Russlands Herrschaftsgehabe soweit das Auge reicht

Despoten schalten ihre Gegner einfach aus

Im Grunde genommen hat sich in Russland gar nichts geändert. Ein nahtloser Übergang vom Zarismus zum angeblichen Kommunismus bis hin zu despotischer Herrschaft, die ein Wladimir Putin für sich bis ans Ende seiner Tage beansprucht. Wer sich ihm in den Weg stellt, wird schlichtweg entsorgt. Punkt.

Alexej Nawalny befindet sich auf der Intensivstation, wurde offenbar vergiftet. Mitnichten von irgendwelchen mafiösen Verbrechern im Hintergrund, sondern wahrscheinlich im Auftrag des Kreml. An Zufall sollte niemand glauben. Während im goldenen Westen noch wenigstens mit einer gewissen Cleverness regiert wird, meist in tatsächlichen Demokratien, handelt der russische Präsident äußerst effizient, eiskalt berechnend, seine Macht stets festigend, Menschenrechte ausschaltend.

Die russische Festung steht trotz etlicher Widrigkeiten

Dazu verhilft Putin das armselige, desaströse Verhalten Trumps, der in seiner Amtszeit dafür gesorgt hat, die USA erst recht zu schwächen. Wer eigene Bündnispartner dermaßen verprellt, obendrein sich mit der VR China unvorbereitet anlegt, kann nur noch scheitern. All das nützt dem russischen Präsidenten, der stetig seine eigene Macht ausbaute, nicht zufällig Trump mit dazu verhalf, die US-Präsidentschaft zu gewinnen. Er wird dies jetzt wiederholen, egal ob das Geheimdienste ermitteln oder nicht.

Die zunehmende Autokratie Russlands folgt einem gezielten Plan, der dem O-Ton sehr langem und somit alten Herrschaftsgehabe des größten Landes der Welt folgt. Während des Kalten Krieges gab es wenigstens ein globales Gleichgewicht der Machtverhältnisse. Mit dem Mauerfall und dem Ende des Kommunismus werden die Karten völlig neu gemischt.

Während am Ende die USA versagen, schafft es Putin, die Bedeutung Russlands zu stärken, selbst wenn guter Putin vs. bösem Westen ein verzerrtes Bild abgibt, letztlich profitiert der Despot im Kreml davon. Die Doktrin des alten KGB hat sich durchgesetzt, was zu erwarten war mit einem Wladimir Putin an der Spitze.

Sind Alexej Nawalnys Tage gezählt?

Putin duldet keine Opposition im Lande, die seine Macht gefährden könnte. Er wird sämtliche Register ziehen, dies zu verhindern. Insofern muß der Giftanschlag als überdeutliche Warnung verstanden werden. Selbstverständlich kann und wird Alexej Nawalny deshalb nicht nachgeben, sollte er den Giftanschlag überleben. Und wenn er dabei als Märtyrer stirbt. Das ist seine Option.

Sämtliche Putinisten, die diesen russischen Präsidenten glorifizieren, sollten damit eine entsprechende scharfe Kritik hinnehmen. Despoten sind demokratiefeindlich, handeln menschenverachtend und sind konsequent abzulehnen. Wer mit diesen sympathisiert, sitzt im selben Boot!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Zwischen den Zeilen

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Wenn ich einmal nicht mehr bin,
wo geht die weitere Reise hin?
Das ergibt doch keinen Sinn
so ganz ohne neuen Beginn.

Das Leben einmalig sein soll,
find ich keinesfalls wirklich doll.
Manch einem erscheint’s sinnvoll,
ein anderer hegt am Ende viel Groll.

Wenn ich einmal gehen muß,
so gänzlich ohne Verdruß,
dann kommt der große Schluß?
Was für ein blöder Stuß!

Der Tod letztlich nur eine Schwelle,
rückt dem Leben am Ende auf die Pelle.
Nur mal so auf die Schnelle,
es gibt keine Zufälle.

Wenn ich einmal nicht mehr will,
weil zu viel dieser Lebensdrill,
das klingt vielleicht ein wenig schrill,
erwartet mich ein neues Ziel.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bahnhof Eibenfeld

 

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Kürzlich, vielleicht erst vor ein, zwei Tagen wurde der Boden mit Bohnerwachs behandelt, viel sieht man nicht mehr davon, das Wachs kann ich dennoch riechen. Es klebt nicht nur am Fußboden, es klebt überall hier in der Halle. Wäre nicht der viele Schnee, die Feuchtigkeit, die jeder hier mit seinen Schuhen und den nassen Koffern und Taschen hereinträgt, könnte ich womöglich fast auf die Stunde genau sagen, wann das Wachs aufgetragen wurde.

Heute ist Donnerstag, Dienstag, hundertprozentig Dienstag, so gegen zehn Uhr vormittags ist dieser Holzboden frisch gewachst worden. Eigentlich bin ich allergisch gegen diesen Geruch, nicht daß ich davon Pusteln oder Atemnot bekomme, aber er war solange ich denken kann ein Mittel, schnell das nächste Klo aufzusuchen. Es fing zu Schulbeginn an, sobald ich das Schulgebäude betrat und dieses billige Bohnerwachs roch, trieb es mich auf die Toilette. Aufs Klo, es war ein Klo, außerhalb des Schulgebäudes. Ein kleiner Bau, der schon von weitem Pisse, Pisse, nicht Urin, Pisse ausdünstete. Übel dieser Gestank, genauso übel wie das Bohnerwachs und unfaßbar das beste Mittel gleich in die Hose zu pinkeln, obwohl man zu Hause gerade das stille Örtchen besetzt hielt, und vor der Türe ein Gezeter der Geschwister über sich ergehen ließ, weil man das Bedürfnis hatte, möglichst gründlich zu pinkeln.

Ein Wunder, ich bin standhaft, renne nicht hinaus in das Häuschen neben dem Bahnhof, daß hinter Büschen versteckt, alleine durch seine Duftmarke den Platz zur Erlösung des Harndrangs anzeigt; irgendwie trifft man diese mit Urin und Scheiße getränkten kleinen Häuschen an jedem Bahnhof landauf, landab und an fast jeder Schule; geh durch ein Dorf, und du wirst die Kuhscheiße als angenehmer empfinden als den Gestank, der sind neben dem Bahnhof und der Schule festgeklebt hat, dich davon abhält, überhaupt an Pinkeln zu denken, bis du die Schule oder den Bahnhof betrittst, den noch penetranteren Geruch des Bohnerwachses riechst, dann ist es plötzlich völlig egal, und du rennst in die mit Pisse getauchten Steinwände, wenn du Glück hast findest du an den einst graugelb gestrichenen Wänden Figuren, die dich wegträumen lassen. Neuerdings besteht sogar die Möglichkeit, dich durch eine Unmenge von Sprüchen, die nicht jugendfrei sind, zu informieren, was die Erwachsenenwelt so alles an Unsittlichem bereithält.

Die Stunden, die ich hier offiziell noch absitze, sind überschaubar, laut Plan, der hinter einer schmierigen Glasscheibe angeheftet ist, fährt mein Zug um 16 Uhr 38, Gleis 2. Bis dahin bin ich längst wieder über alle Berge. Will mich nur ein wenig aufwärmen. Wirklich, das funktioniert. Sobald die Mütze, die Handschuhe, der Schal ausgezogen, die Jacke geöffnet entfleucht der nasse Schweiß; möglicherweise denkt er, seine blöden Fingerzeichen seien eine adrette Anmachmasche, und die kühle Raumluft beginnt zu wärmen. Jedenfalls ein bißchen, es fahren von hier nicht viele Züge, und die wenigen Fahrgäste, die von hier in die weite Welt oder wenigstens ins nächste Dorf fahren, kann man an fünf Fingern abzählen. Er, mein Gegenüber auf der anderen langen Holzbank, war im angrenzenden Raum, dort ist gewärmt, dort sitzt ein Bahnler hinter einer Scheibe und verkauft die Fahrkarten, wenn er nicht damit beschäftigt ist, den einfahrenden oder den wegfahrenden Zug mit seinem Signalstab, oder wie immer der heißen mag, so zog für kurze Zeit eine mit Kohle gemengte Luft in die Halle.

Ich brauche keine Karte, denn ich werde meinen Restweg zu Fuß weitergehen. Die Abfahrtszeit, so gegen halb fünf, merke ich mir nur, damit ich nicht weggeschickt werde, wenn ich mich zu lange hier drin aufhalte. Manche der Bahnhofsvorsteher sind regelrechte Säuberungsmaschinen, die den Aufenthalt im Bahnhofsgebäude nur Fahrgästen gestatten. Vermutlich ist die aufgewärmte Milch mit Kakao, die ich heute Morgen als Frühstück mit Brötchen, dazu ein Getränk ihrer Wahl, zu mir genommen habe, Schuld für mein Unwohlsein. Warum kann er nicht aufhören, ständig den Zeigefinger unter seiner Nase hin- und herzureiben und mich dabei anzugrinsen, seine Augen zu rollen und mit dem Kopf Richtung Bahnsteigtür zu nicken? Sicher war die Milch mit Wasser gepanscht, war das Brötchen vom Vortag, und die Wurst wurde vor dem Servieren kurz mit Fett eingepinselt, damit sie frisch aussieht. Wer nicht hören will, muß leiden; so ein unfairer Spruch, so ein Erziehungsmaßnahmespruch, du, du, du, schön artig sein, nicht widersprechen, immer gehorchen.

Und was, wenn man nicht mal sich selber gehorchen kann? Wenn man wider besseres Wissen sich in den Kopf gesetzt hat, im Februar an die fünfzig Kilometer zu laufen, nur um sich mal den Wind um die Nase wehen zulassen? Seit drei Tagen latsche ich nun durch Schnee, Schneematsch, Matschwasser, Wasserpfützen, die Wald- und Wiesenwege kann ich seit gestern nicht mehr gehen, der Schnee ist mittlerweile zu hoch, ich sehe inzwischen aus wie ein Schornsteinfeger, der gerade zur Arbeit aufbricht; das ganze Ausbürsten der Dreckränder umsonst, schmierige schwarzbraune Flecken auf Hose, Schuhen und Jacke, möglicherweise auch im Gesicht.

„Fräulein, entschuldigens“, beugt sich mein Gegenüber mir entgegen, natürlich den Finger wieder unter der Nase streichelnd, „Sie san do a Fräulein, nicht? Da draußen is a Wasserhahn“, er nickt mit seinem Kopf Richtung Bahnsteigtüre. „Guots Wasser is des, kommt direkt von oben, vom Wald, sganze Dorf trinkt des, des Schild, kein Trinkwasser, is nur für Fremde, damit die nit auf die Idee kommet, sich hier dr Flaschn zu füllen, wenns warten müsset auf dr nächste Zug. Könnens net Billet sich leisten? Sie werdet doch net Tabak schnupfen? Sieht net schö aus, so a brauns Fleck unter dr Nas.“

Warum ich aufstand und ihm meine Hand entgegenhielt, um sie zu schütteln, aus Rührung, aus Übermüdung, aus eigenem Mitleid, das über mich kam, genau weiß ich es nicht mehr. Ich fragte, ob hier ein Telefonhäuschen stände, ich müßte dringend telefonieren, ob sein Zug gleich käme.

„Ich will net fahrn, die Karte is für mei Frau, die reist nächste Woch zu unserer Tochter nach Konschtanz“, erwiderte er. Und setzte hinzu, „I wußt net, wie ichs Ihnen sollt sagen, aber so a Fräulein läßt mer doch net mit em Dreckbart unter der Nas sitzen“.

Meine Mutter kam natürlich sofort, natürlich nicht, ohne mich am Telefon wissen zu lassen, daß meine Dummheiten irgendwann ein böses Ende nehmen würden, ich gefälligst meine schriftstellerischen Ambitionen als ausreichend gescheitert anzusehen hätte, Phantastereien wären sie, die nur unnötige Sorgen und Probleme bringen würden. Sie kam. Sie fuhr sogar mit mir und Josef Karl Frank ins Hotel „Vier Jahreszeiten“; bei Kaffee und Kuchen, es waren Torten, obwohl mein schwarzer Schnurrbart immer noch, wenn auch abgeschwächt zu sehen war, hatte mit dem Taschentuch kurz drüber gestrichen, und Mutter mit einem bösen Blick davon abgehalten, in das Taschentuch zu spucken, bevor sie es mir reichte, liebend gern hätte sie mir ihre eigene Spucke unter die Nase gerieben.

Josef Karl Frank, dagegen war ihre Art mir mein Gesicht in ihrem Spiegel zu zeigen, angenehmer, wenn ich auch nicht sofort verstanden habe, was sie mir mitteilen wollten. Manchmal bin ich wieder auf Tour, mir die Welt um die Nase wehen zu lassen, sie stinkt an vielen Orten immer noch nach Pisse und Bohnerwachs, aber was soll‘s, sind es nicht die Flecken, die uns inspirieren, vielleicht bessere Welten zu erahnen und sie mit Leidenschaft auszuformen, damit andere auch Gelegenheit bekommen, in den düsteren Wolken, die vorüberziehen, die Einhörner zu erkennen, die im Galopp die Wolken zerstäuben, die uns den Blick auf das Wesentliche versperren?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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The Donald läuft in narzisstischer Höchstform auf

Mit lauter Lügen zweite Amtszeit durchsetzen

Ginge es nach Donald Trump, würde er für 16 oder gar 20 Jahre die USA als Präsident beglücken, weil er ja alles richtig mache, während die Demokraten den American way of life seinen Landsleuten nehmen wollen, wie Trump in seiner vielleicht bizarrsten Wahlkampfrede verkündet. Folgt man den vielen Widersprüchen, die Daniel Friedrich Sturm fleißig zusammengetragen hat, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Und so jemand wählen tatsächlich US-Bürger?

Weitergedacht möchte man deren Verstand unbedingt in Frage stellen. Es wird allerhöchste Zeit, daß die USA sich von jenem unfähigsten US-Präsidenten verabschiedet und im Anschluß ihn endgültig aus dem Weißen Haus verbannt!

Sharon Stone informiert per Instagram-Video die Öffentlichkeit

Darin macht sie die schwere Covid-19-Erkrankung ihrer Schwester öffentlich, um zahlreiche Mißstände in den USA anzuprangern, wie der Stern kommentiert. „Nichts als Lügen“, so ihr Angriff gegen Donald Trump. Übrigens nicht ihr erster verständlicherweise. Ihre Wut kann jeder gut nachvollziehen, wer noch einen Funken Anstand besitzt und nicht dem üblen „Geplapper“ jenes „Möchtegern-Präsidenten“ verfällt.

Dabei wird eines erst recht klar und sehr deutlich. Je rassistischer, ungehobelter und unverschämter, desto mehr der Hang zu Übertreibung, bösartigen Haßtiraden. Genau das zeichnet solche Rechtsradikalen aus, sie wollen mit aller Gewalt nach Gutsherrenart ihre Macht ausleben, rücksichtslos, menschenverachtend.

Showdown zum zweiten Bürgerkrieg in den USA?

Ginge es nach Donald Trump, dann wird er dies gar gutheißen. Das paßt in sein Konzept, zumal er längst dabei ist, sich von der Demokratie zu verabschieden. Insofern kann sein immer wieder nach außen sichtbarer Größenwahn kaum mehr wirklich verwundern. Während sämtliche Präsidenten nicht einmal in Erwägung zogen, mehr als zwei Amtszeiten anzustreben, träumt jener „blonde Dolle“ gar von vier bis fünf.

Möchte er es einem Wladimir Putin gleichtun, der immerhin in Russland seine Macht ungebremst ausleben darf? Es schaut sehr danach aus. Wer weiß, welche Überraschungen noch den US-Wähler erwarten dürfen. Mit einem Donald Trump scheint allerhand möglich zu sein, schließlich macht er America great again.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Ich werd so gern geküsst

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Verbrannte Haut,
Schönheitsideal
entdeckt für sich,
Exotik, Erotik
der ewig Gebräunten.

Gebleichte Haare,
silberweiß,
entdeckt für sich,
Reife, Weisheit
der ewig Alten

Verschlissene Jeans,
Understatement,
entdeckt für sich,
kein Privileg
der ewig Armen.

Geklonte Meinung,
vorteilhaft,
entdeckt für sich,
Befehlsgehorsam
der ewig Verkannten.

Verpflichtender Haß,
Überlebensstrategie,
entdeckt für sich,
Dilettantismus
der ewig Ignoranten.

Täglich Aufstehen,
erschöpft vom Träumen,
entdeckt für sich,
die Göttinnen der Künste
der ewig Küssenden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Mediengerangel ums goldene Kalb für gesättigte Konsumenten

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Simple Manipulation funktioniert meistens

Reizend, diese Medienschlachten um die Gunst der Stunde. Und wie sie sich tummeln, hofierend, einander beweihräuchernd im Scheinwerferlicht sich zurechtrückend mit all ihren Botschaften, die so schön rhetorisch daherkommen, beinahe auswendiggelernt wirkend.

Gäste der Talkrunden hauptsächlich freitagabendlich auf den Mattscheiben der Fernsehsender, Interviews gebend im Buntblattwald, manchmal auch in seriös wirkendenden Zeitschriften und Zeitungen. Alles hat ihre Berechtigung, seinen tieferen Sinn, weil nichts dem Zufall überlassen.

Einzelne Persönlichkeiten verkörpern Formate, die gut bezahlt Millionen erreichen, wobei die Inhalte der Themen nicht den Auftrag haben, wirklich eine Gesellschaft zum Nachdenken anzuregen, der Unterhaltungswert steht im Vordergrund. So fragt sich der aufmerksame Kritiker: Was soll das? Bürger haben sich damit abzufinden oder einfach die Medien zu meiden, die gut verpackt Nichtigkeiten austauschen. Mal wieder ein Buch entdecken, mit dem Nachbarn statt zu streiten, einen längeren Plausch wagen? Das könnte fruchten und höchst dienlich sein im friedlichen Miteinander. Die aufgesetzten Meinungen der ewig gleichen Gesichter oder Rubriken beginnen fad daherzukommen, wer es noch bemerkt. Ein Spiegelbild einer müden, längst passiven Medienwelt so gänzlich glanzlos und durchschaubar simpel gestrickt?

Was spricht dagegen, es besser zu gestalten? Es liegt nur an uns allen. Wagen wir ein Experiment der unverblümten, vor allem kindlichen Wirklichkeit,  die so viel näher am eigentlichen Geschehen im Gegensatz zu uns nimmersatten Informationskonsumenten. Auflagen und Einschaltquoten – ade!  Einfach mal weg- und auslassen, eine Zeitlang zumindest. Und das als Protest, um diejenigen nachdenklich zu  stimmen, die meinen, sie könnten uns ewiglich verschaukeln. Eine neue Idee? Mitnichten – im Film Free Rainer – Dein Fernseher lügt beschäftigten sich die Drehbuchautoren Katharina Held und Hans Weingartner um diese Thematik der „faulen Tricks“ am Volk vorbei.

Jetzt gilt es aber darüber hinaus, es besser zu machen, zu gestalten. Finden wir zurück in unsere nächste Umgebung, da wir ja nicht mehr „abgelenkt“ sind, schauen wir wieder hin, erwacht aus Blindheit und Taubheit, der Empfindungslosigkeit nach jahrelanger Abstumpfung, weil uns so vieles „vorgekaut“. Bilden wir uns selbst eine Meinung aus dem unmittelbar Geschehenen, ohne dies zu verfremden, damit die Masse es mediengerecht „schluckt“!

Die Manipulation wird dabei eine Weile lang gestoppt, unterbrochen. Das kann, nein, das wird fruchtbar sein in Ihren Gedanken, weil Sie wieder lernen, selbstständig hinzuschauen und vor allem nicht weggucken, sich nicht wegducken vor dem Geschehenen. Wer aufmerksamer lebt, bemerkt auch mehr um sich herum. Egal wie lange dieser Zustand anhalten sollte, schon nach kurzer Zeit wird der Unterschied deutlich werden. Diese Ruhe, dieser Abstand und vor allem die sich einstellende Gelassenheit dem „neuen“, anderen Leben gegenüber. Mediengerangel kann auch mal wegbleiben, wie Sie sehen. Genießen Sie es, solange Sie wollen.

Und wenn nach einer Weile, zurück in der Welt der vielen Reizüberflutungen mal wieder die Rückbesinnung einkehrt, erinnern Sie sich an diese Zeilen und lassen sich einfach darauf ein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Asphalttiger

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Haare weit über das Kinn,
verwuschelt, kleine Wellen drin,
Batikhemd, muskulöse Brust,
lächelndes Grinsen voller Lust
aufs Gesehen werden,
klick, klack, wie bei Pferden,
die übers Pflaster schnaufen,
geborgte Gangart zum Laufen
über die Fußgängerzone,
selbstverständlich nicht ohne
Stiefeleisen an den Absätzen,
der Klang sollte schon fetzen,
was nützt die Bemühung
einer stolzen „Unterkühlung“,
damals neudeutsch Coolness,
Übersetzung, reine Fairneß
gegenüber später Geborenen,
nach den irren Verschrobenen,
wenn er nicht angekündigt,
wird der Träger nicht gewürdigt,
eines Blickes oder zwei, drei,
das verschaffte erst das Frei,
das Wilde, Unbändige, das „free“
der endlosen Steppe, der Prärie,
egal ob in Überlingen, Berlin,
ohne klick, klack, schaut keiner hin,
so einen bunten Schlaghosenträger,
so einen sechziger Straßenfeger
habe ich heute gehört, gesehen,
ich hielt an mich, um nicht zu flehen,
bleib stehen, du bringst Zeit zurück,
als “Give Peace a Chance”, nicht nur ein Musikstück.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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