Träume verborgen im See

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Mit milchig wässrigem Grau
verschluckten die Tage Ferne,
Wellen spielten Booteklatschen
an der steinernen Hafenmauer,
dumpfe Laute umschlangen
die wispernden Pappeln am Ufer,
nach welkem Laub gierte die Flut,
schmückte sich mit deren Farben,
schaukelte die bunten Flecken,
bis sie schliefen und versanken
in der Tiefe wogender Träume,
ich flüsterte oben auf dem Hügel,
meine Nähe wacht für immer hier.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Politische Umwälzungen verheißen nichts Gutes

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Bild von fernando zhiminaicela auf Pixabay

Gibt es einen Kontext zwischen Covid-19 und politischen Fehlentwicklungen?

Menschlichkeit ist ein großes Wort, dessen Inhalt vielen keinesfalls wirklich bewußt zu sein scheint, wer denn das tägliche Verhalten genauer betrachtet. In den USA regiert noch jener Donald Trump, der sich anschickt, das Land erst recht zu spalten, selbst bei den Wahlen von Betrug zu sprechen, bevor eine Mehrheit ihn negiert, um auf diese Weise seinen fragwürdig erlangten Sessel zu rechtfertigen.

Demokratie wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dermaßen beschädigt, so daß die Weltgemeinschaft erheblich ins Wanken gerät, was ohnehin schon länger schleichend sich zuspitzt. Überall regieren Despoten und Autokraten, ob in Brasilien, Russland, China, Nord-Korea, Saudi-Arabien, Polen, Ungarn, um nur ein paar Staaten aufzuzählen. Andere Länder können nur erstaunt im Geflecht wirtschaftlicher Abhängigkeiten hoffen, nicht hineingezogen zu werden im Strudel eines Faschismus, der inzwischen offensichtlich sich kaltschnäuzig ausbreitet.

Seuchen haben schon immer die Menschheit gefährdet, etliche Tote gefordert. Die dramatischste war wohl die Spanische Grippe, mit Covid-19 wurde einmal mehr aufgezeigt, was da verkehrt läuft in unserem Verhalten, der Ignoranz der Natur gegenüber. Von Zufall kann gar keine Rede sein. Die Logik von Mutter Natur durchschauen wir nur in Bruchstücken, obwohl die Wissenschaft sich unbedingt akribisch bemüht. Doch was nutzen all jene Beobachtungen und Erkenntnisse, wenn genügend Leichtsinn sich einfindet, somit mehr Opfer zu beklagen sind als dies notwendig wäre?

Mit Blick gen manche Länder, ganz besonders zu den USA, wo ein Herr Trump sich brüstet, er hätte mit rund 200.000 Corona-Toten Menschenleben gerettet, weil ansonsten wesentlich mehr gestorben wären, zeigt sich explizit, wohin Dummheit und Lügen führen. Zu Fanatismus und Irrglauben, dieselbe Mischung, derer sich Religionsführer seit eh und je bedienen, um als Rattenfänger Jünger zu rekrutieren. Leicht durchschaubar, für all diejenigen, die noch clever genug oder nicht in Abhängigkeit.

Das Corona-Virus verdeutlicht uns tatsächlich, inwieweit wir handeln sollten. Während „Covidioten“ meinen, man würde ihnen Grundrechte nehmen, reagieren Rücksichtsvolle, aufrechte Demokraten mit Abstandhalten, Maske aufsetzen und Händewaschen, ohne leiseste Zweifel, der Staat würde sie gängeln oder gar zwingen. Das hat etwas mit Vertrauen, Verstand und Solidarität zu tun, welches den sogenannten Kritikern völlig abhandengekommen zu sein scheint!

Genau an diesem Punkt scheiden sich nicht nur die Geister, sondern schließt sich zugleich der Kreis. Führerkult schreit nach angeblicher Rache, nach Loyalität, nach Verschwörungsszenarien, wo gar keine vorhanden, nach einer Lügenpresse, um eigene Fake News zu verbreiten, damit möglichst viele dessen krankhafte Illusionen teilen, Despoten gewähren lassen. Das kann niemals im Sinne einer kulturellen Vielfalt funktionieren, wie wir alle leidlich wissen. Möge noch genügend Einsicht vorhanden sein, die eine solche Entwicklung verhindern kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Wiedergekauter Fraß

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Wissen stopfen sie hinein,
nicht am Tisch, auf der Straße,
geheimnisvolles Wissen,
nur Auserwählte verstehen es,
kredenzt mit exotischen Phrasen,
eigentlich ein Widerspruch,
sie nutzen es als Beigabe
zu ihrer Lügenphilosophie,
quasi der Appetitanreger
um den Zwietrachtgeschmack
zu übertünchen und überhaupt,
man steht ja auf Bizarres,
nicht vor der Haustür,
versteckt im Kämmerlein
darf man die Sau rauslassen,
das hat man sich verdient,
geschluckt bei jedem Stopfen,
die Eingeweihten sind wir,
der Wahrheit neue Elite,
gestopfter alter Hype
über die Auserlesenheit,
Überheblichkeit läßt grüßen,
dafür nimmt man in Kauf,
durch Spenden finanziert,
das gestopfte Maul,
umsonst zu fressen,
was Jahrhunderte wiedergekaut,
zur Gans degeneriert
schnattert man Gülle und Mist,
läßt seine Seele ausnehmen,
stolz als Weihnachtsgans
auserkoren worden zu sein,
stopft geduldig Haß, Wut ein,
welch herrliches Gefühl
als Weiser der Mittelpunkt
beim großen Fressen zu sein,
Ideologie vom armen Schwein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Charlottes Reise durch die Unendlichkeit – Teil 2

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Eine Sightseeing-Tour quer durch unsere Epochen, vom Altertum ins Mittelalter, von Zeiten, als es noch keine Homo sapiens gab, bis hin weit in eine schrecklich düster-leere Zukunft, stellte sie staunend fest. Vor allem, wieso sah sie dennoch sich selbst nicht im Geringsten, weder ihren Körper noch irgend etwas materielles, sondern lediglich Filmabläufe, die verblüffend der Fernsehwelt ähnelten, nur daß Gerüche, Regen, Schnee oder Geräusche täuschend echt wirkten?

Ratlos schloß sie ihre imaginären Augen, was ihr Geist, der zumindest präsent war, keineswegs duldete, sie war den Ereignissen um sich herum trotzdem ausgesetzt, konnte sich nicht einfach entziehen. Auf einmal schien sie für eine Weile länger an einem Ort gebannt, so daß ihrer Aufmerksamkeit mehr Einzelheiten haften blieben. Erneut konnte sie nur erahnen, wo und in welcher Zeit sie sich wohl befand. Dabei stellte sie abermals fest, wie unwichtig dies eigentlich war, daß Mensch ständig sich krampfhaft an ihr „festhielt“.

Lauter Fels umgab sie, was nicht weiter störend wirkte, weil direkter Kontakt nicht vorhanden war, so auch nicht mögliche Gefahren irgendwo hinter dem nächsten Stein auflauern könnten. Andererseits spürte sie nur zu deutlich, eben nicht allein hier zu sein, viel mehr noch andere Wesen ganz in der Nähe verweilten, die sich halt bloß nicht zu erkennen geben wollten. Ganz zaghaft, aber dennoch frohen Mutes, wagte sie einen Versuch.

„Wer auch immer hier sein möge, bitte gib dich zu erkennen. Kannst du oder könnt ihr mich sehen?“, fragte Charlotte ganz ruhig mit fester Stimme.

Am Ende zählt nur, im Einklang in allem zu sein

Was daraufhin folgte, verschlug ihr zunächst die Sprache, zu irrational erschien ihr die Reaktion. Gleichzeitig erhoben mehrere Personen die Stimme, obwohl sie niemand sehen konnte, auch kein Lautsprecher oder ähnliches vorhanden war. Charlotte drehte sich mehrmals um sich, schaute hektisch mit bohrenden Blicken die Umgebung ab – nichts. Und doch erklangen die Stimmen ziemlich präsent, ganz nah.

Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was da ihr begegnete, sie gar Satzfragmente zu unterscheiden vermochte.

„Lauter kleine Kinder laufen mir hinterher… Wieso hat uns das Jüngste Gericht dermaßen brutal bestraft? Bitte, verschont doch die alten, kranken Menschen, sie haben Euch doch nichts getan… Meine Mutter spuckt Blut, wer kann ihr helfen?… Hilfe!“, und meist ähnlich schreckliches drang an ihre Ohren.

Trotzdem stand sie völlig perplex und mit der Zeit erstarrt nur noch sehr steif, hellwach, jedoch einer Ohnmacht nahe in der Landschaft, realisierte die Tragweite ihrer Hilflosigkeit. Tränen liefen ihr Gesicht hinunter, von einem tiefen Schluchzen begleitet. Mit all ihrem Mut raffte sie sich auf und schrie ihnen allen entgegen: „Aufhören, sofort, ich kann sowieso nicht helfen. Wieso beklagt Ihr Euch vor mir, die ich hier ohnehin nichts ausrichten kann, Euch nicht einmal sehe?“

Keinerlei Antwort erfolgte, sondern vielmehr ein plötzliches Verstummen, im nächsten Moment befand sich Charlotte erneut auf Sight-Seeing-Tour durch die Menschheitsgeschichte, nahm es wesentlich gelassener, genoß förmlich jenes vertraute Gefühl einer gewissen Geborgenheit. Gleichzeitig wurde ihr jetzt mit Abstand zu den unruhigen Stimmen bewußt, daß sie jede einzelne eigentlich kannte bzw. zumindest erkennbar wußte, was es auf sich hatte mit ihnen. Mit diesen neuen klaren Gedanken schloß sich für sie ein innerer Kreis etlicher Fragen, die mit einmal dadurch beantwortet zu sein schienen.

Na, klar doch, es waren sowohl ihre Vorfahren als auch die in der Zukunft sich befindenden Nachfahren, denen sie an jenem Ort begegnete. Mit einer fast lässigen Handbewegung fuhr sie sich übers Gesicht, wischte die Tränenspuren weg, um ziemlich scharf eine wunderbare weiße Feder vor sich im Gras liegend zu beobachten. Kein Lüftchen störte dieses Bild, allerdings bemerkte sie zwei kleine Wassertropfen am Federflaum, die kurz davor waren, ins Grün zu fallen.

Lotar Martin Kamm

Charlottes Reise durch die Unendlichkeit – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Clemens Traubs angebliche soziale Spaltung unserer Gesellschaft

Klägliche Versuche FFF an den Pranger zu stellen

Kritisch hinterfragen unbedingt erlaubt, gar ein wichtiger Prozeß, der einmal mehr aufzeigt, wie eine aufgeklärt neugierige Gesellschaft funktionieren kann, wenn man genau das zuläßt, ohne dabei ungerechtfertigte Vorwürfe loszutreten, sich in pauschalisierten Allgemeinplätzen zu verzetteln. Doch genau das veranstaltet kein geringerer als der FFF-Aussteiger Clemens Traub, der in seinem Büchlein „Future For Fridays?“, erschienen im Quadriga-Verlag Berlin, seine Erfahrungen mit der Bewegung zum Besten gibt.

Ulrich Reitz Kolumne „Buch von Ex-Aktivist zeigt: Klimaprotestler betreiben Weltrettung mit sozialer Ignoranz“, erschienen im Focus, verdeutlicht einmal mehr, mit welchen simplen Mitteln versucht wird, die Klimaprotestler zu diffamieren. Anprangern statt genauer hinzuschauen, das scheint das moderate Mittel zu sein, Kritik im Keim ersticken zu wollen.

Auf den Spuren vom Cicero Magazin – der rechte Rand fischt gerne mit

Dies wiederum besonders konservativ eingestellte Menschen selbstverständlich auf den Plan ruft, kräftig auszuteilen. Was Ulrich Reitz im Focus versuchte, hat zuvor das Cicero Magazin in seinem Beitrag „Arzttöchter erklären die Welt“ versucht, einem Buchauszug von Clemens Traub.

Dort liest man die einfache Taktik, die der junge Ex-Aktivist anwendet. Ein wenig stochern und anprangern, von Akademikerkindern ist dabei die Rede, „Fridays for Future“ sei die Rebellion der Privilegierten, biete ihnen die perfekte Möglichkeit, ihren eigenen kosmopolitischen Lebensstil und das eigene Talent zur Schau zu stellen. Punkt.

Dabei vergessen sowohl der FFF-Kritiker als auch Cicero sowie der Focus ein entscheidendes Argument. Auch bei FFF sind sämtliche gesellschaftliche Vertreter vorhanden, von jung bis älter, von hoch betagt bis sozial eher nicht gut Aufgestellten. Und genau das macht eine Bewegung so glaubwürdig. Der polemisch-simple Versuch, diese auf solch billige Weise verunglimpfen zu wollen, erweist sich als Bumerang und scheitert damit! Daß hierbei der rechte Rand der Cicero-Leserschaft gerne mitfischt, dürfte nicht verwundern. Das paßt zu jener Klientel.

Wer Ernst Ulrich von Weizsäcker anführt, sollte genauer hinschauen

Das gilt zugleich für Lektoren beim Focus, er schreibt sich im Übrigen genauso wie der Kolumnist mit einem „l“ im Vornamen statt mit zwei. Was soll denn daran „spannend sein“, wenn ein Herr Reitz meint, Ulrich Traub würde eine bedenklich soziale Ignoranz bei den Klimaaktivisten beschreiben?

Sich dann als Paradebeispiel Ernst Ulrich von Weizsäcker herauszupicken, weil dieser halt den Club of Rome Jahrzehnte zuvor mit Gleichgesinnten gegründet hatte, mag man den FFF-Aktivisten wohl kaum anlasten können. So ein Blödsinn. Es geht doch um die Sache, nämlich den Klimawandel ernst zu nehmen, manche können es halt nicht begreifen, daß FFF die Welt erobert. Gut so. Belassen wir es dabei, solche kläglichen Versuche der Diffamierung nützen nichts!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Auskehren

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Bild von Siggy Nowak auf Pixabay

Heute wollte ich still sein
in mich kehren
in der Ruhe baden
schwelgen im Alleinsein
meine Sinne bekehren
meine Sünden ausbaden
da fiel mir ein
ich muß noch kehren
vor dem samstäglichen Baden
jede Woche darf’s sein
die im Ländle verkehren
dürfen im Tratsch baden
kein Schwab mußt du sein
nur die Straße kehren
s’isch des reinste Seelebaden

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Charlottes Reise durch die Unendlichkeit – Teil 1

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Wer noch genug Kind in sich, möge staunend blicken

„Bitte halte mich fest, trage die Gedanken ganz weit weg in eine Welt voller friedlich denkender Wesen, die Gefühle als das zuzulassen, für was sie ein Leben gestalten mögen, anstatt nur zerstörerisch unterwegs zu sein. Bleibe noch eine lange Weile hier, lenke uns ab, bevor der Alltag zurückkehrt, der so schwer erträglich“, waren Charlottes Worte.

Anschließend versank sie in einen tiefen Schlaf, der zunächst nur für eine leere Stille sorgte, ein sorgenfreies Dunkel im unendlichen Raum ewiglichem Nichts. Wer kennt ihn nicht? Ein kurzes Aufflackern wirrer Ahnungen folgte irgendwann, noch war das Bild verschwommen, somit ziemlich  unscharf. Eindringlich bemühten sich die forschend neugierigen Stimmen, die im Kopf sich plötzlich meldeten. Was war geschehen, wo befand sie sich?

Zaghaft und äußerst verunsichert öffnete die 24-Jährige ihre Augen, hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie sich befand. Jedwedes Zeitgefühl war komplett ausgeschaltet, sämtliche Erinnerungen an ihr Leben waren wie erloschen. Einzige Ausnahme, daß sie noch wußte, wie sie hieß. Was hatte Charlotte bloß bisherig durchlebt, wo war sie aufgewachsen, wer ihre Familie? Viele Fragen schossen ihr durch den Kopf, sie staunte, ob ihrer Kleidung, die sie trug. Irgendwie meinte sie zu wissen, diese hätte mit ihr selbst nichts gemein. Zu mehr reichte ihre Intuition nicht aus.

Dann erst registrierte sie ihre nähere Umgebung. Langsam richtete sie sich auf, hatte wohl im Moos geschlafen, wunderte sich über die Eiskristalle, spürte plötzlich die Kälte, die sie umgab, welche vorher ihr wohl keinerlei Beschwerden zugefügt hatte. ‚Wo bin ich nur hingeraten, und vor allem, warum liege ich hier draußen in der freien Natur, mutterseelenallein‘, fragte sich die Schwarzhaarige, strich ein paar Erdpartikel vom violettfarbenen Overall. Gerade wollte Charlotte aufstehen und die Umgebung betrachten, als sie in Ohnmacht sank.

Diesmal flackerte ein Restfunken Bewußtsein auf, gerade soviel, um zu bemerken, was geschah. Sie flog in unvorstellbarer Geschwindigkeit durch einen Raum, den sie keinesfalls einzuordnen vermochte, zumal die Landschaft um sie herum mehr aus grell aufblitzenden Farben bestand, verschwommen dahinsauste. Gleichzeitig fiel ihr eine bestimmte Enge auf, die sie dennoch nicht bestimmen konnte. Befand sie sich in einer Art Fahrzeug, war ihr Körper aufgelöst und nur ihr Geist empfand die Eindrücke?

Charlotte überkam eine gewisse Ratlosigkeit zusammen mit einem kindlichen Erstaunen, welches es hervorragend verstand, eine wachsende Unsicherheit nahezu spielerisch auszugleichen. Das half ihr ungemein, dem Geschehen sich gelassener hinzugeben. ‚Na und, dann ist das halt jetzt so, einfach als Film betrachten, dann kann ich es wohl besser verkraften‘, entschied sie für sich und lehnte sich zurück. Im selben Moment fiel sie ins Bodenlose.

Zeit ist alles andere als relativ

Aber warum nur bodenlos? ‚Ich brauche Halt, wieso spüre ich keinen direkten Kontakt mit irgend etwas Festem? Ich kann doch gar nicht fliegen, und überhaupt, wo bin ich nur, kann nichts sehen?‘, fragte sich Charlotte, um im nächsten Moment offenen Mundes nur noch zu staunen, was ihr da urplötzlich begegnete.

Dabei fiel ihr gleichzeitig ein, so oft schon in Berichten gelesen hatte von Menschen, bei denen sich während des Ablebens ein Teil des eigenen Lebens wie ein Film in Sekundenschnelle vor deren geistigen Augen vorbeiraste. Aber sie lebte doch, es bestand keinerlei Anlaß, der einen herannahenden Tod rechtfertigte, außer diesem Gefühl des bodenlosen Fallens.

Viel länger vermochte sie auch nicht mehr darüber zu grübeln, weil die vorbeiziehenden Ereignisse ihre ganze Aufmerksamkeit beanspruchten. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, daß das Geschehen letztlich eine Art Botschaft bedeuten könnte. Krampfhaft bemühte sich Charlotte, parallel möglichst viel an Einzelheiten im Kopf zu speichern, zwecks Abrufs zu einem späteren Zeitpunkt. Apropos Zeit, die schien hierbei keinerlei Bedeutung zu haben, weil die unterschiedlichen Sprünge ohnehin ihr viel eher näherbrachten, daß Mensch klein-geistig befangen war in seinem Wirken auf Erden.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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