Die ganz eigene Welt der Gerüche

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Zwischen betörenden Düften und Höllengestank

Die olfaktorische Wahrnehmung, aus dem Lateinischen olfactus, das Riechen, der Geruch, mag in unserer technisierten Zeit des Lärmes, der visuellen Reizüberflutung immer mehr in den Hintergrund geraten sein, dennoch sollten wir sie nicht unterschätzen, was sie noch alles in uns auslöst, mitzuteilen hat.

In der Tierwelt würde das Ausbleiben dieses wichtigen Sinnes oftmals den Tod bedeuten. Vergessen auch wir Menschen nicht, wie wichtig die Unterscheidung der Riech- oder Duftstoffe sein können, ob wir es mit guter oder verdorbener Nahrung zu tun haben, von der Buttersäure als Anzeichen von Fäulnis, Schwefelwasserstoff aus Fäkalien oder gar Aasgeruch. Dabei hilft uns Menschen die Riechschleimhaut in der oberen Nasenhöhle, die wiederum die verschiedenen Geruchsmoleküle löst. Ungefähr 400 unterschiedliche Rezeptortypen haben wir zur Verfügung, wobei wir immerhin 10.000 Gerüche unterscheiden können.

Wir assoziieren dabei mit bestimmten persönlichen Erfahrungen, oftmals an Orte gebunden oder Ereignisse (episodisch-autobiographisches Gedächtnis). Die Riechschleimhaut selbst hat beim Homo sapiens die Größe einer Ein-Euro-Münze, hingegen die des Hundes zum Beispiel rund 40 Mal größer ist. Als große Schutzfunktion dient der Geruchssinn auch bei Atmungsorganen, so vor schädlichen Gasen, kann dann Brechreiz auslösen, regt bei guten Nahrungsmitteln und deren angenehmen Gerüchen den Speichelfluß an.

Das Bild des Waschbrettes erscheint plötzlich aus dem Nichts

Dabei sogar in Verbindung mit Mutter, die sich mühevoll der Arbeit der Wäsche hingibt, die Seifenlauge schäumt, es spritzt das Schmutzwasser aus der Wanne. Der Geruch der Kernseife hat diese Rückerinnerung ausgelöst, obwohl sie eigentlich geruchlos ist. Die Mischung ganz bestimmter Parfüme gibt ihr das bekannte Geruchsmuster. Und so setzen sich in unserem Alltagsleben die assoziierten Geruchserlebnisse fort, selbst die geläufige, redensartliche Formulierung, „Ich kann ihn/sie nicht riechen“, darf ruhig wortwörtlich genommen werden. Jeder Mensch hat ebenso seinen speziellen Geruch, der nicht nur mit Schweiß etwas zu tun haben muß – manchmal paßt es dann halt nicht.

Unser Gehirn hat ein riesiges Duft-Archiv parat, auf welches wir meist unbewußt zurückgreifen in allen möglichen- und unmöglichen Lebenssituationen. Die Rezeptoren in der Nase werden beim Riechen zunächst gereizt, wobei diese Signale anschließend über die Nervenbahnen ins Gehirn gelangen, Geruchserinnerungen werden im Langzeitgedächtnis abgespeichert, gleichzeitig werden aber auch die Duftsignale im Gefühlszentrum abgelegt, was wiederum ganz unterschiedliche Verhaltensreaktionen auslösen kann. Unsere circa 30 Millionen Riechzellen haben eine Lebensdauer von wenigen Wochen.

Versuchen Sie mal, einen Geruch zu beschreiben

Das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Vergessen wir nicht, daß der Geruchssinn an Bedeutung verloren hat innerhalb unserer Entwicklung, ist nicht mehr überlebenswichtig. Da die Geruchsreize überwiegend im nonverbalen Teil der rechten Hirnhälfte abgelegt werden, besteht auch keine unmittelbare Nähe zu unserem Sprachzentrum.

Genau deshalb stellt dies zum Beispiel bei der Parfüm-Industrie sowie der Werbebranche ein Problem dar, sie können ihre Produkte kaum oder besser gar nicht präzise beschreiben. Bei Naomi Campbells Cat Deluxe können wir in der Produktbeschreibung lesen, es gebe „ein kraftvolles, blumig-fruchtiges Duft-Statement“ ab, welches „ebenso trendy wie verführerisch“ sei oder aber „ein Akkord aus Freesien und Kardamom dem Duft eine vibrierende Helligkeit“ verleihe. Mal ganz im Ernst, liebe Leser, mit diesem sicherlich gutgemeinten, kreativen Versuch, die Kunden zu überzeugen, kaufen würden Sie es aber nicht gleich aufgrund der Beschreibung, oder?

Sie werden sich schon selbst davon überzeugen wollen und erst mal eine Geruchsprobe sich genehmigen, die dann allerdings zu gänzlich anderen Ergebnissen kommen mag, als Werbung uns versucht aufzutischen. Und genau weil dies so richtig schwierig sich verhält, Gerüche zu beschreiben, hilft auch hier der Trick mit den bildlichen Reizen, dem TV, der Welt des Klanges, um Verbraucher zu umgarnen. Ist nicht weiter tragisch, wenn man’s weiß. Verlassen Sie sich lieber auf Ihre Nase, was wir im Übrigen durchaus trainieren können, unseren Geruchssinn wieder besser zu aktivieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Abschiednehmen – die letzte Lösung

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Der Tag zeigt seine folgenschwer tristen Seiten
im stetigen Prozedere auszuübender Pflichten,
während wir Gedanken still weiterleiten,
in der Hoffnung sich den Wünschen zu richten.

Doch nach Jahren vertrauter Zweisamkeit
am entfernten Horizont Zweifel sich erheben,
sind urplötzlich völlig unerwartet bereit,
der langen Beziehung den Laufpaß zu geben.

Was war geschehen, konnte unbemerkt wachsen
mit dieser Entfremdung trotz sicheren Hafen?
Den ernsten Sorgen weicht Befreiung durch Faxen,
die Nächte viel zu kurz, man kann nicht schlafen?

Entfremdung ohne gemeinsame Entwicklung
sich schon lang hat eingeschlichen,
verzweifelte Versuche einer letzten Forderung –
zu spät, es wird bereits stur ausgewichen.

Nach Wut und vielen Fragen folgt langes Schweigen,
verletzte Eitelkeit verdeckt die gekränkte Seele,
obwohl man ganz offen sich könnte zeigen,
kein Laut entweicht der heiseren Kehle.

Mit dem Eingeständnis der verlorenen Liebe
folgt wohldurchdachter Einsatz der neuen Lage.
Kein Platz mehr für die Befriedigung der Triebe,
was zählt, offenbart sich mit jeder gezielten Frage.

Es heißt jetzt Abschiednehmen mit ruhigem Verstand,
wie tagtäglich überall genauso geschieht.
Ein letztes Schütteln der altvertrauten Hand,
noch nette Worte ausgetauscht, man sich mal wieder sieht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Corona-Krise zwischen Bierlaune und berechtigter Vorsicht

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Von Entwarnung kann keine Rede sein

Betrachtet man allerdings das Verhalten etlicher ganz besonders in Großstädten und gewissen Brennpunkten, darf mit Fug und Recht behauptet werden, Leichtsinn sucht sich Wege unbesorgter Entfaltung. Was vor zwei Wochen noch sorgenvoll uns beschäftigte, das Laissez-faire der Lockerungen, bewahrheitet sich ganz offensichtlich.

Die Zahl der weltweit Infizierten übersteigt offiziell die 5-Millionen-Grenze, über 1,5 Millionen unter ihnen in den USA, mehr als 327.000 Erkrankte sind inzwischen verstorben. Nun könnte man ja leichtsinnig einwenden, bei der Spanischen Grippe seien rund 50 Millionen Menschen verstorben, die Covid-Todesopfer wären nur ein Bruchteil im Verhältnis zu damaligen Zahlen. Wer solches anregt, sollte aber hinzufügen, daß wir uns im Moment beim Beginn der neuen Pandemie befinden.

Neuinfektionen und Laschets hinkender Vergleich

Warnende Stimmen wurden bekanntlich kaum noch gehört, zumal mit den ersten Lockerungsmaßnahmen auch etliche sich berufen fühlten, sich dem erschreckend undifferenzierten Widerstand 2020 anzuschließen, der wohl eindeutig das Werk rechtsradikaler Kräfte sowie aus der Querfrontbewegung stammt. Hauptsache unsere Demokratie in Frage stellen und am besten zerlegen, so dessen Ziel.

Ebenso bei Hotspots wie in Berlin selbst steigt demnach wieder die Zahl der Neuinfektionen, was durchaus absehbar war. Das Verhalten des Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten  Armin Laschet kann letztendlich kaum noch verwundern, dessen Biergarten-Vergleich für Kita-Öffnungen entspricht seiner bisherigen Einstellung zur Corona-Krise. Daß sein Vergleich ziemlich hinkt, scheint ihn wohl eher nicht zu interessieren, sonst würde er verantwortungsvoller entscheiden. Etliche Virologen warnen keineswegs zufällig vor allzu leichtsinnigen Lockerungen.

Zu wenig gesicherte Erkenntnisse

Anstatt mehr Vorsicht walten zu lassen, reagiert auch die deutsche Politik inzwischen auf ungeduldige Stimmen. Zunächst offenbarte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein hohes Maß an verantwortlichen Entscheidungen, was auch dazu führte, daß die Todeszahl im Vergleich zu anderen Ländern sich deutlich in Grenzen hält.

Trotzdem sind es inzwischen über 8.000 Todesopfer. Von einer Entwarnung kann folglich keine Rede sein mit steigenden Neuinfektionen sowie einer aktuellen R-Zahl von 0,88. Es fehlt eben noch an mehr gesicherten Erkenntnissen in dieser gerade begonnenen Pandemie, die uns wohl noch länger beschäftigen wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Glanz der anderen

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In meiner Ruhe
könnt‘ ich schrei’n,
schon mal durch
Fenster gesehen?

Verglasten Frust
kann man erspähen,
kein Vorhang hilft
ihn wegzuwehen.

Regenbogenfarben
in Schlieren,
Lebensstrahlen
hinter Glas stieren.

Schmierfilm verzerrt
die Ausblickgrenze,
Leid der anderen in Öl
verschwimmt in Gänze.

In meiner Ruhe
könnt‘ ich schrei’n,
lernt man durch
Einsicht verstehen?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wilderei in Afrika keinesfalls behoben

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Gerüchte und Nachfrage bestimmen das Abschlachten

Was bewirken internationale Artenschutzabkommen, wenn sie zunehmend erneut mißachtet werden? Die betroffenen wilden Tiere vermögen sich in keiner Weise zu schützen, hilflos blicken sie ihren Mördern entgegen, die nur eines im Sinn haben: eine möglichst effektive und hohe Erfolgsquote, um sich selbst zu versorgen.

Im Hintergrund agieren genau diejenigen, die tatsächlich von der Wilderei profitieren, und zwar mit Gewinnspannen, die dem Drogen- oder Waffenhandel entsprechen. Doch wie kann trotz international offizieller Ächtung dennoch ein dermaßen blühender Handel vorherrschen? Ganz simpel, Gerüchte und die daraus sich rechtfertigende Nachfrage bestimmen das Abschlachten von Elefanten und Nashörnern in Afrika.

Die heile Welt des Artenschutzabkommens – zwischen Ideal und Wirklichkeit

Erneut steht eigentlich die UNO selbst in der Kritik, denn man sollte bedenken, die zunächst seriös klingende Organisation CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, wird von dem UNEP (United Nations Environment Programme), einem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, verwaltet.

Doch Stein des Anstoßes lieferte CITES, in dem ihr ein folgenschwerer Fehler unterlief: Völlig legal wurde im Jahr 1999 der Versteigerung von 50 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen von vier südafrikanischen Staaten nach China und Japan zugestimmt und 2008 sogar 101 Tonnen des „weißen Goldes“. Zuvor hatten Artenschutzorganisationen wie z.B. IFAW eindringlich davor gewarnt, diesem legalen Handel eben nicht zuzustimmen, da er dazu dienen könne, die Einschleusung illegal gewilderten Elfenbeins in die Märkte zu begünstigen. CITES meinte zwar, diese beschränkte Handelsfreigabe würde die Nachfrage aus legalen Quellen künftig decken, so daß ein Rückgang der Wilderei erfolge, die grausame Realität offenbart nunmehr die zuvor formuliert berechtigten Sorgen.

Weltweiter Handelsstop ein Muß – mehr öffentliche Kritik hilfreich

Waren es gegen Ende der 1970iger Jahre noch 100.000 Elefanten, die ihr Leben lassen mußten aufgrund der Gier nach Elfenbein, diese Spezies kurz vorm Aussterben sich befand, zeichnete sich 1989 durch die Regulierung des Elfenbeinhandels ein starker Rückgang der Wilderei ab, wobei damals CITES entscheidend daran mitwirkte.

Dennoch blüht das Abschlachten weiterhin auf, als ob es nie zuvor Bemühungen gegeben hätte. Während hier in Europa weitestgehend das weiße Gold verpönt abgewiesen wird, scheint heutzutage gerade mal 36 Stunden Lieferzeit auszureichen, um einen Stoßzahn zu erhalten. Ein raffiniert ausgeklügeltes System zwischen Banden, Regierungsbehörden und auch dem Flughafenpersonal trägt dazu bei, per Korruption den illegalen Schmuggel dermaßen perfekt voranzutreiben.

Während der schwerste Dickhäuter mal wieder im Fokus der Wilderei steht, ergeht es einem anderen nicht viel besser. Nashörner stehen auf der Wunschliste Vietnams. Vor allem in Südafrika werden die Spitz- und Breitmaulnashörner gnadenlos gejagt und abgeschlachtet, weil ihre Hörner als Wundermittel gegen Epilepsie, Krebs, Masern oder Schlaganfall gelten, obwohl dies wissenschaftlich in keiner Weise bestätigt wurde und darüber hinaus innerhalb der vietnamesischen traditionellen Medizin dessen Anwendung niemand kennt.

Was kann diese folgenschwer dramatische Entwicklung noch stoppen? Einerseits wäre eine massiv öffentliche Aufklärung in den betreffenden Abnehmer-Staaten ziemlich hilfreich, also in Japan, China und Vietnam, andererseits kann nur ein konsequent weltweit verordneter Handelsstop von Elfenbein und Hörnern der Nashörner das Wildern erneut eindämmen. Denn wo keine Nachfrage mehr vorhanden und die Wege effektiv schärfer kontrolliert werden, sollte diese Verbrechenspraxis zurückgehen. Notwendig verbleibt dabei rasches Handeln an Schaltstellen der Politik. Die Weltöffentlichkeit selbst hat es aber auch in der Hand, den entsprechenden  Druck gegen diese Machenschaften nicht verstummen zu lassen.

„Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.“ (Christian Morgenstern)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Gruppenzwang: Der einfache Kick bei Mutproben

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Angst vor dem Versagen?

Wer kennt es denn nicht, diese Momente, wo viele Augenpaare der Kumpel auf uns gerichtet, in Erwartung, ob wir selbst endlich nach langem Ringen die Entscheidung treffen, der Mutprobe uns zu stellen?

Der äußere Druck wächst mit jeder verstrichenen Sekunde, die wir zögernd das Hin und Her abwägen, weil der Verstand warnend sich zu Wort meldet, während der innere Schweinehund fluchend von dannen gejagt wird, es kommt zur befreienden Tat, damit die schwere Last des Gruppenzwangs endet. Dürfen wir Mutproben einfach nur als einen Kick betrachten, oder aber begehen wir sie aus Angst vor dem Versagen?

Ohne Gruppe geht gar nichts

Die kleinste Gruppe zwischen Menschen stellt die Beziehung dar, wobei nicht gleich Liebe im Spiel sein muß, auch zwei Freundinnen oder Freunde bilden bereits eine. Es menschelt halt untereinander, jeder versucht die Schwächen und Stärken gegenseitig zu erkennen, um sich selbst zu positionieren. Das kann durchaus im beiderseitigen, harmonischen Miteinander geschehen, auch wenn überall in allen Gruppenkonstellationen der Alpha-Mensch sich hervorzuheben bestrebt, dies gleichzeitig akzeptiert wird, bis auf den Umstand, wenn sich ein anderer Alpha-Mensch zu messen beginnt, eine Konkurrenz entsteht.

Aber so gänzlich ohne Gruppe geht gar nichts, erst recht nicht, weil die Familie, in der man aufwächst, zunächst den nötigen Halt geben sollte, um da draußen in der Umwelt bestehen zu können, das eigene Selbstbewußtsein aufzubauen, vorausgesetzt, es entwickelt sich in halbwegs ungestörten Beziehungen untereinander. Wer sich total zurückzieht, in eine Isolation begibt, ist auf bestem Wege zum Eremiten, falls über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt.

Mutproben – von harmlos bis lebensgefährlich

Sicherlich gibt es auch welche, die noch nie einer Mutprobe sich ausgesetzt haben, aber viele kamen schon in solche Situationen, oder? Sie müssen nicht gleich gefährlich uns herausfordern, ein zu hohes Risiko einzugehen. Bedenken wir, daß gerade die nonkonforme Jugend, wild, stolz und nachdenklich, wie sie halt in jeder Generation heranwächst, stets auch sich selbst beweisen will, daher Mutproben keine Seltenheit darstellen. Ob die Hand, die über eine brennende Kerze gehalten wird, das Springen vom drei Meter hohen Garagendach, das gemeinsame Klauen im Kaufhaus, solange die Mutproben noch eher harmlos herausfordern, mögen sie als Begleiterscheinungen in der Entwicklung irgendwann unwichtig werden.

Was aber, wenn bestimmte Grenzen überschritten, das eigene Leben gefährdet wird, weil vor lauter Waghalsigkeit die Gefahren übersehen? Eine solch undurchdachte Mutprobe kann gar das Leben kosten, und das alles nur, weil die eingesetzten Mittel physikalische Grenzen mißachten, das Opfer selbst nicht den nötigen Instinkt hat, mittels Verstand diesen Test zu verhindern.

Während der Bungee- oder Fallschirmspringer noch all seinen Mut aufraffen muß, um die Überwindung des sich Fallenlassens zu bestehen, dies dennoch als legale Mutprobe bezeichnet wird, schaut es beim S-Bahn-Surfen schon ganz anders aus. Dort wird nicht nur das eigene Leben beträchtlich aufs Spiel gesetzt, sondern der Körper kann zu einer nicht zu unterschätzenden Waffe für andere Unbeteiligte Fahrgäste oder Passanten werden.

Vincent van Gogh äußerte zwar mal: „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ Allerdings setzte Immanuel Kant dem entgegen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Und dieser sollte eingeschaltet werden, wer meint, er müsse sich Mutproben aussetzen, damit diese nicht im tragischsten Fall tödlich enden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Voll verschwört, ey, mannomann

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Im Schlingerkurs zwischen Xavier und KenFM

Nix da, Corona hat dermaßen Schuld, da ist der Dicke dagegen noch ein Waisenknabe gewesen, ein Nixon harmlos, Trump zeigt, wie’s gemacht wird. Imma feste druff! Hauptsache linke Zecken und schwarzes Pack mal zeigen, wo der Hammer hängt. Rassismus jib et nich, wir sind doch das Volk, also stillhalten, besser, Fresse halten. Ihr Medien sowieso, Lügenpresse unerwünscht.

Das Merkel muß sowas von weg, möglichst in den tiefsten Sumpf entsorgen. Von den links grün Versifften mal ganz zu schweigen. Ob die Roth oder der Maas, die verderben uns doch jedweden Spaß. Anstatt endlich auf Plätzen, in den Straßen auf den Putz zu hauen, ducken sich die meisten weg. Was für ein lächerlicher Schreck.

Der KenFM macht’s doch vor, endlich mal einer mit klarer Vision. Ham sie schon den Xavier durch den Dreck gezogen, wird da oben erst recht stets betrogen. Bill Gates hinterherhecheln, geht gar  nicht. Zwangsimpfung die Vorstufe zum Faschismus. Genau, ihr seid die Nazis, wir mitnichten. Unsere Grundrechte fordern wir ein, Corona hat uns gar nichts zu diktieren.

Anstatt uns mal machen zu lassen, hindern uns jene uniformierten Bullen. Weg mit allen ollen Schrullen, mannomann, diese Nullen! Politiker zum Selbstzweck, auf daß ihr verreckt. Heute marschieren wir wie bei Pegida durch die Straßen, morgen werden wir uns anderes einfallen lassen. Wir sind das Volk, ihr anderen auf verlorenen Posten, ihr Vollpfosten.

Was meint ihr, uns anlasten zu müssen? Querfrontler, Verschwörungstheoretiker oder gar rechtes Gesocks? So ein Blödsinn, ihr könnt wohl unsere Wahrheit nicht vertragen, aber dabei ständig tagen, ob mit oder ohne Maske, Abstand halten und trallala. Na, klar! Wat da schon alles geschah.

Ne, man, so es nicht weitergehen kann. Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand, bevor ihr fahrt unser Land gegen die Wand. Welch Schand! Laßt uns mal machen, es wird schon ordentlich krachen, wär ja gelacht. Im Hintergrund genug Geld uns begleitet, auf daß das Ganze sich möglichst überall ausbreitet. Demokratie ist hie. Glotzt net so blöd wie Vieh, wir wollen wieder einen Führer, heil, Höcke möge es richten. Schluß jetzt mit Dichten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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