Serengeti wird bald sterben


flickr.com/ Marc Veraart/ (CC BY-ND 2.0)

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Kenias Regierung gibt ein Riesengebiet des Mau-Waldes zur Abholzung frei

Der Serengeti geht es erneut an den Kragen, diesmal betrifft es den Mau-Wald, dem größten indigenen Wald Ost-Afrikas, der sich östlich des Victoria-Sees in Kenia befindet und sich über eine Fläche von 273.000 Hektar erstreckt, was immerhin 273 km² entspricht, zum Vergleich etwas größer als Erfurt mit seinen 269 km².

Die Regierung Kenias hat rund 17.000 Hektar des Mau-Waldes zur Abholzung freigegeben, dem Quellgebiet des Mara-Flußes, der vor allem als einziger Fluß im Serengeti-Nationalpark die Wasserversorgung dort sichert und somit das Überleben riesiger Herden wilder Huftiere wie Antilopen, Gnus oder Zebras. Rettet den Regenwald e.V. bittet eindringlich um Unterzeichnung dieser Petition, die sich an den Präsidenten der Republik Kenia, Uhuru Muigai Kenyatta, richtet, der seit drei Jahren das Land leitet als einer der reichsten Männer Afrikas.

Bernard und Michael Grzimeks Kinodokumentarfilm wird nachhaltig verhöhnt

Weil Profitgier ihren Hals nicht voll genug bekommen kann. Dabei hatten die beiden Tierfilmer, Michael Grzimek schrieb das Drehbuch zum Film „Serengeti darf nicht sterben“, vor allem eines im Sinn, die riesige Serengeti, welche mit ihren 30.000 km² in etwa 8 Prozent der Größe der BRD entspricht, genauer zu beobachten, zu schützen, vor allem die Tierwanderungen, um die Ende der 1950iger geplante Einzäunung im 1951 gegründeten Serengeti-Nationalpark im Schutzgebiet um den Ngorongoro-Krater zu verhindern.

Hatte Tansania noch vor sechs Jahren eine Autobahn mitten durch den Serengeti-Nationalpark geplant, verwarf diese jedoch das schreckliche Bauvorhaben aufgrund heftigen Widerstands, auch unter Androhung der UNESCO, dem Park den Status als Weltnaturerbe abzuerkennen. Nunmehr hat sich Kenias Regierung entschlossen, den Mau-Wald weiterhin abholzen zu lassen, wie schon die letzten 15 Jahre zuvor, wo bereits 25 Prozent des Waldbestandes zerstört wurden, wie Serengeti Watch anführt.

Grzimeks Erbe in Gefahr

Wird die Serengeti tatsächlich bald sterben? Die Menschheit seelenruhig zuschauen, ohne eines der wichtigsten Gebiete Afrikas zu bewahren und davor zu schützen? Michael Grzimek verstarb kurz vor Ende der Dreharbeiten, weil tragischerweise ein Geier ihm in einer Dornier Do 27, ein einmotoriges STOL-Mehrzweckflugzeug, in die Quere kam, die Maschine abstürzte.

Dessen Vater Bernard bestand aber auf die folgende Film-Passage, die die zuständige Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) streichen wollte als Entgegenkommen Grzimeks, dafür solle der Dokumentarfilm das Prädikat „wertvoll“ erhalten:

„Diese letzten Reste des afrikanischen Tierlebens sind ein kultureller Gemeinbesitz der ganzen Menschheit, genau wie unsere Kathedralen, wie die antiken Bauten, wie die Akropolis, der Petersdom und der Louvre in Paris. Vor einigen Jahrhunderten hat man noch die römischen Tempel abgebrochen, um aus den Quadern Bürgerhäuser zu bauen. Würde heute eine Regierung, gleich welchen Systems, es wagen, die Akropolis in Athen abzureißen, um Wohnungen zu bauen, dann würde ein Aufschrei der Empörung durch die ganze zivilisierte Menschheit gehen. Genau so wenig dürfen schwarze oder weiße Menschen diese letzten lebenden Kulturschätze Afrikas antasten. Gott machte seine Erde den Menschen untertan, aber nicht, damit er sein Werk völlig vernichte.“

Der Tierarzt und Dokumentarfilmer setzte sich durch, das Prädikat „wervoll“ erhielt der Film ohne Auflage, 1960, ein Jahr nach der Erscheinung, erhielt er gar einen Oskar für die beste Dokumentation. Dennoch befindet sich Grzimeks Erbe in Gefahr, die Serengeti bleibt weiterhin gefährdet, zumal profitorientierte Wirtschaftsinteressen ihr auf die Pelle rücken nicht nur wie jetzt aktuell mit der erneuten Abholzung im Mau-Wald, sondern ebenso wegen Straßenbauplanungen und Wilderei.

Lotar Martin Kamm

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4 Responses to Serengeti wird bald sterben

  1. Avatar von gartenkuss gartenkuss sagt:

    Es ist einfach nur traurig. Die Menschen sind irre. LG von gartenkuss 🙋🍀🐝🐝🐝

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  2. Unterschrieben.
    Es ist sehr traurig, wie die Menschen mit der Natur und den Tieren umgehen, als wären wir alleine auf der Welt. LG

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  3. Avatar von schlingsite schlingsite sagt:

    Die wachsende Bevölkerung braucht größere Anbauflächen für Nahrung und als Folge wird der Wald abgeholzt bis er verschwunden ist. Danach wandern viele in noch fruchtbare Gebiete aus.

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    • Avatar von hraban57 hraban57 sagt:

      Dem muß ich widersprechen. Es gäbe weitaus weltweit genug Anbauflächen, um selbst eine wachsende Weltbevölkerung enstprechend versorgen zu können, ohne dabei unsere kostbaren und überlebensnotwendigen Waldbestände dezimieren zu müssen! Es ist die brutale Mär von Leuten, die den Hals nicht voll genug bekommen, ihren Reichtum ständig rücksichtslos vergrößern. Auch könnte man ohne jedwede chemische Industrie eine natürliche Landwirtschaft betreiben, weg von der erschreckend giftigen Agrar-Industrie, man muß es nur durchsetzen. So einfach wäre das, aber so schwer umzusetzen, weil dieser Überreichtum förmlich an seinen Geiz erstickt und die Weltbevölkerung obendrein darunter leiden läßt.

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