Spaziergang mit Robert Walser

Mir ist’s, als ob ich mit dir schritt
auf deinem Spaziergange,
als deine Worte die Luft durchschnitt:
„Ich bin der und der.
Ich habe soundso viel Geld,
und ich darf mir herausnehmen,
unangenehm aufzufallen.
Ich bin zwar sicherlich ein Lümmel
und Tölpel und geschmackloser Kerl
mit meinem häßlichen Prunken;
aber es hat mir niemand zu verbieten,
lümmelhaft und tölpelhaft zu sein.“

Mir ist’s, als ob ich nach deiner Hand griff
auf deinem Spaziergange,
damit deine Worte auch die Zukunft begriff.
„Zum Teufel mit der miserablen Sucht,
mehr zu scheinen, als man ist.
Eine wahre Katastrophe ist das,
die Kriegsgefahr, Tod, Elend, Haß
und Verwundungen auf der Erde verbreitet
und allem, was existiert,
eine verwünschenswerte Maske
von Bosheit und Häßlichkeit aufsetzt.“

Mir ist’s, als ob ich in einer Zeitschleife häng‘
auf deinem Spaziergange,
deine Worte voller Hoffnung in die Welt säng‘.
„So sei mir doch ein Handwerker kein Monsieur
und eine einfache Frau keine Madame.
Aber es will heute alles blenden und glitzern,
neu und fein und schön sein,
Monsieur sein und Madame sein,
daß es ein Grauen ist.
Doch kommt es vielleicht mit der Zeit
auch noch einmal wieder anders.
Ich will es hoffen.“

Mir ist’s, als ob ich hätt‘ dauernd geflennt
auf deinem Spaziergange, Robert Walser,
aus Freude, deine Worte man zeitlos nennt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Impeachment-Debakel war durchaus absehbar

Who makes America great again?

Ein jeder Trump-Fan – so die schlüssige, logische Antwort auf eine Frage der Superlative. Denn mal Hand aufs Herz, waren die USA jemals tatsächlich „great“? Sicherlich die Wirtschaftsnation Number One, der Hegemon mit der größten Militärmacht. Aber was hat’s tatsächlich genützt? Außer, daß die Superreichen noch reicher wurden, eine schrille Armut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorherrscht?

Darum schert sich auch ein Donald Trump mitnichten, Hauptsache die zweite Amtszeit möge fruchten. Und seine Chancen stehen besser denn je nach dem Impeachment-Debakel der US-Demokraten. Obwohl dies ohne weiteres absehbar war, eine dramatische Folge bisheriger Verstrickungen und Lügenkonstrukte, die ziemlich simpel verdeutlichen, wie jene USA im Innern tickt. Wer am Geldhahn sitzt, kann fast alles kaufen, auch das mächtigste Amt im Lande, man muß nur übel genug drauf sein.

Wer oder was schwächt den Wahlkampf der Demokraten?

Man mag in Versuchung geraten, der Argumentation des Tagesspiegel-Artikels zu folgen, es fehle den Demokraten an notwendiger Frische, deren Kandidaten ließen wichtige Impulse missen. Andererseits beantworten die plumpen Argumente Trumps Erfolgsweg, mit Parolen, Medienverunglimpfung und einer Flut von Lügen lassen sich immer noch mehrheitlich die Wähler im Lande täuschen. Das spricht nicht für deren Verstand, offenbart eine gewisse Begriffsstutzigkeit vermischt mit entsprechender Naivität, ausgerechnet jenem Donald Trump Glauben zu schenken.

Dabei sah es zu Beginn im Dezember des letzten Jahres noch vielversprechend aus, zumal dieser US-Präsident gegen die Verfassung verstoßen habe, dessen Hexenjagd-Vorwürfe sich als Eigentore entlarven sollten. Von all dem ist fast nichts übriggeblieben, zu geschlossen stand das Bollwerk der Republikaner einer neugierigen Justiz gegenüber, die erst gar nicht die Chance erhielt, das Impeachment-Verfahren fair durchzuführen.

Beißender Sarkasmus löst keine Tragik

Am Ende verbleibt neben einem faden Beigeschmack, wirklich kaum etwas bis gar nichts bisherig erreicht zu haben, um diesen US-Präsidenten zu stoppen oder gar aus dessen Amt zu befördern, noch das Mittel der Satire, die Häme, die Freude über dessen lächerlichen Verfehlungen. Trumpomanie, noch einmal voll aufgedreht, doch es ist nunmehr zu spät, weil dessen Geist eben längst nicht verweht!

Somit haben die Amis im Lande und die Weltpolitik voraussichtlich noch bis 2025 diesen 45. US-Präsidenten auszuhalten, wo genügend Überraschungen aufwarten, die gerne als „great“ verkauft neben dessen Rolle auch als von Gott gegebener Übermensch glänzen sollen – halleluja.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Menno

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Sie rannten, rannten, rannten
den endlosen Strand entlang,
die Schatten zu fangen,
das Böse aus der Welt
zu verbannen im Sinn.

Ermüdend, ermüdend, ermüdend,
stets das Böse zuerst am Ziel.
Menno, schrie ein kleines Kind,
wir geben denen Rückenwind,
schützen sie vor der Sonne Strahlen.

Blinzelnd drehten sie sich um, um, um,
vor ihnen ein weites offenes Land,
bunt und hell erwachsen Vorstellungen,
fortschreitend, die Schatten blind folgen,
das Böse nun degradiert zum Mitläufer.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Hofierung rechtsextremer Gemeinnützigkeit

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Peter Webers „Hallo Meinung“ wird verschont

Heuchelei erblüht erneut in Deutschland, während man der Ansprache zum Holocaust-Gedenken des Bundespräsidenten Steinmeier lauscht, dürfen parallel auf einer Medienplattform rechtsextreme Meinungen ungestraft kundgetan werden, sorgt das zuständige Finanzamt für eine „gemeinnützige“ Anerkennung. Vor dessen Blog warnt das Bündnis Nazi-Stopp.

Welch fataler Widerspruch! Während vor knapp einem Jahr noch ROBIN WOOD und andere Organisationen die Haltung deutscher Politik zu Recht anprangerten, deren Gemeinnützigkeit in Frage zu stellen, um diese kurzerhand abzuerkennen, was einem massivem Angriff deutscher Justiz gegen unsere Zivilgesellschaft entspricht, machen hierzulande Behörden wie das Finanzamt Nürnberg ganz offensichtlich Nägel mit Köpfen.

Gemeinderat nahm seine Distanzierung schlußendlich zurück

Wie schon seitens den Nürnberger Nachrichten berichtet, reagierte der Schwarzenbrucker Gemeinderat nach einem regelrechten Shitstorm im Internet, um sich beim Unternehmer Peter Weber zu entschuldigen, wie auch in der Monitor-Sendung im Juli 2019 verkündet worden war.

Rechtsextremes Gedankengut, simpelst verpackt im angeblichen Jargon einer konservativen Werte-Union, setzt sich am Ende durch, um einen Gemeinderat zu nötigen. Das spricht Bände und zeigt mal wieder auf, wie kleinlaut ein sogenannter Widerstand an einer verpaßten Zivil-Courage scheitert. Ein Freifahrtschein und somit eine Aufforderung ähnliche Verhältnisse in unserer Republik zu bestärken. Umso besser, daß das Nürnberger Bündnis Nazi-Stopp eben nicht die Füße still hält und Widerstand mobilisiert.

Fakten spiegeln eine ernstzunehmende Gefahr wider

Da baut sich etwas äußerst fragwürdiges in diesem Land auf, unabhängig von europäischen oder gar weltweiten Einflüssen rechtsradikalen Gedankenguts. Was soll jemand mit gesundem Menschenverstand von unserer Bundesregierung halten, die einerseits wehmütig den Holocaust, die Nazi-Herrschaft verurteilt, andererseits unverkennbar eine Justiz gewähren läßt, die auf dem rechten Auge erblindet ist, obendrein Rechtsextremismus sich immer mehr entfalten darf?

Solange deren geistigen Brandstifter nicht entlarvt, benannt und gestoppt werden, Finanzämter rechtsextreme Unternehmer schützten, um parallel NGOs die Gemeinnützigkeit zu entziehen, darf sich niemand wundern, daß die braun-blaue Gesinnung in diesem Land Fuß faßt und sich etabliert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Ein bißchen mehr

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Darf es ein bißchen mehr sein,
gerne,
ein Silbchen, ein Wort,
auf ein Wort,
muß man es verstehen,
das Palavern,
die Sonne scheint so schön,
Zeit will gefüllt werden,
Stille wiegt nichts,
keine Gedanken, die schwirren,
unruhig wird man da,
und sie hat gestaunt,
wirklich wahr,
das kleine Schwätzchen,
die neuen, alten Geschichten,
die muß man wissen,
was schadet ein bißchen mehr,
Zeit wiegt nichts,
Stille will gefüllt sein,
Schwermut, wer will sie tragen,
nein danke, nicht mehr,
gesättigt von der Leere,
der Inhaltslosigkeit der Wörter,
kein bißchen mehr,
stille Zeit darf leicht sein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Corona sei Dank schieben wir nichts auf die lange Bank

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Von Mauern und Grenzen mit manchen Turbolenzen

Da ist sie endlich, wie schön, die Pandemie, so simpel war’s für politisch Verantwortliche noch nie, man kann nach Gutsherrenart schalten und walten, dat wußten ohnehin schon immer die Alten. Wenn Menschen per Panik versetzt, hat’s sich zu guter Letzt stets gelohnt, wird am Ende nichts verschont!

Erst recht, wenn ausgerechnet im Land der Mitte erfolgen jene extravaganten Fehltritte. Schließlich traut niemand den Chinesen, was bereits The Donald weltweit per Handelskrieg offenbarte. Außer Spesen nichts gewesen, erscheint jetzt auf der punktierten Weltkarte. Das Coronavirus erlaubt heftigsten Stuß zu allem Überdruß. Der Politik sei Tür und Tor jetzt offen, da nützt kein positives Hoffen.

Man kann jedwede Szenarien den Menschen zumuten, kritische Gedanken schlicht wegfluten. Verschwörungstheorien haben Hochsaison. Wer bringt Verantwortliche daraufhin zur Raison? Niemand mehr, es gilt ab jetzt jedwede Mär!

Kein Wunder, daß Russland nach der Mongolei seine Grenze schließen will, auch wenn solch eine Entscheidung äußert schrill. Haben Sie schon mal nen Virus an einer Paßkontrolle gesehen? Dat wird wohl niemals geschehen. Denn Grenzen und Mauern bieten kein Hindernis zum Auflauern, eine solche Pandemie stoppt man damit nie.

Überhaupt mag man nur noch staunen über jenes hysterische Raunen. Vor rund hundert Jahren hatte die Spanische Grippe sehr viel Todesopfer gefordert, von 25 bis 50 Millionen  muß man ausgehen. Was soll jenes mediale Gekeife, welches beordert? Das war damals ein wesentlich dramatischeres Geschehen.

Verharmlosung sei dennoch keine Option, es zählt ein vernünftiger Ton. Wie damit jetzt umgehen, wo doch keine Rede von einem Versehen? Zwischen Lustig machen und Phobien schüren, wohin wird das wohl führen? Wenn man dies ohne Glaskugel sagen kann, das wäre mal ein interessantes Programm.

Nüchterne Herangehensweise, weder laut noch leise, sei mal ne treffsichere Reise, die uns Menschen ansteht. Noch ist es nicht zu spät. Aber inzwischen kursiert manch schräges Gebet. Der ein oder andere möchte solch Gelegenheit beim Schopfe packen, was Nützliches für sich und seine Ziele abzwacken.

Wer real künstliche Panikmache schürt oder per Verunglimpfung andere zu Schandtaten verführt, der trägt eine gewaltige Schuld. Welch zynischer Kult, der sich mal wieder Bahn bricht. Es erfreut so manch Bösewicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Es hätte sein können

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Nun hätte es sein können,
schließlich geschieht es dauernd,
die Bahn kommt zu spät,
der Bus fährt gerade weg,
der Wecker klingelte nicht,
ist jedem schon mal passiert,
täglich, tausendfach, oder nicht,
wetten, das gehört zum Leben,
deshalb, es hätte sein können.

Zu schön wäre es,
dieses zum Leben gehören,
kann man verzeihen, verstehen,
zu spät ins Bett gekommen,
festgequatscht mit Freunden,
Wecker nicht gehört,
ist jedem schon mal passiert,
täglich, tausendfach, oder nicht,
das gehört nicht zum Leben,
deshalb lüge ich heute gehörig.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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