Es war einmal ein Freund

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Bild von Ben Frieden auf Pixabay

Er war ein Freund aus jenen Tagen,
als Freunde noch Freunde waren.
Wir badeten nackt, keine Scham wir kannten,
zum Trocknen wir um die Wette rannten.
Bei jedem Wetter spielten wir draußen,
am liebsten dort, wo Abenteuer hausten.
Wir waren nicht wie Bruder und Schwester,
nie eifersüchtig, wir waren Beste, Bester.
Wir lebten ohne Differenzierung,
nur unsere Vornamen waren Orientierung
zwischen uns, zwischen Himmel und Hölle,
die uns brachten den Verlust der Fülle.
Seitdem leben wir in verschiedenen Welten,
weil sich dadurch Horizont und Erde trennten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Kein unlösbares Dilemma

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Bild von Julius H auf Pixabay

Entweder du atmest,
oder du erstickst.
Leben sucht Wege
im Auftrag der Natur.
Schau ruhig erstaunt,
wenn du erschrickst.
Sieh es besser locker
und sei nicht so stur.

Entweder Politik handelt,
oder sie versagt.
Die Schöpfung sieht alles
wie eh und je.
Bei Aufrichtigen
das Gewissen nagt.
Wer einfach wegschaut,
hat einem im Tee.

Entweder es ändert sich etwas,
oder es bleibt beim Alten.
Philosophie mag hilfreich sein
ohne Hintergedanken.
Einfach mal wohlüberlegt
gelassen innehalten.
Öffnet dabei unüberbrückbare,
widrig installierte Schranken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Auf dem Laufsteg

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Bild von Ahmad Ardity auf Pixabay

Mit Kunststoffwachs überzogene Gesichter,
mimiklos, modellierte eisig glänzende Mienen,
mumifiziert zu Lebzeiten zur Coolness,
zur Gefühllosigkeit, zu schweigenden Puppen,
gehörlos, sprachlos, blicklos forsch schreitend
wie mechanisch aufgezogenes Blechspielzeug,
verfremdete Wesen, nicht berührbar,
nicht abwaschbar, nicht integrierbar,
Seelen mit Panzerglas kaschiert,
menschliche Panic Room Modelle vorgeführt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Geistesblitz oder Stichwortkomet

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Bild von 6147366 auf Pixabay

Nicht immer erfahre ich,
wer du bist,
männlich oder weiblich,
sächlich oder kleinlich,
woher du kommst,
ob du wo wohnst
oder lieber reist,
weil du verwaist,
aus eigenen Stücken
hast du dich
deinem Leben entrückt,
um mich zu besuchen,
ich kann nicht mal
den Herrgott um Hilfe anrufen,
den gibt es genauso
wenig wie dich,
nur daß du aufdringlicher bist,
du Trockengewitter,
du Geistesblitz,
aus heiterem Himmel
galoppierst du heran
auf einem Schimmel,
der nur in Märchen real sein kann,
hoch zu Roß
gibst du mit der Lanze den Anstoß,
aus dem Treffer
bildet sich ein Gedanke,
den du schnellstmöglich
mit Weihrauch besprühst,
seine Wichtigkeit unterstreichend,
wie schlau du bist,
mit der Nebelwand
schleichen sich Wolken heran,
bringen mehr Gedankeneinfälle,
dem ersten Blitz folgen
peitschende Wortergüsse,
donnernd platschen
sie auf dein Gedachtes,
reißen es strudelnd mit,
zerlegen es in Silbenabfälle,
aus dem Wortschlachtgetümmel
blinkt der weißblanke Schweif,
der Stichwortkomet ist längst verreist.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Ein Jahr Covid-19 und kein Ende der Pandemie in Sicht

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Bild von Henrikas Mackevicius auf Pixabay

Was läuft verkehrt beim menschlichen Versagen?

Das letzte Jahr wird als das Corona-Jahr in der Geschichte der Menschheit haften bleiben. Tatsächlich? Immerhin hat unsere Spezies schon etliche Pandemien durchlebt und überstanden. Mit dem Covid-19-Virus kam lediglich eine neue hinzu, die verglichen zur Spanischen Grippe bis jetzt noch relativ glimpflich verläuft. Allerdings mag das trügersich sein, schließlich zog sich der Verlauf der Spanischen Grippe länger hin, war obendrein die Wissenschaft dessen Virus eher hilflos ausgeliefert.

„Weitere Pandemien lauern schon“, gab der Zoologe Peter Daszak im taz-Interview zum Besten. Dabei betont er völlig zu Recht, daß wir selbst es in der Hand haben, weitere Pandemien zumindest einzudämmen, in dem wir unser Verhalten überdenken und ändern. Ursächlich seien der Klimawandel und das Artensterben hauptursächlich beteiligt, was zweifelsfrei Mensch selbst zu verantworten hat.

Versagen auf ganzer Linie berechtigter Vorwurf gen Politik?

Man sollte vielleicht nicht ganz so hart urteilen, letztlich sind Politiker auch nur Menschen, die Fehler begehen, vor allem angesichts wegen des tragischen Verlaufs und dem ständigen Datenabgleich zwischen neuen Erkenntnissen und Entscheidungen, die dann schnellstmöglich abgestimmt getroffen werden müssen. Hierzulande erst recht nicht leicht wegen des föderalen Systems.

In dem Interview mit der Epidemiologin Ulrike Haug zum Corona-Impfstoff wird deutlich, wie schwierig sich die Sachlage gestaltet. Dabei beruft sie sich auf eine unsichere Datenbasis, die Vergleichsstudien erschweren, obendrein dürften keine bürokratischen Hürden und Verunsicherungen den Impfverlauf erschweren. In anderen Worten, die Politik ist durchaus gefragt, ihre Hausaufgaben sehr gewissenhaft zu machen und durchzusetzen!

Parallel hat wohl die EU eine viel zu zaghafte Strategie verfolgt, Europas fataler Geiz läßt grüßen, wie Stefan Kaiser in seinem Kommentar im Spiegel anmerkt, eine All-inclusive-Order bei allen Pharmafirmen wäre günstiger gewesen als weitere Monate im Shutdown.

Vom Unwort des Jahres zur nüchternen Realität

Neben „Rückführungspatenschaften“ reiht sich noch „Corona-Diktatur“ als Unwort des Jahres 2020 ein. Letzteres bezieht sich vor allem auf jene Covidioten, die weiterhin nicht kapieren wollen, wie lebensgefährlich uns alle jenes Virus auf die Pelle rückt. Dabei gibt es durchaus auch positiv praxisnahe politische Entscheidungen wie z.B. die des Rostocker Oberbürgermeisters Claus Ruhe Madsen, der mit seiner Covid-Strategie erfolgreich zu sein scheint. Und zwar per Erhöhung von möglichst vielen Testungen, die Kontakt-Ketten zu schließen, anfangs gar gegen die Widerstände des RKIs.

Kann eine angestrebte Null-Fälle-Strategie Deutschland aus der Corona-Krise führen? Dieser Frage geht Zeit Online nach, führende Forscher schlagen der Kanzlerin einen No-Covid-Plan vor. Es bleibt zu hoffen, daß solche Pläne tatsächlich greifen. Andererseits sollten wir uns alle besser darauf einstellen, in diesem Jahr mit der Seuche uns zu arrangieren, selbst durchgeimpft stehen noch viele Fragen im Raum, z.B. wie sich bestimmte Mutationen des Virus verhalten.

Während ein Herr Lindner und andere neoliberalen Schergen ein Ende des Lockdowns fordern, schlagen manche Ökonomen wie z.B. Rudolf Hickel vor, Zero Covid zu unterzeichnen, „sein Motiv sei auch eine persönliche Verzweiflung“. Die Bundesregierung wäre mehr als gut beraten, solchen Stimmen viel eher zu folgen als den Forderungen der Liberalen und Konsorten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Freiheitliche Grenzen

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Bild von Corinna Schenk auf Pixabay

Meine Freiheit hatte Grenzen,
wenn zufällig jemand zusah,
wie ich sie gerade übertrat,
es waren liebevolle Sorgen,
diese Habachtlinien,
die mich umgaben,
aber auch lästig, sehr lästig,
und früh erkannte ich,
von Last sollte man sich lösen,
um lockerer zu werden,
Hemmnisse überwinden,
also stieg ich mal wieder
über den Gartenzaun,
schlich zum Ufer des Sees,
wo mich die Wellen begrüßen
mit ihrem ständigen Murmeln,
das Schilf tanzte im Takt
der fließenden Melodie,
hockte mich zwischen die Stengel,
die mich jetzt noch mehr
überragten als im Stehen,
ein grüner, hellbrauner Wald
mit dessen monotonem Rascheln
ich um die Wette schaukelte,
und mit zunehmender Gewißheit
spürte, beobachtet zu werden,
still wurde der Platz, eng die Zeit,
der See, das Schilf ruhte,
das Augenpaar ruhte,
starr auf mich gerichtet,
ich hatte die Habachtlinie
einer Eule übertreten,
ihr Blick wohnt immer noch
in meinen Augen,
nicht weit von mir entfernt
auf dem morschen Baum,
dessen Äste im See baumelten,
die Grenzen verwischend
zwischen fest und fließend,
zwischen umhegt und eingesperrt sein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Seine Erinnerung an mich

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Bild von Finmiki auf Pixabay

Angefleht habe ich ihn,
er möge doch bleiben,
mir Gesellschaft leisten,
meiner Stimme zuhören,
nicht bloß das Gesicht streifen,
nicht Echo mit ihr spielen,
ich wäre so erfreut gewesen,
als Stimme ihn zu begleiten,
erst laut und deutlich,
dann immer leiser, leiser,
vielleicht hätte er sie
als Begleiterin akzeptiert,
aber er war eine kleine Böe,
ihr Dasein zu kurz
für eine weite Reise,
vielleicht hat der Windstoß
mich deshalb berührt,
damit ich ihn begleite
in seiner kurzen Dauer,
und nur mir war es vergönnt,
ihn kennenzulernen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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