Nach Verkleidung trachten

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Bis zur Narrenzeit ist es noch lange hin,
es dauert noch ein wenig bis Halloween,
ich habe so Sehnsucht mich zu verkleiden,
alle sollen sich an meinem Anblick weiden.

Ein Kostüm brauche ich, sexy und adrett,
großes Dekolleté wäre für die Männer nett,
weit geschnittener Rock formt breite Hüften,
offenherzig, keine Geheimnisse gibt’s zu lüften.

So eine Tracht unterstützt die Gewohnheit,
zur Verniedlichung der herrlichen Vergangenheit,
Lederhosen müssen stramm am Hintern sitzen,
tun’s sie nicht, Hosenträger dies unterstützen.

Eine Schürze unterstreicht die Weiblichkeit,
die Schleifenposition bezeugt die Jungfräulichkeit,
was will man mehr als sicher zu stellen,
Narretei braucht keine Karbatsche und Schellen.

Es genügt ein Festplatz, ein Zelt zum Feiern,
Alkohol in Massen, Wiesen zum Reihern.
Diese Kombination wird Brauchtum genannt,
beflügelt Tradition und Sitte im ganzen Land.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Flughafen Peking-Daxing eröffnet

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Pünktlich zum 70. Geburtstag fertiggestellt

Im Reich der Superlative, immerhin leben in der VR China mit Abstand die meisten Menschen, wurde jetzt der weltgrößte Flughafen Peking-Daxing nach nur vierjähriger Bauzeit eröffnet, die größte integrierte Transportdrehscheibe der Welt, wobei nach 2021 rund 100 Millionen Passagiere jährlich abgefertigt werden sollen.

Vergleiche mit den desolaten Zuständen des Flughafen Berlin Brandenburgs (BER) mögen gern herangezogen werden, um eines der größten Bauverzögerungen Deutschlands anzumahnen, im Zeitalter der Klimakrise scheinen allerdings Flughäfen generell berechtigterweise ziemlich kritisch betrachtet zu werden.

Sicherheit ade zu Gunsten einer ewiglich verheißenden Wachstumsspirale?

Exakt jene Frage muß man sich stellen, wer einen Blick auf den Flughafen Peking-Daxing wirft. Dabei spielt der in Deutschland sehr ernstzunehmende Brandschutz eine übergeordnete Rolle, vergessen sei nicht die Brandkatastrophe beim Flughafen Düsseldorf vor 23 Jahren, bei der 17 Menschen verstarben, 88 verletzt wurden.

In der VR China gelten mit Sicherheit keine akribische Brandvorschriften, möge dort niemals auch nur annähernd eine Kette ähnlicher Pannen zu einem Brand führen, das Desaster wäre um ein vielfaches dramatischer! Hinzu kommt der überfällige Klimastreik, der seit letzten Freitag weltweit für entsprechende Aufmerksamkeit sorgte. Die Menschheit sollte sich schlußendlich schleunigst von der Mär ewigen Wachstums verabschieden.

Zaha Hadid blieb die Fertigstellung verwehrt – wer gewinnt im globalen Run?

„Der Fluß der Dinge, Bewegung sei das Wichtigste, eine nicht-euklidische Geometrie, in der sich nichts wiederholt, eine Neuordnung des Raums entsteht“, so kommentierte die irakische Architektin ihr berufliches Schaffen, die noch zusammen mit ihren chinesischen Partnern den Flughafen Peking-Daxing geplant und entworfen hatte. Das ist ihr auch mit dem seesternartigen Terminal durchaus gelungen. Immerhin unterhielt Zaha Hadid Architects 2015 rund 400 Architekten, die an über 950 Projekten in 44 Ländern arbeiteten, sie selbst verstarb am 31. März 2016.

Um die Frage gleich zu beantworten, wer den globalen Run gewinnt: im Grunde genommen niemand, selbst wenn die VR China gern als Paradebeispiel wirtschaftlichen Erfolgs herangezogen wird. Gleichzeitig kann ein jeder mühelos erkennen, inwieweit im Reich der Mitte es mit dem Umweltschutz scheitert. Das rächt sich natürlich, erst recht in Zeiten der Klimakrise.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Ist gegenwärtig alles widerwärtig?

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Das Gegenüber abschätzen

Möglicherweise können nicht alle Menschen es verkraften, wenn die Tage ausgeglichen, harmonisch verlaufen, weder für sie noch für andere. Schon gar nicht für andere. Nörgler, Besserwisser, Neider trifft man zu Hauf, wäre nicht weiter schlimm, schlimm an diesen Begegnungen ist der Effekt der Ansteckung ihrer schlechten Laune. Funktioniert natürlich auch beim Zusammentreffen von Menschen mit Witz, Charme und Freude, allerdings scheint diese Energieaufladung nicht so lange vorzuhalten als von den Miesmachern.

Die Lehrkräfte, die sich mittels verschiedener Techniken bemühen, Schüler auf vermeidbare Fehler aufmerksam zu machen, was tun sie, sie nerven.

Seid, das Verb, so merke dir, bezieht sich immer auf ihr.

Seit benutzt du bei Zeit. (seit = Zeit. Das t steht für Tempus oder Time.)

Das s im „das“, es bleibt allein,
passt dieses, jenes, welches rein.

Wenn „wider“ nur „dagegen“ meint
dann ist das „e“ dem „i“ stets Feind.

Wenn „wieder“ nur „noch einmal“ meint
dann sind dort „i“ und „e“ vereint.

Sie nerven, weil sie ständig die gleichen Merksätze wiederholen, mit dem Ergebnis, daß trotzdem ein Großteil der Schüler nach dem Abschluß das Gelernte nicht anwenden kann.

Ist gegenwärtig widerwärtig oder wieder wertig?

gegenwärtig, mittelhochdeutsch gegenwertec, althochdeutsch geginwertig. Synonyme sind aktuell, derzeitig, im Augenblick, zeitgenössisch, jetzt. (Duden)

widerwärtig, mittelhochdeutsch widerwertec, entgegengesetzt, feindlich; unangenehm, abstoßend, althochdeutsch widarwartīg, entgegengesetzt, feindlich, zu mittelhochdeutsch widerwert, althochdeutsch widarwert, entgegen; verkehrt. (Duden) Andere Begriffe sind abscheulich, ekelerregend, unangenehm, scheußlich, unsympathisch, grässlich.

Wer soll verstehen können, wenn gegenwärtig, jetzt, im Augenblick, gleichzeitig mit widerwärtig, ekelerregend, unsympathisch übereinstimmt oder etwa doch nicht?

-wärtig, mittelhochdeutsch -wertec, althochdeutsch -wertig, zu mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wert, -wärts (Duden)

-wärts, mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wertes, adverbialer Genitiv von mittelhochdeutsch, althochdeutsch -wert, eigentlich, auf etwas hin gewendet oder gerichtet, verwandt mit werden (Duden)

Wie kann –wärtig und –wärts, die beide in Bildungen mit Substantiven ausdrücken, daß es sich um eine bestimmte Richtung handelt, etwas mit –wertig und wert zu tun haben?

wertig. Andere Wörter sind hochwertig, neuwertig, vielwertig (Duden)

wert, mittelhochdeutsch wert, althochdeutsch werd, vielleicht eigentlich, gegen etwas gewendet, dann: einen Gegenwert habend (Duden) Andere Ausdrücke sind, geehrt, geliebt, unentbehrliche, kostbar.

Am einfachsten ist die Erklärung, wenn man die Sprachentwicklung des Wortes „wert“ verinnerlicht. Zuerst wurde es angewandt als Begriff für „gegen etwas gewendet“. Kann bedeuten, ich habe mich gegen etwas zugewendet, meinem Gegenüber zugewendet, meinem Gegenüber abgewendet. Die spätere Aussage „einen Gegenwert habend“ deutet darauf hin, für mein Gegenüber habe ich einen Gegenwert, der mich auf dieselbe Stufe stellt, oder für mein Gegenüber habe ich die gleiche Wertstellung.

Klingt verwirrender, als es ist. Bei jedem Zusammentreffen zweier Wesen, unerheblich ob Mensch, Mensch, oder Mensch, Tier folgt in Sekundenschnelle die Abschätzung, der Wert des Gegenübers. Einteilungen in Bezug auf Stärke, Wissen, Reichtum, Ängste, Gemeinsamkeiten, etc. sind notwendige Werte, um sicherzugehen, ob Gefahr in Verzug oder nicht. Gegenwärtig, jetzt wird entschieden, widerwärtig, entgegengesetzt, feindlich oder nicht.

Vergleichbar mit dem Blick in den Spiegel, der vor allen Dingen morgens manche Menschen das Fürchten vor sich selber lehrt. Im Nachhinein werden diese Menschen sich über sich selbst und ihre Reaktion lustig machen oder sie werden dies zum Anlaß nehmen, sich selbst als häßlich zu empfinden. Die Wertigkeit, die in der Nachschau verbleibt, ergibt das Urteil über die vergangene Gegenwart.

Es ist für manche Zeitgenossen einfacher, im Rückblick, den Schrecken vom morgendlichen Spiegelbild zu verharmlosen, weil es bereits der Vergangenheit angehört. Genauso verhält es sich mit Erinnerungen an früher, auch hier werden die damaligen Schrecken verharmlost, weil man sie überwunden hat oder glaubt, sie überwunden zu haben. Die damalige Gegenwart wird deshalb gerne glorifiziert.

Gegenwärtig ist nicht alles widerwärtig, nur weil einiges verkehrt läuft, was nach persönlicher Ansicht anders sein könnte, einiges fremd und feindlich erscheint, da man Geschehnisse nicht einordnen kann, nicht kennt.

Das Leben im Jetzt ist der Wert schlechthin. Die ständigen Wertbemessungen, welche Richtungsweisungen die richtigen oder falschen sind, sind diejenigen, die nerven, sind dafür verantwortlich, ob man sich wohl fühlt oder nicht. Wer aber weiß, daß er wert, sich seinem Gegenüber zuwendet, denselben Gegenwert hat, der kann nicht nur gegenwärtig, den Widerwärtigen den Wind aus den Segeln nehmen, mit dem sie versuchen entgegengesetzt zu allen Werten, die Richtung zu bestimmen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Mister America First lobpreist Patriotismus

Nationalismus taugt nichts

Im Grunde genommen weiß die Weltgemeinschaft nur zu genau, mit wem sie es zu tun hat, wenn der „blonde Dolle“ auftaucht. Dessen ungehobelte, nahezu einkalkuliert unverschämte Art hinterläßt stets eine Schneise des Unbehagens, die USA konnten sich keinen unwürdigeren Vertreter ihrer Nation zum Präsidenten wählen. Doch mehrheitlich geschah dies.

Jetzt haben sie ihn auch gefälligst zu ertragen, Anfang November nächsten Jahres bietet sich ihnen die Gelegenheit, ihn abzuwählen. Doch zuvor tönt Donald Trump, „die Zukunft gehört den Patrioten.“ Als ob wir alle nur darauf gewartet hätten, erneut den „nationalen Mist“ vor allem des letzten Jahrhunderts zu wiederholen, der genau deshalb in gleich zwei Weltkriege mündete.

Nationalstaaterei braucht kein Mensch

Außer man favorisirt Mauern wie der 45. US-Präsident zwischen seinem Land und Mexiko. Doch damit löst man keine Flüchtlingsprobleme, lindert weder Not, noch ändert sich am Leid irgendetwas. Ganz im Gegenteil, gerade Nationalismus in trauter „Hochzeit“ mit jenem unsäglichen Patriotismus begünstigt den gefährlich menschenverachtenden Rassismus.

Seit Donald Trump hat jener Rassismus wieder einen größeren Stellenwert in den USA. Unter Barack Obama war die mächtigeste Wirtschaftsnation noch auf bestem Weg, diesen erfolgreich zu überwinden. Mit dem Kleingeist eines Donald Trumps wurde diese Entwicklung zunichte gemacht.

Höhere Militärausgaben sind ein Garant für mehr Unfrieden

Weil sie dem widersprechen, was die Friedensbewegung sich auf Plakate geschrieben hatte, Frieden schaffen ohne Waffen. Davon will The Donald nichts wissen, der ohnehin mit der Waffenlobby im eigenen Land gern kungelt. Ein jeder weiß, wie schnell eine gezückte Pistole sich verselbständigen kann im Streit.

Trumps Säbelrasseln gefährdet den Weltfrieden. Daß er den Krieg mit dem Iran noch nicht begonnen hat, bedeutet keineswegs beim Zögern dessen Schwäche. Es sollte bekannt sein, was ein solcher weltpolitisch bedeuten würde, angesichts der Tatsache, daß besonders China aber auch Russland nicht tatenlos zuschauen würden, wenn die USA den Iran angreifen. UN-Generalsekretär António Guterres hat durchaus berechtigt vor einem „großen Bruch“ der Welt gewarnt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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D‘ Erd‘ ist hart

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Still will ich sein,
leise,
mag euer Surren hör’n
kurz,
zu schnell eure Reise.

Ein Knacken,
der Abschied,
ein Flug,
der Aufprall,
Bubblequark.

Geschüttelt hab’ ich,
gefallen seid’s ihr,
gebettelt bleibt heil,
Apfelkuchen sollt’s geben,
nun gibt’s halt ein Mus.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Greta Thunberg: Zeugen einer massiven Zerstörung

Klimakrise nicht lösbar mit „business as usual“

Die Initiatorin steht am Pult der Uno, um beim Klimagipfel zugleich mit Tränen in den Augen den 60 Staats- und Regierungschefs zu verkünden: „Wir werden das euch nicht durchgehen lassen.“ Was bereits im Vorfeld überdeutlich sich abzeichnete, nimmt jetzt konkrete Formen an, Greta Thunberg teilt völlig berechtigt harsch aus, sie hätten ihre Träume gestohlen, es sei falsch, daß sie jetzt oben auf dem Podium sitze und fürs Klima kämpfe, wo sie doch eigentlich zur Schule gehen müßte.

Welch treffsicherer Konter gegen all diejenigen, die weiterhin die demonstrierenden Schüler von FFF als Schulschwänzer zu diffamieren versuchen. Anstatt jene Klimastreiks als das zu werten, was sie sind, ein durchaus ernstzunehmender Appell, kann Häme nur kontraproduktiv sein!

Die Technik sei vorhanden, würde aber nicht ein- und umgesetzt

Führt die 16-Jährige eindringlich aus, die Weltgemeinschaft erwarte in Zukunft von ihrer Generation, daß Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert werden, mit Technologien, die es bisherig nur unzureichend gebe, die vorhandene Klimakrise sei keinesfalls mit „business as usual“ zu lösen. Auch führt sie aus, „wir werden Ihnen das nie vergessen, wenn sie uns weiter betrügen, die Zukunft der Jugendlichen werde gefährdet.“

„Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran Sie denken können, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum.“ Womit sie den Kern des Übels benennt. Es gibt schlichtweg kein ewiges Wachstum, selbst wenn sehr viele Ökonomen uns das weiterhin weismachen wollen!

UN-Generalsekretär Guterres betont, man könne nicht mit der Natur verhandeln

Gewonnen werden könne das Rennen gegen den Klimawandel, es wäre noch nicht zu spät, auch wenn die Zeit knapp sei, gibt UN-Generalsekretär António Guterres zu bedenken, seit dem 01. Januar 2017 im Amt.

Mit Nachdruck wurde auch eine Menschrechtsbeschwerde beim UN-Kinderrechtsausschuß sowie ans UN-Kinderhilfswerks Unicef von Thunberg und 15 anderen Jugendlichen aus zwölf unterschiedlichen Ländern eingereicht, die Bedrohung traditioneller Lebensweisen, den Tod von Nachbarn durch Umweltkatastrophen, Gesundheitsrisiken als auch psychische Belastungen wurden geltend gemacht. Ob jene Beschwerden fruchten, wird sich noch zeigen. Auf alle Fälle hat FFF mit Greta Thunberg an deren Spitze ein überdeutliches Zeichen gesetzt, welches die verantwortliche Politik jetzt endlich berücksichtigen sollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

 

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Es dirndelt mal wieder

Wenn Prüderei Ausgang hat

Um es vorweg zu sagen, das Dirndl ist in erster Linie das Mädchen. Das Mädel, die Dirn, das Meitli, und das Mägdelein wird in zweiter Linie zur Dirne, Freudenmädchen, Stichmädchen, Callgirl, Prostituierte, käufliches Mädchen, Liebesdienerin. Eh ich es vergesse, Dirndl ist auch die Kurzform von Dirndlkleid. Jungfrauenkleid, Magdkleid, Gunstgewerblerinnenkleid, Bordsteinschwalbenkleid.

Und wer zeitgemäß gelten will, der marschiert oder tändelt über die herannahenden Volksfeste in Stiefeletten oder hochhackigen Schühchen. Mal eben für ein paar Stunden, Veranstaltung für die Bekleidung, je nach finanziellem und dementsprechend sozialem Stand wird potentiell in den Geldbeutel gegriffen und 40 € oder nach oben offenen Anschaffungspreis ausgegeben. Wobei der Anschaffungspreis nicht unbedingt eine Wertanlage für mehrmaliges Tragen bestimmt. Bei den höher gestellten Flaniererinnen ist es eine Selbstverständlichkeit, niemals das Kleid zweimal beim Schaulaufen vor Publikum zu zeigen. Schließlich hat man es nicht nötig, das Material, das für das Schneidern benötigt wurde, wirklich auszutragen.

Im Gegensatz zur vorigen Generationen (in Teilen nur Halbwahrheit, denn es war in den besten Kreisen ebenso verpönt, die Kleidung für besondere Anlässe mehrmals anzuziehen) war das Dirndl ein Trachtenkleid, das gehegt und gepflegt wurde, eben für besondere Feierlichkeiten. Wer hat’s erfunden, um damit eine gewisse Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klientel zu verdeutlichen?

Zirka seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt diese geschneiderte Form eines Kleides als Tracht, vornehmlich im bayerischen, österreichischen Gebieten. Angelehnt an die höfische Kleiderordnung des 18. Jahrhunderts, enganliegende Taille, großer Ausschnitt, weiter Rock. Die Crème de la Crème der damaligen Zeit wollte seit etwa Ende des 18.Jahrhunderts sich in einer Art Rückbesinnung vom anstrengenden höfischen Leben im ländlichen Raum von der beengenden Etikette befreien. Angeregt durch das Motto „Zurück zur Natur“ von Jean-Jacques Rousseau, (Abkehr von der Scheinhaftigkeit und Vordergründigkeit), suchte man sein Heil in der einfachen Natürlichkeit. Im städtischen Raum wurde das fesche Kleid schnell für die obere Gesellschaft der Inbegriff von unverdorbenen, reinen Lebensart der Landbevölkerung. (entnommen Wikipedia)

Quasi kann man hier von einem Versuch sprechen, mittels Kleidung seine Lebenseinstellung, Charakter in aller Öffentlichkeit kundzutun. Damit ein jeder weiß, daß ich nicht zu den, ja, was denn nun?

Mit kostbaren Stoffen und aufwendigen Nähkünsten sich in der Gesellschaft zeigen und behaupten, unbescholten zu sein, frei von Ansprüchen jeglicher Art, sich dadurch mit der schwer arbeitenden Bevölkerung auf eine Ebene stellen?

Trachtet hier eine Gesellschaft nach Ansehen, der sie nicht gerecht werden kann, weil sie nicht nur nach Äußerlichkeiten den Nächsten bemißt, sondern des weiteren sich mit Federn der Unschuld schmückt, indem sie die Bekleidung nach jungen Mädchen benennt?

Die Sexualisierung junger Frauen, die stattgefunden hat, indem man aus dem Wort „dierne“, althochdeutsch „thiorna“, Mädchen, Magd, Jungfrau, die Bezeichnung Dirne für Hure abgeleitet hat, verdeutlicht die moralische Scheinheiligkeit allzu gut. Bis heute wird diese „gepflegt“ und wieder gefördert, erschreckenderweise sogar auch von Personen, denen man zugetraut hat, immun gegen diese Art Heuchelei zu sein.

Photos in Lederhosen, Wams, Dirndl, Schürze pflastern sämtliche Zeitschriften, Onlinemedien zu. Aber wehe, Frau zeigt sich beim Stillen in der Öffentlichkeit, gibt es einen Aufschrei, die Sitte ist in Gefahr. Vielleicht wird es Zeit, diese Art der Natürlichkeit als Tracht zu deklarieren. Ach, ich vergaß, stillende Frauen sind ja keine Jungfrauen mehr, aus Dirndl wurde Dirne.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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