Gegrüßt hat er sie nie

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Niemals grüßte er sie,
niemals,
sollte er,
warum sie,
warum die anderen,
die grüßte er auch nie,
er fühlte,
er erlebte,
war jung,
erwachsen,
alt,
sein Körper kräftig,
nicht kalt,
grüßen sie,
niemals,
Liebe schenkte sie ihm,
ihr sympathischstes Lachen,
ihr sprühendes Lebensgefühl,
das verdankte sie,
der nie grüßenden
Buche im Garten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Nicht nur Märchen aus 1000 und einer Nacht haben uns aufgebracht

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Scheherazade als Tochter des Wesirs mag noch so viele Märchen dem König aufgetischt haben, manch Kind sich an ihnen köstlich laben, doch was in der Mitte Persiens dort geschah, gilt erst recht seitdem bis heute Jahr für Jahr. Gemeinsamer Nenner mag die Arabische Welt als Schnittmenge herhalten können, doch laßt uns nicht in unwichtige Details verrennen.

Der Blick sei für Momente gen Königreich Saudi-Arabien gerichtet, nicht etwa was man diesem so manch Fatales andichtet, vielmehr die geistig-fanatische Grundhaltung jener Religion erklimmt unerschrocken jeden Thron. Ob man Menschen einfach Hände abhackt, sie steinigt und peinigt, mit Gewalt bepackt, nach außen hin kriegerisch aggressiv weiter wütet, man neulich nicht vorm Morden journalistischer Kritiker zurückschreckt, wohlbehütet mit Waffen und gar deutschen Panzern eingedeckt, das Riesenreich im Mittleren Osten fordert selbst im Westen manch Posten.

Latürnich darf hierbei der blonde Dolle nicht fehlen, das sei wohl kaum noch zu verhehlen, der möchte endlich den nächsten Krieg irgendwo auf der Welt lostreten, schließlich nützt ohnehin keen Beten. Damit hat er genauso wenig am Hut wie ne Fliege in der Antarktis, tut ihr bestimmt nicht gefroren gut, vor dieser Kälte hat wohl jeder Schiß. Aber mal ganz im Ernst und hoch seriös, wer hat was von jenem Getös? Ach, laßt Euch doch drauf ein, nicht nur so zum Schein, sondern gezielt um die Ecke gedacht. Na, kommt keiner dahinter, ist zu aufgebracht?

Schaut mal etwas genauer hin, das ist der Sinn! Die Pressefreiheit geht tatsächlich dahin, sie wird nonstop mit Füßen getreten, ist fast überall ungebeten, da helfen keene Reporter ohne Grenzen, es folgen unübersehbare Turbulenzen. In autokratischen Staaten sowieso. Beispiele gefällig für den Status quo? Ob Nordkorea, Russland oder die USA, die Türkei oder das kleene Ungarn, Journalisten geht’s an den Kragen in Scharen, sie müssen äußerst wachsam sein, das wissen sie ohnehin von vornherein.

Doch zwischen Theorie und Praxis liegt so manch Gedankengalaxis. Hauptsache man bewahrt sich seinen eigenen Ehrenkodex – aber das ist ja gerade so perplex: Während der gewagte Journalist sich der Wahrheit verpflichtet, werden dessen Artikeln so manch Bösartiges angedichtet. Verschwörungstheorien hatten eh schon immer Hochkonjunktur, es hilft och dabei nicht jede Korrektur. Der Teufel im Detail sich versteckt, am Ende manch Kollege prompt verreckt!

So schließt sich erneut ein Kreis, führt uns aufs Abstellgleis, welches Unsicherheit, Wut und Haß erzeugt, sich fast jeder beugt, um nicht mit seinem Leben zu spielen, nach dem etliche längst ungeniert und erfolgreich zielen. Opfer bleiben weiterhin auf der Strecke, ungeschoren kommt davon manch hinterhältige Recke. Märchen können so wunderbar trügerisch uns einlullen, auch die Eins mit den drei Nullen, es verbleibt der hochgradig fade Beigeschmack: Sie stecken uns alle in nen großen Sack, jenes Herrschaftspack. Moral hat keinerlei Grenzen, sie wollen nur ewiglich in ihrer verlogenen Welt glänzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Roter Teppich für Zyniker und Stümper

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Sie rollen gesellschaftliche Hemmschwellen
zu einem roten Teppich aus, der wie Brei soll quellen.
Wer hier flaniert, überheblich stolziert, hämisch grinst,
der glaubt an jedes noch so abwegige Hirngespinst.

Wahrheitssekten getarnt als Traumfabriken
garantieren Freispruch bei Parolenkonflikten,
sie stacheln auf zur Denunziation, Lügen, Hetze,
Mißbrauch der Meinungsfreiheit, das total fetze.

Zum absoluten King, hoch finanziert, wird avanciert,
wer gekonnt narzißtischen Egoismus inszeniert.
Im Hintergrund flüstern die machtgierigen Sponsoren
ihnen Opferrollen zu, ein Leichtes, damit andere zu verkohlen.

Alle Hemmschuhe ausgezogen, um Geschichtsbücher zu füllen,
fordern sie Respekt, Moral, Gehorsam, um sich wohlzufühlen.
Um Hemmnisse wie Nächstenliebe, Toleranz zu vertreiben,
stilisieren sie sich zu Kultfiguren, um sich Götterstatus einzuverleiben.

Wer sind sie, die sich erlauben, über alles ihr Weltbild zu stäuben?
Zyniker, Spötter, dilettantische Satiriker, denen sich die Haare sträuben,
wenn vielfältiger Konsens ihren geistigen Horizont überschreitet,
oder einfach nur Stümper, denen Unterdrückung Freude bereitet.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Volksparteien im freien Fall: Politik verliert an Glaubwürdigkeit

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Demokratien haben sich am Wandel messen zu lassen

Jede Auflehnung hat ihren Ursprung darin, daß eine lange Kette von Ungerechtigkeiten, insbesondere soziale Mißstände ihnen vorausgegangen war. Dies hat sich in der gesamten Menschheitsgeschichte so abgespielt und fand seine Präsenz z. B. in den arabischen Unruhen.

Selbstverständlich kann es eben nicht damit getan sein, die Machthaber nur zu stürzen, es läuft darauf hinaus, einer Demokratie den Weg zu ebnen. Allerdings ist eine Demokratie erst dann glaubwürdig, wenn sie sich einem Wandel unterzieht. Genau aus diesem entscheidenden Grund haben sich alle Demokratien messen zu lassen, ob sie überhaupt dazu in der Lage sind, bzw. die Bereitschaft besitzen, dies in die Tat umzusetzen.

Wenn wir uns die starre Form in Deutschland betrachten, das Festhalten am einfachen Wahlprozedere, was wiederum bedeutet, daß die Menschen im Lande recht wenig Einfluß haben, Politik selbst mitzugestalten, sondern lediglich sich aufs Wahlkreuzchenmachen beschränken, muß man sich nicht wundern, wenn immer mehr Stimmen laut werden, exakt dies ändern zu wollen. Es ist auch nicht damit getan, dem alleinigen Ruf nach Volksabstimmungen zu folgen, es ist nur ein Mittel an politischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.

Insbesondere im regionalen Bereich, also vor Ort sollten die Bürger sich einbringen dürfen. Negativbeispiele, wo dies eben nicht zu Genüge stattfand, gibt es in der Vergangenheit genug, wenn wir an Stuttgart 21 oder an die Moselbrücke denken. Dort wurde hinter verschlossenen Türen am Volk vorbei entschieden, einzig und allein die wirtschaftlichen Aspekte zählten per Kungelei zwischen Parteipolitik und Konzerninteressen, die Nähe zu mafiösen Strukturen rücken in den Fokus der Kritiker.

Solange Menschen nicht wirklich in einer Gemeinschaft gleichberechtigt mitentscheiden dürfen, sich verlassen fühlen von ihren Volksvertretern, hat sich dann im konstruktiven Weiterdenken eine Demokratie diesem Mißstand zu stellen, und dies bedeutet daher, etwas ändern zu müssen. Verpaßt sie diese historische, notwendige Gelegenheit, folgt nach inneren Unruhen irgendwann auch das Ende dieser demokratischen Ordnung.

Müssen stets Völker ihre Regierungen stürmen, bis sich etwas ändert?

Bisher war das zumindest der Fall. Eine weitsichtig kluge Politik versucht genau das zu vermeiden und stellt sich den Herausforderungen. Man könnte sogar so weit gehen, daß sehr viele Unruhen hätten vermieden werden können, weil letztlich genug „Geist“ vorhanden war, der schon ausführliche Lösungen parat hatte. Denken wir an die großen Philosophen.

Erich Fromm selbst hat in seinem Werk Haben und Sein ziemlich eindeutig beschrieben, wohin die Reise geht, wenn Mensch am materialistisch-orientierten Habitus festhält, anstatt dem Sein den Vorrang zu geben. Dies beinhaltet natürlich eine menschenwürdige Politik, ein behutsamer Umgang untereinander, in der jeder gleichberechtigt leben kann und eben nicht die Wirtschaft über den Menschen sich erhebt, sondern umgekehrt.

Es kommt in diesem sehr umfangreichen Entwicklungsprozeß zur weltweiten Demokratisierung noch ein ziemlich entscheidender Faktor hinzu, der eben in der Geschichte der Menschheit in dieser Form noch nicht vorhanden war: die Geschwindigkeit des Informationsflusses bedingt durch das Internet.

Das Internet der Schlüssel zum weltweiten Frieden oder eher das Gegenteil?

In der Tat eine gewagte Frage, aber ist sie so utopisch, wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Möglichkeiten sich im Internet auftun? Mitnichten. Vergessen wir nicht, daß durch den superschnellen Datenfluß jeder informiert ist, die Menschen daher die Möglichkeit haben zu reagieren. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, die Wirklichkeit zu vertuschen, Systeme sind einer erheblichen Kontrolle ausgesetzt. George Orwells Big Brother längst für alle sichtbar, da fast alle Grenzen dadurch gefallen? Ganz so einfach ist es aber auch nicht, weil die Möglichkeiten der Manipulationen ebenso gegeben sind, was wiederum Kriegsszenarien begünstigt, nahezu herausfordert.

Im Zeitalter einer immer rasanter werdenden Technisierung tut Mensch sehr gut daran, sich an allen zukünftigen Prozessen zu beteiligen, und dies kann nur dann erfolgreich, menschenwürdig umgesetzt werden, wenn demokratische Systeme sich auf diesen Wandel einlassen. Es liegt somit an uns allen, daran mitzuwirken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 3

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Ein kurzes Piepen signalisierte ihm, daß eine SMS auf seinem Handy eingetroffen war. Zugleich las er vor.

„Halter konnte nicht ermittelt werden, es handelt sich um keinen Diebstahl, das Kennzeichen gibt es gar nicht, muß insofern eine Fälschung sein. Die Fahndung nach dem dunkelblauen Golf läuft“, las er vor. Jetzt wußten die beiden, daß etwas äußerst schräges im Spiel war. Nur was? Wieso ließ Chantal solches geschehen, wobei gleichzeitig Mißtrauen aufkommen würde? Freddy und Mike gingen schweigsam nebeneinander her, waren total verunsichert.

Die Auflösung

Gelassen und äußerst entspannt lag Chantal, alle Viere von sich gestreckt auf ihrem großen Bett, genoß es, mit geschlossenen Augen ihre Genugtuung in vollen Zügen auszukosten. Wieder einmal hatte sie ihr besonderers Potential bewiesen, inwieweit ihre schauspielerische Fähigkeiten ankamen, das Gegenüber ihr jede Rolle abnahm.

Natürlich verhalfen gewisse Ablenkungen wie der dunkelblaue Golf, das Bild vom verruchten Geheimdienst zu bestätigen, jeder Unwissende hatte halt seine ganz eigenen Film- oder Romansequenzen im Kopf, was bei derartigen Treffen ausschlaggebend sein möge, um die Ernsthaftigkeit zu unterstreichen. Obendrein hatte es Chantal sehr gut verstanden, die beiden Ahnungslosen um den Finger zu wickeln.

Unverkennbar hatte sie es geschafft, erst recht Freddy und Mike mit ihrem Wissen über sie zu beeindrucken. Zusammen mit ihrer äußeren, seriösen Erscheinung, ihrem Auftreten, verflog im Nu jedwede Skepsis, bevor sie Fuß fassen konnte. Ganz vertieft in dem Wissen, daß ihre jeweilige berufliche Fähigkeiten gefragt sein sollen, meinte ein jeder, er sei der prädestiniertere, begann zugleich ein kleiner Konkurrenzkampf zwischen den beiden Freunden.

„Weißt du, Mike, wer mit der CIA zusammenarbeiten darf, der muß im Vorfeld schon so einiges geleistet haben, damit die auf einen aufmerksam werden, oder? Und bevor du mir zugleich ins Wort fällst“, betonte er auffordernd, „ich als Journalist bin stets mit der ganzen Welt verbunden, während du selbst nur dein begrenztes, berufliches Umfeld kennst.“ Freddy wußte natürlich, daß Mike dies niemals auf sich beruhen lassen würde, dieser somit schnell antwortete.

„Ach, Freddy, das mag schon sein, dennoch, unterschätze niemals die Errungenschaften einer rasant technischen Entwicklung, die gerade die Welt revolutioniert, sehr viele Berufe, nahezu die gesamte Wirtschaft in Abhängigkeit zum Computerwesen steht!“, erwiderte er und grinste dabei, sich ein stilles Wasser einschenkend.

Plötzlich klingelte es an der Wohnungstür, lang und anhaltend, die beiden schauten sich ein wenig ratlos an, bevor Freddy die Initiative ergriff und vorsichtig die Tür öffnete. Im selben Moment kam ihnen Chantal entgegen, begleitet von einem Fernsehteam, lautes Gelächter verdeutlichte, daß gleich mehrere im Flur standen, die allesamt Mikes Wohnung betraten.

„Hallo ihr beiden, schön euch hier anzutreffen, obwohl wir das ebenso wußten“, begann Chantal, wobei der Kameramann gelassen die Begrüßungsszene aufnahm, das Mikrophon über den Dreien in korrektem Abstand schwebte. Mike grinste unsicher in die Linse, während Freddy es sich nicht nehmen ließ, Chantal übertrieben herzlich zu umarmen. Etwas verlegen schaute ein Mittsechziger in die Runde, wies das Team an, einfach alle Geräte abzuschalten.

„Meine Herren, hiermit endet das Experiment, wie sie wohl selbst vielleicht jetzt erkannt haben. Ihre schnelle Bereitschaft mit der vermeintlichen CIA zu kooperieren, zeigt nur zu deutlich, wie blauäugig selbst Menschen in Ihren Berufen über diesen US-Dienst denken, ohne im geringsten zu erahnen, auf was Sie sich dabei eigentlich einlassen. Geheimdienste schnüffeln nicht nur einfach so für ihren Staat herum, wie das gerade in der Welt der Bücher oder des Fernsehens vermittelt wird, sondern leisten ein bösartig zielgerichtetes Vorhaben, bei dem stets der Auftraggeber niemals sämtliche Karten auf den Tisch legt. Der Dienst selbst wird ganz bewußt im Unklaren gelassen, wobei gleichzeitig eine sehr harte Hierarchie herrscht und jedwede Fehlleistung unter Umständen zum Tode führen kann, nicht zufällig, sondern per Befehl und ziemlich sauber. Hinterher halten selbst offizielle Polizeibehörden die Füße still“, schilderte ihnen der Regisseur.

Chantal pflichtete ihm bei, empfahl sich den beiden erstaunten Freunden noch, reichte ihnen dennoch ihre Visitenkarte, als Sekunden später das Team auch schon wieder die Wohnung verließ.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Verwandelnde Nacht

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Es wälzt sich die Nacht
mitten durch den Schacht,
stöhnende Verzweiflung
formt zerrende Wahrnehmung.

In Fetzen gerissen die Zeitwand,
Löwen kraulen zu einem Inselstrand,
scharren Felsbrocken vor Staffeleien,
muß das sein, alberne Spielereien.

Die Steine sind Zitronen, bitter,
treffen mein Antlitz wie Splitter,
modellieren meine Gesichtshaut.
Ich bin Löwin, der Morgen des Alters graut.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 2

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„Gut kombiniert, Mike. So ist es. Aber wir wollen die Auftraggeber ab jetzt nie wieder einfach so aussprechen, Ihr müßt nämlich wissen, daß in öffentlichen, unabgeschirmten Räumen niemand etwas verborgen bleibt, sie können einfach alles abhören. Unser Gespräch hier ist schon ausreichend genug, dient ja nur der unverbindlichen Kontaktaufnahme. Daß die Gegenseite Euch jetzt schon bereits kennt, insofern Ihr sie ständig am Bein haben werdet, soll egal sein. Wir wissen sie bestimmt in die Irre leiten zu können“, erwiderte sie und lächelte ihnen zu.

Im Gegensatz zu Mike war Freddy Journalist, arbeitete beim Tagesspiegel, hatte somit Zugang zu etlichen Infos, die meistens nur dem systemtreuen O-Ton einer US-amerikanischen Linie dienten. Die wenigen Ungereimtheiten behielt er viel lieber für sich, auch, daß er inzwischen längst mit manch wirklich freien Medien liebäugelte. Es war nicht leicht in diesen Zeiten eines neu aufgeflammten kalten Krieges, zwischen den USA und Russland den Überblick zu behalten, besonders wenn man einseitig eingespannt war. Und jetzt dieses zweideutige Angebot! Irgendwie stieß ihm das sehr unwohl auf.

„Du kannst dir natürlich vorstellen, daß wir Euer Angebot erst mal verdauen müssen, ein wenig Bedenkzeit benötigen, oder?“, ließ Freddy folglich verlauten und schaute seinem Freund fest in die Augen. Mike hatte den Blick sofortigst begriffen und reagierte sehr diplo-matisch.

„Was Freddy damit sagen möchte, wir fühlen uns natürlich geehrt, Euch helfen zu dürfen. Aber es kommt halt sehr überraschend. Ich selbst habe Familie, Frau und zwei Kinder, Freddy hat sich ganz neu verliebt, da bedarf es gründlicher Vorbereitung etc.“, betonte Mike.

Chantal schaute von einem zum anderen, band ihre braunen, langen Haare hinten zu einem Pferdeschwanz zusammen und stülpte ein Gummi über. Das stand ihr ganz gut, ließ sie ein wenig frischer aussehen, ihr Gesicht kam viel besser zur Geltung.

„Klar doch, keine Sorge, das gehört dazu, die Überlegung. Dafür haben wir natürlich größtes Verständnis. Wir geben Euch 24 Stunden Bedenkzeit, das muß reichen. Schließlich sind wir ohnehin sicher, daß Ihr zustimmen werdet“, betonte sie und erhob sich, steckte der vorbeigehenden Kellnerin einen Geldschein zu, der vollkommen ausreichte für alle Getränke und war ziemlich schnell verschwunden. Mike und Freddy schauten ihr mit offenem Mund hinterher.

Im Auftrag einer unberechenbaren Macht

Erst jetzt bemerkten die beiden, daß einige Gäste des Cafés wohl auf sie aufmerksam geworden waren, zumindest entstand das typische Getuschel, teilweise hinter vorgehaltener Hand oder gesenktem, weggedrehten Kopf. Doch besonders Freddy ließ sich nichts anmerken, grinste erst recht provozierend in die Runde, nickte Mike auffordernd zu, ihm einfach zu folgen, was dieser mit einer kleinen Tanzeinlage gerne tat.

Ein 11-jähriges Mädchen am Nebentisch kicherte daraufhin, während ihre Mutter sie abstrafend scharf zischelnd zurechtwies. Das bekamen sie allerdings nicht mehr mit, da sie längst die Lietzenburger Straße aufgeregt entlangschlenderten. So bemerkten sie nicht, daß ihnen ein unauffälliger, dunkelblauer Golf folgte.

„Sag mal, Mike, du weißt schon, was diese Chantal da mit uns vorhat, oder?“, bemerkte Freddy und schaute kurz auf seine Armbanduhr. Mike widerfuhr es zugleich, daß er nicht so blauäugig sei und erst recht als Familienvater erheblich jetzt zögere. Andererseits könne er sich gut vorstellen, inwieweit seine Informatikkenntnisse gefragt seien.

„Und wie lange sollen wir abwarten, bis gegen Ende der Bedenkzeit?“, hakte Freddy daraufhin nach. Mike war zunächst mal in Gedanken vertieft, überlegte das Für und Wider, hatte dabei kein gutes Gefühl.

„Jetzt obliegt es gerade dir, deine Kontakte vorsichtig anzuzapfen, wer wohl dahinter stecken möge, oder? Ich weiß, daß ihr Journalisten etliche Quellen habt!“, betonte Mike eindringlich, was Freddy per Kopfnicken bestätigte.

Im selben Moment vernahmen die beiden Freunde heftiges Reifenquitschen bei gleichzeitigem Hupen, ein dunkelblauer Golf fuhr laut aufheulend weiter, während das andere Fahrzeug um ein Haar die parkenden Autos gerammt hätte und vorsichtig wieder seine Fahrt fortsetzte. Freddy schaute dem Golf hinterher, notierte sich auf seinem Handy das Kfz-Kennzeichen.

„Okay, an Zufall will ich so gar nicht glauben“, sagte er zu Mike, „mal schauen, was die Jungs vom Revier mir mitteilen, dürfte nur wenige Augenblicke dauern, dann wissen wir, was es mit diesem Golf auf sich hat.“ Mikes Stirnrunzeln verriet ihm, daß dieser in Sorge sich befand. ‚Schön und gut, sie hat uns gezielt angesprochen, kennt uns daher ohnehin bestimmt relativ gut‘, überlegte der Informatiker. Seine Unsicherheit ließ sich nicht mehr verbergen, zumal Angstschweißperlen auf seiner Stirn langsam nach unten an den Wangen herabliefen. Freddy registrierte dies, ignorierte zugleich die Bedenken seines Freundes.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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