Der verschluckte Kater

https://pixabay.com/photos/cinema-old-chair-spent-horror-860681/

pixabay.com

Müßig, müßig, immer diese gleichen Fanfaren, ohne die sich kaum mehr einer aus dem Haus traut. Aus seiner Haut schon gar nicht. Versperren sich selbst die Aussicht. Wie können sie hinter diesen Gitterstäben einen unverstellten Blick nach außen, geschweige denn, anderen auf sich ermöglichen? Katalogisiert, Längsstreben, Querstreben, eingeteilt, jedem sein Fach, sein freies Feld, ein Stück, ein Stück, ein Puzzle, wenn es fertig ist, gekrisselte Menschen.

Nett, daß du mich erinnerst, mit Parfümwolken funktioniert das auch. Jedem seine Vorliebe, nach Moschus, Vanille, dem gefeierten Star, Fußballer, dessen Geliebter, das Model, das schauspielert, die Création, wenn einem nichts einfällt, benützt man irgendeine Nummer, eine Ziffer, eine Zahl, mystisch, vielleicht die Anfangszahl ihrer Telefonnummer, oder doch ein Hinweis auf die Hausnummer, möglicherweise die Anzahl der Geliebten oder wieviel Hunde und Katzen mit in der Wohnung leben.

„Tschuldigung, Guten Abend, gerade sehe ich meine Freunde stehen vorne in der Schlange, würde es Ihnen etwas ausmachen, mich vorbei zu lassen?“, nuschle ich ein wenig hastig, unsicher, das hinterläßt immer einen unbedarften Eindruck, der zur Hilfeleistung verführt.

„Oh, von mir aus gerne, viel Glück, daß sie es nach vorne schaffen.“ Eine mit Zucker panierte Stimme, entgegen ihrer mit Glanz überdeckten Miene, die so perfekt poliert ist wie der Lack eines Porsches, Ferrari, Ferrari klingt besser, klingt nach Schnelligkeit, nach Sieg, also wie der Lack eines Ferraris, der gerade die ersten Meter seines Motorlebens auf dem Firmenhof fährt, auf dem Fahrersitz, die polierte Dame, die trunken von der Gier mit dem Wettlauf entgegen der Zeit, sich vor dem Sieg bereits eingesprüht hat mit der Création „immer schön lächeln“, bei manchen hilft sicher nicht mal das, wenn die drei Wörter auf die Handfläche geschrieben stehen, säuselt mir ihre verständnisvolle Zustimmung entgegen, so daß ich angetrieben durch die Nebelduftwolken keine Schwierigkeit habe, mich die nächsten fünf Meter meinem Ziel, der Abendkasse des Kinos, näher zu kommen.

War irgendwie klar, daß ich hier lande, vom parfümierten Regen in die Festrede einer Schiffstaufe, besser kann man die nächste mit Emblemen und Fanartikeln ausgestatteten Menschen nicht beschreiben, einer quasselt ständig von seinen Erfolgen, Erkenntnissen, Erlebnissen, drei Wörter, die mit „er“ beginnen, sind möglicherweise schon aussagekräftig genug, aber ich will nicht so sein, schließlich reihen sich auch Frauen in stammtischmäßige Gesprächsrunden ein, um ihre vermeintliche Nacktheit mit Hermelinmänteln zu bekleiden, in dem sie eigentlich Banales zu einem Alptraum oder einem Glücksmoment hochstilisieren, damit sie ihrer Wenigkeit den Hauch des Besondern anheften können, Orden, Abzeichen und schon ist sie geschwellt die Brust der Heroen und Heroinen. Um was geht es hier überhaupt?

Das Pärchen, er mit den ausgefranzten Locken, sie mit dem streng nach hinten gekämmten Pferdeschwanz haben doch tatsächlich auf ihrem Flug, letztes Jahr zu Ostern, Wochenendtrip, im Flugzeug den Schauspieler getroffen, er saß hinter ihnen, angelächelt wurden sie, nein, kein Autogramm, wollten doch nicht aufdringlich wirken, komisches Gefühl, wenn sich andere Fluggäste den Hals verrenken und ständig in seine Richtung sehen und dabei uns angestarrt haben, als ob wir ihn näher kennen würden, der jetzt in dem Thriller die Hauptrolle spielt, obwohl, er soll die Figur nicht so wirklich gut rüberbringen, wie, wie hieß er nochmal, der den verrückten Wissenschaftler in „die Zähne der Möwen“ gespielt hat.

„Sorry, mein Freund wartet an der Kasse auf mich, habe mich verspätet, der hat bestimmt schon seine Krise, weil ich wieder zu spät, aber das Duschwasser war kalt, weil der Typ in meiner WG stundenlang duscht, bevor er das Haus verläßt, und ich kann dann ewig warten bis das Wasser …“, dränge ich mich in das aufgebauschte Erlebte hinein, in der Hoffnung durch die Schilderung einer Situation, die sicherlich tausendmal täglich vorkommt, also jedem bekannt sein dürfte, genügend Verständnis zu erreichen, um die letzten Meter bis zur Kasse vorgelassen zu werden.

„Ach, du Arme, das kenne ich noch aus meiner Studienzeit, immer die gleichen Typen, die meinen, die ganze Wohnung gehöre nur ihnen und dann essen sie noch den Kühlschrank leer“, dozierte die junge Frau mit der strengen Frisur und mit absolut wissender Miene winkten mich alle um sie herumstehenden Zuhörer weiter.

Ich nickte nach Atem ringend und mit leicht feuchten Augen, kann ich schon seit meiner frühesten Kindheit, wenn es darum ging, meine Strafe abzumildern, die meine überfürsorglichen Eltern für mich ausgedacht hatten, aber schließlich überzeugt wurden, daß die erste Fürsorge darin besteht, mein Leid nicht zu unerträglich zu machen.

Hinter dem kleinen Guckloch, das auf Höhe des Bauchnabels angebracht wurde und eher einer Ausflugschneise für Brieftauben ähnelt als an die Ausgabestelle für Kinokarten, so daß man buckeln muß vor den Kassierern, die hinter diesem Ausguck sitzen, obwohl man die zahlungskräftige Klientel ist, die dafür sorgt, daß überhaupt das Geld vorhanden ist, um diesen auf zwei Quadratmetern umbauten Vogelkäfig aufzusuchen.

„Welchen Film?“
„Der verschluckte Kater.“
„Der läuft bei uns nicht.“
„Wie sollte er das auch können, wenn er verschluckt wurde!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Corona-Pandemie fordert uns alle heraus

https://pixabay.com/illustrations/businessman-newspaper-read-world-4929680/

pixabay.com

In Krisen zeigen sich deutlich die Fiesen

Ein Blick in die Medien, zu den Schlagzeilen verdeutlicht den Ernst der Lage, obendrein mit gänzlich ungewissem Ausgang. Niemand kann voraussagen, was die Corona-Pandemie uns allen noch abverlangen wird. Spekulationen reichen von verharmlosenden Wahrscheinlichkeiten über apokalyptische Szenarien, Verschwörungstheorien, während die einen an Umstürze denken, andere ans Totalversagen der Menschheit selbst. Und dabei sollen wir allesamt noch Ruhe bewahren, uns in Geduld fassen, gelassen den Alltag meistern?

Geht sehr schwerlich, da besonders die Medienwelt nebst des Internets im Stundentakt eine Hiobsbotschaft nach der anderen in den Äther sendet, obendrein Experten sich  gegenseitig belauernd mit Vorwürfen überschütten, wer es denn besser oder schlechter erkläre. Zu allem Übel diejenigen, die durch Hamsterkäufe ihren Egotrip oder einfach hysterisch Phobien ausleben, je nachdem welche Argumente genehm sein mögen. In Krisen zeigen sich wie eh und je deutlich die Fiesen!

Horten nützt letztlich nichts

Außer daß es natürlich ohnehin nicht schaden kann, wenigstens einen Vorrat von zwei Wochen sich zuzulegen, den man regelmäßig austauscht und wieder aufstockt. Ansonsten sollte bekannt sein, daß in wirklich heftigen Notzeiten Menschen aus reinen Überlebensinstinkten sich das nehmen, was sie denken, brauchen zu müssen, notfalls auch per Gewalt. Wer also bunkert, lebt nicht ungefährlich.

Solidarität ist das eigentliche Zauberwort in Krisenzeiten. Die Alten, also die über 80-Jährigen, die noch Kriegszeiten als Kinder und Kleinkinder hierzulande erleben mußten, werden darüber berichten können, was Not und Elend bedeuten, Hunger einiges an Zusammenrücken abverlangt. Da glänzt ein gewisser Egoismus keineswegs, entpuppt sich schnell als potentieller Feind, der gleichzeitig sich schwer bewaffnen muß, um diesen ausleben zu können. Funktioniert am Ende nicht!

Rechtsextremes Geschmeiß reibt sich im Stillen die Hände

Wir lesen es in den Social Media, in den Medien, in vielen Kommentaren voller Haß und Hetze, auch in den Landesparlamenten und im Deutschen Bundestag nehmen die Nazis kein Blatt vor den Mund. Von Humanismus gleichwohl keine Spur, weder während der zunehmenden Bedrohung durch das Coronavirus noch an Europas Außengrenzen.

Beste Voraussetzung der Neuen Rechten, ihr bösartiges Machwerk zu organisieren. Die deutsche Politik wäre ziemlich gut beraten, äußerst wachsam zu sein, schlimm genug daß eine rechtsextreme Partei in den Plenen sitzt. Wehret den Anfängen, möge diese Krise keine weitere heraufbeschwören.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Als der Brief floh

https://pixabay.com/photos/paper-bent-torn-cracks-kink-fold-883424/

pixabay.com

Rein lag es vor ihr,
das Büttenpapier,
unaussprechliche
Wahrheit
zu empfangen,
die nur geschrieben
kann bezeugen,
verbrieft mit Siegel,
was seit Wochen
formuliert im Sinn.

Der Stift,
der einzige Vermittler,
voll Unschuld
erzittert, unter ihm
das weiße Papier,
ein Seufzer
entfloh ihren Lippen,
mit ihm in die Lüfte
entschwand
das unbefleckte Blatt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Film, Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Spakloghettipapierschnitzel

Hamstere hamstere manche Strecke,
daß zum bitteren Selbstzwecke
du dir retten kannst,
füllen deinen fetten Wanst.

Ob Corona oder ne andere Pandemie,
du verzagst niemals nie.
Denn mit WC-Papier massenhaft eingedeckt,
du garantiert niemals nicht verreckst.

Spaghetti und Klopapier
stehen bald Spalier,
eingekocht als wicht’ger Witzel,
ergibt Spakloghettipapierschnitzel.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nach der Bayern-Wahl wird’s richtig asozial?

Wenn die Neuen Rechten bald uns knechten

Weil zu langes Zögern sich längst rächt, hat’s sich bald ausgezecht. Wer will schon zugeben, wonach jene bösartigen Recken streben? Der Verfassungsschutz ohnehin viel zu lange pennt, dies aber man ja von früher kennt. Ob Maaßen, NSU oder gar Union, welch simpler Hohn. Ein Land auf dem rechten Auge jahrzehntelang blind nunmehr die kalte Wahrheit find. Soll man schmunzeln oder weinen, ersteres kann man nur verneinen, wer noch ein wenig Restverstand im Koppe hat. Geht doch gänzlich ohne Rat.

„Wuhan Virus is the ultimative Acceleration-Pill“, liest man auf rechten Seiten janz schrill, kann man vieles von halten, wer denn will. Oder besser genauer hinschauen, wat für ne Verschwörung die mal wieda klauen. Oh, man, welch schnöder Bann. Fanatismus kennt so gar keine Grenzen, die wollen mit ihrem Gestammel und Geschreibsel überall glänzen.

Jüngst auch der Monnemer Soulsänger erneut zum Besten gab, so wie all die Jahre zuvor schon an manch verirrten Tag. Endlich neben RTL auch andere Kollegen mal die Reißleine zogen, um dessen Beteuerung zu entlarven als verlogen. Wer ständig meint, er sei nicht verstanden, dem ist wohl manches gekommen abhanden. Der Blick zur Realität verschwommen vor lauter Reichsbürgergeschwätz, Haß und Hetz‘. Das kann nicht fruchten, manche kommentieren, einfach einbuchten.

Im Hinblick zur Nazi-AfD-Entwicklung ist solcher Rat durchaus ne folgerichtige Option. Doch Politik und Justiz schweigen zu lange schon, welch mißglückter Hohn. All die Opfer rechter Gräueltaten hätten vermieden werden können, nicht warten bis Flüchtlingsheime brennen! Oder noch mehr kaltblütig erschossen werden, weil geistige Brandstifter solche Täter nonstop umwerben.

Nach der Bayernwahl eventuell ein bevorstehendes Tränental? Etwa per geplantem Umsturz rechtsradikaler Gesellen? Ick weeß, olle Kamellen. Dennoch ist diesem Pack mancherlei zuzutrauen, nicht einfach teilnahmslos zuschauen, besser auf solch Szenarien vorbereiten, sonst blicken wir entgegen  janz anderen Zeiten!

Mit Schwarzmalerei hat das nix zu tun. Jetzt heißt’s nicht simpel ausruhen, sondern mit Verlaub durchzugreifen, nicht nur krude keifen. Die fackeln nicht lange, wenn mal am Zug, schmeißen wie angekündigt ihre Gegner ermordet in die Grub‘. Dieser rechte Dreck ist alles andere als keck, vielmehr schmarotzt er für eigene Zweck‘.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

And the winner is Wladimir Putin

Vom ewigen Präsidenten der größten „gelenkten Demokratie“

Welch imposanter legaler Staatsstreich, in dem per Verfassungsreform Wladimir Putin ein Gesetz zur Verfassungsänderung unterschreibt, das ihn ermöglicht, noch im Alter von 83 Jahren die Russische Föderation als Präsident zu regieren. Nur wenigen Herrschern war es vergönnt, 36 Jahre lang die Geschicke ihres Landes zu leiten. Selbst in der Neuzeit, im 21. Jahrhundert, behauptet sich die oligarchische Allmacht, die er doch eigentlich abschaffen wollte.

Im Sommer des letzten Jahres zeichnete sich Putins Russland als zunehmend autokratisch ab. Treffen zwischen dem Sultan von Ankara und Putin offenbaren eine erschreckende Parallele, obwohl der Ex-KGB-Mann nicht nur stärkere Nerven beweist, obendrein wesentlich strikter jedwede Opposition im Keim erstickt.

Ohne Putin Russland vor einem Scherbenhaufen?

Im Englischen würde man maybe or maybe not erwidern, obwohl Wladimir Putin ständig im Riesenreich obsiegt. Keineswegs aufgrund hoher Sympathiewerte, die sind im Laufe der beiden Jahrzehnte nahezu verspielt, sondern viel eher weil die Nato Russland zu deutlich auf die Pelle rückt. Defender 2020 ist bald im vollen Gange, US-Truppen und andere rollen quer durch Deutschland, um einen möglichen Ernstfall zu proben. Provokation nennt es Putin, der Westen spricht von einer Übung.

Spekulationen darf man schon kurz einflechten. Was wäre wohl aus einer Ära nach Jelzin ohne Putin geworden? Die schnellere Rückkehr zu erneutem Kalten Krieg oder gar der Worst Case per atomaren Schlagabtausch? Denkbar, lieber nicht vorstellbar.

Mit wesentlich mehr Befugnissen ausgestattet

Neben der Verlängerung als regierender Präsident. Dessen Ministerpräsident, egal wer das in den nächsten 16 Jahren auch sein sollte, wäre dann  lediglich für die Organisation eines reibungsglosen Kabinetts zuständig, brav gehorchend, was sein Chef, der Präsident, ihm einflüstert. Mit diesem Parlamentarismus, folglich ohne oppositionellen Gegenkräften würde das kaum noch eine Rolle spielen. Ein gezähmter Föderationsrat, welcher dem Oberhaus des Parlaments entspricht, stimmt nunmehr den Ernennungen bestimmter Ministerposten zu, die Putin für richtig hält, und zwar in den wichtigen Ressorts Außen- und Justizministerium, sowie im Innern und der Verteidigung.

Somit schalten und walten im Justizapparat, die Königsdisziplin vorheriger KGB-Agenten – welch Schachzug. Das kann noch nicht mal The Donald drüben im Westen toppen. Gleichzeitig spricht sich die Verfassungsänderung von jeglicher Einmischung außerhalb der Landesgrenzen frei, d.h. internationale Organe braucht Moskau nicht mehr zu berücksichtigen. Bereits Ende der dritten Aprilwoche soll das Referendum abgeschlossen sein, außer das Coronavirus verzögert den Termin.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Eisblumen verblühen nicht

https://pixabay.com/photos/soap-bubble-frozen-eiskristalle-4669665/

pixabay.com

Jetzt ist es verwischt
das Wahre,
das Anfaßbare,
die Lebensgischt.

Die ziselierten Blüten,
Tropfen für Tropfen
die Sicht verstopfen,
mittels gehauchter Riten.

Milchige Sicherheit
hinter Fassaden
von kühlem Gebaren,
der Hahn kräht jederzeit.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar