Weihnachten zwischen Business und Einsamkeit

https://pixabay.com/photos/christmas-nuremberg-christmas-market-566749/

pixabay.com

Heuchelei im Konsumrausch nimmersatten Reichtums

Weihnachten klopft mal wieder an die Tür, das Fest der Liebe, die Heilige Nacht. Sowohl das von indogermanischer Wortwurzel ableitende ueik als „aus- und absondern, weihen“ und das Germanische wīha für „heilig“ liefern die Übersetzung zur Wortentstehung Weihnachten  (Heilige Nacht) im Laufe des 12.Jahrhunderts.

Entgegen weiterverbreiteter Behauptung, das Weihnachtsfest hätten die Christen einfach mal vom germanisch-skandinavischen Julfest abgekupfert, kann dies bisher historisch nicht belegt werden, zumal sowohl der genaue Inhalt dieser Festlichkeiten als auch der genaue Zeitpunkt umstritten und daher unbekannt ist. Insofern erübrigt es sich, darüber eine diffuse Debatte loszutreten, sondern überlassen wir es dem Christentum, ihr Weihnachtsfest alljährlich zu begehen.

Vom Wandel der Fest der Liebe

Während früher der gemeinsame Gang zur Weihnachtsmesse weitverbreitet stattfand, auf diese Weise auch ein nachbarschaftliches Zusammenrücken in der Gemeinde Austausch und Nähe untereinander begünstigte, sowie das anschließende Musizieren und Singen vor dem Weihnachtsbaum, hat sich diese Tradition dann doch verändert. Familiengemeinschaftssinn ist geblieben, doch Festlichkeiten im privaten Umfeld haben dabei einen höheren Stellenwert erhalten, denken wir auch an die stetig wachsenden Weihnachtsmärkte, bei denen zunehmend das gesellige Trinken im Vordergrund steht, anstatt andächtige Bescheidenheit.

Aus der weltweiten Feier zur Geburt Jesus Christus am 25. Dezember wurde ein reges, geschäftliches Treiben. Vergessen wir nicht, daß in den Monaten November und Dezember der höchste Umsatz des Jahres im Handel zu verzeichnen ist. Klar doch, das Basteln und Backen findet immer noch statt in den Familien, das sich gegenseitige Beschenken allerdings hat an Umfang und Größe zugenommen in einer Konsumwelt des ewigen Runs auf viel Augenmerk zu symbolträchtigen Lebensweisen. Unterschätzt werden sollte dabei nicht der enorme Einfluß einer gigantischen Werbeindustrie, die alles unternimmt, um sämtliche Klischees eines Weihnachtsfestes zu bedienen. Wo kann da noch Platz sein für Besinnlichkeit, dem Ursprung, dem Fest der Liebe im lärmenden Rausch einer emsigen Gesellschaft?

Weihnachtsdepression und als Folge Selbstmord?

Um gleich mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die Selbstmordrate ist zur Weihnachtszeit keineswegs hoch, sondern eher niedrig, dafür haben wir viel eher im Frühjahr und Sommer die meisten Suizide zu beklagen. Somit müssen wir uns vom Mythos der dunklen Zeit in den Monaten November und Dezember und der daraus resultierenden Selbstmordzunahme verabschieden.

Allerdings nehmen die Depressionen selbst alljährlich in den Weihnachtstagen erheblich zu. Kein Wunder, in einer Gesellschaft, wo Familiensinn rückläufig sich gestaltet. In einem Gespräch mit news.de begründet Thomas Bronisch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München die erhöhte Suizidrate in den Frühlings- und Sommermonaten. Es falle biologisch in den sonnigen und warmen Monaten der Serotoninspiegel ab. Da Serotonin aber impulsives und aggressives bzw. autoaggressives Verhalten dämpfe, spiele das oft bei suizidalen Handlungen eine bedeutende Rolle, erläuterte Bronisch. Werden die Erwartungen während der dunklen Jahreszeit nicht erfüllt bei aufkommender Stimmung im Frühjahr, bricht bei solch gefährdeten Menschen eine Welt zusammen, dem Leidensdruck kann vor lauter Enttäuschung nicht mehr standgehalten werden.

Auch die alljährlichen Gründe, die zur Weihnachtsdepression führen, sollten nicht unterschätzt werden. Während die ältere Generation noch mit den vielen Besuchen klarkommt, scheint es die Jüngeren viel eher zwanghaft verpflichtend zu belasten. Eine zu hohe Erwartung an Harmonie ein Stolperstein beim Fest der Liebe? Auf alle Fälle spielt dies eine entscheidende Rolle, wenn im hektischen Alltagstreiben der Vorweihnachtszeitvorbereitungen eben nicht alles so glatt läuft, wie die Planung es vorsieht. Der eher zunehmende Alkoholkonsum darf hierbei nicht unterschätzt werden, dessen Folgen allgemein bekannt sein sollten, ein moralischer Zeigefinger daher hier ausbleibt.

Zu viel plötzliche Nähe zur Weihnachtszeit während das ganze Jahr lang viel eher Entfremdung gelebt wird? Diese Entwicklung kann durchaus den Rückzug begünstigen. Die Menschen werden tatsächlich einsamer trotz des vielen gesellschaftlichen Trubels. Vielleicht auch gerade deshalb, weil kaum noch Raum für die eigentliche Besinnung übriggeblieben ist?

Bedenken Sie, daß weniger manchmal mehr sein kann, wir behutsamer mit uns umgehen sollten, statt einer überzogenen Geschäftigkeit nachzueifern, die mit dem ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes nichts gemein hat.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Dieser gewisse Moment

https://pixabay.com/photos/zip-zipper-fly-jeans-blue-pocket-390862/

pixabay.com

Dieser gewisse Moment,
wenn der Reißverschluß klemmt,
nicht an dem Kittel, der Jacke,
beim Gegenteil von Pobacke,
also der am Hosenschlitz,
der bekanntlich vorne sitzt,
natürlich es pressiert,
wenn sowas passiert.

Dieser gewisse Moment,
wenn der Reißverschluß klemmt,
kein Weinen, Jammern nützt,
gleich stehst du in der Pfütz‘,
der Herrgott kann‘s nicht richten,
das mußt du allein mit dir ausfichten,
vergiß den Wunsch, den Erfinder zu köpfen,
kauf dir in Zukunft Hosen mit Knöpfen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rassismus längst nicht ausgemerzt

https://pixabay.com/photos/street-art-graffiti-urban-street-1183812/

pixabay.com

Kleingeister berufen sich auf ihr Recht der Knechtschaft

Allerorten blüht jener Rassismus auf, der als überwunden galt. Zumindest historisch betrachtet nach der Hippie-Zeit und einem US-Präsidenten Barack Obama an der Spitze der westlich zivilisierten Nation, auf die weltweit am ehesten geschaut wird, wo gerade jener Rassismus besonders sichtbar sich offenbarte.

Mit The Donald durfte dieser erneut sich ausbreiten, schwappt jene Einstellung welt- und europaweit in die Köpfe derjenigen, die so gar nicht bereit, diesen auszumerzen. Das gilt für Deutschland gleichwohl, ist aber allerorten spürbar. Doch wer zieht eigentlich die Reißleine, wenn schon die Politik selbst versagt mit Blick in viele Parlamente bis hinein in den Deutschen Bundestag?

Kann es Volkssport Nummer Eins richten?

Nach wie vor treiben besonders jene Hooligans ihr Unwesen in vielen Stadien, sorgen für entsprechend rassistische Stimmungsmache. Das gilt genauso im Lande eines Boris Johnson, die Beleidigungen gegen Nationalspieler Rüdiger schlagen hohe Wellen, beim Spiel zwischen Tottenham Hotspur und dem FC Chelsea wurde Antonio Rüdiger rassistisch beleidigt.

Der Fußball in der Pflicht, dem vehement einen Riegel vorzuschieben? Dabei unternimmt die FIFA bereits einiges an beherzten Aktionen, Rassismus nicht weiter zuzulassen. Das scheint dennoch nicht auszureichen, wie man erneut feststellen muß. Doch inwieweit kann es Volkssport Nummer Eins, der Fußball, richten? Ein tief verwurzelt gesellschaftliches Problem läßt sich nicht so einfach mir nicht dir nichts lösen, zumal gerade neben verantwortlicher Politik gewisse Sponsoren im Stillen jenen Rassismus gezielt schüren, was sich leicht bei zunehmendem Rechtsextremismus zeigt!

Die Johnsons, Trumps und Bolsonaros dieser Welt sind das Problem

Die Liste ließe sich beliebig verlängern, denken wir nur an Erdoğan, Orbán oder Babiš. Solange das Volk auf solche „Rattenfänger“ hereinfällt, darf sich Rassismus unverblümt ausleben, steht eine schweigende Mehrheit neben sich, ohne wirklich dagegen einzuschreiten. Und wir hatten allesamt gedacht, jene menschenverachtende Einstellung sei überwunden.

Wer einerseits linke Politik als illusorisch verpönt, um gleichzeitig jenen Neoliberalismus zuzulassen, darf sich nicht wundern, wenn er in einem faschistoiden System erneut aufwacht. Genau darin liegt der Hase im Pfeffer. Nur wollen das die meisten auch wahrhaben? Und falls manche dem zustimmen, ändert sich dadurch etwas? Eher nicht wie die Geschichte uns lehren sollte. Nur mittels beherztem Widerstand und wesentlich mehr Zivilcourage gibt es Chancen, wenngleich Mensch nur allzu schnell resigniert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Weihnachten 2019

© Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter PR Querdenkende | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Ohne Berechnung keine Gabe

https://pixabay.com/photos/tree-nature-wood-outdoors-winter-3297552/

pixabay.com

Erst wenn du dich ergibst,
geschlagen bist,
aufgegeben hast,
kannst du damit rechnen,
dies Ergebnis stimmt.

Stimmt sie gnädig,
rechnen dir das an,
und sie geben dir was ab.

Abgeben –
und Abgesang,
Gewährung gegen Währung.

Ergebnis –
und Ergeben,
Währung gegen Bewahrung.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Stimmungsmache gegen Greta so weit das Auge reicht

Armselige Reaktion eines Herrn Wolfgang Bosbach

Die Liste derjenigen, die Greta Thunberg verunglimpfen, wird täglich länger. Die 16-jährige junge Schwedin initiiert völlig zu Recht den Protest gegen das politische Versagen, die Klimakrise verharmlost und unterschätzt zu haben, während etliche Leute meinen, sie müßten daraufhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit sie diffamieren. Klima, ein Reizwort für manch finstere Gestalten.

Ob The Donald, Wladimir Putin, die Neue Rechte bis hin zu jenem Dieter Nuhr, sie alle nutzen ihre Prominenz, um die FFF-Gründerin möglichst in der Öffentlichkeit lächerlich zu machen, statt den Ernst der Lage auch nur ansatzweise zu begreifen. Jetzt „kippt bei Wolfgang Bosbach die Stimmung“, er kritisiert den Greta-Hype.

Vierzig Jahre Ignoranz rächt sich inzwischen

Ausgerechnet der ehemalige CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach reiht sich ein in jene Schar der Widersacher, um daraus eventuell Kapital zu schlagen. Wie erbärmlich. Dabei hatte gerade die Union in diesen vier Jahrzehnten genügend Gelegenheiten, in ihrer Regierungsverantwortung entsprechend weise Umweltbelange zu berücksichtigen. Doch diese wurden schlichtweg ignoriert, um sich einem Konzernlobbyismus unterzuordnen und in Selbstgefälligkeit jedwede Kritik zu verschmähen. Das rächt sich jetzt.

Anstatt jene fehlerhafte Politik und daraus resultierende Versäumnisse einzugestehen, liebäugelt auch ein Herr Bosbach mit der Flucht nach vorn, um Greta Thunberg bloßstellen zu wollen, sich auf eine Rezession zu versteifen, die beinahe uns alle getroffen hätte.

Man sollte Äpfel nie mit Birnen vergleichen

Das eine hat mit dem anderen schlichtweg nichts zu tun. Wieder einmal beweist selbst Herr Bosbach, wie vorschnell Umweltbelange jene konservativ-verkrustete Unionspolitik mißachtet, darauf pocht, sie hätte die bessere Wirtschaftskompetenz. Sicherlich, in Fragen einer erfolgreichen Ausbeutung, also zu Lasten des kleinen Mannes, mittlerer und kleinerer Unternehmen, zum Vorteil großer Unternehmen und der Finanzbranche, da mag die Union glänzen.

Nur was hat denn Greta Thunberg mit der unsäglichen Kassenbon-Pflicht zu schaffen? Nichts. In einem Punkt mag man Herrn Bosbach noch folgen wollen, die Parteien nehmen sich in der Tat zu wichtig. Besser sie hören auf eine besorgte Jugend, die morgen noch leben will und nicht übermorgen an den Folgen einer verkehrten Klimapolitik verrecken möchte. Schön, daß Jörg Pilawa die Kritik an Greta Thunberg nicht nachvollziehen kann, es braucht mehr solcher Stimmen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

Veröffentlicht unter Meinung | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Ein junger Mensch

https://pixabay.com/photos/beach-sand-sea-water-wave-260309/

pixabay.com

Du bist alt, sagte er.
Ehrlichkeit in den Worten.
Drei Worte.
Nicht, ich liebe dich.
Kein einschmeicheln.
Direkt.
Und doch mit Achtung.
Sagt man das heute noch.
Achtung.
Abgenützt durch Drill.

Du bist alt, sagte er.
Mitten im Gespräch.
Drei Worte.
Kein, ich liebe dich.
Ohne Rücksichtnahme.
Direkt.
Und doch mit Respekt.
Sagt man das heute noch.
Respekt.
Abgenützt durch Drill.

Du bist alt, sagte er.
Voll Wärme.
Drei Worte.
Mit, ich liebe dich
vergleichbar.
Direkt.
Und doch mit Wissen.
Sagt man das heute noch.
Wissen.
Benützt ohne Drill.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar