Langes Jahr

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Der Sommer
in dem langen Jahr,
als Begegnung
verboten war,
waren sie sich
am Nächsten,
die Analphabeten
der Gefühle.

Der Sommer
in dem langen Jahr,
als Selbstdarstellung
das Motto war,
waren sie sich
am Nächsten,
die Schattenkopien
der Egoisten.

Der Sommer
in dem langen Jahr,
als Sarkasmus
das Wort war,
waren sie sich
am Nächsten,
die Proleten
der Pamphlete.

Der Sommer
in dem langen Jahr,
als Verschwörung
die Wahrheit war,
waren sie
sich am Nächsten,
die Verweigerer
der Individualität.

Der Sommer
in dem langen Jahr,
als Demokratie
in Gefahr war,
verbreitete sich
der Konsens
der Nächstenliebe,
international.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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René Magritte – Gedanken zu „Therapeute“

Träume sollen nicht einschläfern, sondern aufwecken

René François Ghislain Magritte, der große belgische Maler des Surrealismus hat bereits in der frühen Jugend uns zutiefst beeindruckt durch seinen spielerischen Umgang mit der Wirklichkeit, den stets wiederkehrenden Objekten, ob die Taube, das Ei, der Löwe, der Fesselballon oder der Vorhang.

Dabei sind es gerade die Gegensätze, die seinen Bildern die erwünschte Absicht hervorrufen. Seine Vita sei jetzt mal nicht vertieft, wobei natürlich der frühe Selbstmord seiner Mutter ganz bestimmt ihn geprägt hatte, er war gerade mal zwölf Lenze jung.

Während man so seine Werke betrachtet, stößt man auch auf eines, im Originalen genannt: Therapeute. Was sehen wir bei der Betrachtung? Ein Photo liegt hier im Artikel nicht vor, so verbleibt mal diese Bildbeschreibung.

Es muß ein sehr sonniger Tag sein, weil allein Lichtintensität und scharfer Schattenwurf dies betonen. Eine menschenähnliche, sitzende, wohl eher männliche Person füllt beinahe das ganze Bild aus. Dabei sitzt er breitbeinig auf einer Sanddüne, bekleidet mit einer graubraunen Hose, der Stoff fällt eher locker flauschig, trägt flaches Schuhwerk in der gleichen Farbe. Die rechte Hand stützt er auf einem Spazierstock, während er mit der linken einen Sack eher gut festhält. Dessen Öffnung ist verschnürt und auch seine Farbe mit demselben Graubraun versehen. Auf seinem Schoß steht ein Vogelkäfig, der Rumpf und Kopf ersetzt – ja, Sie haben richtig gelesen -, beides ist bei dieser Figur nicht vorhanden. Im geschlossenen Käfig sitzt eine weiße Taube, und außerhalb auf einem Einstiegsbrett vor der Käfigtür eine Artgenossin.

Ein großes, faltenwerfend weinrotes Tuch bedeckt Käfig, Arme, den hinteren Bereich des Wesens, wobei es als Abschluß auf ihm sitzt und der nichtvorhandene Rücken abgedeckt wird. Das Tuch, dessen weinrot wohl ziemlich braunrot wirkt, wird am Käfigdach übereinanderschlagend mit einem beigefarbenen, großen Schlapphut zusammengehalten. Rechts und links sieht man das Dünengras, wobei im Hintergrund das ruhige Meer zu sehen ist bei neblig blauem Himmel. Ein wenig irritierend ganz oben rechts: Magrittes Signatur.

Soweit die Beschreibung dieses Bildes beim Betrachten. Aber was sieht man da tatsächlich? Bildinterpretationen haben durchaus ihre Berechtigung, dies will ein Künstler auch. Und es bleibt einem jedem selbst überlassen, was man da „sehen, erahnen“  mag. Allein schon die Idee, den Menschen selbst für einen Augenblick zu entrücken, ist schon faszinierend bei gleichzeitiger Überdeutlichkeit eines Vogelknastes, um einen Käfig mal beim Namen zu nennen. Nun symbolisiert eine Taube, und ganz bestimmt eine weiße, den Frieden, die Freiheit. Während die Taube im Käfig, leicht nach vorne gebeugt, somit kontaktaufnehmend zur Besuchertaube blickt, signalisiert diese eindeutig fast schon ein Desinteresse. Sie schaut nach unten und kauert eher gemütlich, sich ihrer Freiheit wohl bewußt. Dabei wirkt die Figur, nennen wir sie mal der Einfachheit halber „der Käfigmann“, eher so, als ob vor ihr ein Photograph sitzt oder eben Magritte selbst. Und genau bei diesem Werk kommt somit das Wesen des Surrealismus zum Tragen, dieses sich über die Realität zu erheben, dieses Entrücken.

René Magritte hat einmal gesagt: „Im Hinblick auf meine Malerei wird das Wort ‚Traum’ oft mißverständlich gebraucht. Meine Werke gehören nicht der Traumwelt an, im Gegenteil. Wenn es sich in diesem Zusammenhang um Träume handelt, sind diese sehr verschieden von jenen, die wir im Schlaf haben. Es sind eher selbstgewollte Träume, in denen nichts so vage ist wie die Gefühle, die man hat, wenn man sich in den Schlaf flüchtet. Träume, die nicht einschläfern, sondern aufwecken wollen.“

Ich möchte Ihnen seine Sätze mitgeben, falls Sie sich auf die Reise begeben, die Bilder dieses wunderbaren Malers zu betrachten und zu empfangen. Sie werden reichhaltig und ebenso inspirierend belohnt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kulturelles

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Kerbe um Kerbe

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Kalt hat es mich erwischt,
dieses Licht,
dieser fahle Strahl,
der meine Jugend stahl,
eingravierte Falten,
ich gehöre zu den Alten,
eingeritzte Jahre,
Kratzer an der Karre
mindert den Wert,
Ackergaul statt Pferd
sieht in den Spiegel,
wünschte, ich wär ein Igel,
Stacheln statt Furchen,
keine Angst vor Besuchen,
immer glänzend gerüstet,
ohne glatt gebürstet.

Runzeln waren gestern,
meine lieben Schwestern,
die Zeichen auf meiner Haut
niemand mir mehr klaut,
sie sind Erinnerungen
an Erfahrungen,
der sichtbare Kampfgeist,
der jedem den Weg weist,
sich vom Acker zu machen,
falls er Gruben sieht, statt Lachen.

Kalt hat es mich erwischt,
dieses Licht,
dieser fahle Strahl,
der meine Jugend stahl,
Dankbar bin ich jetzt,
Kerbe um Kerbe Leben übersetzt,
in jede Sprache ohne Worte
heißt zuhause sein an jedem Orte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Corona-Krise entpuppt sich als dramatische Herausforderung

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Paul Robert Vogts Vorwürfe wiegen schwer

Während die Bundesregierung sich von der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina beraten läßt, wie man vorgehen sollte bei einer möglichen Normalisierung zurück ins öffentliche Leben, wenn die Infektionen auf niedrigem Niveau sich stabilisieren, möchten etliche sicherheitshalber lieber eine Fortsetzung bisheriger Maßnahmen. Diese Befürchtungen sind keineswegs unberechtigt, man bedenke dabei, es war Leopoldina, die 1.300 Kliniken für überflüssig hielten.

Eines hat die verantwortliche Politik tatsächlich gut hinbekommen, die konsequent rasche Umsetzung, wenigstens vor den Osterferien, bevor noch dramatischere Folgen uns alle belastet hätten. Dennoch erhebt Professor Paul Robert Vogt, Schweizer Chirurg und Hochschullehrer, schwere Vorwürfe gen Westen, „Dummes China-Bashing soll eigene Fehler vertuschen“.

Chronologie der Verfehlungen offenbart viel Ignoranz

Mit Blick zur Liste der chronologisch aufgezählten Mißstände kommt man nicht umhin, kritisch anzumahnen und zu hinterfragen, wieso Europa und die USA dermaßen blauäugig und leichtsinnig die harten Fakten ignorieren konnten. Politik und Medien zu selbstsicher einander verpflichtet in der Rolle des Abwartens?

Einerseits wurde im Anschluß wenigstens zügig gehandelt, als die Entwicklung der Pandemie sehr offensichtlich sichtbar wurde, zum anderen setzten Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker noch einen drauf, indem sie entweder die steigenden Infektionszahlen der Lächerlichkeit preisgaben oder behaupteten, ein Polizeistaat würde entstehen.

Augenmaß allein reicht nicht, hört besser auf Menschen wie Paul Robert Vogt

Es macht wenig Sinn, im Hier und Jetzt auf harten Vorwürfen zu beharren. Besser die richtigen Schlüsse ziehen, was allerdings Einsicht voraussetzt. Paul Roberts Ermahnungen liegen auf dem Tisch, sollten ziemlich ernst genommen werden, ganz besonders in dieser Situation, in der wir uns befinden. Von einer Entwarnung kann daher gar keine Rede sein.

Die Bundeskanzlerin sowie die Regierung täten gut daran, weiterhin sehr gewissenhaft zu handeln, vor allem sich nicht von voreiligen Ratschlägen eines Friedrich Merz oder Armin Laschet verrückt machen zu lassen. Hoffen wir das Beste, lernen aus Fehlern und Schwächen, diese Krise belastet uns alle schon schwer genug.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Deine Schuhe

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Das Hallo mit einem fragenden Lächeln
huschte, so schnell, ich sah es kaum
in deiner versunkenen Stimme zu mir,
zog einen Schweif deines Lebens
an meinem gesättigten Herzen vorbei,
du warst hungrig nach vermißten Worten,
die in deiner Seele verstreut hausten,
und Geschwülste zu bilden drohten,
auf deinen Schuhen Risse voll Staub,
verklebte Wege, eingefressen im Leder,
jedes Mal, wenn sie Einlaß begehrten,
deine Silben voll überreifen Schmerzen,
sah ich an den abgetragenen Schuhen
deren größte Qual, Hunger nach Freiheit,
ich fütterte sie, indem ich mein Herz öffnete,
und sie schienen ein wenig zu gesunden,
nur vage erinnere ich mich an dein Gesicht,
deine Stimme, deine sprühenden Wortfunken,
sie lösten sich auf in Eis und Staub der Zeit,
aber deine Schuhe, wie damals sehe ich sie.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Fleischverzehr taugt nichts

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Herzhaftes Zubeißen garantiert,
enthusiastisch gegrillt,
völlig ungeniert,
man dabei chillt,
dem Fleischkonsum verfallen,
weil andere es doch ebenso machen,
sie es daher gar nicht schnallen,
lassen es lieber würzig krachen.

Was interessiert Massentierhaltung,
Hauptsache das Ego befriedigt,
welch ekelhafte Verachtung,
Mensch sich dermaßen erniedrigt.
Sie glauben, das sei obendrein gesund,
all jener maßlose Fleischkonsum,
Kritik sei eine neidvolle Kund‘,
Irrtum, kommt nichts Gutes bei rum.

Manch Krankheit folgt auf dem Fuße,
Ernährungsgedanken schießt man in den Wind,
hat nichts zu tun mit andächtiger Buße,
aber Hauptsache Schwein, Hammel oder Rind.
Vegetarismus nicht einfach nur ein Wort,
der Körper dankt es uns allemal,
zu viel Fleisch in einem fort,
das bedeutet für viele unnötige Qual.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Liebeswinter

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Gesperrt weltweit die Nähe,
daß dies jemals geschähe
in irgendeiner Lebenszeit,
diese Idee ging zu weit,
verboten Berührung,
keine Umarmung,
Kontakt auf Abstand,
zwei Meter Luftwand,
Mundschutzpflicht,
all dies bedeutet nicht,
sich mit Worten zu berühren,
keine Telefonate führen,
Gefühle nicht zuzulassen,
keine neue Zuversicht fassen,
eine globale Kontaktsperre,
eine gemeinsam erlebte Sphäre,
erschafft für alle die Möglichkeit
einer internationalen Besinnlichkeit,
in der nicht Rang und Namen zählt,
sondern Humanität zum Sieger wählt,
die Voraussetzung für Nächstenliebe,
nach jedem Winter sprießen junge Triebe.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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