Schulmädchenreport trägt beflügelte Gedanken hinfort

Deutschstunde außer Rand und Band

Immer diese unnötigen Vorurteile! Neulich wieder hatte Florian sich heftigst aufgeregt über seine Eltern, fragte sich wie schon so oft zuvor, welch Sinneswandel ihnen widerfahren sein mußte, daß sie beide als ehemalige demonstrierende Umweltschützer in den Folgejahren eine berufliche Karriere hinlegten, die exakt dem Gegenteil entsprach, da deren Arbeitgeber alles andere als rücksichtsvoll die Umwelt behandelten.

Geld und Prestige können nur der Anreiz gewesen sein, da ignoriert man schnell sein moralisches Gewissen, kam Florian schließlich überein. Doch das wurmte ihn dennoch. Einerlei, er mußte sich beeilen, in die Schule zu kommen, wollte er nicht riskieren, erneut beim Deutschunterricht zu spät zu erscheinen. Und Julius Fichte war ein Lehrer von der Sorte, der sich alles merkte trotz hoher Toleranzgrenze, die jedesmal Schule eine neue Dimension verlieh. Da galt es, dabei zu sein mit einer gewissen Euphorie.

Ja, Sie haben richtig gelesen, Schule kann tatsächlich Spaß machen. Im letzten Moment trat Florian ins Klassenzimmer, sein Lehrer grinste ihn an und begann sofort mit dem Unterricht.

„Morgen allseits, ich hoffe, Ihr hattet ein schönes, ausgefülltes Wochenende. Ich weiß, Montagmorgen möchte niemand morgens sich aus dem Bett wälzen, aber unser System erschuf die morgendliche Qual, der wir uns alle unterordnen müssen.“ Die Klasse tobte vor Lachen, einige trommelten mit den Fäusten auf den Tischen, andere stampften rhythmisch auf den Boden.

„Nanana, nicht übertreiben. Schön, daß Ihr alle so lebhaft wach seid, beste Voraussetzung für das Thema der heutigen Stunde: Schulmädchenreport.“ Ein erstauntes Raunen ging durch die Reihen. Chris meldete sich zu Wort.

„Ist das nicht diese Soft-Sex-Filmserie aus den 70er Jahren, die heute gänzlich lächerlich anmutet?“, fragte er grinsend und schaute bewußt zu seiner angebeteten Dani, die ein wenig rot anlief.

„Gut erkannt und wiedergegeben, Chris. Ganz genau, aber wir wollen diese Filme nicht weiter beachten, sondern uns der Sprache zuwenden. Wer hat Ideen für eine Rap- oder Gedichtnummer vom Wort „Schulmädchenreport“ ausgehend? Laßt mal Eurer Phantasie freien Lauf, nur zu!“, forderte Julius Fichte sie auf. Die Schüler waren sichtlich erstaunt, einige grinsten nur, weil das mal wieder typisch für den Fichte war. Allgemeines Tuscheln und Herumschreiben war die Folge, die Klasse war ziemlich beschäftigt. Nach rund zehn Minuten meldeten sich Tina und Mike zu Wort, sie wollten einen Rap im Duo vortragen. In gespannter Erwartung lauschte die Klasse den Worten:

„Hey, was machste denn dort, immer fort mit dem plöden Video, diesem Schulmädchenreport, oder soll ich sagen, Schwulfädchenhort, lach nicht, die Sache ist ernst, nur weil du’s nie lernst, was im Licht anders erscheint, will vereint einfach leben, nach Höherem streben. Nein, dieser Schuhlädchenort zeigt uns doch deutlich auf, wohin die Reise geht, daher lauf, bevor ein Bulle vor dir steht.“

Die Klasse war für Sekunden sprachlos, danach gab es kein Halten mehr, alle sprangen auf und tanzten wild im Raum, so daß der gute Fichte alle Mühe hatte, seine Schützlinge wieder zu beruhigen. Schon schaute ganz kurz der Schuldirektor vorbei, öffnete die Klassenzimmertür und fragte nur, ob alles in Ordnung sei. Zufrieden schwirrte er wieder ab, nachdem ihr Lehrer freundlich genickt hatte.

„Sehr schön, Ihr beiden. Genau das meinte ich, spielt mit der Sprache, sie läßt so vieles zu, und gerade beim Rap könnt Ihr, wie Ihr merkt, eine Menge Emotionen erwecken, oder?“, kommentierte Julius den Beitrag. Lisa meldete sich, stand auf und trug mit fester Stimme vor:

„An einem dunklen Ort, den kaum jemand sah, zeigten sie den Schulmädchenreport. Doch keine Mädchen waren zu sehen. Was war bloß geschehen? Ganz einfach, sie weigerten sich, so billig sich zu zeigen, ganz zu schweigen vom Reigen jugendlicher Wixer, die nichts besseres taten, als an diesen Bildern sich zu laben.Tabubruch in jener Zeit, zeigte auf, daß Gesellschaft noch längst nicht so weit, offen über Sex zu reden. Das brachte Streit und für die Filmemacher entsprechenden Geldsegen.“ Das saß, in der Klasse herrschte erstauntes Schweigen. Aber Julius Fichte stand auf, verbeugte sich vor Lisa.

„Prima, toller Beitrag. Der Rest von Euch hat die Hausaufgabe, sich auf das Thema einzulassen, in der nächsten Stunde möchte ich viele Ideen hören.“ Die Schüler applaudierten kurz heftig, ehe ihr Mathelehrer kommen sollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Springender Punkt

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Der springende Punkt
hüpfte weg,
bevor sie ihn in Worte
fassen konnte,
sie schnappte
nach ihm,
aber nur Luft
fing ihr Mund,
die machte sich
breit und breiter,
dehnte sich aus
in der Hitze
des Verzweifelns,
um schließlich
einer Quelle gleich
aus ihr zu sprudeln
als feuchtes Hüsteln,
eben lag
das Argument
auf meinen Lippen,
hörte der Punkt,
der Springende,
gerade noch,
und entschwand
ums nächste Eck.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Trump trifft Kim – na und?!

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Hanoi kommt befremdlich rüber

Wenn’s brenzlig wird, begibt man sich am Besten ins Ausland, auf Staatsreise, internationales Happening, ausgerechnet ein Treffen in Vietnams Hauptstadt, Erinnerungen an den Krieg zwischen dem Hegemon und Vietnam werden wach. Hat doch nicht im Geringsten mit der heutigen Zeit zu tun. Denkste.

Latürnich doch. Solch historische Spuren verebben nicht einfach so mir nix dir nix. Logo, die USA haben vieles wiedergutgemacht, um ihren dreckigen Krieg zu retuschieren. Das gefällt erst recht jenem blonden Dollen, der ohnehin sich gern narzißtisch in Szene setzt. Notorische Lügner genießen das unbedingt, da macht ein Humpty-Trumpty keine Ausnahme.

Zu Hause beginnt just die Stunde der Wahrheit, die sein Ex-Anwalt eingeläutet hat, Michael Cohen rechnet mit ihm im US-Kongress ab, nennt The Donald einen Rassisten und Lügner. Recht hat er! Das beweist der 45. Präsident tagtäglich, auf der einen Seite die Medien verunglimpfen von wegen Fakenews, anderseits selbst hinzudichten und weglassen, was das Zeug hält.

Und jetzt in Hanoi Handshakes mit Kim, dem Diktator aus Nordkorea. Zwei, die sich ähnlicher sind, als vielen Recht sein dürfte. Das wissen diese mit Bestimmheit, kosten das Treffen aus, schließlich schaut alle Welt zu. Ha noi, wälle die Seckel uns allesamt auf den Arm nehmen? Mit Sicherheit, ohne wenn und aber!

Trump flog, sah und verliert letztlich, nicht seine eingespielt lächerliche Geste unverfrorerener Selbstsicherheit, die er gern zur Schau stellt, sondern am Ende sein Amt, falls wenigsten das die Amis hinkriegen sollten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Egal ob seitens dessen Ex-Anwalt oder des ehemaligen FBI-Chefs, die Liste derer, die dem blonden Dollen berechtigt ans Leder wollen, wird länger.

Während in Vietnam das Ende des Korea-Krieges eventuell offiziell verkündet wird, verschärft sich parallel ein anderer, alter Konflikt zwischen den beiden Atommächten Pakistan und Indien in Kaschmir. Die Welt wird eben keineswegs friedlicher, bloß weil zwei Bad Boys sich mal in Hanoi treffen. Zieht man das erneute Wettrüsten zwischen den USA und Russland hinzu, kann von Entspannung erst recht keine Rede sein.

Viel Rauch um nichts muß man dabei bescheinigen. The Show must go on, sang schon Freddie Mercury zu Lebzeiten, so tickt auch das weltpolitische Parkett. Ins Hintertreffen geraten stets unschuldige Menschen, millionenfach, ein völlig unnötiges Leid. Das nennt sich Zivilisation, welch Hohn!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Der Welt Gesicht

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Augen verdreht,
Blut übersät,
das Plakat
fragt
nicht,
zeig ich der Welt Gesicht?

Augen verdreht,
Blut übersät,
das Plakat
ist ein Traktat,
wie wertlos
ist Leben bloß?

Augen verdreht,
Blut übersät,
das Plakat
besagt,
nichts kapiert,
Wesen krepiert.

Augen verdreht,
Blut übersät,
das Plakat,
der Verrat
ist die Gleichgültigkeit
gegenüber Menschlichkeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Fire in the Blood – Dokumentarfilm zum „Verbrechen des Jahrhunderts“

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Dessen Aktualität ein dringendes Mahnmal darstellt

Es geht stets um eine Gewinnmaximierung für ein paar superreiche Dynastien, die daran gewöhnt sind, sich die Taschen vollzustopfen. Wenn dabei sogar mehr als zehn Millionen Menschen in Afrika in den sicheren Tod geführt werden, wie der in den USA erschienene Dokumentarfilm „Fire in the Blood“ aufzeigt, Stellung bezieht zum „Verbrechen des Jahrhunderts“, dann muß man eine derart herzlose Ungerechtigkeit vehement anprangern.

Natürlich geht dem sehr kritischen Dokumentarfilm ein Ablauf etlicher ungerechter Verstrickungen voraus, zwischen dem weltweit beherzt engagierten Willen vieler Ärzte und entsprechender Aktivisten, das AIDS-Problem endlich im Sinne betroffener Patienten zu lösen, und einiger Pharmakonzerne, die lediglich ein Interesse haben, möglichst viel an den neuen Medikamenten zu verdienen.

James Love – vom AIDS-Aktivist zum Direktor der KEI

Jamie Love tat sich 1999 mit AIDS-Aktivisten und der Médecins Sans Frontières (MSF) als auch mit der 1987 ins Leben gerufenen Bewegung „Act up“ zusammen, um eine globale Kampagne zur Förderung der Zwangslizenzen von Patienten der Medikamente gegen AIDS zu starten. Schließlich handelte er zwei Jahre später mit dem Chef des Generika-Herstellers, dem indischen Pharma-Unternehmen Cipla, Yusuf Hamied, einen 1-$-Preis pro Tag für ein AIDS-Medikament aus. Genau dieses wichtige Prozedere thematisiert gerade der im Januar 2013 erschienene Dokumentarfilm.

Die Verbindung zwischen James Love, der als Direktor der KEI (Knowledge Ecology International) arbeitet, die als NGO sich eben besonders für die Menschen am Rande der Gesellschaften einsetzt, das Management der Ressource Wissen sinnvoll mit Regierungen, Unternehmen und anderen NGOs zu verknüpfen, eine Erleichterung für sie zu organisieren, liegt in sofern Nahe, daß entsprechend Druck gemacht werden soll, Pharmariesen zum Einlenken zu bewegen.

Dylan Mohan Gray – vom Historiker zum begeisterten Regisseur

Nachdem Dylan Gray sein Hochschulstudium in Geschichte und Film am Dartmouth College (USA), an der Budapest University of Economics sowie an der Universität Wien als auch in Geschichte an der Central European University und der University of the State of New York abgeschlossen hatte, zog es ihn zum Film, arbeitete er weltweit mit Regisseuren wie Fatih Akin, Peter Greenaway, Paul Greengrass, Deepa Mehta und Mira Nair zusammen und gründete 2005 die Produktionsfirma Sparkwater in Indien.

Was war der ursprüngliche Anlaß für Gray, sich einem solchen Thema zu nähern? Im Frühjahr 2004 stolperte er über einen Artikel im Economist, der sich mit Yusuf Hamieds Einsatz beschäftigte, kostengünstigere AIDS-Medikamente in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Drei Jahre später stand sein Entschluß fest, über dieses brisante Thema einen Film zu drehen, entwickelte sich eine lange Liste wichtiger Mitwirkender wie schon die genannten James Love und Yusuf Hamied, aber auch der Anti-Apartheid-Aktivist und Friedensnobelpreisträger Desmond Mpilo Tutu, der Ökonom Joseph Stiglitz, der Direktor und Mitbegründer des Joint Clinical Research Centers (JCRC), Peter Mugyenyi, der New York- Times Journalist Donald G. McNeil, Jr., der investigative Journalist William F. Haddad, der 42. US-Präsident William J. Bill Clinton und besonders wichtig, der Arzt und Autor Peter Rost.

Dylan Gray bedauert zutiefst, daß nicht nur Pharmakonzerne profitorientiert herzlos agieren, sondern darüber hinaus etliche westliche Regierungen nach dessen Pfeife tanzen! So konnte gerade Peter Rost ihm entscheidende Hinweise und Tips geben, weil dieser als ehemalige Führungskraft in der Pharmaindustrie über genug Insiderwissen verfügt, welches er in seinem 2003 erschienenen Buch „The Whistleblower: Confessions of a Healthcare Hitman“ beschreibt, in dem er die illegalen und manchmal kriminellen Machenschaften in der Pharmabranche schildert.

Fazit zum Film

Es scheint wohl eine Weile gedauert zu haben, bis dieser wichtige, kritische Film ebenso hier in unserem Land gezeigt wurde, allerdings nicht im großen Rahmen, wen wundert’s, wo doch die Pharmalobby in die Pflicht genommen wird.

Möge dieser wichtige Dokumentarfilm nicht nur den kritischen Zeigefinger erheben, sondern explizit den Menschen aufzeigen, sich stets genau dann zu äußern und zusammen zu schließen, wenn Regierungen als auch die Wirtschaft die Menschenwürde mit Füßen treten!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Ungeklärtes

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Demokratur einer schonungslosen Demaskierung ausgesetzt

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Kein Sommermärchen wird wahr in dem Land mitten im Herzen Europas, welches die zwei Weltkriege im letzten Jahrhundert angezettelt hatte und nunmehr meint, es müsse dem kleinen Kontinent seinen Geist überstülpen, dem sich die anderen Staaten gefälligst unterzuordnen hätten.

Zunächst mal erreichten scheinbar technisch raffiniert eingesetzte Kontrollmechanismen es, daß diese große Demokratur im Gewande der selbsternannten Demokratie all jene in den Bann zog, die schon weit vorher den Medien auf den Leim gegangen waren, wobei durchaus sowohl die Pharma- als auch die Lebensmittelindustrie es clever verstand, mit Hilfe ihrer Mittel die Bürger zu manipulieren und gefügig zu machen.

Jedoch gibt es trotz alledem, wie schon früher der Fall, Querdenker, die viel zu beharrlich ihre Wissensneugier einsetzen und daher eine schonungslose Demaskierung der Demokratur vorantreiben. Schauen wir doch einer Begegnung über die Schulter, um zu erfahren, inwieweit sie sich austauschen.

Der Eingeweihte: „Na, wie lang war dein Arbeitstag, mal wieder zu viele Überstunden angefallen?“

Der Ahnungslose: „Alles in Ordnung, heute blicke ich auf gerade mal zehn Stunden zurück, so fiel gar keine Überstunde an.“ (Kein Arbeitnehmer muß mehr so wie früher Stempelkarten benutzen oder Plastikkärtchen lesen lassen, ein implantierter Chip bei Einstellung registriert jede Bewegung während der Arbeitszeit im Betrieb.)

Der Eingeweihte gutgelaunt grinsend: „Lust auf ein Feierabendbierchen? Bevor du mich gleich löcherst, keine Sorge, ich lade dich ein.“

Der Ahnungslose ein wenig verunsichert: „Aber, ich dachte nach 20 Uhr gibt es kein Alkoholausschank mehr?“

Der Eingeweihte beherzt lachend: „Mach dir mal keine Sorgen, du weißt doch, ich kenne sämtliche Lücken im System, oder?“

Schnell verlassen die beiden die Hauptstraße und begeben sich in eine kleine Gasse mit unscheinbaren, alten Häusern. Das Laternenlicht erhellt den Weg äußerst spärlich, dennoch schreitet der Eingeweihte zielstrebig voran und stößt eine Haustür auf, hinter der niemand eine Kneipe vermuten würde.

Der Eingeweihte: „Na, komm’ schon, nicht so unsicher, hier machen wir es uns gemütlich. Ich möchte dir ein paar „nette“ Neuigkeiten zum Besten geben, wenn du magst.“

Der Ahnungslose schaut ein wenig irritiert in die Runde. Ein erstaunlich angenehm hell erleuchteter Raum, der sehr groß wirkt durch die hohe Decke, dessen Herzstück eine breite Theke ausmacht, bietet gleichzeitig eine geschickt verteilte Sitzanordnung, die es den Gästen erlaubt, ungestörter sich unterhalten zu können, die Nachbartische mittels kunstpflanzengestalteter Wände eine gewisse akustische Trennung erhalten.

Der Ahnungslose: „Du überraschst mich mal wieder. Weder war ich jemals in dieser Gasse, noch hätte ich hier eine Kneipe vermutet.“

Der Eingeweihte: „Das gute daran, sie ist obendrein völlig legal, und dennoch hat der Staat keinerlei Einfluß. Bevor du mir zuvorkommst, mit einem einfachen Trick wird dieser in die Irre geführt. Sämtliche von denen installierte Wanzen und Kameras haben wir jedes mal aufgespürt und ersetzt.“

Der Ahnungslose: „Wie, ersetzt? Und dann hätten die doch die Kneipe dichtgemacht, oder?“

Der Eingeweihte räuspert sich grinsend: „Ganz einfach, es sind willkürliche, belanglose Gespräche zu hören, während ein Film dabei abläuft, so daß die Herrschaften meinen, es sei alles in Ordnung. Das ganze erledigt ein bestimmtes Computerprogramm, den Unterschied können die niemals bemerken. Was meinst du wohl, wie ich sonst an andere Infos kommen soll, wenn ich jedes mal die selben Orte aufsuche? Inzwischen haben wir ein großes Netzwerk aufgebaut, um ständig flexibel zu sein.“

Der Ahnungslose: „Du meinst, es gibt noch andere, ähnliche Kneipen?“

Der Eingeweihte: „ Nein, nein, nicht nur, sondern Geschäfte, Wohnungen, sogar ein Theater.“

Nach kurzer Stille, während aus den Boxen Deep Silent Complete von Nightwish die Gäste einheizt, kommt der Eingeweihte zum Thema.

Der Eingeweihte: „Hast du jemals mal daran gedacht, deinen Job zu schmeißen? Oder bist du wirklich zufrieden? Neulich hattest du dich doch beklagt, wie unwohl du dich fühlst, meintest, die würden dich beobachten, oder?“

Der Ahnungslose: „Nun ja, nicht nur das, die wußten darüber hinaus Dinge, die ich niemand gesagt hatte. Vor kurzem hat mein Chef mich darauf hingewiesen, ich solle mich zurückhalten mit meiner Kritik, dabei hatte ich lediglich zu hause mal ein paar Kritikpunkte auf einen Zettel geschrieben, den ich allerdings kurz danach zerrissen und weggeschmissen hatte.“

Der Eingeweihte: „Siehst du, sie beobachten uns, und zwar alle, ausnahmslos. Was noch der kleine Österreicher und der Saarländer im letzten Jahrhundert nicht gänzlich schafften, ist jetzt selbstverständlicher Standard. Ein Grund mehr, sich entsprechend vorsichtig zu wehren. Nachdem viel Unmut auf den Straßen nichts erreichte, haben wir uns halt zurückgezogen, damit die meinen, wir hätten aufgegeben. Ist aber nicht so. Jetzt benutzen wir deren Mittel, so einfach ist das.“ Der Eingeweihte gönnt sich einen großen Schluck Bier, setzt das Glas ab und atmet ziemlich erleichtert, fast schon befreit auf.

Der Ahnungslose: „So was ähnliches habe ich mir schon gedacht, weil du bei unserer letzten Begegnung eine Andeutung gemacht hattest. Wie geht es jetzt weiter? Wenn ich kündige, vermitteln die mich doch gleich wieder, wobei ich keinerlei Mitspracherecht habe, wie du weißt, oder?“ Inzwischen gibt es keine Arbeitslosigkeit mehr, sie wurde einfach abgeschafft, statt des früher favorisierten bedingungslosen Grundeinkommens hat die Demokratur kurzerhand in sämtlichen Bereichen notwendige Jobs geschaffen, wobei niemand sich der Vermittlung entziehen kann, letztlich entscheidet der Staat, wer was zu leisten hat. Dennoch gibt es eine „Grauzone“, wobei manche Menschen es schaffen, sich der Kontrolle zu entziehen.

Der Eingeweihte: „Das laß mal unsere Sorge sein, wir finden Möglichkeiten für dich, inzwischen weiß ich doch, wo deine Stärken liegen. Die wollen wir doch nicht diesem System gönnen, oder? Besser, du nutzt die für uns und somit für eine bessere Zukunft.“ Der Ahnungslose kann zunächst nichts erwidern. Man merkt seiner Gesichtsmimik an, daß er einen Kampf im Innern führt, er hin- und hergerissen ist zwischen staatlichem Gehorsam und den revolutionären Gedanken.

Der Ahnungslose: „Ich vertraue dir endlich, nachdem du mir schon bei anderer Gelegenheit sehr gute Tips gegeben hattest. Wie geht es dann jetzt weiter?“

Der Eingeweihte: „Also, ganz einfach. Zunächst verrate ich dir mal was. Vergesse am besten all die Lügen, die das System dir aufgetischt hat. Nichts davon hilft dir weiter. Alles ordnet sich dem Mammon unter, sämtliche Kontrollen wurden eingeführt, um alle sich gefügig zu machen. George Orwell war gestern, heute ist die Wirklichkeit um ein Vielfaches grausamer und vor allem effektiver. Dennoch bekamen sie uns trotz Verfassungsschutz, CIA, BND und wie sie alle heißen, nicht gänzlich in den Griff. Du weißt doch, Gedanken sind tatsächlich frei. Wie kann dann Menschenerdachtes nicht von allen genutzt werden? Eben. Somit sind sämtliche Sicherheitssysteme zu knacken, so daß wir entsprechende Gegenmaßnahmen treffen. Sie glauben tatsächlich, sie könnten über alle herrschen, doch diese Saat geht nicht auf, weil wir erkannt haben, daß wir zusammenhalten müssen. Sicherlich gibt es auch bei uns Rückschläge, weil manche dem Staat gegenüber Infos von uns geben, aber das läßt sich halt nicht gänzlich vermeiden.“

Der Ahnungslose: „Das macht große Hoffnung, was du mir da gerade berichtest. Einverstanden, ich möchte raus aus dieser Tretmühle. Mann, was bin ich froh, dir begegnet zu sein, daß wir uns kennen.“

Unterbrechen wir einfach dieses Treffen und ziehen zum Abschluß Resümee. Wollen wir es wirklich so weit kommen lassen, daß staatliche Allmacht sich Wege der Kontrolle sucht, um nicht nur sämtliche Bürger- und Menschenrechte zu untergraben und gänzlich abzuschaffen, sondern darüber hinaus das Volk gewissen Eliten dienlich sein muß? Jede Entwicklung hat, einmal analysiert und somit durchschaut, eben keinen zufälligen Verlauf, auch wenn im globalen Miteinander die Größe gewisse Grenzen der Zumutbarkeit an Kontrollmechanismen scheinbar aufzeigt, dennoch werden explizit Versuche unternommen, genau diese Herausforderung zu bewältigen. Sollte es gelingen, wäre es vorbei mit dem Ideal der Freiheit. Diese wäre zunächst verloren. Aber gleichzeitig gibt es Abtrünnige, Menschen, die das System im System ohne weiteres durchschauen und entsprechend geistreich sich zu wehren verstehen. Genau diesen „Gesellen“ gilt es, sich anzuschließen, wollen wir in Zukunft noch Mensch sein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Geplanter „Bike und Naturerlebnispark“ vertreibt Wildkatze

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Naturschutz hat sportlichen Kommerz zu weichen

Allein schon die Formulierung Naturerlebnispark in Verbindung mit dessen Folgen, die unweigerlich ziemlich belastend eintreten, zeigt die kaltschnäuzige Ignoranz auf, die dessen Initiatoren und daran beteiligte Firmen im Zusammenspiel mit verantwortlicher Politik an den Tag legen. Wer Naturschutz sich auf die Fahnen schreibt, sollte ihn auch strikt einhalten.

Davon scheint der geplante „Bike und Naturerlebnispark Idarkopf“ im FFH Gebiet „Idarwald“ und in der Kernzone des Naturparkes „Saar-Hunsrück“ weit entfernt zu sein. Es zählt wie immer bei derartigen Bauvorhaben der profitable Nutzen, dem insofern besonders Wildkatzen zum Opfer fallen, die jüngst gestartete Petition des Vereins Rettet den Regenwald weist eindringlich auf die Mißstände hin.

„Downhill-Trails“ durchziehen das Schutzgebiet

Hinzu kommen ein Event- und Campingplatz, Berg- und Talgastronomie, ein Schlepplift sowie ein Transportband, Parkplätze und andere Einrichtungen zur geplanten Infrastruktur. Dann wird das eigentliche europäische Schutzgebiet seiner Funktion nicht mehr gerecht. Das gesamte Plangebiet umfaßt eine Fläche von 90 ha, wovon der weitaus größere Teil von 70 ha im Wald liegt.

Von Schutzvorgaben kann tatsächlich nicht die Rede sein. Das Gegenteil ist somit zu befürchten. Allein schon die zu erwartenden jährlichen 27.000 Besucher deuten auf den großen Andrang hin, wobei die Planer selbst nach fünf Jahren mit einer Verdoppelung gar rechnen. Erfahrungsgemäß wird ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz der Mountainbiker Schäden in der Natur verursachen, weil sie eben das Weggebot schlichtweg mißachten.

Europäische Kommission leitete Vertragsverletzungsmaßnahmen gegen Deutschland ein

Es sei seinen Verpflichtungen gemäß den EU-Vorschriften zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume und geschützten Arten nicht genügend nachgekommen. Sie sind Teil des Natura-2000-Netzes, welches seit 1992 nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG, kurz FFH-Richtlinie) errichtet wird.

Nachdem das vom Aussterben bedrohte Westliche Haselhuhn in der Vergangenheit im FFH-Gebiet nachgewiesen wurde, betrifft es beim „Bike und Naturerlebnispark“ die europäische Wildkatze. Welch Hohn, denn im letzten Jahr wurde sie noch seitens der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres benannt. Obwohl sie nach wie vor auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft wird, unterstützt die regionale sowie bundesdeutsche Politik jenes Bauvorhaben. Ein Widerspruch zu europäischen Naturschutzrichtlinien. Erneut entscheidet der Profit, der sich über sie stellt. Völlig berechtigt reichen Naturschutzverbände Klagen ein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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