Aber man kann doch mal einen Lanz brechen

Wenn der Markus stets recht hat

Politische Meinungen darf ein jeder haben, wäre ja noch schöner. Das gilt somit für alle Menschen, gleichwohl in den Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsendern. Also auch im ZDF, wo Markus Lanz mit dessen Talkshow mehrmals wöchentlich aufwartet. Erinnern wir uns, wie unsensibel er besonders gern einer Sahra Wagenknecht beispielsweise ins Wort fiel, mitten in ihren Ausführungen, knallhart, nicht etwa messerscharf, sondern eher rüpelhaft.

Ein Moderator verblüfft mit gewaltiger Ignoranz, betitelt Daland Segler in der Frankfurter Rundschau, nimmt Stellung zur Sendung vom letzten Donnerstag. Rügt diesen, er würde permanent ins Wort fallen, mit Falschbehauptungen argumentieren. Das kennen all jene nur zu gut, die sein Talkpalaver des Öfteren beobachten.

Manchmal bräuchten wir mehr von der Sorte eines David Hasselhoff

Der hätte mit Sicherheit den Fronleichnam-Talk kräftig aufgemischt so wie im April des letzten Jahres, als Pragmatismus bei Markus Lanz sich durchsetzte. Zugegeben, mit einem Christian Lindner und einer Luisa Neubauer war eine gewisse Spannung vorprogrammiert.

Der Lanz kann mit Sozen, Grünen oder gar Linken wenig bis gar nichts anfangen. Seine Lieblingspartei CDU verträgt sich lediglich nur ein Stückweit mit der FDP, alles andere mißfällt dem sogenannten Talkmaster, von dem ein Markus Lanz meilenweit entfernt ist. Solange keine gewaltige Stimme ihm Paroli bietet, fällt er halt notorisch solchen Gästen ins Wort, ignoriert einfach Fakten, wie auch Daland Segler mokiert.

 Wenigstens ein tolles Schlußplädoyer

Vermochte den Talk noch halbwegs zu retten. Die  Journalistin Jana Pareigis fand gegen Ende der Talkshow die richtigen Worte zum bundesdeutschen Rassismus, das „Racial Profiling“ sei genauer unter die Lupe zu nehmen, dabei hätte ohnehin die Bundesregierung erheblich versagt beim NSU-Komplex. Das trifft den Punkt, auch dieser Staat wird von innen unterwandert, erst recht seitdem eine AfD dermaßen dreist agieren darf.

Im Grunde halten etliche auch einem Markus Lanz den Spiegel vors Gesicht, nur bemerkt dieser es nicht. Warum auch? Schließlich ist er genug damit beschäftigt, sich ins rechte Licht zu rücken, das „rechts“ könnte ohne weiteres nicht nur ein zufällig gewähltes geflügeltes Wort sein, suchen Sie es sich aus. Es paßt hüben wie drüben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

Veröffentlicht unter Medienschelte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mitten im Nirgendwo

https://pixabay.com/de/photos/sanduhr-schwarz-wei%C3%9F-white-schwarz-4942685/

Bild von Şahin Sezer Dinçer auf Pixabay

Als ich reiste
früher
allein
am Straßenrand
ging ich vor
und zurück
irgendwann
Langeweile
schlich sich ein
so einsam
zu sein
inmitten
der Welt

Die Welt
paar Schritte
vor und zurück
aus Autofenstern
müde Augen
hinter Glas
Trägheit
des Geistes
in Fahrt
sehen
die lange Weile
in der Mitte
nicht

Nicht mehr
schlafen können
treibt sie vorbei
an ihren Träumen
Zeitwüste ist
das blanke Grauen
Sanduhr ihr
Lebenstakt
ich geh auf
und ab
verteile in Muße
mitten im Nirgendwo
Zeitsand

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bevor der Blick erlischt

https://pixabay.com/de/photos/baum-natur-holz-im-freien-3349109/

Bild von Prabhdeep Singh auf Pixabay

Kannst du es spüren
mein Lächeln für dich
aus den Augen geboren
schwirrendes Funkeln
das Schatten bricht

Kannst du es spüren
das innere Leuchten
losgelöst aller Sorgen
weil Nähe du bist
die Grenze wegwischt

Kannst du es spüren
des Friedens Helligkeit
der lichte Morgen
der mit stillem Beben
dem Herz gibt Gewicht

Kannst du es spüren
das wärmende Feuer
vor der Seele Toren
das mich zu dir leitet
bevor der Blick erlischt

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hessens Kultusminister Lorz plant grob fahrlässig

CDU ziemlich unchristlich gegenüber Schülern und Lehrern

Schlimm genug, was der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Armin Laschet vor kurzem noch mitten in der Corona-Krise mit seinen Äußerungen an den Tag legte, das selbstverständlich für viel Unmut sorgte. Jetzt gelten wohl in Hessen Lehrer als Versuchskaninchen.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz erntet harsche Kritik für seine Überlegung, die Schulen vor den Sommerferien testweise für einen Regelbetrieb zu öffnen, wie Peter Hanack im Artikel der Frankfurter Rundschau berichtet. Verständlich, daß ein Drittel der Lehrkräfte sich um ihre Gesundheit fürchten. Wo bleibt das Veto der Bundesregierung?

Etliche Befürchtungen nehmen Gestalt an

Dazu haben nicht nur jene Proteste aus dieser ominösen Widerstand 2020-Gruppierung beigetragen, sondern darüber hinaus ein ohnehin eher fahrlässiger Umgang etlicher untereinander. Das hatte erheblich mit dazu geführt, Abstandsregeln nicht mehr so ernst zu nehmen. Selbst wenn die meisten sich daran gehalten haben, tragen solche Verhaltensweisen mit dazu bei, die gebotene Vorsicht zu unterlassen.

Das Laissez-faire der Lockerungen, wie wir vor einem guten Monat berichtet hatten, nimmt überhand. Keine gute Entwicklung. Zwar ist die Infizierung noch verschwindend klein, die R-Zahl derzeit immer wieder mal  über 1,0, was schon aufhorchen lassen sollte. Der beginnende Sommer verleitet zu mehr Freizügigkeit untereinander, mit einer erneuten Welle kann man somit spätestens im Herbst rechnen.

Das unchristliche C im Parteinamen gibt sich die Ehre

Wie kann Kultusminister Alexander Lorz dermaßen unüberlegte Entscheidungen treffen, wider die Vernunft? Was reitet diesen Menschen? Das kann niemals im Sinne Immanuel Kants sein, über den er mal zum Doktor der Juristerei promovierte. Das scheint den Minister daher ziemlich egal zu sein, ob die Schüler und Lehrer sich gefährden können. Hauptsache sich profilieren!

Es bleibt zu hoffen, daß sich dementsprechend mehr Widerstand formiert. Die CDU verdeutlicht auch hier mal wieder, was man von ihrem C im Parteinamen halten darf. Ein unchristliches Verhalten. Ein Schlag ins Gesicht all derer, die tatsächlich noch einen Restfunken Anstand haben als Politiker, insofern egal ob mit christlicher oder nicht-christlicher Motivation. Bei einer solchen Seuche handelt man eben nicht so grob fahrlässig.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Erle am Ufer

https://pixabay.com/de/photos/blatt-natur-pflanze-wachstum-baum-3154292/

Bild von Julia Schwab auf Pixabay

Sie war noch das Kind
an der Hand,
da schrieb sie schon
in jede Nebelwand
Wörter, deren
Schreibweise
ihr nicht bekannt.

Wasserperlen
versprühten ihre Laute,
die Erle am Seeufer
lauschte,
bot Schutz ihr an,
als sie größer wurde,
wenn sie Stille brauchte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Als die Welt in Flammen stand – Teil 2

https://pixabay.com/de/photos/fantasie-feuer-rauch-geb%C3%A4ude-4126847/

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

Der erreichte Profit schweißte zusammen, erschuf Allianzen, gegen die sämtliche Aussteiger, Spirituelle und eben Querdenker kaum eine Chance hatten, aus dieser menschenverachtenden Umklammerung sich zu befreien. Alles ordnete sich dem Willen dieser mächtigen Weltenbeherrscher unter, das Schreckgespenst von der NWO war Wirklichkeit geworden, ohne daß es den Völkern gelang, dies zu verhindern. Und auch Gisele war sich stets dessen bewußt gewesen.

Aber was nutzten all diese Überlegungen, wenn nunmehr in ihrer unmittelbaren Umgebung letztlich Krieg ausbrach, denn als was anderes konnte sie es nicht mehr deuten. Kurz zuvor hatte ein Marschflugkörper zwei Straßenzüge weiter ein Bankgebäude getroffen, welches daraufhin in sich zusammenbrach. Eine kräftige Hand packte plötzlich ihre rechte Schulter und dessen linker Arm war im Begriff, ihre Taille zu umklammern, sie herumzureißen. Was der Soldat völlig unterschätzte, betraf ihre geschulten Reflexe.

Sie ergriff seinen rechten Unterarm, beugte sich schlagartig nach vorne, so daß er unweigerlich gegen ihr Gesäß knallte, was ihr wiederum die Gelegenheit gab, über die Hüfte mit einer gleichzeitig heftigen Drehbewegung ihn auf den Boden zu schleudern. Im nächsten Moment hatte sie zielsicher seinen linken Arm ergriffen, ihren rechten Fuß in sein Kreuz gestemmt, kniete sich nieder und drückte seinen Arm heftigst nach oben. Ein Aufschrei war die Folge.

Ihr Glück war ihr hold, weil der Soldat Handschellen mit sich trug, die sie sofortigst einsetzte, seine Hände auf seinem Rücken fixierte, anschließend aufstand und ihn achtlos zurückließ. Kaum hatte Gisele daraufhin die Straße überquert, sah sie von weitem eine Kolonne Mili-tärfahrzeuge auf sich zufahren. Im nächsten Augenblick hechtete sie daher in  ein Geschäft, dessen Glastür offen stand. Geistesgegenwärtig duckte sie sich, warf einen scharfen Rundblick  in den Schreibwarenladen, entdeckte ganz hinten eine Tür, rannte auf sie zu, stieß sie auf und befand sich im Treppenhaus.

Schon vernahm sie gezielte Befehle von den in den Laden hereinstürmenden Soldaten, als die 23-Jährige sich kurzentschlossen nach draußen begab, einen Hof schnellstens durchquerte, mit einem geschickten Satz über eine mannshohe Mauer sprang und dahinter weich in einem Blumenbeet landete, sich abrollte, aufsprang und ihre Flucht sofortigst fortsetzte. Die Rothaarige wußte jetzt nur zu genau, daß die Soldaten nicht locker ließen. Zum zweiten Mal war das Glück auf ihrer Seite, stand dort doch am Haus eine Kawasaki KLE 650 Versys, wobei  gar der Schlüssel steckte. Kurzentschlossen schwang sie sich auf das Sportmotorrad und fuhr im Nu davon, als gerade die wutentbrannten Soldaten über die Mauer sprangen. Zu spät, das Bike war entschieden zu schnell, Gisele ihren Verfolgern entkommen.

Normalerweise macht Bike fahren richtiggehend Spaß, wenn befreit aufatmend, den entgegenfliegenden Horizont im Visier, unzählige Assoziationen durch den Kopf schnellen, das Gefühl der Geschwindigkeit, des Rausches, vom Allerwertesten über den gekrümmten Rücken verteilend sich in wohlige Wärme auflöst. Kurz, Steppenwolfs „Born To Be Wild“ wurde nicht zufällig zum Biker-Hymnensong, er unterstreicht das pure Freiheitsgefühl.

Allerdings konnte Gisele derartige Gefühle nicht hegen, als sie just den Soldaten entkommen unterwegs war auf der Kawasaki in Richtung Autobahn, hin und wieder aus dem Hinterhalt irgendwelche Kugeln an ihrem Helm vorbeischossen, diese sie zum Glück nicht trafen. Die Sonne längst untergegangen, die anbrechende Nacht dennoch taghell erleuchtet vom Feuer ringsum, zogen obendrein überall Rauchschwaden auf, Menschen liefen völlig verzweifelt gehetzt durch die brennende Landschaft, manche kreuzten achtlos ihren Weg, Gisele vermochte jedesmal gerade noch auszuweichen.

Schon hatte sie die Autobahn erreicht, als sie zur Rechten einen Hubschrauber bemerkte, der einen Suchscheinwerfer auf sie warf. Im nächsten Moment sah sie im Augenwinkel das Mündungsfeuer eines Maschinengewehrs, konnte geschickt gerade noch ausweichen, bremste äußerst scharf, schleuderte daher ein wenig, – brachte aber das Bike an der Leitplanke zum Stehen und sprang sofort die Böschung hinab. Wie ein gehetztes Wild lief Gisele zunächst in ein Gebüsch und warf sich zu Boden. Der Helikopter umkreiste das Motorrad, jedoch die Besatzung hatte sie im rund fünfzig Meter weiter entfernten Grün nicht bemerkt, stand ein wenig ratlos neben der Kawasaki.

‚Erst einmal tief durchatmen, mich sortieren. Was verbleibt mir noch?‘, waren ihre Gedanken. Sie wußte, daß sie vorerst sich nicht entfernen konnte, da bereits ein Jeep keine zehn Meter von ihr stand, überall Soldaten mit großen Taschenlampen die Gegend durchforsteten. In solch aussichtsloser Lage hatte sie eigentlich überhaupt keine Chance, als plötzlich jemand von hinten sie sanft berührte, ihr sofort den Mund zuhielt, ihr per Handzeichen zu verstehen gab, sie möge ganz still sein. Erstaunt blickte sie in wunderschöne grüne Augen einer Schwarzhaarigen, die zugleich Gisele aufforderte, ihr zu folgen.

Einige Schritte weiter befand sich ein Gullideckel, ihre Befreierin ging voraus, stieg hinab in den Schacht, forderte Gisele in eindeutiger Geste auf, mitzukommen und den Gullideckel von unten wieder auf den Eingang zu ziehen. Kaum geschehen, hörten die beiden noch aufgeregte Stimmen ganz in der Nähe. Doch die Verfolger ahnten nichts, während die Frauen immer tiefer hinabstiegen. Marlene stellte sich kurz vor, gab Gisele zu verstehen, daß sie schon länger gewußt hatte, was da auf alle zukommen würde, so daß sie zusammen mit Gleich-gesinnten sich hatten halbwegs vorbereiten können.

Zunächst durchfuhr Gisele eine Welle der Erleichterung, nach einem längeren Fußmarsch erklommen sie erneut eine Leiter und gelangten an einer etwas ruhigeren Straße am Rande der Stadt, die die Rothaarige allerdings nicht kannte. Eine Gruppe junger Menschen kam ihnen entgegen.

Unerwartet spürten alle gleichzeitig eine merkwürdige riesige Spannung um sich herum, gerade so, wie wenn die gesamte Erde extrem innig und tief die Luft anhalten würde. Dann erfolgte ein Blitz, scharf, heller als jedwedes Sonnenlicht, verglühte gleichzeitig alles unter unendlich hoher Hitze, der atomare Einschlag vernichtete sämtliche Materie im Rausch seiner erbarmungslosen Urgewalt.

„Das wahre Grauen läßt nicht mit sich handeln.“ (Peter Rudi)

Lotar Martin Kamm

Als die Welt in Flammen stand – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Als die Welt in Flammen stand – Teil 1

https://pixabay.com/de/photos/fantasie-feuer-rauch-geb%C3%A4ude-4126847/

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay

Giseles Versuche einer aussichtslosen Flucht

Langsam lösten sich die ersten Gedanken in willkommene Erinnerungen an lieblichere Zeiten auf, überschlugen sich förmlich angesichts des rasant herannahenden Ereignisses, welches zunächst ziemlich überraschend eintrat. Niemand hatte mit einer dermaßen schnellen Entwicklung gerechnet, obwohl eigentlich genügend klare Indizien vorhanden waren, aber die meisten diese einfach verdrängt hatten, sie nicht wahrhaben wollten.

Nunmehr befanden sie sich mitten im Geschehen. Die nähere Umgebung erzitterte wie eine lodernd heiße Flamme, unsichtbar flackernd und dennoch gerade so mit dem bloßen Auge wahrnehmbar, ähnlich wie wir alle es kennen vom Lagerfeuer. Nur, daß diese undefinierbare Erscheinung bei den meisten eine gewisse Schockstarre hervorrief, sie nahezu bewegungslos kaum in der Lage waren, sich vom Fleck weg zu bewegen.

Die ersten unter ihnen sackten bereits zusammen, als Gisele nur noch eines kannte: weglaufen, so schnell wie möglich, sofortigst! Im Handumdrehen war die 23-Jährige Rothaarige aufgesprungen, warf noch einen entsetzten Blick zurück auf die gespenstische Szenerie und verschwand leicht geduckt laufend hinter einer Reihe geparkter Autos an  jenem Mittwochnachmittag im Juli 2015. Überall registrierte sie hektisches Treiben, Glas zersplitterte, Detonationen waren nicht zu überhören, instinktiv hielt Gisele sich beide Ohren zu, stolperte kurz über eine weiße Katze, die mit weit aufgerissenen Augen in ihren Eingeweiden lag.

Dieses grauenhafte Bild hatte keine Chance, sich in ihrem jungen Gedächtnis einzunisten, zu viele heftige Eindrücke prasselten auf sie ein, entführten sie in eine gänzlich andere Welt als alles bis hierher Geschehene. Ihr wurde schlagartig bewußt, der Unterschied zwischen „geschönt manipulierte Fernsehberichte“ über Kampfhandlungen sowie Katastrophen und der sich jetzt abzeichnenden Realität. Die ließ sich aber nicht einfach per Fernbedienung ausschalten, sondern bedrohte ihr augenblickliches Leben. Was tun, fragte sie sich ständig verzweifelt, versuchte nicht die Orientierung zu verlieren trotz aufkommender Angst, die aber noch weit entfernt sie nicht unmittelbar berührte.

Lag genau darin eine Gelegenheit, rechtzeitig noch den Überblick für sich zu wahren, bevor sie  in unvermittelte Fallen tappte oder Gefahren übersah? Gisele wußte im selben Moment, daß sie besser all ihre geistige Gegenwart aufbringen mußte. Das tat sie relativ bestimmt und erfolgreich. Ein verzweifelter Polizist meinte, er müsse sich an ihr festklammern, weil eine Horde wutentbrannter Rocker ihm hinterherrannte, doch Gisele drehte sich geschickt mit einer 90-Grad-Bewegung, ließ sehr kurz ihr rechtes Knie nach vorne schnellen, traf dessen Gemächt heftigst, so daß der Uniformierte zusammensackend von ihr abließ, sie weiterlaufen konnte. Sie hörte noch die jubelnden Rocker und kümmerte sich nicht weiter drum.

Plötzlich bemerkte sie eine ganz andere Gefahr, die um ein vielfaches bedrohlicher ihr entgegentrat: eine Rotte wildgewordene Hunde, mindestens neun oder ein Dutzend, wie sie gerade noch erkennen konnte, ein Alpha-Rüde sie bereits zähnefletschend besprang. Mit einem gezielten Schlag auf dessen empfindliche Nase schickte sie ihn ins Reich der Träume, aus diesem er wohl nie wieder erwachen würde, weil das Stahl des Schlagrings den gesamten Oberkiefer zertrümmert hatte, der Anführer der Rotte röchelnd am Boden liegend erstickte. Wimmernd und reißausnehmend ergriffen die anderen die Flucht, mit einer solchen Gegenwehr hatten sie wohl nicht gerechnet.

Wer jetzt glaubte, eine personifizierte Lara Croft würde sich mal locker ebenso der entflammten Welt entgegenstellen, befand sich im Irrtum. Gisele hatte lediglich wenigstens gelernt, sich mit einfachen, aber wirkungsvollen Kampftechniken zu wehren, bevor ein feindliches Gegenüber ihr Böses anzutun vermochte. Das schützte sie in diesen Momenten.

Doch da warteten noch manche jener gefährlichen Momente auf Gisele, die Umgebung erzitterte unaufhörlich, überall herrschte Chaos, schreiende Menschen liefen wirr durch die Gegend, schier grenzenlose Panik vermischte sich mit abgrundtiefem Haß, niemand konnte mehr dem anderen trauen, in Sekundenbruchteilen entschied Sympathie und Antipathie über das Leben des vermeintlichen Feindes.

Hatte sie sich noch nachmittags vor einer Rotte Hunde in Sicherheit bringen können, eskalierten inzwischen die offensichtlichen Gewaltszenen. Dabei versuchte sie dennoch, die letzten Tage zuvor zu reflektieren, erkannte plötzlich den Zusammenhang zwischen jenen Ereignissen und den zurückliegenden der letzten Jahre. Stets verlautete die Botschaft bei kritischen Querdenkern, daß  die Regierungen sich längst von ihren Völkern abgewandt hatten, gemeinsam mit geldgierigen Konzernen der Pharma-, Rüstungs- und Ölindustrie, um nur die drei Mal zu erwähnen, aber auch selbst mit kriminellen Elementen der Prostitution und dem Drogenmilieu sich arrangierten.

Fortsetzung folgt

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar