Leere Hände, um neu zu schöpfen

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Sand rinnt durch die Finger,
Körnchen für Körnchen,
das Gewicht wird geringer.

Wenn er mein Kummer wär,
der rieselnde Sand,
mein Herz wär weniger schwer.

Hände geformt zur Tasse,
Tränenkelch der Trauer,
Tropfen für Tropfen ich durchlasse.

Kummer belastete mit Leid
meine geöffneten Hände,
er fließt durch, bin jetzt bereit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Chantal läßt sich nicht zweimal bitten – Teil 1

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Nur ein fragwürdiges Angebot?

„Brandheiß, das muß ich ebenso haben, wow, welch geile Ware, allein schon die technischen Möglichkeiten, einfach fett, sach ick’ dir, Alter.“ – Mit solch ähnlichen Worten begrüßten sich zwei Kumpels am Bahnhof Zoo, schlenderten langsam Richtung Innenstadt, zumindest nach den Maßstäben des alten West-Berlins, heute ist ja Berlin-Mitte das Zentrum der Metropole an der Spree.

Doch was interessieren vergangene Zeiten, als noch die Mauer stand, die olle U-Bahn-Linie 6 von Tegel über die drei Geisterbahnhöfe und Friedrichstraße bis hin zum Endbahnhof Alt-Mariendorf führte, hinterm Alex die Spuren des Zweiten Weltkriegs an mancher Hausfassade noch zu sehen waren, als ob dieser just geschehen? Ne ne, laß man, dat is Schnee von jestern, heute zählt, daß du schnieke bist, bloß deine Pferdchen am Laufen hast, schließlich ist in Hartz-IV-Zeiten nicht damit zu spaßen.

Überall Kontrolle, soweit das Auge reicht. Andererseits, wer nichts zu verbergen hat, sollte och nüscht befürchten, oder? Denkste! Allein dieses unter Generalverdacht stehen, kann bei dem ein oder anderen eine gewisse Paranoia hervorrufen, erst recht bei Suchtmenschen. Das treibt jene geradewegs in immer neuere Flucht vor der grauen, kalten Realität. Versteht sich von selbst, daß dabei eine schier unendliche Vielfalt an krimineller Energie sich tummelt. Aber was soll’s, genau so will sie es haben, diese janze politische Mischpoke, wie einst Tucholsky oder Zille sie nannte.

Zurück zu den beiden Kumpels Freddy und Mike. Angekommen in irgendeinem Café in der Lietzenburger Straße, keineswegs in der Absicht, ein Edel-Bordell um die Ecke aufzusuchen, sondern einfach ungestört zu plaudern, sollte es nicht lange dauern, bis sie jäh unterbrochen wurden. Eine reife Frau mit Sonnenbrille setzte sich unaufgefordert zu ihnen, winkte der Kellnerin und bestellte sich einen Café au Lait. Kaum rührte sie bedächtig mit einem langstieligen Löffel, schlüfte genüßlich den ersten Schluck, fand Mike zuerst den Mut, sie anzusprechen.

„Welch entzückende Gesellschaft sich zu uns gesetzt hat, Gnädigste. Mit wem haben wir hier das Vergnügen?“, fragte er und steckte sich ein wenig umständlich eine Zigarette an.

„Meine Herren, wie Sie sich vielleicht denken können, setze ich mich bestimmt nicht zufällig zu Ihnen, so interessant und vor allem wichtig sind Sie mir mitnichten“, erwiderte die langhaarige Brünette, „nennen Sie mich einfach Chantal, das soll reichen. Und bevor Sie mich unterbrechen, nein, ich habe keine sexuellen Absichten oder gar Wünsche.“

Das saß, die beiden schauten sich ein wenig ratlos an, und sie fuhr mit fester Stimme fort.

„Aufgrund Ihrer Freundschaft und vor allem Ihrer be-ruflichen Erfahrung kommen wir auf Sie zu, nutzen einfach mal die Gelegenheit, um ein wenig mit Ihnen zu plaudern, ob Sie überhaupt ein Interesse haben könnten, mit uns ins Geschäft zu kommen.“

Diesmal war es Freddy, der als erster nach rascher Überlegung geistesgegenwärtig reagierte.

„Das setzt ja voraus, daß Sie, wer auch immer sich hinter Ihnen verbergen mag, und Ihre Leute uns im Vorfeld einige Zeit beobachtet und ausgekundschaftet haben müssen, oder? Und falls ja, dann sicherlich nicht zufällig, sondern ziemlich zweckdienlich, stimmt’s?“

Mike überraschte das gezielte Vorgehen seines Freundes nicht im geringsten, war dies doch seine Art, paßte nur zu gut zu ihm. Er selbst hingegen, zog es meist vor, ein wenig abzuwarten, sich zurückzulehnen, zu beobachten, zu reflektieren, zumindest wenn genug zeitliche Gelegenheit sich ihm bot.

Eine verhängnisvolle Entscheidung

Ziemlich schnell schlich sich bei Mike der Verdacht ein, daß Chantal gründliche Recherche betrieben haben mußte, von Zufall konnte daher keineswegs die Rede sein. Der 38-jährige Informatiker hoffte, sein alter Freund würde ebenso ihr Ansinnen erkennen, stieß kurz unterm Tisch an Freddys Schienbein, der sich glücklicherweise nichts anmerken ließ, lediglich kurz zusammenzuckte.

„Oh ja, wir arbeiten stets sehr gründlich, Herr Schrill. Oder darf ich Sie einfach duzen, dies erleichtert erheblich, trägt zu einem vertrauensvolleren Umgang bei?“, antwortete Chantal, beugte sich ein wenig vor und schaute auffordernd in dessen grüne Augen, ohne auf seine Zustimmung zu warten und fuhr fort, „dann hätten wir dies ja geklärt, lieber Freddy. Wie ich schon erwähnte, haben wir Euch beide nicht zufällig auserwählt, uns behilflich zu sein.“

Jetzt erst reagierte Mike, nachdem er sicher sein konnte, sein Freund würde den Tritt ans Schienbein verstehen.

„Okay, alles klar, wir haben verstanden, Chantal. Ich nehme an, Ihr arbeitet mit der CIA zusammen bzw. der NSA, oder? Und jetzt wollt Ihr die Gelegenheit nutzen, uns für Euch zu rekrutieren, schließlich haben wir ja genug Vertrauen im gesamten Osten über die Jahre erwirken können, vor allem beruflicherseits, stimmt’s?“

Chantal stieß einen leisen, kurzen Pfiff aus, der die Freunde erstaunen ließ, paßte dieser doch kaum zu ihrer äußeren, eher vornehmen Erscheinung. Chantal grinste ziemlich breit daraufhin, winkte die Kellnerin zu sich, um einen zweiten Café au Lait zu bestellen, Mike und Freddy gönnten sich ihren zweiten Cappuccino.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Der Tag

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Der Tag kam an,
als das Sauerkraut
angebrannt.

Kein Anruf,
kein Brief,
kein Klopfen.

Im Baumhaus
rieseln
Wassertropfen.

Niemand
ist der Nacht
hinterhergerannt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Neofaschismus längst auf dem Vormarsch

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Matteo Salvinis Weg stößt neue Türen auf

Stell dir mal vor, das alte Rom, das europäische Land mit den meisten Regierungswechseln in jüngster Zeit, Italien findet zurück zum Neofaschismus, und das Volk schaut einfach paralysiert zu, gefangen in seiner Ohnmacht, scheinbar abhängig auf Gedeih und Verderb. Zum Haare raufen und doch keineswegs als hysterische Angstmacherei zu werten, vielmehr traurige Realität.

Italiens Innenminister Salvini verbannt Flüchtlinge aus Riace, nach der Festnahme des Bürgermeisters Domenico Lucano, dessen Dorf Riace als Beispiel für gelungene Integration gilt, sollen die Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht werden. Die rechte Regierung zeigt damit Italien, Europa und der Welt, inwieweit ihre politische Botschaft verstanden werden soll, ein Zurück in den Neofaschismus, demokratisch verbriefte Menschenrechte werden mit Füßen getreten!

Autokratische Staatsformen entwickeln sich vor aller Augen

In Europa, wer mal einen Blick auf die Karte wirft, besonders auf die politische Landschaft, europäischer Rechtsruck ignoriert ziemlich gezielt vergangenes Leid. Das Fatale daran, die Bevölkerung scheint sich erneut einlullen zu lassen, wählt Bündnisse, die alles andere als deren Wohl im Auge haben, sondern eher eigenen Reichtum anhäufen, jedwede soziale Errungenschaften knallhart abbauen, wer mal gen Österreich schaut, sollte es deutlich erkennen.

Da kommt dem stellvertretenden Ministerpräsident und Innenminister Matteo Salvini, Mitglied der rechtspopulistischen Partei Lega Nord, die Verhaftung des Bürgermeisters Domenico Lucano als gezielter Schachzug im Vorfeld mit der fadenscheinigen Begründung, dieser begünstige Flüchtlinge mittels Scheinehen, gerade zurecht, unterstreicht seine menschenverachtende Haltung, die Frankreichs Präsident beim Geschachere mit den Aquarius-Flüchtlingen noch als Zynismus und Verantwortungslosigkeit bezeichnet hatte.

Die unübersehbare Kungelei zwischen Victor Orbán, Sebastian Kurz, Matteo Salvini und manch andere Figuren mit autokratischen Geisteshaltungen, denken wir auch an Wladimir Putin, verdeutlicht deren Beweggründe erst recht hinsichtlich einer erklärten Absicht, in Wirklichkeit Europa zerschlagen zu wollen, um den Nationalismus wieder hochzuhalten.

Nie wieder Faschismus!

Kann nur die deutliche Ansage sein, wobei gerade der Raubtierkapitalismus als Hauptbegünstigter des Faschismus eben nicht einfach ignoriert werden sollte. Verpaßt man dies, werden die Salvinis, Orbáns etc. den Neofaschismus anstreben, dessen Weg ebnen.

Wohin die Gleichgültigkeit führt, sieht man jüngst auch in Brasilien, wo der ursprüngliche Außenseiter Jair Bolsonaro sich an die Spitze des südamerikanischen Landes bald wähnt, Erinnerungen an das Militärregime flackern erneut auf, das Ende der Demokratie und des Rechtsstaates. Es gilt daher, Salvinis Türen vehement mit Nachdruck zu schließen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Sanftes Grauen

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„Iris, könnten wir vielleicht eine kleine Pause einlegen, immerhin geistern wir hier bereits mindestens eine Stunde durch Dickicht, das wäre doch gar nicht schlecht, könntest du doch ganz in Ruhe überdenken, ob wir in der Nähe des Platzes sind.“

In seiner Stimme war ein leichtes Keuchen zu hören, bei Arash kein Wunder, ist er eher der Lazy- Bones-Typ, der lieber seine Zeit im Sitzen oder Stehen verbringt, als sich durchs Unterholz zu schleichen, um den sagenumworbenen Weiher zu finden, den Iris irgendwann vor fünfzehn Jahren, oder war sie bereits sechszehn, na, jedenfalls für sie der Ort, der wie keiner es vermag, ein sanftes Gruseln zu vermitteln, das sie unbedingt, weil ihr die Sprache nicht ausreicht, dieses prickelnde Schaudern nur annähernd so zu beschreiben, Arash endlich zeigen will und vor allen Dingen ihn dazu verleiten, dies wohliges Grauen nachzuempfinden.

In ihrer Kennenlernphase, sind es tatsächlich schon drei Jahre, hat er schallend gelacht, später ein gönnerisches Grinsen ihr zugestanden, und jetzt hat er ein Schmunzeln auf den Lippen, und das ärgert sie. Um diese Verärgerung nicht stets als Anlaß zu spüren zu bekommen, die in andere Meinungsverschiedenheiten münden und er es leidlich satt hat, von ihr als Gefühlsbanause tituliert zu werden, hat er ihr den Vorschlag gemacht, wenn sie sich noch an den Platz erinnern könnte, der ihr so einen tiefen Eindruck hinterlassen hat, um ihn immer wieder anzupreisen, dann sei er bereit, mit ihr dort hinzufahren.

„Also, die Jenny, die hat in Bleichstett gewohnt, der Timo kam aus Unterbach, und wir sind vom Campingplatz zuerst in Richtung Weilerstadt gefahren, um die Jori und den Konny abzuholen, ab da ging es nur noch über Feld- und Waldwege zum Weiher. Privatbesitz hat Jori gesagt, sei er, und wir müßten leise sein, weil der Besitzer manchmal des nachts hier rumspazieren würde. Weilerstadt liegt da, Unterbach da, und so falsch können wir nicht gegangen sein. Die Wiese am Waldrand kommt mir bekannt vor. Timo ist zwar mit dem Auto hier langgefahren ohne Scheinwerfer, weil, es war Vollmond, und er ist hier aufgewachsen“, mit weit ausholenden Armbewegungen zeigte sie die verschiedenen Richtungen an, wobei sie die Stimme immer etwas erhob, wenn sie sich ihres Orientierungs- und Erinnerungsvermögens sicher war.

„Ich bin ganz sicher, wenn wir diesen Waldweg, schau doch mal her, anstatt dich im Kreis zu drehen, gehen, dann müßten wir direkt zum Weiher kommen.“

„Hast du eigentlich bemerkt, daß es in spätestens in einer halben Stunde dunkeln wird, und in diesem Waldstück scheint bereits die völlige Dunkelheit zu herrschen Vielleicht wäre es besser, in dieses Dorf, wie hieß es nochmal, da wo dieser Timo herkam, nach ihm zu fragen. Irgendjemand wird doch wohl diesen Timo kennen. Und dann fragen wir ihn, ob er uns nicht den Weg zeigen kann, wär das nicht eine super Idee, du siehst ihn nach so vielen Jahren wieder.“ Arash war anzumerken, es widerstrebte ihm total, durch die dunklen Fichten ihren Trip fortzusetzen.

„Ach ja. Ich klingel so in der Gegend herum, frag nach Timo. Timo wer? Vielleicht hieß er gar nicht Timo, sondern Thomas, Torsten oder wie auch immer. Schon vergessen, Spitznamen, die kannten mich zudem auch nur unter Ira. Und selbst wenn jemand wüßte, wer gemeint ist mit Timo, möglicherweise ist er verheiratet, weggezogen, kann sich an mich nicht erinnern. Mensch, wir waren Jugendliche, haben uns nur eine Woche lang gekannt. Eine Woche Camping, ich bin mit denen nur vier Tage lang rumgehangen. Und Nächte. Schau mich nicht so an, laß uns weitergehen, oder hast du Muffensausen, alleine im Wald. Dunkel, dunkel. So dunkel kann es heute nicht werden, Vollmond, schon vergessen“, ihre Arme fuchtelten nun vor seinem Gesicht herum und obwohl sie ohne Atem holen zu müssen redete, schien in ihren Lungen noch genügend Luft vorhanden zu sein, um mit Leichtigkeit einen Hundertmeterlauf hinlegen zu können.

„Ira?“

„Auf dem Gymnasium gab es in meiner Klasse noch eine Iris. Allerweltname, halt. Also wurde ich eine Zeitlang Ira, was dagegen?“, sie sah in herausfordernd an und er ahnte, noch ein falsches Wort und ihr würden tausende Ideen einfallen, um mit ihm in eine lebhafte Diskussion zu verfallen, die in einem handfesten Streit enden könnte.

„Dann laß uns mal durch diesen Waldtunnel gehen, wenn wir jetzt so kurz vor dem Ziel sind, hast ja Recht, warum sollten wir zurück, uns die Mühe machen, uns im Dorf durchzufragen, vielleicht kriegen wir sogar Ärger, sollten die herausfinden, wir wollen zu dem Weiher“, zwar klang es ein bißchen nach Verzeihung, aber Arash nahm eine Schmuseeinheit lieber in Kauf, als eine Konfrontation. Iris lächelte ihr Erfolgsgrinsen, umarmte ihn inniger, als ihr zumute war, was zur Folge hatte, sie knutschten sich wild und ausgezehrt, so als ob ihr Sexualleben wochenlang nicht existiert hätte.

„Weißt du, der Weiher ist mitten zwischen Bäumen, der Mond erhellte das trübe Wasser so stark, daß er durchsichtig wirkte, nachdem die Sonne untergegangen war, tausende Libellen flogen herum, ihre Körper spiegelten sich im Wasser, Frösche und Fische spritzen kleine Wasserfontänen in die Luft, die war wie geladen von Millionen von Lichtpunkten, krisselig war das Licht wie im Nebel, die Geräusche wie hinter einer isolierten, gedämmten Wand, ich hatte das Gefühl zu schweben, wenn ich in den Nachthimmel schaute, kam es mir vor, als ob ich mich auflöste und von ihm umschlossen werde. Es war schwül warm und dennoch spürte ich eine zarte Kälte in meinem ganzen Körper. Oh, Arash, es war grausig schön!“, flüsterte Iris, eng an Arash geschmiegt. Arash drehte seinen nackten Körper auf den Rücken, ohne sich aus der Umarmung zu lösen, schaute in den gedunkelten Himmel und seufzte: „Ja, jetzt kann ich das total nachempfinden.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Landtagswahl Bayern 2018: Solideste Koalition unwahrscheinlich

Mehrheitsverlust der CSU offensichtlich kein Beinbruch

Nach der 18. Landtagswahl in Bayern folgt ziemlich schnell der politische Alltag, was interessiert einen Markus Söder ein Stimmenverlust von 10,5%, Hauptsache dessen Sessel als Ministerpräsident bleibt ungefährdet, Ziel erreicht, jetzt gilt es, eine regierbare Koalition zu schmieden.

Mit dem vorläufigen Endergebnis der gestrigen Landtagswahl in Bayern scheidet eine Regierungskoalition ohne die CSU aus, kommen sechs andere in Frage, wobei zwar eine Jamaika-Koalition unter CSU, Grüne und FDP mit 134 Sitzen im Landtag die solideste wäre, aber doch eher die unwahrscheinlichste. Söder hatte schon vor der Wahl ein Regieren mit den Grünen negiert, die FDP gerade mal mit 5,1% wieder im Plenum stimmt ihnen gleichwohl nicht zu.

Rechnerische Sieger unbedeutend, die Grünen größte Oppositionspartei

Mit ein wenig Kalkül sowie sicherem Terrain wird Markus Söder sich von den verbleibenden fünf anderen Koalitionsoptionen daher für die Freien Wähler als auch die FDP als bester Faktor für Stabilität entscheiden. Er reicht zwar ein Bündnis mit den Freien Wählern mit insgesamt 112 Sitzen, die Mehrheit ist mit 103 Sitzen gegeben, aber die 11 Sitze der Liberalen wären vorteilhafter.

Da hockt sie bald nun im 15. Landtag, jene AfD, der rechnerische Sieger der 18. Landstagswahl, weil sie 2013 eben erst gar nicht angetreten war. In sofern sollte man die Grünen als den eigentlichen Sieger berachten mit einem Stimmengewinn von 8,9%. Dennoch dürfte sie sich als größte Oppositionspartei positionieren, nachdem feststeht, daß die CSU weiterregieren darf. Die unsolideste Koalition mit der SPD, dem großen Wahlverlierer, sie büßte 10,9% Wählerstimmen ein, wäre für die CSU keine günstige Ausgangslage mit lediglich 107 Sitzen im Landtag. Eine Partei fehlt weiterhin in Bayern, Die Linke. Sie konnte zwar ein Plus von 1,1% der Stimmen verbuchen, aber 3,2% sind halt eindeutig zu wenig.

Immer dieses „Merkel muß weg“ nervt erheblich

Was einer Phantasielosigkeit, Effekthascherei und einem Parolengebrülle viel eher nützt, wie dies jene AfD zusammen mit der gesamten Neuen Rechten anschaulich zu Gesichte steht, sie gerade deshalb sich als regierungsunfähig entlarvt, weil deren Anhänger keinesfalls aufwachen aus trögen Haßtiraden. Das Hochhalten „gefährlicher Flüchtlingsmassen“ bestimmt mitnichten die politischen Belange in der Republik.

Daß die Große Koalition mit Frau Merkel an der Spitze keine gute Regierungsarbeitet abliefert, kann kaum bestritten werden, auch ihr Nacheifern, die Kohl-Ära doch noch zu toppen, aber mit „Merkel muß weg“ wird es nicht getan sein, ein potentieller Nachfolger, was wiederum einer aus der CDU sein wird, würde jenen Murks schlichtweg fortsetzen. So what?!

Die Rufe werden schon nach der Hessenwahl lauter erklingen, weil dort ebenso die beiden Volksparteien mit Stimmenverlusten rechnen müssen laut Wahlprognosen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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#Unteilbar demonstriert in großer Schar ohne Sahra – schon klar!

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Die ewiglich trögen Verlautbarungen von manch finsteren Gesellen, sie seien das Volk, wurden endlich gestern eines Besseren belehrt, als von angekündigt 40.000 Demonstranten nahezu sechs mal soviel in Berlin bei #Unteilbar gegen rechts sich zeigten. Zugleich waren dennoch die Fronten erhärtet, Sahra Wagenknecht fehlte ganz bewußt, die Berliner CDU unterstrich ihre konservative Nähe zum Rechtspopulismus, statt mehr Farbe zu bekennen.

„Herbst der Solidarität“ eine folgerichtige Antwort nach den Chemnitzer Ausschreitungen vor gut sieben Wochen zum Ende des Sommers, der gestern im Oktober nochmal sein Comeback offenbarte, des abends Herbert Grönemeyer und Konstantin Wecker solidarisch für Stimmung sorgten. Sahra Wagenknechts Aufstehen scheint da manches in den falschen Hals bekommen zu haben, es fragt sich obendrein, ob sie noch das Sagen hat, immer isolierter sich selbst ins Aus manövriert.

Daß auch innerhalb der Linken unterschiedliche Meinungen vertreten sind, gehört schon zum Wesen jeder demokratischen Partei, bei den anderen verhält sich dies nicht anders. Aber der entscheidende Bruch stellt eine Zerreißprobe dar, die jener Partei eben gar nicht bekommt. Da wäre Geschlossenheit gerade jetzt äußerst notwendig, wo doch europaweit die Neue Rechte Aufwind erhält.

An kreativen Ideen soll es keineswegs scheitern, wie jüngst der Satiriker Martin Sonneborn verkleidet als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg bewies, als er auf der Frankfurter Buchmesse zur Lesung des AfD-Politikers Björn Höcke erschien, allerdings ihm dann der Einlaß verboten wurde. Der Security mißfiel wohl meine Aktentasche, verkündete verschmitzt der Satiriker. Wenn schon die Gaulands und Höckes sich Passagen ehemaliger Nazis bedienen, sollte es schon gleich gar recht und billig sein, couragierte Widerstandskämpfer aufleben zu lassen!

Erinnern wir uns an die Aktion des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS) vor knapp einem Jahr, welches dem rechstradikalen Politiker Björn Höcke einen Denkzettel per nachgebauten Holocaust-Denkmal vor eigener Haustür verpaßte nach dessen Formulierung in seiner Rede, „unser Volk sei das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt habe.“

Jede Demokratie kann nur funktionieren, wenn weite Teile des Volkes sie unterstützt, sich eben diese nicht einschüchtern lassen. Das unterstrichen gestern in Berlin die Demonstranten, vielleicht färben jene Eindrücke auch auf die heutige Wahl in Bayern ab und statt eines Markus Söder nimmt am Ende ein grüner Ministerpräsident Ludwig Hartmann Platz, um die Geschicke des Landes zu lenken, die Neue Rechte dorthin zu verweisen, wo sie hingehört: in die Vergangenheit besonders deutscher Geschichte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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