Einsamkeit

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Für meine Einsamkeit
war ich niemals tot,
meine Stille machte sie froh.

Bewahre den letzten Schein
vom Abendrot,
ein Bildnis zum Andenken.

Geblendet vom Glitzern des Sees
sitze ich in einem Boot,
getragen von wellenden Tränen.

Ihr Geschenk, das sanfte Wippen,
bevor das Vergessen droht,
die Einsamkeit zu versenken.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Bloß kein Öl ins Feuer der Lügenpresse-Marktschreier gießen

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Das sollte sich ganz besonders die Tagesschau der ARD zu Herzen nehmen, erst recht wenn Steilvorlagen geliefert werden wie jüngst zum Thema Nahostkonflikt, speziell wie Israel sich verhält. Da hat in einer einseitigen Berichterstattung so gar nichts verloren, kann durchaus die Fassungslosigkeit der ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel verstehen, die fordert, man müsse die Wahrheit berichten.

Aber selbstverständlich, das ist das A und O im Business der Medien, mittels Weglassen, also Mißachtung der Reihenfolge von Ereignissen, kann man nicht zu Unrecht der Tagesschau vorwerfen, sie ergreife einseitig Partei, in diesem Fall der simple Versuch Israel als Aggressor hinzustellen. Günstigerweise war Andrea Kiewel vor Ort, um den wichtigen Hinweis zu verlautbaren, aus Gaza wären zuvor Raketen gen Israel abgefeuert worden, erst daraufhin folgte der Gegenschlag der isrealischen Armee.

Immerhin betont die ZDF-Moderatorin, „sie unterstelle der Tagesschau keine bewußte Falschmeldung, könne aber nicht verstehen, daß gestandenen Journalisten ein solcher Fehler unterlaufe.“ Wer den Apparat von TV-Anstalten kennt, weiß nur zu genau, daß da etliche verantwortliche Mitarbeiter im Hintergrund agieren, so daß ein derartiger Fehler unter normalen Umständen keinesfalls passiert. So what?!

Schon befinden wir uns mittendrin im „Öl ins Feuer gießen“, einer Steilvorlage für all jene, die gern und vollmundig von der Lügenpresse schwafeln bis hin zu Mr. Fakenews alias Humpty-Trumpty. Die USA haben in diesem Fall nur eine indirekte Bedeutung, wobei Trumps Anerkennung der Golanhöhen sicherlich den Nahostkonflikt erneut heftig anheizt.

Das alles sorgt mit Nachdruck dafür, daß eine schweigende Mitte erst recht weiterhin sich zurückhält, still duldet, Rassismus, Nationalismus und am Ende Faschismus frohlockend mit den Hufen scharrt. Insofern hat sich die Tagesschau mit diesem Fauxpas nicht gerade mit Ruhm bekleckert, um es noch milde auszudrücken, während man Andrea Kiewels Kritik nur zustimmen mag.

„Die Wahrheit ist eine unzerstörbare Pflanze. Man kann sie ruhig unter einen Felsen vergraben, sie stößt trotzdem durch, wenn es an der Zeit ist.“ (Frank Thiess)

Genau das sollten sich vor allem politisch Verantwortliche verinnerlichen. Tun sie aber nicht. Warum? Weil sie meinen, ihr Verhalten sei gedeckt mittels sogenannter Demokratie. Ein Fels der Demokratie wird irgendwann von seinen erwachten Mitgliedern zerbrochen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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Erste Sekunden

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Geboren,
im sich öffnenden Licht,
aus tiefem Schlaf
erwacht in Kälte,
sanfte Wellen
brechen tosend
an nadelspitze Felsen,
schrill klingen Töne,
überall laut,
ich greife Luft,
sanft wie Flaum,
verliere Atmung,
vermisse den Takt,
das Trommeln,
das so nah,
sanftes Wiegen,
schützende Enge,
die um mich war,
Schrei,
ein Beben,
auserkoren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Böhmermanns Bewegung „Reconquista Internet“ entlarvt Hass im Netz

Meldeplattform „hassmelden.de“ mit gezielter Wirkung

Wir alle dürfen aufatmen, endlich mal etwas sinnvoll konstruktives, viel eher vertrauenserweckendes, weil Jan es richten wird, bzw. mittels seiner Initiative weit verbreiteten Haßpostings im Internet geschickt entgegengetreten wird, sie einfacher anzuzeigen, wie Lars Wienands Interview mit „Leo“ uns verdeutlicht.

Mit satirischem Schalk im Nacken hat das mitnichten etwas zu tun, sondern darf man unbedingt als seriös betrachten, auch für all jene, die nicht viel mit dem Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann anfangen können. Gerade die Problematik verlangt erst recht danach, zumal genügend Menschen betroffen, nicht jeder diese Haßbotschaften einfach so wegzustecken vermag.

Grenzwertige Formulierung oder etwa nicht?

Werfen wir doch mal einen Blick zum Wort Reconquista, welches anschaulich diese Kolumne aufgriff, sich mit ihm beschäftigte. Insofern eine moderate „Anmahnung“ an all jene rechtsradikalen Kräfte, die gern vollmundig sich dieses Begriffes in ihrem Sinne bedienen? Die Antwort vermag nur Jan Böhmermann selbst geben können, bleibt er gar schuldig, wer es denn genauer wissen möchte.

Zwar sagt Leo im Interview, man „verorte sich nicht rechts oder links“, – dennoch Linke benutzen jenen Begriff eben nicht. Obendrein muß man gerechterweise feststellen, daß überwiegend „rechte Trolle“ sich in den Weiten des Internets tummeln, um ihre Haßtiraden zu verkünden. Grund genug, vehement dagagen vorzugehen, alldieweil Facebook und Co. das viel zu wage und somit nicht deutlich genug handhaben. Auch ein Pendant zum rechten Terror, der sich ohnehin sammelt.

Kritische Bemerkungen verbleiben trotz mutigem Anliegen

Sicherlich könnte man dies als Nörgelei werten oder gar Miesmacherei, stets auf der Suche nach Schwächen oder vermeidbaren Fehlern zu sein, wenn es um den Menschen Jan Böhmermann geht. Immerhin traute er sich zu, den türkischen Despoten zu provozieren, was den bekannten Rechtsstreit und die Affäre nach sich zog.

Andererseits hat der Fernsehmoderator, wenn auch nur kurz, für den kommerziell fragwürdigen privaten Fernsehsender RTL gearbeitet, der oftmals ein Niveau an den Tag legt, welches z.B. Zeit Online nicht unberechtigt als „Unterschichtenfernsehen“ bezeichnet.

Dennoch darf man die Meldeplattform „Reconquista Internet“ als einen mutig sinnvollen Beitrag bezeichnen, einen Versuch, jene Haßparolen einzudämmen, ihnen etwas entgegenzusetzen. Das sollte für noch mehr wichtigen Widerstand sorgen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Gardinensprache

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Dort am Fenster hat sie immer gestanden, die Bea, da links oben, ein Fenster drunter, jetzt hängen dort beige Gardinen, die früher waren weiß, schneeweiß, gestickte Blüten waren drauf, ich erinnere mich noch sehr genau, habe oft genug an dem feinen Stoff mit meinen Händen langgefahren und mit ihm über meine Wangen gestreichelt mit den weißen Blüten, wenn niemand im Zimmer war, selbst Bea nicht, auch ihr habe ich es nie erzählt. Diese Blütenspitzen waren das Schönste in der ganzen Wohnung von Beas Eltern, wir hatten zwar auch welche, und die waren sicher teurer als die Gardinen bei Bea, aber sie gefielen mir nicht. Mir gefielen Beas weiße Gardinen besser. Oft haben wir mit dem Fernglas alle Fenster von dem Haus genau fixiert, keiner hatte so weißblühende Gardinen.

Ich glaube, ich war gar nicht so oft bei Bea drüben wie sie bei mir, und doch könnte ich mit verbundenen Augen ohne auch nur einmal irgendwo anzustoßen, durch die Wohnung gehen. Unter Bea wohnte Frank, einer der vier F´s, wie wir sie nannten. Heute wohnen dort andere Menschen, die ich nicht kenne. In der Mitte vom Haus, also im dritten Stock, die haben Jalousien angebracht, irgendwie unpassend, finden Sie nicht auch, lebte Florian, in den war Bea fast so unsterblich verliebt wie in Frank. Und dann war da noch Felipe, über den lästerte sie gern, weil ich ihn toll fand, so toll, daß ich errötete, wenn er im Bus neben mir stand oder saß. Weiche Knie bekam ich, obwohl er mich nicht beachtete, träumte ich mir, mit ihm alt und grau zu werden. Bea konnte mich nicht verstehen, arrogant sei er und ein Schönling. Na und, sie sollte ihn schließlich nicht heiraten, sie hatte sowieso ihren Florian. Und dann war da noch Felix. Felix war Beas Bruder, drei Jahre jünger und unser beider Liebling. Den himmelten wir gemeinsam an, da gab es keine Eifersüchteleien.

Aber wegen dem Frank, der bereits seine Lehre als Mechaniker abgeschlossen hatte und eine blaue Vespa mit weißen Streifen fuhr, wegen dem stritten wir uns oft. Wir haben sogar über drei Monate nicht mehr miteinander gesprochen. Sie hatte ständig auf der Straße herumgelungert und ihn abgepaßt, wenn er nach Hause kam oder wegfahren wollte, versuchte ihm den Kopf zu verdrehen, indem sie ihm schöne Augen machte, ihren kurzen Rock höher zog und sich sogar schminkte. Mit vierzehn. Dumme Zicke. Wirklich, sie wurde eine dumme Zicke. Sie hatte sich sogar den Büstenhalter mit Watte ausgestopft, und ich dachte lange, ihr Busen sei echt und kam mir kindlich vor. Mein Körper wollte in dieser Zeit noch ausgiebig in der Kinderstatur verweilen, so daß ich befürchtete, nie zu einer Frau zu werden.

Alles an Bea war rundlich und irgendwie passend, ihr Gesicht war rundlich, sie hatte welliges helles Haar, nicht blond und auch nicht braun, eigentlich hieß sie Beate, niemand nannte sie so, nicht mal die Lehrer in der Schule, doch ihre Patentante, die hieß nämlich auch Beate, sie war rundlich, obwohl sie nie still sitzen konnte, auf dem Weg zum Spielplatz lief sie die doppelte Strecke wie ich, sie tänzelte voraus, kam wieder zurück, sprang auf jedes Mäuerchen, drehte sich vielmals im Kreis, davon wurde mir sogar schwindelig, sie benahm sich wie ein kleiner verspielter Hund, so könnte man das im Nachhinein sagen.

Vor den großen Ferien, vielleicht drei oder vier Wochen vorher, kam sie zu mir rüber und fragte mich, ob wir beide nicht mal wieder mit dem Fernglas das Haus beobachten könnten. Sie stand den ganzen Nachmittag am Fenster und erzählte mir über jede Wohnung, was sich dort so alles getan hatte, Tratsch und Klatsch, sozusagen, so kannte ich sie gar nicht. Ich fand, sie übertreibt und wollte lieber in meinem Zimmer Musik hören.

„Weißt du, Felix ist schwer krank, er hat was mit dem Herz, vielleicht stirbt er, Mama und Papa streiten fast nur noch, wir ziehen nach den Ferien weg, wegen Felix, er wird bald operiert, und wir fahren vorher nach Italien. Da will er hin, und vielleicht ist es das letzte Mal, wir alle zusammen. Ich hab ihn so gern, aber am liebsten möchte ich gar nicht mit, möchte nicht mitfahren, vielleicht, wenn wir da nicht hinfahren, dann wäre es auch nicht das letzte Mal, wir alle zusammen“, sprudelte es aus ihr heraus.

Das, was dann passiert ist, kennen Sie ja. Sie kam nicht mehr zurück, doch schon, nein, sie blieb für immer. Wo ist eigentlich Felix? Ich quassle und quassle, ich bin wohl keine gute Gastgeberin. Es ist schön, daß Sie mich mit ihrem Mann besuchen. Meine Mutter erzählte mir damals, die Operation sei gut verlaufen, aber dann hörten wir nichts mehr. Bea würde sich kringeln vor Lachen, wenn sie wüßte, daß ich noch immer in dieser Wohnung lebe.

„Ja, da bin ich überzeugt, Bea würde sich totlachen. Entschuldigt, habe mich am Fenster weggeträumt und mir ist wieder eingefallen, zwei Mal die Gardinen bewegen, du kannst rüberkommen, drei Mal bewegen, ich komme gleich zu dir, ständiges Flattern, Hausarrest, auf- und zuziehen, wir treffen uns unten. Sie fehlt immer noch, warum nur hat sie beim Sprung ins Wasser ihren Kopf nach hinten geworfen? Sie ist von diesem kleinen Felsvorsprung zig Mal am Tag ins Wasser gesprungen. Sie muß ohnmächtig gewesen sein, als sie ins Wasser fiel, keiner von uns hat bemerkt, daß sie sich den Kopf gestoßen hatte, wir dachten, sie macht Spaß, als sie nicht gleich auftauchte.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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George Clooneys Boykott zur Todesstrafe gegen Homosexuelle

In Brunei greift bald das Scharia-Gesetz der Steinigung

Wenn politische Mittel versagen, was keineswegs als diplomatische Ausrede gelten darf, zumal wirtschaftliche Verflechtungen und entsprechende Seilschaften mit Nachdruck beteiligt sind, besteht jederzeit die Möglichkeit, auf anderen Wegen seinen Unmut kundzutun, sich zu organisieren, wie jüngst Hollywood-Star George Clooney mit seinem weltweiten Hotel-Boykott gefordert hat.

Der Vorwurf gilt dem kleinen Sultanat Brunei, laut den Äußerungen von Sultan Hassanal Bolkiah würde Allah selbst dem Land den richtigen Weg weisen, jetzt im April soll die volle Härte des Scharia-Gesetzes greifen, was Prügelstrafe, Amputationen sowie die Todesstrafe bedeutet, so auch für überführte Homosexuelle, die man dann steinigen wird.

Luxusherbergen wurden seitens Clooney aufgelistet

In einer Gastkolumne des Filmportals „Deadline.com“, wie t-online zitiert. Wer jene feudalen Hotels aufsucht, würde letztendlich mit dazu beitragen, daß unschuldige Menschen derart grausam ermordet werden, argumentiert George Clooney völlig zu Recht. Insofern nutzt der Hollywood-Star seine Popularität, um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen, sich seinem Boykott anzuschließen.

Brunei Darussalam, so dessen amtliche Bezeichnung, der malaische Wahlspruch lautet übersetzt „Brunei, Heimat des Friedens“, wird ihm mittels derartiger Maßnahmen keineswegs gerecht. Schlimm genug, daß in anderen großen Nationen wie in den USA, Saudi-Arabien, Iran oder China völlig selbstverständlich Todesstrafen stattfinden. Findige Kritiker könnten jetzt nicht unberechtigt anmahnen, daß man auch jene Staaten boykottieren sollte.

Politik vs. Wirtschaft – Geld regiert die Welt

Was natürlich auch George Clooney weiß und mit Nachdruck darauf hinweist. Wenn Bruneis Sultan, mit einer der reichsten Männer der Welt, derart unerschrocken das Rechtssystem des kleinen Landes auf Borneos Insel, der weltweit drittgrößten nach Grönland und Neuguinea, mit dem Scharia-Gesetz ausschöpft und jetzt umsetzt, reiht er sich mit ein in jene Herrschaftssysteme, die das schon länger praktizieren.

Zusammengefaßt führt Amnesty International in seinem Jahresbericht 2018 die desolate Lage Bruneis auf, inwieweit dort Menschenrechte mißachtet werden. Es mag sicherlich den ein oder anderen bewegen, keines der durch Clooney aufgeführten Hotels aufzusuchen, sie zu meiden. Die Politik des Sultanats ändert sich dadurch leider genauso wenig wie schon in den anderen aufgeführten Unrechtsstaaten wider der Menschlichkeit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Vergriffen im Ton

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Geistig rege sollte es schon sein,
das Gespräch zwischen uns,
nicht nur so zum Schein
wie bei Hinz und Kunz.

Wer wird denn gleich Namen angehen,
was können die dafür?
Das möcht’ sie keineswegs verstehen,
weist entschieden ihm die Tür.

Zerknirscht und voller Reue zieht er davon,
sehnsuchtsvoll ein Blick zurück.
Das war wohl der richtige Ton,
verhindert unnötiges Unglück.

Drum prüft man eher seine Worte,
schnell vermögen sie verletzen.
Egal an welch kuscheligem Orte,
das mögen viele so gar nicht schätzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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