Glasfassaden

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Versteifte Glieder über Platzdeckchen,
ein Lächeln, Neugierde zu wecken,
Persönliches der Welt entgegenzustrecken,
langsam kauend das Teigschneckchen.

Einsamkeit entrinnt der verwundeten Zeit,
schleicht sich willenlos ins Geschehen rein,
verklebt die brüchigen Menschenreih´n
zu Dubletten einer befremdlichen Befangenheit.

Gekehrte Höfe in den aufgewühlten Herzen,
sie gehen, Glück in fünf Minuten gegessen.
An den Häusern verzweifelte Graffitifresken,
stumpfer Glanz, ausreichend zum Scherzen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Heißzeit Wort des Jahres 2018

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In Fronkreisch herrschen schlimmere Zeiten als die Eiszeit

Also jetzt mal Butter bei die Fische, das schlägt doch dem Faß den Boden aus, was reitet da so manche Jury durch Nacht und Nebel geschwind? Es ischt die GfDS in Wiesbaden, die sich für Heißzeit als Wort dieses Jahres entschied, verwechseln Sie bloß net dieses „fD“ in einem anderen Kontext, jene Partei hat sowieso fertig.

Dem Klimawandel zolle man auf diese Weise Respekt, weil im laufenden Jahr es doch so trocken und heiß gewesen sein soll. Sprache sinnbildlich unberechenbares verdeutlicht, wobei besonders die Klimawandelleugner schwer beleidigt sich hintergangen fühlen werden. Allen voran jener blonde Dolle, der ohnehin jeden Anlaß nimmt, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Gelbwesten mischen Fronkreisch seit einem Monat auf, Humpty-Trumpty meint, Gelbwesten würden gegen das Pariser Abkommen aufmucken, er hört gar Stimmen seinen Namen rufen. Ja, wo sind wir denn? Mr. Präsident per Halluzinationen unterwegs? Im Grunde nicht weiter verwunderlich. Was hierzulande als Heißzeit deklariert, der Franzose Eiszeit nennt, weil er das „H“ nicht aussprechen kann, wenn ein Vokal folgt. Ups, Verwirrung nimmt ihren Lauf.

Spekulationen ungeahnten Ausmaßes tun sich auf, am Ende schiebt der US-Choleriker den Franzosen die Schuld in die Schuhe, kurz vor dessen Amtsenthebungsverfahren, da Eiszeit mit Heißzeit zum Verwechseln ähnlich, er deshalb Krawalle mißgedeutet habe? Aber lassen wir das mal lieber, verrückt genug, was sich da auf weltpolitischen Parkett ergibt!

Letztjährig herrschte noch Einfallslosigkeit mit dem „Jamaika-Aus“ als Wort des Jahres. Seit wann taxieren die Menschen das Versagen deutscher Politik, die einer Beachtung bedarf? Bullshit, welches gleichzeitig die Dekadenz jener Jury widerspiegelt. Da bringt Heißzeit wenigstens mehr Elan auf, schläfrige Gehirnzellen zu mobilisieren. Im übertragenen Sinn blicken wir ohnehin heißen Zeiten entgegen, ob mit oder ohne Klimawandel.

Die einen schauen nach draußen, stellen fest, das Wetter ist, was es ist: kalt, warm, naß oder trocken, stürmisch oder Flaute auf hoher See. Die anderen bemerken zunehmende Wetterextreme, die keineswegs als normal zu werten sind. Menschenverursacht, da unsere Spezies den Hals nie voll genug bekommen kann, zumindest all jene, die am Rad der Ausbeutung drehen, wie sowieso seit jeher geschehen. Das will nur nicht jeder sehen.

Was nutzen weitreichende Erkenntnisse, wenn Ignoranz obsiegt? Sprache vermag Brücken zu bauen, Wege zu zeigen, inwieweit wir versagen, versäumen oder vor uns hinträumen, Beobachtungen in den Wind schießen, weil die Trägheit des Geistes zu vieles ausbremst.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Im Bann ungelöster Probleme

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Reizüberflutung
ständig dich belastet,
ohne Unterlaß.
Wo verbleibt dabei der Spaß?
Schnell geurteilt, überhastet
folgst du manch Eingebung.

Schnellebigkeit
uns in den Bann zieht,
ohne Reflektion.
Perfektion eine Illusion?
Man vor der Verantwortung flieht,
zur Einsicht keineswegs bereit.

Menschlichkeit
ein allzu belastetes Wort,
ohne Hinterfragung.
Weltpolitik auf der Tagung?
Weder an lautem noch stillen Ort,
Ungelöstes besteht immerfort.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Dr. Grantly Dick-Reeds „Geburt ohne Angst“ ein toller Ratgeber

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Geboren wird immer – muß es deshalb dramatisch sein?

Das Leben bestimmt den Lauf der Dinge, und daher wird jede Geburt als ein ereignisreiches Erlebnis für die Beteiligten empfunden. Wer schon mal dabei war, wird sie wohl nie wieder vergessen können, das gilt insbesondere für Mütter und Väter. Dabei saugen werdende Mütter in erster Linie sämtliche Informationen auf, was die Thematik der Geburt anbelangt.

Während es sicherlich welche gibt, die kaum oder keinerlei Bedenken und Ängste haben, sorgt sich ein Großteil eben doch. Und jede Schilderung über eine Geburt hat gewisse Unterschiede, selbst wenn etliche Parallelen vorhanden sind – muß es deshalb dramatisch sein?

Natürliche Geburt – Wegbereiter von Atem- und Entspanungsübungen

Dr. Grantly Dick-Reed dürfen viele Mütter es verdanken, wesentlich angstfreier und entspannter ihre Geburten durchlebt zu haben. Der britische Arzt und Gynäkologe begann sich ganz entgegen vieler seiner Kollegen für die natürliche Geburt einzusetzen, was auch in seinem ersten Buch „Natürliche Geburt“ im Jahr 1933 zum Ausdruck kam.

Aber sein zweites Buch, welches ursprünglich „Offenbarung der Geburt“ hieß, aber später in „Geburt ohne Angst“ unbenannt wurde, erschien neun Jahre später und verhalf tatsächlich etlichen Frauen, ihnen die Angst zu nehmen. Somit war er ein Wegbereiter der Atem- und Entspannungsübungen zur Vorbereitung für die Geburt, die werdenden Mütter sollten sich auf Wehenschmerzen einlassen, sie annehmen, anstatt sie zu verdrängen gar durch Medikamente.

Ingeborg Stadelmanns Geburtshaus „Erdenlicht“

Die Hebamme und Autorin Ingeborg Stadelmann, die 1999 das Geburtshaus „Erdenlicht“ in Kempten gründete, ist bis heute ebenso ein wertvoller Ratgeber in Sachen Geburt. So spezialisierte sie sich Ende der 1980iger Jahre darauf, bestimmte Aromamischungen herzustellen und zu vertreiben, schrieb 1994 das Buch „Die Hebammen-Spechstunde“, welches als sinnvoller Ratgeber für die Schwangerschaft, Geburt und auch das Wochenbett bezeichnet werden darf.

Solch wichtige Bücher sind daher empfehlenswert, einer Geburt etwas gelassener entgegen zu blicken, ohne allein nur der Allgemeinmedizin zu vertrauen, die zwar hilfreich zur Seite stehen mag, aber viele Ängste und Sorgen eben nicht ausräumt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Der Bechtelsheimer ihr Kind

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Die letzten Stufen zu ihrem kleinen Zimmer,
hoch oben unter dem Dach, die liebte sie.
Die Treppe formte sich zur Wendeltreppe,
eng die Stufen, gebogen wie eine Schnecke.
Und dann die Tür, die nach außen aufging,
Klinke drücken, drei Stufen zurück nach unten,
dabei die Tür festhalten und zur Seite drücken.

Blind, zielsicher tastete sie nach dem Lichtschalter,
im Wendeltreppenhaus gab es schon lange kein Licht,
niemand konnte sie überzeugen, wie gefährlich das ist.
Sie liebte das Dunkel auf ihrer Schneckenwendeltreppe.
Die große Villa geerbt, als Kind hier aufgewachsen,
die Mutter Köchin, Mädchen für alles, sie auch.
Der Bechtelsheimer ihr Kind, so nannte man sie im Dorf.

Niemand nannte ihr den Vater, selbst die Mutter nicht,
Grabeskälte verrät keine Geheimnisse, bewahrt den Stolz.
Sei froh, daß es dich gibt, sei zufrieden und fromm,
damit der Herrgott dich ohne Erbarmen lieben kann.
Zufrieden ist der Bechtelsheimer ihr Kind jeden Tag,
morgens, abends, in dem Zimmer unter dem Dach.
Die Treppe knarrt, Kindheitsmusik, rein, nicht verlogen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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JEFTA tritt voraussichtlich am 01. Februar 2019 in Kraft

Fleisch durch Massentierhaltung aus Europa und Lebensmittel aus Fukushima

Alles prima, wen interessiert schon das Klima, Umwelt- oder Tierschutz, Hauptsache business as usual, so auch per JEFTA, dem Japan-EU Free Trade Agreement, welches gestern vom Europäischen Parlament ratifiziert wurde, vier Tage zuvor von Japan, voraussichtlich am 01. Februar im nächsten Jahr in Kraft tritt.

Ein höchst fragwürdiges Freihandelsabkommen, vor gut einem Jahr konnte man während des G20-Gipfels in Hamburg feststellen, daß es in trockenen Tüchern sei, allerdings noch Hoffnung bestand, per Proteste und Appelle es zu verhindern, was offensichtlich nicht fruchtete.

Verbraucherschutz gefährdet, Standortkonkurrenz belastet Beschäftigte

Einem schier unglaublichen Run auf Wachstum hat sich nahzu alles unterzuordnen, so daß man sich keineswegs wundern braucht, wenn sich Wirtschaftspolitik genau danach richtet. Mit JEFTA gilt weder Verbraucherschutz, Klima- und Umweltschutz noch irgendwelche seit Jahrzehnten mühsam erstrittene Arbeitnehmerrechte.

Als Handelshemmnis werden gleich zu Beginn Tariflöhne betrachet, insofern haben Arbeitnehmer betroffener Firmen sich unterzuordnen. Illegaler Holzhandel mittels rumänischer Bäume gen Japan verschifft, wird eben nicht geahndet, Nackensteaks auf japanischen Eßtellern bedingen eine unverantwortliche Massentierhaltung zu Ungunsten der Umwelt, Gülle belastet Grund- und Trinkwasser, Bäume werden geschädigt, der Problematik von Antibiotikaresistenzen wird erst recht Vorschub geleistet. Sechs Jahre nach dem Fukushima-Atomunglück wurden extra für JEFTA die eingeführten Beschränkungen japanischer Lebensmittel gelockert. Verstrahlte Kost interessiert nicht, Hauptsache die Geschäfte laufen.

Mitspracherecht wurde generell ausgeklammert

Mit anderen Wortes, JEFTA ist im Gegensatz zu CETA geheim verhandelt worden, EU-Bürger erhielten von Beginn an keinerlei Mitspracherecht. Somit entfällt auch die Ratifizierung durch die EU-Staaten, das EU-Parlament hat entschieden, basta!

Japan beharrrte während der JEFTA-Verhandlungen auf das hoch umstrittene ISDS (Investor-state dispute settlement), die Investor-Staat-Streitbeilegung, von eigentlichen Verbesserungen kann somit keine Rede sein, die Kernkritikpunkte beim ISDS bleiben trotz des „refomierten“ Systems erhalten. Sogenannte Investitionsgerichte stehen daher weiterhin im Fokus der Kritik, der eigentliche Investitionsschutz greift mitnichten, zumal dieser im Vertragstext nicht mehr erscheint.

Schön, wenn Zölle sinken, weniger toll, daß dieses JEFTA keine neuen Arbeitsplätze bedeutet, die Umwelt erheblich belastet wird, Klima- und Tierschutz unbeachtet bleiben. Die EU und Japan mögen es als Erfolg verbuchen, obwohl in Wirklichkeit Kritikpunkte deutlich überwiegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Kontur im Nebel

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Jeden Nachmittag,
sie saß am See
auf einer Bank.
Längst nicht mehr
unbekannt.

Den Horizont
hatte sie im Blick,
Konstanz, Meersburg.
Manchmal die Fähre
winzig klein in Sicht.

Damals war sie aufgelöst
in all dem Bekannten,
flüchtig wahrgenommen.
Heute beachte ich sie
im Erinnerungsnebel des Alters.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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