Spielerisch Spülen so gar nicht abwegig

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Wenn von einer modernen Küche gesprochen wird, hören wir die Wörter Spüle und Spülmaschine, vor einigen Jahren oder Jahrzehnten, beides dienlich um die anfallenden Koch- und Geschirrutensilien nach Gebrauch abzuwaschen. Wobei, wenn beides vorhanden, die Spüle hauptsächlich benützt wird, um darin das Gemüse zu waschen, also eigentlich nicht mehr zum Spülen genutzt wird. Dafür gibt es die Spülmaschine, die je nach Personen im Haushalt gut mehr als einmal am Tag das zeitaufwändige Spülen per Hand und das Abtrocknen des Geschirrs abnimmt.

Spülen, mittelhochdeutsch spüelen, althochdeutsch in: irspuolen, Herkunft ungeklärt, liest man im Duden. Auch das DWB Grimm gibt bei der Herkunft des Wortes nicht wirklich Erklärendes preis, außer die Wortumschreibung, verb. schwenkend reinigen.

Nun gibt es in unserer Sprache ein klangähnliches Wort, nämlich „spielen“.

Spielen, mittelhochdeutsch spiln, althochdeutsch spilōn, ursprünglich = sich lebhaft bewegen, tanzen. (Duden) Daß Tanz und Bewegung etwas mit Spielen zu tun haben, scheint äußerst glaubhaft.

DWB Grimm führt zudem noch andere Verbverwandtschaften auf.
„…vgl. die glossen: joculari .. spuelen, boerden vel spelen, splen, speln. Dief. gloss. 307c; ludere hd. spilen, spyln, spieln, hd. nd. spelen, spuelen. 338b; ludibundus spelende, spuelende. ebenda. im ältern oberd. zuweilen in der form spüllen: junge oder ander verwegne leut, die sich mit spüllen einlassen.“

Auch ist bei DWB Grimm noch folgendes zu erfahren, „die grundbedeutung von spielen ist die einer lebhaften, muntern hin- und herbewegung“

Der Einfachheit halber wurden in obigen beiden Abschnitten nur die lautverwandten Wörter von mir kursiv gesetzt.

Scheint doch nicht ganz so abwegig, „spülen“ und „spielen“ in einem wortverwandten Kontext zu erkennen, oder?

Bei einem ihrer Urlaube oder täglich, je nachdem wie nahe sie bei einem Gewässer oder Meer wohnen, ist es kein ungewöhnliches Bild, zu beobachten, wie das Wasser den Sand oder ein Gestein umspült. Spielerisch wirft die See, das Meer die Wellen an Land, gegen einen Felsen. Je nach Stärke der Wellen spült das Wasser Sand sogar gänzlich davon oder unterhöhlt Felsen, schleift Steine glatt oder zerklüftet Gestein, und das alles mit tanzenden, wirbelnden Bewegungen.

Ein weiterer Aspekt, der mich veranlaßt, zwischen den beiden Wörtern eine nicht von der Hand zu weisende Verbindung herzustellen, ist die folgende: Einmal einem Spiel verfallen, ist es für viele Menschen schwierig, aus der Maschinerie des Spielens zu entkommen, auch nachzulesen in dem Roman von Fjodor Dostojewski „Der Spieler“.

Nicht wenige Jugendliche, natürlich auch Erwachsene verbringen ihre Freizeit vor dem PC, am Smartphone, um ihre geliebten Spiele zu bewältigen, sie haben den Drang, das Spiel zu bezwingen, als Gewinner das Spiel abzuschließen und gleichzeitig das Verlangen, das nächste Spiel zu beginnen, um auch dieses Spiel mit Erfolg abzuschließen, oder sie sitzen in Spielhallen, Casinos vor den Automaten, in der Hoffnung mit mehr Geld in der Tasche diesen Ort zu verlassen, als sie ihn betreten haben.

Dabei spielen sich in ihren Gefühlen und Gedanken wellenartige euphorische oder niederschmetternde Widersprüchlichkeiten ab. Mit Wucht werfen sie sich in quirlige Freude beim kleinsten Gewinn, oder es treibt sie ein ohnmächtiger Verlust in tiefe Verzweiflung.

Ähnelt dies nicht den Wellen einer „lebhaften, muntern hin- und herbewegung“? (DWB Grimm bei dem Wort „spielen“)

Und lasen wir nicht bei „spülen“, DWB Grimm, „schwenkend reinigen“?

Nicht klar ersichtlich scheint mir, welches Wort von wem abgeleitet worden ist.

Ich erlebte die lebhaft munteren Hin- und Herbewegungen des Tanzes als Selbstverständlichkeit bei Dorf- oder privaten Feiern. (War immer schon so)

Allerdings wurde „schwenkend gereinigt“ sogar noch in meinen Kindertagen, wenn die Frauen an einem bestimmten Wochentag mit ihrer Wäsche zum Waschplatz gingen, konnten wir Kinder ausgiebig beobachten, daß die Wäschestücke nach dem Einseifen und Reiben im See hin- und hergeschwenkt wurden, um die haftende Seife mit dem Schmutz auszuwaschen. (War immer schon so.)

Deshalb überlasse ich es ihnen, welches Wort zuerst oder von wem abgeleitet wurde, offensichtlich aber bleibt, diese beiden Wörter haben mehr gemein, als ich hier kurz angedacht habe.

In diesem Sinne lassen sie ihre Gedanken mit neuen Anregungen umspülen oder spielen sie zur Abwechslung einfach mit Wortbegriffen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumnen

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Wechsel in der Führung der Nato

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Trotz Russland-Ukraine-Krise?

Ganz so schnell vollzieht sich ein Wechsel natürlich nicht, Ende September soll das Mandat des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg auslaufen, somit braucht die Nato eine neue Führung, ausgerechnet inmitten schwerer Spannungen mit Russland, wie das RND ausführt.

Ein völlig normaler Vorgang könnte man einwenden. Dennoch fragwürdig, weil Postengehabe ganz offensichtlich längst zur Normalität geworden, denken wir z.B. an Gerhard Schröder. Die Vermutung liegt nahe, daß Politik und Wirtschaft Hand in Hand ganz gezielt Einfluß nehmen wollen auf das Wohl der Gesellschaft, dabei eigene Vorteile im Visier. Ob das tatsächlich Rechtens ist, darf explizit angezweifelt werden.

Mit Blick zu Stoltenbergs Vita letztendlich naheliegend

In erster Linie war Jens Stoltenberg Politiker, Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (Ap), wobei er knapp zehn Jahre in zwei Amtszeiten als Regierungschef die Geschicke Norwegens lenkte. Zuvor besuchte er eine Rudolf-Steiner-Schule, studierte an der Uni Oslo Wirtschaftswissenschaften, arbeitete als Journalist sowie als Berater bei der Statistikbehörde SSB, auch als Dozent für Sozialökonomie an der Uni Oslo.

Am 01. Oktober 2014 übernahm er das Amt seines Vorgängers Anders Fogh Rasmussen des Nato-Generalsekretärs. Gleich zu Beginn verdeutlichte Stoltenberg die Gefahr Russlands, monierte dessen aggressives Verhalten. Zum 70. Jahrestag der Nato polterten nicht nur Donald Trump und Mike Pence drauflos, sondern Jens Stoltenberg betonte erneut die Rechtfertigung der Nato, Russland als Aggressor darzustellen. Die Nato ein Verteidigungsbündnis? Angesichts des neuen Kalten Krieges kann davon keine Rede mehr sein!

Wie rauskommen aus der Sackgasse der Russland-Ukraine-Krise?

Zumal die schon länger schwelt. Im Kontext zur Weltpolitik bahnt sich keineswegs Positives an, wenn wir bedenken, daß sich die VR China und Russland zusammenraufen, während der Westen schwächelt, Nationalismus einen Aufwind erhält, gar die Demokratie in den USA gefährdet ist mit Blick zum Ex-Präsidenten Donald Trump, der weiterhin bei jeder Gelegenheit von seiner gestohlenen Wahl faselt.

Die Zeichen stehen auf Krieg und zwar an vielen Brennpunkten neben den vorhandenen. Trotz etlicher Bündnisse bekommt es die Menschheit wohl nicht hin von ihrem Machtgehabe abzulassen. Statt Friedenszeiten als das zu fördern, was sie bedeuten, wird weiter gezündelt, provoziert und real bedroht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Cremig verflossene Sterne

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Mitunter
ist die Welt bunter
als angenommen,
denn es bekommen
manch Ansprüche
neue Anstriche.

Sträuße hätte er gerne,
cremefarben, als Sterne
dekoriert,
damit garantiert
seine Überraschung
sie bringt aus der Fassung.

Auf ewig will er,
bis der Himmel leer,
Gestirne für sie holen,
ihre Liebe soll sich lohnen,
Beständigkeit er ihr damit gelobt,
Heirat, nach etlichen Jahren verlobt.

Der Platz im Park ausgesucht,
halbrund, erinnert an eine Bucht,
der Gang dorthin mit hundert Kerzen,
davon hat er jetzt Rückenschmerzen,
ausgeschmückt,
sie brennen noch immer, zum Glück.

Sie betreten den Halbkreis,
ihm wird flau und heiß,
eierschalenfarbig keine Blüte,
kein Elfenbeinschein, meine Güte.
Sterne sind doch nicht bunt,
er schreit, so ein dummer Hund!

Sein Liebesbeweis nicht gelungen,
er füllt mit neuer Wut die Lungen,
ich wollte nicht bleiche Farbe,
du pflanzenfetischistischer Barde,
regenbogenversessener Florist,
ein Harmonie-Ignorant du bist.

Zuerst biß sie auf ihre Lippen,
dann fing sie an zu wippen,
schließlich griff sie ein Bouquet.
Ich find sie schön, mehr als nett,
schade eigentlich als Wurfgeschoß,
du cremig-glänzendes Walroß.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Zille-Rap

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Neulich schauten wir mal wieder fern,
wie jeden Abend so gern,
Lieder, auf und nieder,
in den Charts die Industrie antreibt,
weit verzweigt,
oder ham wir dat vergeigt?
Einerlei, biste dabei?
Nein, nicht nur wir zwei,
sondern jede Menge Leute,
gestern, morgen und vor allem heute.
Was, besorgen?
Nix kann ick dir borgen,
keene Kneete da,
was auch immer geschah,
du warst so wunderbar und nah,
ick in dir drin,
jetzt allein wohin, worin der Sinn?
Lauter Bilder schwirren an uns vorbei,
einerlei,
komm laß uns tanzen,
die ganzen grauen Tage vergessen,
nicht wahllos fressen, eher Leute treffen,
die Erfolgreiche nachäffen.
Wo tobt der Mob,
wenn Politik sehr grob sich verhält?
Geht’s nur ums Geld in dieser kranken Welt?
Laßt uns dennoch frohen Mutes sein
bei soviel Schein,
nix allein und einsam siechend,
kriechend den Reichen die Stiefel leckend,
woanders viele verreckend!
Sollen sie doch weichen,
weltweit täglich Leichen,
weil die den Hals nie voll genug kriegen.
Alle wollen siegen und wir hier?
Nehmen uns an den Händen,
stoppen das Verschwenden,
schreien laut hinaus,
ohne Angst zu haben:
Schau sie an, wie Küchenschaben
sie sich an uns allen laben!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Songtexte

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Autokratie vs. Demokratie

Freiheit bedeutet auch Risiken in der Weltpolitik

Sie laufen in Montagsspaziergängen durch die Straßen deutscher Städte, verkünden lauthals brüllend, sie seien das Volk, die Helden der Pegida oder der Coronaleugner, meinen, die demokratisch gewählten Parteien seien Faschisten, während sie gleichzeitig einen Wladimir Putin huldigen. In Wirklichkeit sehnen sie sich nach einem Führer, einem Despoten, der Ruf zur Autokratie schallt auch in anderen Ländern.

Solche Entwicklungen verheißen nichts gutes, verdeutlichen ein Zurück, wie wir bisher glaubten, überwunden zu haben nach dem Zweiten Weltkrieg, als Teile in Europa in Schutt und Asche lagen, weil Nazischergen dafür gesorgt hatten. Länder wie die VR China und Russland offenbaren einen dramatischen Weg, wobei auch in den USA mittels Donald Trump die Demokratie hochgradig gefährdet wird.

Die verschrobene Welt des Staatspräsidenten Xi Jinping

Seit bald neun Jahren übt er sein Amt als Staatspräsident Chinas aus, ließ 2018 die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten aufheben, lobt nicht nur die revolutionäre Philosophie von Josef Stalin, sondern sieht sich als dessen Erbe, was erheblich dragonisch politische Maßnahmen nach sich zieht. China entwickelt sich durch ihn zum Überwachungs- und Zensurstaat. Mittels des installierten Sozial-Kreditsystems, einem online betriebenen Rating, bzw. „Social-Scoring“, gelingt dies auch weitestgehend.

Chinas Umgang mit den Medien spricht Bände, darüberhinaus traut sich kaum ein Land, dieser Großmacht wirklich Paroli zu bieten. Warum? Weil die wirtschaftlichen Verflechtungen und somit Abhängigkeiten mit der VR China eine gewisse Erpressung darstellen, so daß am Ende die Macht des Kapitals politische Kritik verhindert.

Putins Autokratie kann das Faß zum Überlaufen bringen

Der Ukraine-Konflikt spitzt sich offensichtlich zu, die Friedenszeit in Europa könnte ein jähes Ende bedeuten, wenn russische Soldaten in die Ukraine einmarschieren. Russlands Herrschaftsgehabe verdeutlicht den Kurs, den Wladimir Putin schon längst eingeschlagen hat.

Gleichzeitig belasten auch andere Stimmungen die weltpolitische Lage, nämlich die Zerreißprobe zwischen autokratischen Regierungsformen und den Demokratien. Erstere versuchen sich mit aller Macht zu profilieren, siehe Ungarn, Russland, China, Brasilien und zuletzt auch mit Blick gen USA, wo am 06. Januar letzten Jahres der Sturm aufs Kapitol stattfand.

Weltweit sind alle Demokraten aufgerufen, eine derartige Entwicklung unbedingt aufzuhalten, weil mit dem Ende der Demokratie unsere Freiheit einen erheblichen Schaden erleidet, wie man unschwer in solch autokratisch geführten Ländern beobachten kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Wenn Grusel sich in Bewegung setzt

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Gruselgeschichten, wer kennt sie nicht, ob selbst in einem Buch lesend, aus Erzählungen oder sitzend im Sessel oder Kinostuhl über den Bildschirm, die Leinwand flimmernd. Vielleicht mit unüberwindbaren Spätfolgen, nachts keinen Schlaf mehr finden, bei gewissen Geräuschen ein Zusammenzucken, einsame Plätze, Dunkelheit meiden, Personengruppen nicht mehr vertrauen, Tiere und Pflanzen als monströse Kreaturen ansehen, bestimmte Gebäudearten als Orte des Schreckens erkennen und so weiter.

Dabei spielt es keine Rolle, inwiefern die Geschichten annährend einer Wahrheit entsprachen oder reine Phantasiegebilde waren oder sind. Einmal als Schrecken im Gedächtnis festgesetzt, öffnet sich bei ähnlichen Situationen, die in den Geschichten vorkamen, sämtliche Vorstellungsmöglichkeiten von furchterregenden Geschehnissen, die akut bedrohlich wirken.

Eigentlich ein Schutzmechanismus, der uns vor reellen Gefahren beschützen soll, das gruselige Gefühl, das einem kalt den Rücken runterläuft und uns eine Botschaft sendet, paß auf! Heute spricht man eher von Horror, das dieses Gefühl auslöst, eigentlich schade.

Gruseln, früher grüseln, entstammt dem mittelhochdeutschen gruiseln, und ist eine Intensivbildung zu grausen. Andere Wörter sind, Angst/Furcht haben, sich ängstigen, sich fürchten, sich grausen (Duden)

Grausen, mittelhochdeutsch grūsen, griusen, althochdeutsch (ir)grū(wi)sōn, zu grauen. Synonyme dafür, frösteln, durchfrösteln, sich gruseln, kalt den Rücken herunterlaufen (Duden)

Grauen, mittelhochdeutsch grūwen, althochdeutsch (in)grūēn, Herkunft ungeklärt. Andere Begriffe, Angst/Furcht haben, sich ängstigen, sich entsetzen, sich fürchten (Duden). Nanu, ungeklärt?

Der Grusel ist natürlich das Substantiv zu gruseln, einfach oder? Hier findet man im Duden keine Herkunftserklärung.

Aber es findet sich in unserer Sprache noch einen anderen Grusel. Der Grusel ist grober Sand und kleinere Steine; Kies. Die Wortherkunft leitet sich von Grus ab.

Der Grus, aus dem Niederdeutschen < mittelniederdeutsch grūs = in kleine Stücke Zerbrochenes < mittelniederländisch gruus = grob Gemahlenes, vgl. mittelhochdeutsch grūʒ = Sand-, Getreidekorn, verwandt mit groß. Andere Wortbegriffe, Schutt, Abfall, körniges Gestein, grobkörniger Kohlenstaub. (Duden) Okay, suchen wir noch die Bedeutung von groß.

Groß, mittelhochdeutsch, althochdeutsch grōʒ, ursprünglich = grobkörnig. Der Duden listet unter Synonyme folgende Wörter auf, aufschneiderisch, prahlerisch, prahlsüchtig, vollmundig und als Antonym, wie könnte es anders sein, klein.

Genug der wissenschaftlichen Herkunftserklärungen. Wenn es uns gruselt, läuft es den meisten Menschen kalt den Rücken runter. Was läuft denn da, das so Angst einjagt, daß wir zittern, die Sprache versagt und uns schwindelt?

Gespenster, die in Schlössern, Burgen, Häusern ihren Wohnsitz verteidigen, rasseln gerne mit Ketten oder sonstigen Gegenständen, die klirrende Geräusche von sich geben, so jedenfalls beschreiben es die Angst und Schrecken einjagenden Geschichten. Huhu-Geräusche, die windähnlichen Charakter aufzeigen sollen, sind meist inbegriffen. Also nicht ein längeres Windpfeifen, sondern mit tröpfchenweise gespickter melodischer Abfolge.

Sand, Kies, kleine Steine, Getreidekörner ähneln melodisch bei ihrem Fließverhalten oder beim Begehen knirschenden oder klirrenden Tönen. Der Grusel lebt oder vielmehr signalisiert Gefahr. Ins Rutschen kommendes Gestein oder auch Getreidekörner können Unfallquellen sein, sind es bei unsachgemäßer Begehung oder Handhabung allenthalben. Hierbei ist es irrelevant, ob man sich unter der Erde (Bergbau) oder auf flachem Land befindet (Sanddünen), oder ob es einzelne Stückchen Gestein oder Felsbrocken sind, die Geräusche sind allesamt ähnlich einem Knirschen oder Klirren, manchmal auch Surren.

Gruseln, grausen sind eindeutig Ausdrücke, um diesen Zustand des Fürchtens zu beschreiben, ob tatsächlich das „Grauen“ wirklich als ungeklärt gelten kann, bezweifle ich. Denn wenn es einem schwarz vor Augen wird oder neblig beige, hat man oft gleichzeitig ein Summen in den Ohren, somit reihe ich auch „Grauen“ in die Sprachherkunft von Grusel (Grus) ein.

Und die Kälte, die den Rücken runterläuft, ist sicher nicht nur mit dem Aufstellen der kleinen Härchen (ähnlich wie bei den Tieren Nackenhaare aufstellen), sondern auch darin begründet, daß Steinchen, Kies oder Sand eine gewisse Kälte implizieren.

Somit ist Gruseln eigentlich nichts anderes, als ein Zusammenspiel von Geräuschkulisse und der Vorstellung eines nahenden Unglücks. Und das Wort „groß“, grobkörnig, das mit Grus sprachverwandt ist, einfach nur die Verstärkung von der zu benötigten dringenden Vorsicht vor diesem Material.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Nachmittags im Winter

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Drahtesel schlittert unverhofft,
kein Eis und Schnee auf der Straße,
Leichtsinn im Spiel wie so oft
als Schüler der fünften Klasse.

Deine Freunde feixend lachen,
konnten daher einfach stoppen,
aber du machst keine halben Sachen,
möchtest alle am liebsten toppen.

Was die Jugend stets ausprobiert,
gehört schlichtweg zum Leben,
egal was dabei auch passiert,
unwichtig ein gezieltes Streben.

Erwachsene wollen belehrend sein,
verstehen mitnichten die Rebellion,
alles erlaubt nicht nur zum Schein,
von Mut, Arroganz bishin zum Hohn.

Das Rad steht wieder im Schuppen,
zu Hause man für die Schule übt,
die kleine Schwester spielt mit Puppen,
du selbst abgelenkt, da frisch verliebt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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