Jugend: Denn sie wissen nicht, was sie tun?

https://pixabay.com/photos/friends-sunrise-young-happy-3614311/

pixabay.com

Rebellion vs. angepaßter Demut

Wer einen Blick auf Jugendliche wirft, sie beobachtet, sieht genau das, was sie stets schon immer ausmachte, den grenzenlosen, unbeugsamen Willen, alles besser zu machen, was die Alten versäumten. Das unterscheidet Jugendliche von heute keineswegs zu sämtlichen Vorgängergenerationen.

Obwohl der im Jahre 1955 erschienene US-amerikanischen Kultfilm „Rebel Without a Cause“, viel eher bekannt unter dem Titel „…denn sie wissen nicht, was sie tun“, in dem James Dean den rebellischen Jugendlichen verkörperte, der die vorgelebten gesellschaftlichen Normen der Eltern heftig anging, durchaus als Inbegriff und filmisch gelungenes Beispiel einer aufmüpfigen Jugend gelten mag, darf man das Fragezeichen imaginär im Raume stehend setzen.

Einerseits wissen sie es ganz genau, was sie tun, stellen zu Recht alles in Frage, andererseits schwingt da noch mächtig die hormongesteuerte, neue Erfahrung im sexuellen Umgang miteinander, was eben in Einklang zu bringen versucht wird. Hat es Jugend heute leichter oder schwerer als gestern?

Was braucht, will und kann Jugend eigentlich?

Das Zeitfenster der Jugend spielt sich in genau vier Jahren ab. Mit dem 14. Geburtstag beginnt sie und endet mit der deutschen Volljährigkeit zum 18. Geburtstag, auch wenn etliche bei 12-Jährigen schon von Jugendlichen sprechen, zumal ältere Generationen unschwer den Unterschied, besonders bei Mädchen, zwischen 12 und 14 Jahren ausmachen können, die äußerlich erscheinende „Reife“ offenbart ein ziemlich trügerisches Bild, wer nicht die klaren Entwicklungsunterschiede kennt.

Jede Jugend braucht und lebt von ihren Vorbildern oder Idolen. Das muß nicht automatisch der Popstar, eine Band sein, sondern spielt sich meist sehr differenziert ab, wobei noch zwischen dem, was Jugend nach außen vertritt und dem, was sie lieber für sich behält, unterschieden werden sollte. Innerhalb von Gruppen, das Gruppenzugehörigkeitsgefühl mag eine wichtige, zentrale Rolle spielen, um eben nicht als Außenseiter geltend es viel schwerer zu haben, gibt man sich halt angepaßt, ganz im homogenen Sinne des Friedens willen. Allerdings verbirgt sich genau an diesem Punkt eine Gratwanderung, die genügend Zündstoff liefert, wenn Gruppenverhalten und eigene Ziele nicht mehr im Einklang stehen. Jugendliche beginnen exakt das zu suchen, entsprechend dann auch zu wollen, was ihnen weiterhilft bei ihrer Entwicklung.

Zielorientiert wird dieser Weg weiterverfolgt, wenn keine andere Ablenkung dies zunichte macht, sei es durch „falsche Freunde“ oder das Ausprobieren neuer, eher kontraproduktive Kreise, denken wir an Drogenkonsum, Anschluß zur rechtsradikalen Szene, bis hin zur Beschaffungskriminalität, die ebenso unter Jugendlichen vorherrscht. Aber Jugend kann eigentlich alles, weil die Aufgabe des Menschen darin besteht, in erster Linie sich selbst zu finden, seine Stärken und Schwächen, seine Begabungen und Grenzen.

Spiegel der Gesellschaft – eindeutiges Indiz des Ist-Zustandes

Wer es schon nicht vermag, die Zeichen der Zeit zu deuten, welche sich klar ersichtlich offenbaren, in den Straßen, der Infrastruktur, im alltäglichen Austausch untereinander, in den Bildungsstätten, in den Familien selbst, immer dort, wo Menschen sich zusammenfinden, aber auch im Zerfall der Häuser, der Arbeitswelt, vor allem einer kaltschnäuzigeren Politik und deren Folgen, der gesetzlich legitimierten Staatsgewalt, dem weltweiten Ausbeutungsprozedere, der kann und wird, wenn er denn will, spätestens bei der Jugend beobachten, was dabei abgeht.

Sie war schon immer ein Spiegel der Gesellschaft selbst, ein eindeutiges Indiz des Ist-Zustandes. Woran sollte sie sich denn auch orientieren, wenn nicht an dem, was ihr gegeben, was wir ihnen überlassen an Möglichkeiten? Und hier schaut es nach wie vor düster aus! Es beginnt schon in der emotionalen Verwahrlosung während der frühesten Kindheit, denken wir an die Babykrippen und Kindergärten, damit Eltern in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten, ihren kargen Lohn zum Überleben verdienen müssen.

So wächst der Mensch heran, lieblos aufgehoben, um später in einem völlig desolaten Schulsystem orientierungslos sich finden zu müssen, weil Faktor Zeit anmahnend ständig sämtliche Neigungen und Begabungen unterdrückt, Hauptsache man funktioniert nach genormten, systemrelevanten Gesetzmäßigkeiten, in denen kein Raum vorhanden für Kreativität, Muße, Harmonie und Menschlichkeit. Alles ordnet sich dem Diktat einer selbstgefälligen Wirtschaftsvorgabe unter. Genau das bremst auch die heutige Jugend aus, sind exakt die Hürden, denen sämtliche Generationen zuvor ebenso gegenüberstanden.

Düstere Prognosen und Chancenungleichheit

Was winkt bzw. erwartet die jungen Menschen? Wer noch keine Ausbildung oder Studienplatz hat, der blickt auf eine anhaltende Jugendarbeitslosigkeit. Denn nicht jeder schafft den Sprung ins Gymnasium, ganz abgesehen davon, daß die Talentförderung oftmals vom Geldbeutel der Eltern abhängig ist bzw. sogar den Seilschaften in ländlichen Gegenden hierzulande, welches Kind ins „Gymi“ kommt oder nicht auf Empfehlung mancher Lehrer, die auch privat mit einigen Eltern kungeln, somit eine neutrale Haltung eben nicht gegeben Anwendung findet.

Ein ganz anderer Aspekt sei hier noch erwähnt: unsere älter werdende Gesellschaft und der sinkende Kindernachwuchs. Dazwischen eine Jugend, die sich oftmals alleingelassen empfinden wird, ganz besonders durch die Verlockungen der Konsumwelt, dem Mediengeschacher einer nimmersatten Werbeindustrie, die alle nur eines im Sinn, abzocken um jeden Preis.

Ziemlich zutreffend bemerkte George Bernhard Shaw mal:
„Warum bekommt der Mensch die Jugend in einem Alter, in dem er nichts davon hat?“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Rhinozerosse

https://pixabay.com/photos/rhinoceros-safari-animal-nature-3305256/

pixabay.com

Rhinozeros an Rhinozeros
auf den Straßen,
Synonym für überall,
Trottel folgt Trottel,
marschierend pöbeln sie,
wobei die Deppen
nicht zu fürchten sind,
die spielen nur gern
die Ungeliebten,
Unzufriedenen,
und in der Masse
walkt es besser,
die Narren in Schlips und Anzug,
getarnt als Persönlichkeit
die Häme als Schalk titulieren,
ihr simpelstes Machtinstrument
ist Angst zu verbreiten,
Denunziation nennen sie Satire,
das sind die zu fürchtenden
Rhinozerosse,
die Menge hängt an ihren Lippen,
vom goldenen Kelch wollen sie nippen.
Die Nashörner, Rhinocéros,
wie treffend Eugène Ionesco,
kein absurdes Theater,
nicht doch, Realität.
Rhinozeros an Rhinozeros,
noch grölen sie, dürfen toben,
sobald die Gecken auf
die Bühne gehoben,
werden die Tölpel
wieder hinter Gattern abgeschoben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Böse geht wohl nie verloren

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Doch gebet Roß und Reiter gefälligst die Sporen, ansonsten wird’s ständig wiedergeboren. Es fühlt sich dabei erkoren, zu lustwandeln durch sämtliche Tore, auf daß es bleibet ungeschoren. Wohlan, schaut ganz genau hin, denn das ist der Sinn, nicht irgendwann, vielmehr wir sind längst mittendrin.

Nun fraget nicht so ahnungslos, Ihr wisset längst, was los. Gebt Euch den entscheidenden Stoß, sonst lieget die Trauer doch allzu bloß. Steht zu den berechtigten Klagen, das müßt Ihr Euch beherzt selbst sagen, nicht nur ratlos fragen. Habet den Mut, solch Mißtaten anzusprechen, genau das ist gut, zu benennen jene abscheulichen Verbrechen.

Sie stehen gern im Mittelpunkt, jene Narzißten, beschäftigen sich mit ihrem gedanklichen Schund, betonend deutsche Fahnen hissen, kaschieren Patrioten, diese Nationalisten, wie Idioten jeden fadenscheinigen Grund, Hauptsache sich selbst ins rechte Licht gerückt, mit allen möglichen Pseudoeigenschaften bestückt, ob als Nahkämpfer, Romantiker oder Buchautor, es kommt manch hochstaplerisches vor. Von alldem ist alles nur Fake, stop, break.

Da war doch was, so nen Spaß, mit jenem Begriff, neben dem des 68er Gesiff, Lügenpresse brüllen sie lauthals durch die Walachei, in Städten, auf Plätzen, Hauptsache hetzen, immer schön die Demokratie zerschlagen, nix mit Klagen, hinterher soll niemand mehr was sagen. Noch Fragen?

Mit all jenem fanatischen Gedankengut wächst die große Wut, die manch einer mit Waffengewalt zu nutzen weiß, ganz ohne Scheiß, welch bösartiges Geschmeiß! Die verehren sich gegenseitig völlig ohne Scheu im Netz, es lohnt wohl die brutale Hetz, die bis in entfernte Winkel von Mutter Erde greift, man auf Menschenrechte und jeglichen Anstand pfeift. Hauptsache möglichst viele erschossen von jenen „abartigen, linken Genossen“, mögen diese „linken Zecken“ doch verrecken. So denkt jene Klientel, da schlägt nix fehl.

Die Trauer weltweit man spüren kann, vielen wird Angst und Bang, manch einer fordert zu Recht, ihnen bloß keine Bühne, keinen Raum zu geben, das wäre schlecht, sie könnten ihre Präsenz dadurch sonst besser pflegen. Andererseits wissen wir aus der Vergangenheit nur zu gut, daß das Böse niemals ruht, mittels Ignoranz verschwand och keen Adi einfach so, im Gegenteil, es wuchs sein Status quo. Genau darauf beruht deren bösartiges Heil!

Sie wissen, die Masse zu lenken, da hülft kein bescheidenes Verrenken. Jetzt gilt noch viel größerer Zusammenhalt, sonst werden einige nicht mehr alt. Seid allesam wachsam, die formieren sich im Stillen. Geht es nach deren Willen, wären noch wesentlich mehr arm, vor allem geistig ohne entsprechendem Verstand. Schreibt’s an jede Wand, laßt es nicht wieder zu. Nix Leben in Saus und Braus, sondern für immer: Nazis raus!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Verwinkelt

https://pixabay.com/photos/ocean-wave-water-ocean-sea-wave-1149174/

pixabay.com

In den verwinkelten Gassen des Schicksals gibt es ab und an niedrige Mauerfluchten, die es erlauben, nicht nur einen größeren Blick zum Himmel zu erhaschen, sie ermöglichen an manchen Stellen, überwucherte Irrgärten und niedergetrampelte Gräser auf den Irrwegen zu sehen.

Es überkommt mich zuweilen bei dieser Betrachtung ein erhabenes Gefühl, ein Gefühl absoluter Vollkommenheit, manchmal ist der Mund leicht geöffnet, und könnte man meine Nasenlöcher betrachten, so würde man erkennen, sie sind aufgeblähter als sonst, in den Ohren diese Ruhe der Stille umsäuselt von leichtem Wind, das Rauschen, das man wahrnimmt, wenn man eine Muschel ganz fest an das Ohr preßt, auf die Brust legt sich die Last der gesamten Welt, eine Enge, alles pressend umschlossen, ohne eigene Macht versunken in einem Bildnis des Erwachens von Geist und Seele, die eine Quelle tief in dir das Getöse von gebärender Sprengkraft und absterbendem Knall anstimmt und dich über dem Boden schwebend in sich hineinzieht.

Allen Göttern innerhalb und außerhalb des Universums sei Dank, das passiert nicht so oft, es schlaucht, und ich bin glücklich, nicht als Wassertropfen mein Leben zu führen, obwohl es seine Reize hätte, sich hier mal da abzuregnen, in den Ozeanen zu tummeln, in kleinen und großen Wellen die Kraft der Gemeinschaft zu spüren, Felsen herunterzustürzen, sich mit den unterschiedlichsten Elementen zu vermischen, lachende Kinder zu hören, wenn sie in heißen Tagen die Kühle meiner weichen Haut spüren, den Durstenden flüssige Nahrung zu spenden, ich als Retter in der Not der weltgewandt Wissende, weil er in jeder kleinsten Ritze des Erdenballs ständig neue Erfahrungen, Erlebnisse, Abenteuer in sich birgt. Irgendwie habe ich mich mitreißen lassen in romantisch verklärte Darstellungen über das süße Leben als Tropfen, aber sagte ich nicht, ich bin glücklich, keiner zu sein, das sagte ich.

Die Vorstellung wochenlang in einem Schlauch auf das engste zusammengepreßt ausharren zu müssen, bevor jemand auf die Idee kommt, den Schlauch zu entleeren, monatelang in einem Tümpel oder im Moor festzuhängen, ohne Chance gegen den Himmel zu fliegen, jahrelang zu einem Klumpen erstarrt in einem Eisschrank oder schlimmer Jahrzehnte, Jahrhunderte als ewiges Eis vegetieren müssen, mit der einzigen Abwechslung ab und zu von einem Scheißhaufen beehrt zu werden, falls das Glück einem hold ist, und man nicht in den tiefsten Tiefen eingequetscht wurde und keinen blassen Schimmer mitbekommt, was überhaupt man so als Tropfen alles erleben könnte, nicht auszudenken, was man da alles verpaßt, vorausgesetzt, man hatte zuvor die Gelegenheit zu wissen, daß es etwas gab, sonst kann man es nicht wissen, daß man etwas verpassen kann.

Vor einigen Wochen wurde mir im Traum ein durchsichtiges Quadrat überreicht, viele Menschen scheinen es ausgesucht zu haben, denn es standen eine Menge Personen um mich herum, von denen ich niemanden kannte, Fremde also, die sich zusammenschlossen, um mir ein Quadrat zu schenken, durch das ich nicht sehen konnte, weil es mit milchiger Folie bespannt war. Freudige Gesichter veranlassen mich, das Geschenk höflich entgegenzunehmen. Es war mindestens einen halben Kubikmeter groß, ich konnte es nicht gänzlich umfassen, dennoch war es leicht und handlich. So weit, so gut, es war nicht zu öffnen, es war kompakt verschweißt, ein gummiartiges Quadrat, das etwas in seinem Innern verbarg, das ich nicht sehen konnte.

Je mehr ich mich mühte, den Nippel zu finden, den man durch die Lasche zu ziehen hat, desto schwerer wurde das Ding und desto mehr lösten sich die freundlich lächelnden Personen um mich herum auf. Sie verschwanden in nebeligen Dampf. Tauchten wieder auf, wenn ich der Meinung war, ich wüßte, was sich im Quadrat befindet, oder ich hätte endlich den besagten Nippel gefunden. Schließlich ließ ich das schwere Ding fallen, es waren sowieso keine Lächelnden mehr anwesend. Wütend stampfte ich in die Küche, um mich mit Schere und scharfem Fleischmesser auszurüsten, das Geschenk mit Gewalt herauszuschneiden.

Funktionierte aber nicht, nicht mit Hammer und Meißel, Säge und anderem Zeugs, das ich anschleppte, das Geschenk war nicht zu öffnen. Es blieb unversehrt, weich wie, sag ich jetzt nicht, elastisch wie, sag ich auch nicht, lästig wie, das behalt’ ich auch für mich, denn ich war zornig, bin es immer noch. Dieses unzerstörbare Ding, ich weiß nicht, was passierte, während ich weiterträumte oder was passieren sollte, ich war wach und verfluchte etwas, von dem ich keine Ahnung hatte, warum und wieso ich es verfluchte. Erst ein paar Tage später stolperte ich über das Ding, gedanklich und auch tatsächlich, denn fast wäre ich mit dem Wäschekorb hingefallen, schalt den ahnungslosen Kater, der genüßlich auf dem Sessel lag und sein Verdauungsschläfchen abhielt, weil ich ihn verdächtigte, mir vor die Füße gelaufen zu sein, was er ausgesprochen leidenschaftlich gerne tut. Aber nein, es war das quadratische Geschenk, das undurchsichtige, das weiche leichte Etwas, das immer schwerer wurde, je mehr ich mich anstrengte, es zu öffnen, das sich in meinem Kopf materialisierte und seitdem dabei ist, sich es bei mir heimisch einzurichten und heimlich einzunisten.

Jedenfalls versuche ich nun, immer öfters einen Blick über die Mauern der Gassen in dem Irrgarten meines Schicksals zu erhaschen, denn irgendwo auf diesen Wegen scheine ich etwas hinterlassen, verloren, abgelegt, weggeworfen, platziert zu haben, an das ich mich nicht mehr erinnere, das aber, ja was, keine Ahnung, Schicksal ist.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bosheit kein Lebenszweck

https://pixabay.com/photos/haunted-house-skull-brick-wall-2798409/

pixabay.com

Geistige Brandstifter sind stets unterwegs,
um Nahrung zu finden,
ihre fanatischen Gedanken weiterzutragen.
Sie haben nichts zu sagen,
außer Menschen zu schinden
wie fortgeschrittener Krebs.

Haß kann sich einfach entfalten,
findet ungebremst Wege,
ohne rechtzeitig aufgehalten zu werden.
Menschen verhalten sich wie unsichere Herden,
auf daß man Angst ständig pflege,
statt folgerichtig zu schalten und walten.

Gebt ihnen keine Bühne, kein Podium, keinen Raum,
sie nutzen jede Bosheit für ihre Zwecke,
finden weiterhin sorglose Verbündete.
Erst wenn man deutlichst verkündete,
daß solch Gedankengut verrecke,
keine Chance, weder für blau noch braun.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Flashmobs – friedliche Protestform im Reigen starrer Machtverhältnisse

https://pixabay.com/photos/the-festival-of-colors-holly-moscow-2374413/

pixabay.com

Moderates Mittel menschlicher Artikulation

Weltweiter Widerstand wächst zunehmend, wer denn erkennen mag, was die Betroffenen bewegt. Dazwischen eine willfährige Politik, die nach den Vorgaben konzernlobbyistischer Wirtschhaftseliten nahezu marionettenhaft reibungslos funktionierend Entscheidungen trifft, die besonders jene Menschen in die Schranken weist, die ohnehin einem täglichen Überlebenskampf ausgesetzt.

Je nach Regierungsform sowie Zustand eines eng verflochtenen Korruptionsmachtgefüges haben die Menschen still zu halten. Flashmobs versuchen mittels dieser friedlichen Protestform im Reigen starrer Machtverhältnisse ihre Leidensgenossen wachzurütteln, setzen jenes moderate Mittel der Artikulation ein, um bei ihnen Denkanstöße zu vermitteln, eventuell das eigene Dasein zu hinterfragen.

Kein tobender Mob – Gruppendynamik erreicht das Publikum

Die Idee des sogenannten Flashmobs, einer kurz oder scheinbar spontan auftretenden Menschenmenge, (flash im Englischen für Blitz und mob für Pöbel) gab es vorher bereits im Zuge der 1968er-Bewegung bei den sogenannten Die-ins, das sich Fallenlassen als symbolische Protestform gegen die Neutronenbombe aufgrund nuklearer Gefahren, Petra Kelly solche spezielle Flashmobs zu Beginn der 1980er Jahre gern mit organisierte.

Erste zaghafte Versuche einer flashmobartigen Darbietung unternahm der niederländische Pantomime und Schauspieler Will Spoor, der zuvor das Pantomime-Theater „Theater Mime Will Track“ gegründet hatte, in den frühen 1990er Jahren mit seinem Projekt „Zebra Fußgängertheater“. Die Öffentlichkeit wurde spontan einer Darbietung ausgesetzt.

Nachdem der Chefredakteur des Harpers Magazines, Bill Wasik, am 17. Juni 2003 den ersten organisierten Flashmob ins Leben gerufen hatte, galt er als Urheber dieser Protestform.   Ungefähr 130 Menschen versammelten sich in Manhattans Kaufhaus Macys um einen teuren Teppich und erklärten kurzerhand ihn als „Liebesteppich“, sie würden generell Entscheidungen nur gemeinsam treffen, inzwischen 200 Personen zusammenkamen, die dann allesamt in der Lobby des Hyatt-Hotels exakt 15 Sekunden applaudierten, anschließend in eine Schuh-Boutique als „Touristen“ sich bezeichnend strömten, schließlich der Flashmop sein Ende fand.

Einfach nur ziviler Ungehorsam?

Alles erhält irgendwann mal eine sich ausbreitend differenzierende Verselbständigung, weil mit jeder Entwicklung, die Mensch durchlebt, sein Innerstes nach außen gestülpt wird in der Erkenntnis dessen, was da geschehen mag bzw. Flashmobs nachhaltig beim passiven Publikum auslösen. Mit dieser neuartigen Gruppendynamik das erstaunte Publikum erreicht wird, weil eben kein tobender Mob auf diese Weise Nähe schafft, anstatt Distanz, somit ein Gefühl der Solidarität hervorruft.

Oder aber sind sie einfach nur ziviler Ungehorsam? Ob nun mittels Musik sich ein Flashmob plötzlich bildet, wie der Bohemian Rhapsody Flashmob, oder aber Lachen, was hier in der Berliner U-Bahn verbindet?

Aus anfangs Aufmerksamkeit erhaschender Idee, die Menschen in ihren bestehenden Alltag ein wenig wachzurütteln, daß da noch Mißstände, aber auch Harmonie herrschen mögen, je nachdem, was wir uns vom Leben vorstellen, lediglich nur umgesetzt werden sollte, riefen Flashmobs zu Beginn in den ersten Wellen einen Ideenwettbewerb hervor, der ganz nett anzuschauen sein mochte.

Inzwischen muß man feststellen, daß sie zwar kaum mehr stattfinden, allerdings angesichts einer weiterhin zunehmenden sozialen Schieflage Menschen durchaus effektive Flashmobideen ersinnen können, die sicherlich beherzte und daher engagierte Teilnehmer finden, wie jüngst im Februar in Barsinghausen zum „Protest gegen Gewalt an Frauen“.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

Veröffentlicht unter Proteste und Widerstände | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Conte

https://pixabay.com/photos/fantasy-surreal-scene-elephant-3988020/

pixabay.com

Der Conte
verlor
die Nancy
im Gewühl
der Komödianten,
als sie
ihr Gefühl
für Elefanten
entdeckte,
sich versteckte,
dann auf einem
grauen Rücken saß,
ihn bedachte
mit einer langen Nas`,
da verlor
der Conte
die Contenance
ganz sachte,
leise zuerst,
schließlich
ist er ein Herr,
dann unbeherrscht,
schrie er,
du kannst mir den Buckel
runterrutschen,
ich find´ andere
zum Knutschen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar