Es hinkt so manch Vergleich in Merzens Reich
Heute darf der zehnte Bundeskanzler, – er ist der neunte, die Bundeskanzlerin sollten wir bloß nicht ignorieren -, nach hundert Tagen im Amt zurückblicken, dabei voller Inbrunst selbstgefällig nicken, während heute die Welt gen Alaska stiert, dort wohl bekanntlich Wesentlicheres passiert. Schließlich trifft sich dann Trump mit Putin, allerdings fraglich der tiefere Sinn, dies gehört jetzt nicht hier hin.
Merz janz behende faselt von seiner Wirtschaftswende, nun denn, wer das Bürgergeld zusammenstreichen läßt, der simpelst wie eh und je gern nach unten tretend hetzt. Dabei die eigentlichen Schmarotzer mal wieder mit Steuergeschenken überhäuft, Hauptsache der Laden der ewiglich reichen Eliten läuft. Während die Union etwas von Neiddebatten in den Raum wirft, manch Rentner in der Gosse aus leeren Pfanddosen Reste schlürft. Einerlei, dem Merz interessiert keen Konterfei, er hat sich durch BlackRock lange schon gesundgestoßen, wähnt sich politisch bei den Großen.
Mit Blick zu Dobrindts krimineller Migrantenpolitik setzt Menschenrechtsverfechtern das Herz in der Brust oftmals aus, es wird jedoch ein Schuh daraus, weil die Ähnlichkeit zur Trumppolitik nunmehr wirkt janz chic, was übern Teich per Dekret funktioniert, kopiert man hierzulande völlig ungeniert. Es interessiert mitnichten die Herren der Union der Europäische Gerichtshof, deren Bestimmung erklärt man schlichtweg für doof, Hauptsache die Nazis nachgeäfft, der Linksgrün Versiffte ohnehin nur kläfft. Mit Blick in die Vergangenheit sind wir mal wieder soweit: Union und Nazis in trauter Einigkeit.
Da darf sich Merz nun mal auf die Schulter klopfen, dessen angebliche Brandmauer umrankt vom süffigen Hopfen, der tröge Wähler es ohnehin nicht merken tut, schließlich funzt das geschmierte Medienspektakel vortrefflich gut. Mit einem Jens Spahn kurzerhand abgelenkt, wird simpelst jede Kritik an den Nagel gehängt. Was interessieren Richterinnen wie Frauke Brosius-Gersdorf fürs Verfassungsgericht, wenn jene bösartig verpöhnt werden in verfälschtes Licht. Diese geplante Rechnung ging simpelst auf, Merz, Spahn und Co sich daraufhin einen sauf.
Wie war dies nochmal beim Ampelbashing vor der Wahl? Ach ja, die Medien saßen größtenteils im selben Boot, politische Aufrichtigkeit gleicht einem Verbot, denn wer jene Macht ausüben will, gehorcht strikt ganz schrill dem rechtsradikalen Drill. Die Frau zurück zu Heim und Herd, der Herr per Steigbügel auf dem Pferd, schließlich sind wahre Männer dies wert. Wie war das nochmal mit Demokratie? Eine verklärte Phantasie. Durch Merz wird Autokratie wiedererweckt, wer Kritik ausheckt, am Ende letztlich verreckt.
Lotar Martin Kamm
Kategorie: Satire