Nachmittags im Winter

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Drahtesel schlittert unverhofft,
kein Eis und Schnee auf der Straße,
Leichtsinn im Spiel wie so oft
als Schüler der fünften Klasse.

Deine Freunde feixend lachen,
konnten daher einfach stoppen,
aber du machst keine halben Sachen,
möchtest alle am liebsten toppen.

Was die Jugend stets ausprobiert,
gehört schlichtweg zum Leben,
egal was dabei auch passiert,
unwichtig ein gezieltes Streben.

Erwachsene wollen belehrend sein,
verstehen mitnichten die Rebellion,
alles erlaubt nicht nur zum Schein,
von Mut, Arroganz bishin zum Hohn.

Das Rad steht wieder im Schuppen,
zu Hause man für die Schule übt,
die kleine Schwester spielt mit Puppen,
du selbst abgelenkt, da frisch verliebt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Entsetzen erscheint in einem anderen Kontext

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Außer Frage, es geschehen entsetzliche Dinge. Geschehnisse, bei denen sich selbst bei uns Menschen die Nackenhaare sträuben, ähnlich den Tieren, deren Fell von Kopf bis zum Rutenansatz sich hochstellen. Übrigens können weder Menschen noch Tiere diese Reaktion bewußt herbeiführen. Ein Zeichen, daß hier das Gefühl sozusagen die Führung übernimmt. Etwas gruselt uns nicht nur, wir erschrecken auch.

Laut Duden entstammt das Wort dem Mittelhochdeutschen entsetzen und ist gleichbedeutend mit absetzen, fürchten, befreien; gebildet aus dem Althochdeutschen intsezzen, fürchten, argwöhnen.

Synonyme sind, aus der Fassung geraten, fassungslos sein, in Angst und Schrecken fallen.

Vielleicht ist ihnen aufgefallen, möglicherweise wurde es überlesen, das Wort „befreien“ wird gleichgesetzt mit „fürchten“. Kein Schreibfehler, sondern eine oder die kognitive Erklärung zu dem oben beschriebenen Gefühl, des gleichzeitigen Gruselns und Erschreckens.

Eine Stadt, eine Division entsetzen, entlehnt aus dem militärischen Bereich, der Begriff dafür eine belagerte Festung oder einen eingeschlossenen Truppenteil durch neu herangeführte Truppen zu befreien. (Duden)

Fast unnötig zu erwähnen, das Substantiv, „Entsetzen“ wird im Duden mit Grauen und panikartiger Reaktion verbundener Schrecken erklärt.

Ohne große gärtnerische Kenntnisse ist es sicher jedem bekannt, daß von Blumenzwiebeln setzen gesprochen wird, wobei die Zwiebeln in die Erde gesetzt werden, diesen Vorgang könnte man auch einsetzen nennen. Apropos „einsetzen“, um bei den Pflanzungen gute Ergebnisse zu erzielen, setzt man, wo nötig, andere Pflanzenarten dazwischen, um etwa damit Schädlinge abzuhalten oder weil die Pflanzen in Kombination besser gedeihen.

Das althochdeutsche Wort intsezzen ähnelt beim Lesen eher dem „einsetzen“ als „entsetzen“, oder? Ein Hinweis auf diese frühere Bedeutung erklärt sich mit dem o.g. Wort „absetzen“. Hierzu ein Beispiel von DWB gewöhnlich aber von personen: dem herrn und gebieter steht es zu, diener zu setzen und entsetzen; der könig setzet und entsetzet etliche bischöfe; ein schultheisz ward entsetzt.

Hier wird das Wort für „einsetzen“ und „absetzen“ einer Peron in ihrem Amt angewendet.

Dieses Beispiel verdeutlicht eine andere Sachlage: die stadt entsetzen, urbem obsidione liberare, des feindes entsetzen: die burg wurde hart belagert und erst nach sechs wochen entsetzt; zumal niemand vorhanden, der die stadt entsetzet oder den feind abtreibet (DWB)

In diesem Textausschnitt leicht erkennbar das Wort „befreien“.

Um wieder auf das Pflanzen zurückzukommen, durch das Einsetzen anderer Pflanzengattungen befreien wir eine Pflanze von Ungezieferbefall oder sorgen dafür, daß sie besser wächst.

Somit wäre intsezzen in seiner ursprünglichen Bedeutung eher mit befreien, als mit „fürchten“, gleichzusetzen.

Wäre da nicht auch die Möglichkeit, sich des eingesetzten Amtes als unwürdig zu erweisen oder die Stadt mit unverhältnismäßiger Gewalt zu befreien. Hierdurch wäre das intsezzen ein Schrecken verbreitendes Szenario.

Bleibt noch zu erwähnen „setzen“ (sitzen machen) entstammt dem althochdeutschen sezzan. („Sitzen machen“ erinnert an Dressurmethoden mit Tieren, an ein erzwungenes Verhalten, ein vom Gegenüber einwirkendes Kommando oder Befehl zum Handeln.)

Und nicht zu vergessen die Vorsilbe „ent“. Sie drückt aus: 1. etwas wieder in seinen eigentlichen Zustand zu setzen, “entmutigen“. 2.  den Beginn von etwas zu erklären, „entfachen“. 3. um Gegenteiliges zu benennen, „entkleiden“. 4. um Weggehen oder Entfernen zu bezeichnen, „entfliehen“.

„Entsetzen“ wäre demnach freiwilliges Sitzen; der Anfang eines Geschehnisses, sitzen; das Gegenteil, also stehen, rennen oder ähnliches; um die Handlung zu beschreiben vom Sitz in eine andere Position sich zu verlagern.

Und diese vier Aufzählungen machen uns fürchten, jagen uns Angst ein, erschrecken uns bis ins Mark?

Womöglich erschüttern uns bis heute gefühlsmäßig mehr die Schrecken, die mit einer Benennung für ein Amt, die Befreiung einer Stadt durch neue Truppen mehr, als die Tatsache, daß eine ursprüngliche Situation wiederhergestellt werden sollte.

Da intsezzen auch argwöhnen bedeutet und „entsetzen“ nicht zuerst über den Verstand von uns wahrgenommen wird, ist es wahrscheinlicher, daß das Entsetzen uns deshalb unter die Haut geht, weil Skepsis und Tatsache in diesem Moment gegeneinander aufgewogen werden.

Denken wir zurück an die Pflanzen, damit eine von uns bevorzugte Pflanze geschützt wird, setzen wir zum Entsetzen von sogenanntem Ungeziefer oder Unkraut eine andere Pflanzenart dazwischen. Bleibt die Frage, setzen wir damit diese ungewollten „Gäste“ auch in Angst und Schrecken?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumnen

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Rafael Nadal holt sich den 21. Grandslam-Titel

Nummer 5 besiegt Nummer 2 in den Australien Open

Gestern durften sportbegeisterte Tennis-Fans in Melbournes Rod Laver Arena das Finale der diesjährigen Australian Open bewundern. Im Endspiel standen sich Daniil Medwedew und Rafael Nadal gegenüber. Nach 5 Stunden und 24 Minuten gab es einen Sieger auf dem Platz, der Mallorquiner bezwang den Russen in fünf dramatischen Sätzen und holte sich damit seinen 21. Grandslam-Titel.

Dabei hatte es bereits im Vorfeld der Australian Open genügend Zündstoff gegeben durch den Weltranglistenersten Novak Đoković, der seit 74 Wochen bisher ungeschlagen seinen Titel als Erstplatzierter innehat, allerdings einsehen mußte, Australien wieder verlassen zu müssen, so daß er nicht am ersten Grandslam-Turnier dieses Jahres teilnehmen durfte. Fans erahnten bereits zu Beginn des Turniers am 17. Januar, daß genau jene beiden das Finale bestreiten würden.

Viel Erfahrung mit entsprechend starkem Topspin am Ende ge-winnentscheidend

Was zeichnet den rund zehn Jahre älteren Rafael Nadal aus? Natürlich in erster Linie dessen längere Erfahrung, die er sammeln durfte während seiner Tenniskarriere, die bereits als 15-Jähriger Profispieler begann. Ein Jahr später konnte er in der Weltrangliste innerhalb des Jahres 2002 sich um 411 Plätze verbessers, befand sich schon auf Platz 200 zum Jahresende.

Nach weiteren drei Jahren bezwang er im Finale der French Open den Argentinier Mariano Puerta in vier Sätzen zu seinem ersten Grandslam-Sieg.  Im Jahre 2008 gewann er sein erstes Wimbledon-Finale gegen Roger Federer in dramatisch langen 4 Stunden und 48 Minuten in 5 Sätzen und erreichte am 18. August das erstemal den begehrten Titel der Nummer 1 im Herrentennis.

Doch worin unterscheidet sich der Mallorquiner, was seine Spielweise anbelangt? Mit Sicherheit durch dessen imposanten Topspin. Das Effet und dadurch die unterschiedlichen taktischen Schlagtechniken nutzen Rafael Nadal ganz besonders, zumal er im Gegensatz zu anderen Tennisgrößen eine wesentlich höhere Umdrehungszahl pro Minute beim Topspin erreicht, nämlich bis zu 4.000, während z.B. ein Roger Federer sich gerade mal mit 2.000 begnügen muß. Obendrein kann der jüngste durchtrainierte Australian Open-Gewinner auch deshalb punkten, weil er über ein außergewöhnlich ausgeprägtes Antizipationsvermögen verfügt, ganz ähnlich wie übrigens Novak Đoković.

Hätte ein Alexander Zverev ihn besiegen können?

Die Frage sollte man schon mit nein beantworten. Zunächst hatte die deutsche Nummer 3 keinen guten Start im ersten Grandslam des Jahres, verlor schließlich im Achtelfinale gegen den Kanadier Denis Shapovalov in 3 Sätzen. Seine Zeit könnte noch kommen genauso wie die von Daniil Medwedew, sie befinden sich ungefähr im gleichen Alter.

Rafael Nadal hat als einziger und erster Tennisspieler 21 Grandslam-Titel erreicht. Das muß ihm erst mal jemand nachmachen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Sport

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Geschmeidige Lügen

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Geschmeidige Lügen,
getarnte Worte,
Spinnfäden
die Ohren zukleben,
filigrane Netze
senden Alarm,
damit keine Flunkerei
zu Schaden kommt.

Geschmeidige Lügen,
getarnte Worte,
flauschige Wolle
die Ohren verstopfen,
versunken in Polster,
bei jedem Schwindel
fällt man ins
weiche Nest zurück.

Geschmeidige Lügen,
getarnte Worte,
tönendes Geglitzer,
in den Ohren
Echos sich wiederholen,
betäuben die Gespinste,
endlose Fäden,
die Flunkereien festhalten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Kurz bevor Waffen sprechen

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Säbelrasseln im Westen,
es steht nicht zum Besten.
Der Osten am Aufrüsten
bis zu den Schwarzmeerküsten.
Krieg in Europa steht bevor,
welch haßerfüllter Chor.
Diplomaten längst gefordert,
von Politik gezielt beordert.
Völker staunen ohnmachtgleich,
der Kampf Arm gegen Reich
wird tunlichst ignoriert,
obwohl ständig weltweit passiert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bunter Horizont

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Als ich aufsah
zu den Tönen,
die leise
aus mir strömen,
färben sie
das triste Grau
der Straße
in glitzernde
Pigmente.

Jeder Atemzug
verteilte
das Pulver,
fluoreszierende
Laute
beschriften
meine Stimme,
leise blinkt
ein bunter Horizont.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wer schweigt, macht sich mitschuldig

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Solange Politiker Faschismus dulden,
Lobbyisten sich maßlos verschulden,
darf und muß man dies anmahnen,
sobald sich jene Zustände anbahnen.

Solange Ärzte Krankheiten ignorieren,
Patienten dennoch bei ihnen parieren,
muß man sich mit Nachdruck wehren,
weil die sich um uns einen Dreck scheren.

Solange die Gesellschaft Reichtum zuläßt,
obwohl der bekanntlich zu viele verletzt,
sollte man sich nicht wundern über Krieg,
denn der bedeutet niemals wirklich Sieg.

Solange wir stillschweigend zuschauen,
zu wenige sich beherzt trauen,
kann Freiheit sich nicht gerecht entfalten,
das wußten übrigens vorher auch die Alten.

Solange Journalisten und Dichter mahnen,
manche dadurch Erkenntnisse erahnen,
möchte manch einer die Haare raufen
oder schlichtweg einfach davonlaufen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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