
flickr.com/ tsevis/ (CC BY-NC-ND 2.0)
Wer zögert, zeigt Schwäche?
Ist das Leben einfacher, wenn wir Entscheidungen ohne Zweifel, ohne Gefühle, ohne Bedenken treffen könnten?
Sobald eine neue Entscheidung ansteht, glühen sämtliche Lämpchen, und wir beginnen abzuwägen. Bereits festgelegte Entscheidungen nennen wir Gewohnheiten, wir fühlen uns nicht nur im Recht, wir fühlen uns wohl, wir sind zufrieden, zuhause. Deshalb ist es auch schwer, schlechte Gewohnheiten abzulegen, wie das Rauchen, körperliche Ticks, ein gewißer Arbeitsablauf. Sie brauchen, um neu beantwortet zu werden, ein einschneidendes Ereignis, damit wir wieder neue Impulse aufnehmen, eventuell dadurch das Gewohnte verändern. Andererseits sind Gewohnheiten auch ein „Ruhekissen“, eine Konsequenz, eine Schublade, in der Ordnung herrscht und ganz ehrlich: Bewundern wir nicht immer mal wieder Menschen, die scheinbar ohne Bedenken ein klares Ja oder Nein äußern, während wir es nicht schaffen, zu einer klaren Aussage zu kommen?
Klipp, klapp – tick, tack
In solchen Momenten schließen wir uns gerne der Entscheidung eines Menschen an, dem wir vertrauen. Das ist manchmal von Vorteil, da wir dadurch die Möglichkeit haben, uns anderen Urteilen zuzuwenden. Fatal kann es allerdings werden, wenn wir immer mehr die Entscheidungen anderen überlassen, aus Bequemlichkeit, aus Desinteresse, aus Streß oder anderen Gründen, dann werden wir wie Immanuel Kant so schön formulierte „Unmündige“. Ohne Mund, ohne Sprache, ohne Stimme sind wir den anderen ausgeliefert, haben wir uns selbst unserer Fähigkeit beraubt, zu entscheiden.
Schnipp, schnapp – bim, bam
Katastrophal sind die Entscheidungen zu werten, die Menschen treffen, nur um ihre Stellung zu bewahren, gegen ihr eigenes Gefühl stimmen, damit sie sich vermeintlich nicht ausgestoßen vorkommen, nicht zuzugehören, zu welcher Gruppe auch immer. Diese Abwägungen zeigen irgendwann ihre Spuren, denn sie sind Selbstbetrug, auch wenn sie aus Bequemlichkeit gefällt wurden. Die eigene Identität zu verleugnen, bedeutet langfristig, in einem Lügengebäude zu wohnen, das nicht die eigenen Möbel enthält, sondern die der anderen, diese Menschen sind keine Unmündigen, sondern Lügner, vor sich selbst und anderen.
Ja, nein – schwarz, weiß
Entscheidungen zu treffen, ist einfach, wenn man sich kennt und akzeptiert. Dann sind die Zweifel, Gefühle, Bedenken nur die Stütze, um bewußter und effektiver zu einem Ergebnis zu gelangen.
Ihre
Doris Mock-Kamm