einem Stillstand des kosmischen Auftrages gleichkäme, eine Schöpfung niemals zulassen kann.

Das Weltgeschehen somit keineswegs hilflos im Taumel böser Kräfte ausgesetzt, solange sorgsame Wächter scharf beobachtend entsprechend deutlich reagieren, um ein Ausmaß unkontrollierter Entladung zu verhindern. Und sie wirken schon sehr lange, begleiten die Menschheit in respektvoller Distanz, mitten unter ihnen ohne sichtbare Offenbarung. Insofern obsiegt ein Großteil an Gelassenheit, die nicht nur bemüht, friedlich stimmend Gemüter zu beruhigen, sondern obendrein der Welt eine Richtung vorgeben.

Secundum naturam vivere.

Lotar Martin Kamm

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Die Gier des Kapitals als Chance sehen

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Das Kapital lebt vom aggressiven Wachstum. Diesen zu unterbinden, ist die eigentliche Aufgabe der Arbeiterklasse bzw. einer offenen und solidarischen Gesellschaft, welche unweigerlich in einen Sozialismus führt.

Der Ansatz der Revolution wurde von Marx beschrieben, von Lenin und Trotzki, wie zur damaligen Zeit nicht anders zu erwarten, gewaltvoll umgesetzt und im Anschluss von Stalin abgetötet, dessen vermeintlicher Sozialismus (Pseudo-Sozialismus) schon faschistische Züge annahm und sich in anderen Ländern etablierte. So kann man beispielsweise die DDR als stalinistisch, aber nicht kommunistisch oder sozialistisch nach Marx beschreiben. Es gibt zu viele Widersprüchlichkeiten.

Diese wären:
Die Missachtung des obersten Zieles, die klassenlose Gesellschaft
Die Jagd auf Marxisten
Die Diktatur des Lehrmaterials, das nur gewollte Auszüge von Marx enthielt, jedoch niemals Marx im Ganzen.
Ein falscher Nationalstolz der beinahe faschistoid rüberkam

Lenin und Stalin als bekannte Instanz hatten also massive Unterschiede im Verständnis des Sozialismus, verwendeten jedoch wie damals üblich Gewalt als Mittel, was jedoch in Marx seinen Schriften niemals klar definiert oder erwünscht war. So hatte Lenin zwar stets den Sozialismus vor Augen, arbeitete jedoch auch mit Gulags, wie sie europäische Großmächte damals nutzten. Er wählte allerdings im meisten Fall die Arbeit als Pein und nicht den direkten Tod.

Weiterhin übergang er die Epoche des Kapitalismus, sodass das russische Volk vom Zarismus in die Revolution stolperte. Von einer freien Gesellschaft hatte das russische Volk nie gehört und aufgrund des fehlenden Kapitalismus die Ausbeutung des Arbeiters in der freien Marktwirtschaft nicht erlebt. Es fehlte somit ein ganz entscheidender Punkt zum Verständnis der sozialistischen Freiheit oder Freiheit im generellen. Freiheit muss in den meisten Fällen erst neu gelernt werden.

Richtiger wäre es gewesen, einen freien Markt zu schaffen, diesen zu provozieren, man bedenke das Wesen der Gier im freien Markt, und diesen dann schließlich durch einen Automatismus bzw. eine logische, primitive Abfolge zu höchster Macht aufsteigen, sprich gewähren lassen, in welcher er ungebündelt waltet und die Endzeit des Raubtier- Kapitalismus einläutet. Ab da müssen Menschen unter unvorstellbaren Bedingungen arbeiten und leben. Lenin sah leider schon den Zarismus als eine Art Kapitalismus.

Marx sprach davon, dass eine Revolution erst in Folge des enthemmten Kapitalismus möglich ist. Denn eines ist gewiss – der Markt schafft einen grundsätzlichen Standard, der einem Volk zum Wohlstand verhelfen kann. Diesen braucht man auch für einen Sozialismus in der Übergangszeit, da dieser in seiner Form:
1. Nicht auf massive, profitorientiere Güterproduktion ausgelegt ist, sondern die Wirtschaft geplant wird
2. Bereits Marx erwähnte, dass die Revolution von einem wohlständigen Land ausgehen müsse.

Kein Land passt da besser als Deutschland, wenn man sich den zweiten Punkt vor Augen führt. Ein Problem dabei ist die heutige Bequemlichkeit der Menschen in Deutschland, die das Streiken nicht gewohnt sind und auch nicht für ihre Rechte kämpfen müssen. Also muss es einen Punkt geben, welcher die Würde des Menschen missachtet, vom Kapitalismus allerdings gierig angenommen und manifestiert wird. Dieser ist die totale Überwachung.

Es ist also unsere Aufgabe, die totale Überwachung zu provozieren, sodass sich Widerstand regt. Das Endzeit-Szenario ist die bargeldlose Kartenzahlung, in der jegliche Unternehmen und Krankenkassen unsere sensibelsten Daten auslesen könnten. Das will niemand, hier gäbe es Widerstand. Ein gewalttätiger Widerstand ist zu verachten, denn durch das heutige Geflecht von NATO und Co. würde dieser innerhalb von Tagen niedergeschlagen sein und viele sinnlose Opfer fordern.

Genau dieser Widerstand muss darin münden, bzw. dahingehend unterstützt werden, dass eine Parralelgesellschaft gegründet wird. Die grundsätzlich entscheidenden Faktoren sind für diese Form der Revolution schon gegeben, der Mensch möchte sein Leben zurück. Gerade der Europäer, erst recht der Deutsche liebt seine Freiheit wie kein anderer, er hat sie auch wie kein anderer.

In dieser Parallelgesellschaft muss eine Art Schenkökonomie präsent sein. Diese muss sich dadurch auszeichnen, dass eine Leistung zwar vollbracht wird, aber das Geschenk eine Ware ist. Somit kann der Geschäftsmann die Kosten vorübergehend decken, weil er keine Kosten am Arbeitnehmer hat, gleichzeitig profitiert der Helfer vom begehrten Produkt. Natürlich kann das nur eine kurzzeitig begrenzte Aktion sein, denn Arbeitsplätze könnten gefährdet sein. Diese Zeit reicht aber aus, um Banken zu ruinieren.

Nun kann man eine geldlose Gesellschaft anstreben oder eine geschwächte Regierung absetzen. Es ist ein zweischneidiges Schwert, welches die Linke führen müsste oder sie wäre in der Lage, diese Aufgabe an andere politische Lager abzugeben und rechtzeitig die Macht zu ergreifen.

Nils Rudolph

Der erste Teil zum Thema:
Die Überwachung durch das Kapital als Chance betrachten

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Das geschriebene Wort fesselt den Gedanken – ein Interview mit Susi Kra

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Über „Stille Helden“ und die Sängerin von „Jetzt und Wir“

Die Musikbranche tummelt sich bunt, mal leise oder laut, hat es jetzt besonders in Coronavirus-Zeiten auch nicht gerade leicht, das gilt aber letztlich für alle Kulturschaffenden sowie all diejenigen, die mitarbeiten, die Techniker und vielen Helferlein.

Einerseits vermag man für sich allein das Schicksal in die Hand nehmen, um Widrigkeiten zu meistern, was etliche durchaus genauso vollziehen, andererseits suchen einige Wege, sich zu artikulieren, nicht im Stillen zu verharren, sondern nach außen zu gehen, um mit Gleichgesinnten Aufmerksamkeit zu erlangen.

So auch Susi Kra, Musikerin und Partnerin in Crime, dabei unbedingt politisch aktiv, wie sie selbst in ihrer Homepage betont. Bei genauerem Reinschauen fällt der Reiter „Stille Helden“ ins Auge, läßt aufhorchen mit der Beschreibung, den Blickwinkel der Gesellschaft auf Familien mit kranken oder behinderten Kindern zu richten. Grund genug auch für uns, in diesem Interview ihr Schaffen zu vertiefen.

Lotar Martin Kamm: Beim Stöbern auf deiner Seite fällt sofort auf, daß du ziemlich aktiv unterwegs bist als Mutter einer behinderten Tochter, Musikerin und Initiatorin von dem Projekt „Stille Helden“. Magst du berichten, welche Beweggründe dich veranlaßten, so forsch nach außen aktiv zu werden?

Susi Kra: Bis meine Tochter mit einem schweren Genfehler zur Welt kam, hatte ich überhaupt keine Berührungspunkte zu Menschen mit Behinderung. Als sie geboren wurde, machte mich das von jetzt auf gleich zur 24h Pflegekraft. Ich lernte Magensonden zu setzen, Spritzen zu verabreichen, Medikamente abzumischen. Ihr Zustand war schlecht, und wir haben jahrelang nicht mehr als ca. 2 Stunden am Stück geschlafen, weil sie auch nachts medizinisch versorgt werden musste. In der Innsbrucker Kinderklinik waren wir Stammgäste.

Von der ehemals optimistischen und aktiven Frohnatur, die ich war, wurde ich in kurzer Zeit zum seelischen und körperlichen Wrack. Ich erfuhr am eigenen Leib, wie unsichtbar Familien wie die unsere in der Gesellschaft sind, wieviel an Bewusstsein und Unterstützung fehlt und welche furchtbaren Bilder von Behinderung noch immer in den Köpfen der Menschen stecken. Mehr als einmal bekam ich die Frage, warum ich denn nicht abgetrieben hätte. Die Menschen verstehen nicht, dass nicht das Kind oder die Behinderung an sich das Problem sind, sondern die teilweise katastrophal vorsintflutlichen Umstände, die im Bereich “Pflege und Behinderung” herrschen. Ein Beispiel: Statt Eltern bei der Einstellung einer Pflegekraft für die häusliche Versorgung ihres Kindes zu unterstützen, wird ihnen in Tirol lediglich ein Heimplatz finanziert. Das muss man sich vorstellen: Statt mir die Pflege daheim zu ermöglichen, wird mein kleines, krankes Kind (wir reden hier von Kleinkindern) in ein Heim abgeschoben!

Als dann im März dieses Jahres in Österreich der erste Lockdown beschlossen wurde, nahm – wen wunderts? – niemand Rücksicht auf Familien mit behinderten Kindern. Wochenlang fielen ihnen wichtige Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten alternativlos einfach weg. Das sind keine Freizeitbeschäftigungen, sondern grundlegende Notwendigkeiten, um die Kinder körperlich und geistig schmerzlos und aktiv zu halten. Eltern, zumeist Mütter, mussten von jetzt auf gleich Homeoffice, Homeschooling mit den Geschwistern und 24h Pflege für ihr krankes Kind zuhause unter einen Hut bringen. Sie kamen schnell weit über die Grenzen des Belastbaren, doch das interessierte niemanden. Denn, wie gesagt, selbst in Nichtkrisenzeiten ist die Unterstützung für solche Familien durch die öffentliche Hand beschämend restriktiv.

Ich war zornig, dachte mir aber, ich will diese ganze Energie nicht in bloßer Wut verpuffen lassen, sondern nutzen. Deshalb gründete ich das Kunstprojekt “Stille Helden”, schrieb und nahm den gleichnamigen Song als Aufhänger mit MusikerInnen aus der ganzen Welt auf, baute eine Homepage, eröffnete eine Facebookgruppe. Alles mit dem Ziel, Familien mit kranken und behinderten Kindern eine Stimme und eine Plattform zu geben, um sie sichtbarer zu machen.

Lotar Martin Kamm: Wie muß man sich das vorstellen mit der Genmutation? Besteht da Hoffnung, daß sich für deine Tochter später manches verbessert?

Susi Kra: Die Genmutation betrifft verschiedene Bereiche ihres Körpers, aber im Besonderen ihr Herz und ihre Leber. Der Gesundheitszustand meiner Kleinen wurde vor ein paar Jahren so schlecht, dass sie eine Lebertransplantation benötigte – ein riesen Unterfangen, denn sie war sehr klein und die 12-stündige Operation mit vielen Risken behaftet. Auch die medizinische Vor- und Nachbetreuung ist nicht ohne. Doch wir hatten unbeschreibliches Glück, weil wir einen der führenden Spezialisten auf diesem Gebiet und eine hervorragende Betreuung in der Klinik in Innsbruck haben. Unsere Tochter hat alles gut überstanden und heute, einige Jahre mit vielen ups and downs später, geht es ihr gut. Sie wird zwar ihr Leben lang in ein paar Bereichen eingeschränkt sein, bzw. muss viele Medikamente nehmen und immunsupprimiert werden – weshalb sie auch zur Risikogruppe gehört -, aber es geht bergauf. Sonst hätte ich mich auch nicht erholen können und keine Kraft für meine jetzigen Projekte.

Lotar Martin Kamm: Von wegen banales, deine Formulierung „Das geschriebene Wort fesselt den Gedanken“ war offensichtlich die Initialzündung für dich, die eigene Lebensperspektive zu hinterfragen, zu ändern, oder?

Susi Kra: Ja. Bevor das alles passiert ist, in meinem früheren Leben quasi, war ich in vielen Bereichen sehr kreativ unterwegs, hab Musik gemacht, getextet, designt, genäht, fotografiert. Weniger als Ventil, sondern aus dem inneren Bedürfnis heraus, die Ideen, die in meinem Kopf wuchsen, Wahrheit werden zu lassen.

Als meine Tochter zur Welt kam, änderte sich mein Leben in jedem Winkel. Man kann sich nur schwer vorstellen, was so etwas mit dem Körper und der Seele einer Mutter macht, bis man es selbst erlebt. Nachdem ich auf die harte Tour gelernt hatte, was es bedeutet, dem Leben ausgeliefert zu sein, war ich verwundet, verbittert und hatte Angst. Als ich eines Tages völlig erschöpft am Boden in meinem Badezimmer saß und noch schnell einen Termin am Handy eintragen wollte, fiel mir auf, dass alles, was ich schreibe, ja dort in sicherem Abstand gefangen war. Mehr reflexartig als aktiv gewollt, setzte ich dem Gedanken, der so allein dastand, einen Reim als Begleiter darunter und erkannte damit eine essentielle Wahrheit: Ich kann Tatsachen in einer Form festhalten, die mir die nötige Sicherheit verschafft, um zu entscheiden, wie ich sie wahrnehme. Dieser Blickwinkel gab mir eine neue Richtung und motivierte mich. Ich schrieb mir die ganze harte Realität in meine selbst erschaffenen, verrückt-verkehrten Gedankenwelten, in denen ich die Möglichkeit habe, mein Leben liebevoll wahrzunehmen. So wurde ich Ballast los und konnte wieder aktiv werden.

Lotar Martin Kamm: Gibt es bereits erste Erfolge? Und inwiefern reagiert die Politik selbst, wenn du Mißstände ansprichst?

Susi Kra: Mehrere Medien, darunter auch die Tiroler Tageszeitung und die ORF Abendnachrichten “Tirol Heute” haben bereits über das Projekt berichtet. Ich fand Kooperationspartner und hatte Gespräche mit VertreterInnen des Sozialministeriums und anderen politischen EntscheidungsträgerInnen in Tirol. Einige fühlen sich natürlich auf die Füße getreten, aber die meisten sind kooperativ und gesprächsbereit. Mein momentanes Ziel ist es, gemeinsam mit dem Verein “Integration Tirol”, die Unterstützung in der häuslichen Pflege kranker Kinder durch die Finanzierung von Pflegepersonal in Tirol auf die Beine zu stellen. Es wurde bereits im Tiroler Landtag angesprochen, und auch im Hintergrund bewegt sich etwas. Aber es ist noch Einiges zu tun.

Lotar Martin Kamm: Jetzt haben wir vieles über die Stillen Helden erfahren dürfen. Als Sängerin Eurer Band „Jetzt und Wir“ schreibst du die Texte, wie du berichtest, „gießt du die Verse in deutschsprachigen Poesierock“. Wie kamst du zur Musik, habt Ihr Euch gefunden?

Susi Kra: Ich habe erst spät – mit 30 Jahren aktiv zur Musik gefunden, davor war ich ausschließlich als begeisterter Fan auf Konzerten und Festivals im Publikum. Aber eines Tages traf ich einen besonderen Mann mit seiner Akustikgitarre in einem Reisebus. Auch so ein Tag, der mein Leben komplett veränderte. Er brachte mich zur Musik, animierte mich zum Singen, Texten, Komponieren und wurde auch privat mein Partner und Vater meiner Kinder.

Nachdem es unserer Tochter besser ging, unterstützte er mich, als ich meine Band “Jetzt und Wir” gründete. Er spielt bei uns Bass, macht die komplette Technik und komponiert. Meinen Gitarristen Mr. Torres, der aus Spanien kommt und diesen wunderbaren, atmosphärischen Rock à la “Heroes del Silencio” drauf hat, kenne ich von einer Coverband, bei der wir beide zufällig am gleichen Tag ein- und wenig später auch wieder ausgestiegen sind. Markus, unser magisch panischer Pianist, lief mir in Innsbruck zufällig in einem Restaurant über den Weg. Da unser Schlagzeuger vor kurzem selbst Papa geworden ist, sind wir derzeit ohne fixen Schießbudenmeister unterwegs.

Ich habe großes Glück mit meinen Jungs, weil sie nicht nur hervorragende Musiker sind, sondern empathisch und gewissermaßen auch leidensfähig. Mit mir zu arbeiten, ist nicht immer einfach, weil ich genaue Vorstellungen habe und sehr detailverliebt bin. Doch bei uns herrscht einerseits genug Ernsthaftigkeit und andererseits genug Humor, um nicht wahnsinnig zu werden. Wir sind eine kuriose Einheit.

Lotar Martin Kamm: Du schreibst ebenso für andere Bands oder Musiker?

Susi Kra: Ja, aus meiner Feder stammen Titel und Text von “Mia san Österreich” – ein Austropop Allstar Projekt von Klaus Schubert mit Größen der österreichischen Musikszene wie Wolfgang Ambros, Opus, der STS Legende Schiffkowitz, den Schürzenjägern und vielen mehr. Es ist ein Song für Vielfalt und Zusammenhalt aller, die in Österreich leben, der die Liebe zu unserem Land offen und ohne diesen konservativen Heimatbegriff feiert.

Zurzeit arbeite ich auch mit einer Singer-Songwriterin aus Hamburg an einem Song für ihre EP, die nächstes Jahr veröffentlicht wird.

Lotar Martin Kamm: Am Ende des Interviews möchte ich dir noch gern die Gelegenheit geben, das zu schildern, was dir noch auf dem Herzen liegt.

Susi Kra: Ich kann nur allen ans Herz legen, ihre eigenen Vorstellungen über Menschen, die nicht der Norm entsprechen, zu hinterfragen, bevor sie sich eine Meinung dazu bilden. Es ist sehr schwer, eine Situation zu beurteilen, in der man nicht selbst steckt, und es ist vollkommen logisch, nicht über alles Bescheid zu wissen. Wenn euch das nächste Mal jemand mit einer Behinderung begegnet, starrt ihn nicht einfach an, sondern geht auf ihn zu, zeigt Interesse und fragt nach. Es ist verständlich, dass wir Unbekanntem skeptisch und unsicher gegenüberstehen, aber wenn wir den Mut aufbringen, uns damit zu beschäftigen, schaffen wir eine Verbindung und damit Sicherheit auf beiden Seiten.

Lotar Martin Kamm: Im Namen des gesamtes Teams bedanke ich mich recht herzlich und wünsche allen Stillen Helden und deren Familien viel Hilfe und Zuspruch, daß die Politik entsprechend aufmerksamer agiert und deiner Band alles Liebe und Gute.

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Ganz ehrlich

Übrigens, vergaß ich zu erwähnen,
es goß aus tausend Wasserhähnen,
das Wort Nässe wäre zu harmlos,
diese Wasserflut war erbarmungslos,
wir treffen uns am Dienstag um acht,
in der Diskothek die Damennacht,
freier Eintritt und so, immer was los,
ein Getränk nach Wahl kostenlos,
ich warte, ich wartete, ich werde warten,
wer kam nicht, war nicht zu erreichen,
Jennifer, ich wartete noch ein Weilchen,
erst als es begann, auf halb zehn zu gehen,
ich auf meinem Zahnfleisch, du versteh‘n,
bin aufgeweicht, wie Blei an Silvester,
zur Gedächtnisauffrischung, mein Bester,
leg mich daheim genervt in der Wanne,
klingelt‘s unten mehrmals volle Kanne,
ein paar Typen und die Jennifer stehen da,
duften nach dem Harem der Kleopatra,
ich weiß, sie war eine Frau, eine Pharaonin,
danke für den Hinweis, bin trotzdem bei Sinn,
und erzählen von Poolparty, Schaumparty,
wie geil, wie hot, wie cool, wie happy,
ist es wirklich, wirklich, so verwunderlich,
daß Möbel nach ihnen flogen, ganz ehrlich?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Andacht

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Weihnachtszeit
dazu bereit
über den Schatten zu springen
gemeinsames Singen
kaum traute Einigkeit
schon wieder soweit
wenn Glöckchen erklingen
wir uns Geschenke bringen
Trotz manch Einsamkeit
im schicken Kleid
Verweilen in solchen Dingen
Andacht ist am Ringen
Viele meinen sie seien gescheit
und übersehen dabei manch Leid

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Amokfahrt in Trier ein folgenschweres Drama

Was verbirgt sich hinter solchen Taten?

Bestürzung bei all denjenigen, die solche Nachrichten nicht einfach wegstecken können, selbst wenn genügend Sorgen ihren Alltag ohnehin begleiten. Tote und Verletzte in Trierer Innenstadt, so die Meldung der Tagesschau. Eine Amokfahrt, die einmal mehr aufzeigt, wieviel Haß und Wut ein Mensch aufbringen muß, um sie dermaßen unerschrocken in die Tat umzusetzen.

Während wir geschockt noch rätseln, welche Hintergründe vorliegen, die jenen Täter dazu veranlaßten, gezielt Menschen anzufahren, in Kauf zu nehmen, sie zu verletzen, gar zu töten, tönen bereits in den Social Media erste Stimmen, die ihren Rassismus ausleben, die Frage der Nationalität spielt eine Rolle.

Mal wieder typisch, jene rechtsradikale Haltung, jede Straftat für eigene Zwecke zu mißbrauchen, gerade in Zeiten, wo ausgerechnet Nazis im Deutschen Bundestag sitzen, sich offiziell Gehör verschaffen dürfen, weil ein nicht geringer Teil der Wählerschaft sie genau dort haben möchte. Warum in diesem Kontext jene politische Botschaft genannt werden sollte? Ganz einfach, sie verdeutlicht die Schieflage im Lande, europa- und weltweit!

Haß findet ziemlich offensichtlich Wege der Entfaltung

Erschrocken starren wir zu solchen Ereignissen, möchten es kaum wahrhaben, daß es Menschen gibt, die per Auto gezielt Mitbürger verletzen und töten wollen. Das beinhaltet gleich, mehrere Hemmschwellen zu durchbrechen. Die geistigen Brandstifter tummeln sich nahezu per Unschuldsmiene unter uns, obwohl sie eine nicht unerhebliche Mitschuld tragen.

Wer Haß sät, erntet unter anderem auch solche Amokfahrten und kann sich keineswegs einfach seiner Verantwortung entziehen. Das gilt genauso für politische Botschaften wie für religiös motivierte. Die Gemeinsamkeit drückt sich in der Verachtung Menschen gegenüber aus, die per Worte bis hin zu grausamen Taten sich entladen. Stets den fanatisierenden Tunnelblick billigend in Kauf nehmend. Das besonders Tragische daran, daß deren Gleichgesinnte ihren „Geschäften“ nachgehen, als sei nichts geschehen nach solchen tragischen Vorfällen bzw. Verbrechen, um jene Taten mal als das zu benennen, was sie sind!

Der Aufmerksamkeit entgegenfiebern?

Die Frage beinhaltet bereits den Knackpunkt auch jenes Amoklaufs in Trier. In der Literatur haben sich manche an dieses schwierige Thema gewagt, u.a. auch Oliver Dreyer in seinem Roman „Kopfschuss“, es bleibt am Ende die Frage im Raum stehen, was zu tun sei, um sie zu minimieren.

Genau darin verbirgt sich die ganze Tragik. Solange wir als Gesellschaft jene Haßausbrüche nicht tatsächlich überwinden, auch die Duldung von Extremismus, Krieg und Elend, verbleibt die Begleiterscheinung solcher Amokläufe. Ein Dilemma für alle, besonders für die betroffenen Zurückgebliebenen der Opfer.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Klima- und Umweltschutz beginnt vor eigener Haustür

#NotInMyTank! Agrokraftstoffe alles andere als Heilsbringer

Umdenken sollten und müssen wir schon sehr lange, haben manche sogar ziemlich beherzt. Doch das reicht längst nicht aus, zumal eine schweigende, duldende Mehrheit sich viel eher zurückhält, frei nach dem Motto, laß die mal machen bis hin zu jenen hanebüchenen Vorurteilen, Umwelt- und Klimaschützer seien weltfremd.

Das exakte Gegenteil trifft unbedingt zu. Realistischer können derartige Kritiker wohl kaum noch agieren, umso wichtiger, deren Aufmerksamkeit in den Vordergrund zu stellen. Kein Tropenwald im Tank! So die Forderung von Robin Wood. Völlig berechtigt. Die Problematik ist längst nichts Neues, bereits vor fünf Jahren wiesen etliche auf jene Mißstände hin, was bisher nahezu folgenlos blieb.

Dringend notwendiger Ausstieg aus landbasierten Agrokraftstoffen

Wie die gewaltfreie Aktionsgemeinschaft eindringlich empfiehlt. Neben Palmöl gehören somit weder Soja noch Kokosöl, Mais, Raps oder Holz in den Tank. Dieser verkehrte Weg, den die Autoindustrie gern hochhält, im Übrigen auch dieser potentielle Kanzlerkandidat, Friedrich Merz, den man beim besten Willen gleichwohl nicht ernst nehmen kann, denn er scheint sich weiterhin für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren stark zu machen.

Eine Hand wäscht wohl die andere, nicht weiter verwunderlich beim Reigen gewisser Lobbyisten. Da bedienen sich schon viel zu lange die Verkehrten. Höchste Zeit, jenen Kräften einen politischen Denkzettel zu verpassen, die nächste Bundestagswahl rückt schnell ziemlich nah, wenn nach Weihnachten und Corona-Krise obendrein das Superwahljahr 2021 winkt.

Verkehrspolitik hat großen, konsequenten Handlungsbedarf

Weg vom umweltschädlichen Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren hin zu mehr öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußverkehr bei entsprechendem Ausbau der Infrastruktur, dringend notwendigen, attraktiven Angeboten, die auch sozial Schwächere leisten und nutzen können.

Davon hat sich gerade die GroKo in den letzten Jahren hierzulande erfolgreich gedrückt, auf die lange Bank geschoben zu Lasten der Umwelt und des Klimawandels. Selbstverständlich gilt dies auch fürs weltpolitische Parkett, zumal das Pariser Abkommen mit dem neu gewählten US-Präsidenten wieder in den Fokus höherer Notwendigkeit rückt, wenn die USA ihm wieder beiwohnt. Alles gute Voraussetzungen, jetzt endlich Taten folgen zu lassen. Die Zeit des Ausharrens oder gar Ignorierens ist beendet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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