Immerzu

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„Kann ich Ihnen helfen?“ Das hat mir gerade noch gefehlt. Hilfe. Ich brauche keine Hilfe. Komme alleine klar. Der geht es nur drum, mir etwas anzudrehen. Etwas, was sich schlecht verkaufen läßt. Irgend so ein Ladenhüter. Das steht Ihnen ausgezeichnet. Die Farbe umschmeichelt Ihren Teint. Das trägt man in dieser Saison. Nein, der Ausschnitt ist nicht zu sexy. Sie können das ohne weiteres tragen. Sprüche, alles Sprüche. Keine Aussagen. Alles unverbindlich. Aber bitte. Ich kann nachsehen, ob dieses Teil eventuell in einer anderen Größe vorrätig ist. Kein Wort über die Größe. Sie wird nie sagen, in einer größeren Größe. Beschämend wäre das. Ich komme alleine bestens klar. Hilfe. Nein, danke. Bianka sah zu der Verkäuferin auf, ohne ihre Hände vom Ständer, an dem die Kleider mit Blumenmuster hingen, wegzunehmen.

„Geben Sie mir zehn Minuten. Das dürfte reichen, um mir zu überlegen, wie ich Ihre Hilfsbereitschaft einsetzen kann. So schnell fällt mir beim besten Willen nichts ein. Sind Sie denn zeitlich ungebunden? Ich meine, könnten Sie auch in den Abendstunden? Mein Rudolpho ist inzwischen ein bißchen senil geworden, er vergißt tatsächlich zu pinkeln, wenn wir nach dem Abendessen unsere gewohnte Runde drehen. Da kann es schon vorkommen, er muß dringend, und ich lieg’ schon im Bett. Ach, manchmal nimmt er reißaus. Dann kann ich bis zu Braunbergs laufen, wissen Sie, die jungen Braunbergs, die haben neu gebaut, neben ihren Eltern, jetzt haben sie seit ein paar Wochen eine Hündin. So ein herziges Wesen. Rudolpho kann auf seine alten Tage nicht widerstehen, ihr die Aufwartung zu machen. Das wäre wirklich hilfreich, wenn Sie ihn dort abholen könnten. Aber ich überlege noch, schließlich soll Ihre Hilfe effektiv sein. Verstehen Sie? Sie können solange neben mir stehenbleiben, nur mischen Sie sich nicht ein, während ich ein wenig nach einem passenden Kleid mich umsehe. Das hilft mir beim Denken.“

Bianka Mosler war, das fühlte sie, in ihrem Element. Keine Sekunde hörte sie auf, ein Kleid nach dem anderen vom Ständer zu nehmen, es zu begutachten, es an ihren Körper zu halten, die ein oder andere Falte glattzustreichen, sich vor den großen Spiegel, der in der Nähe stand, zu stellen und mit großer Umsicht darauf zu achten, das Kleid an einen anderen Platz zurückzuhängen. Warten Sie bitte einen Moment, alle Verkäuferinnen sind zurzeit in Bedienung. Und man mußte sich die Beine abstehen, warten, nichts anfassen, bloß nicht, bis eine der Damen oder ein Herr, ja Herr, wie der Herr Ober, so kamen sie sich vor, geschniegelt und gebürstet wie ein Pferd beim Fronleichnamszug, bis sie frei wurden, dich bedrängten, nachdem sie, Sie wünschen, gefragt hatten, zügig über die Ware zu sehen, und wenn man nicht mit klaren Vorstellungen in ihre Fänge geriet, ging man mit Schuhen, die nie passen wollten, einem Kleid, an dessen Farbe man sich erst nach vielen Wochen des Tragens gewöhnte, zurück in die Hilflosigkeit der eigenen Wunschvorstellungen.

So jedenfalls hatte Bianka die ersten Einkäufe an der Hand der Mutter erlebt. Nirgends war man vor diesen freundlichen, ehrerbietenden, aufsässigen, umschmeichelnden Helfern verschont, nicht mal im kleinen Laden an der Ecke. Immerzu war man ab dem Betreten eines Geschäftes zur Hilflosigkeit verdammt. Bianka Mosler war aber nie hilflos. Ihre Zierlichkeit brachte ihr schon sehr früh von verschiedenen Seiten Aufmerksamkeiten entgegen, denen sie sich vehement mit Trotz und Jähzorn entzog. Ein schwieriges Kind. Das schwierige Kind wollte keine Hilfe annehmen, das Kind ist bockig. Bianka, gib die Tasche deinem Bruder, sie ist zu schwer für dich, reichte aus, den Bruder zu kratzen, sogar ihn anzuspucken, sobald er nur in etwa Anstalten machte, der Aufforderung der Mutter zu gehorchen. Lieber lief sie krumm und buckelig unter der Last, lieber war sie den Tränen nahe, wenn ihre Kraft zu schwinden schien, als sich einzugestehen, schwächlich oder gar hilflos zu sein. Nie und nimmer. Immer schon war ein Wehren, ein Aufbegehren in ihr, das es ihr unmöglich vorkam, Hilfe anzunehmen.

„Bianka, Bianka halt dich an mir fest.“ Heiner erstickte fast an seinem eigenen Schreien. Sie waren heimlich schwimmen. Im Weiher, dem Brandweiher. Brandweiher heißt er. Schreiheiner bist du. Sie prustete Wasser, zappelte wie ein Fisch an Land, warf ihrem Bruder böse Blicke zu, wenn dich jemand jetzt gehört hat, dann können wir nie mehr hier schwimmen. Zwischen den beiden Geschwistern konnte nie gänzlich geklärt werden, ob Heiners Angst um Bianka gerechtfertigt war. Sie behauptet nämlich bis heute, nie in Gefahr gewesen zu sein, zu ertrinken, sie hätte bloß kurz tauchen wollen. Und hilflos sei sie keinen Moment gewesen. Irgendwo ganz tief im Innern wußte Bianka, ohne das Schreien des Bruders hätte es passieren können, daß sie ihre Kräfte verlassen hätten, es war wohl das Wehren gegen das Schreien, gegen die erkannte Hilflosigkeit, die ihr Stärke verliehen hat, den Rest der Schwimmstrecke zu meistern. Doch das geht Heiner nichts an.

Inzwischen hatte Bianka Mosler ihrer Meinung nach genug Unordnung geschaffen. Das sollte reichen. Schließlich sollte das Fräulein nicht die nächsten Stunden damit verbringen, die Kleider wieder an den richtigen Platz zu hängen, eine halbe Stunde ist genug meiner Hilfe, ihr eine Beschäftigung zu geben. Man soll nie etwas übertreiben.

„Ihr Hilfsangebot ist, wie soll ich sagen, ist heute sehr ungünstig. Sehr ungünstig. Ich vergaß, die Lilian, die Tochter von Braunbergs, also die Enkelin von den Braunbergs, die schon immer in dem Haus wohnten, neben das jetzt die Braunbergs gebaut haben, der Lilian habe ich gestern versprochen, sie darf Rudolpho mittags abholen, weil ich nach so einem Einkaufsbummel nur einen kleinen Spaziergang mit meinem Rudolpho, deshalb, Sie verstehen, kann ich Ihre Hilfe, so gerne ich, aber heute muß ich ablehnen. Vielleicht nächste Woche, wenn…“

Obwohl die Verkäuferin bereits nach den ersten Sätzen das Weite gesucht hat, sie war nicht mehr im Ladenraum zu sehen, sprach und gestikulierte Bianka Mosler weiter. Es interessierte sie nicht, wie viele Augenpaare ihr nachstarrten, bis sie durch die Eingangstür des Ladens verschwand.

„…Sie dann immer noch bereit sind, mir Ihre Hilfe zu überreichen. Nächste Woche hat Rudolpho einen Termin beim Friseur, waschen, schneiden. Da wäre es ausgesprochen hilfreich, wenn Sie ihn begleiten könnten. Ich muß unbedingt einkaufen gehen, ich brauche ein Kleid, ein buntes Kleid, ein freundliches Kleid, ein Kleid, das keine Hilflosigkeit signalisiert, das mich umschmeichelt mit einem Hauch von klaren Vorstellungen, das keine Wünsche offenläßt, das immerzu mich kleidet. Sehr nett von Ihnen, wenn Sie Ihre Klamotten holen gehen. Ich warte dann im Bistro, neben dem Schuhgeschäft.“

Wie nett ich heute wieder bin? Immerzu meine Hilfsbereitschaft zu verteilen, damit andere genügend Gesprächsstoff über Tage haben, das traut man mir nicht zu, wieso eigentlich?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Crystal Meth – alles andere als ein normales Speed

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Von der Partydroge zum Leistungskick

Überall lauern Drogen, um die Menschen abzulenken, ruhig zu stellen, in Laune zu versetzen, die Stimmung anzuheizen, aber auch Dramatisches zu vergessen, sich in eine schöne bunte Welt der Träume und Gelassenheit zu katapultieren.

Was früher der Joint, heutzutage Crystal Meth, obendrein als die am schnellsten zerstörende Droge. Synthetische Drogen qualmen nicht, lassen sich wesentlich leichter verkaufen und herstellen, wer entsprechendes Wissen hat. Crystal Speed, wie das Methylamphetamin ebenso genannt wird, von ursprünglicher Partydroge in den 1990iger Jahren jetzt viel eher ein Mittel zum Leistungskick, wobei die Nachfrage hierzulande steigt.

Wachmacher längst angekommen in allen Gesellschaftsschichten

Daß ganze Drogenkartelle sich keineswegs ihr Geschäft zerstören lassen und alles tun, um es aufrecht zu erhalten, dürfte nichts Neues sein. Weltweit floriert es neben Waffengeschäften und Prostitution auf gleicher Augenhöhe, oftmals miteinander verflochten.

Dazwischen befindet sich der Verbraucher, der Drogenkonsument, der einmal in Abhängigkeit geraten, stets seinen Stoff sich beschaffen wird, um die eigene Sucht zu befriedigen. Ein Teufelskreis, aus dem nur Wenige entkommen, die meisten bleiben auf der Strecke, erkranken kurz- und mittelfristig oder sterben an den Folgen des Konsums.

Crystal Meth, das ohne weiteres wach macht, eine Leistungssteigerung suggeriert, auf diese Weise vielen verhilft, den streßigen Arbeitstag scheinbar besser meistern zu können, verschafft zunächst ein Gefühl unendlicher Glückseligkeit, sodaß sämtliche Gemütszustände wie Trauer, Langeweile, Müdigkeit oder Hunger verschwinden, was ganz ähnlich sich bei anderen Drogen wie Koks so verhält.

Das eigentlich Gefährliche dabei, die synthetische Droge ist wesentlich erschwinglicher, vor allem wer sich kurz nach Tschechien begibt, erhält das Gramm für ein Taschengeld zwischen 10 und 15 Euro, je nach Reinheitsgehalt. Wo es früher in Discokreisen noch florierte, ist der Wachmacher längst angekommen in allen Gesellschaftsschichten und dies trotz vielfach veröffentlichter Schreckensbilder über die schnelle Wirkung dieser Droge auf den menschlichen Organismus.

Rasante Verbreitung ein Indiz gesellschaftlicher Kapitulation

Wir haben vielleicht alle noch den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ in Erinnerung, der nur zu deutlich aufzeigte, was Drogen mit Menschen anstellen, wie beim Schicksal von Christiane F., wobei man meinen sollte, es hätte entsprechende Wirkung hinterlassen. Die Drogenszenen sind geblieben, Menschen lassen sich nicht so einfach beeindrucken, belehren oder gar aufklären.

Während die Möglichkeiten der Drogenbeschaffung zusammen mit immer raffinierteren Drogencocktails weiterhin eher zu- als abnehmen, muß man daher diese rasante Verbreitung als ein Indiz gesellschaftlicher Kapitulation werten. Dürfen wir natürlich keineswegs, denn das würde die mühsame Arbeit sämtlicher Beteiligten zunichte machen, die alles Menschenmögliche unternehmen, um Drogenabhängige wieder in ein normales Leben zurückzuführen: von den ermittelnden Polizisten, den Ärzten, den Schulen, den Familienangehörigen, bis hin zum Freundes- und Bekanntenkreis der Süchtigen.

Mit leicht zwinkerndem Auge mag man vielleicht die Beweggründe zur Verfilmung der US-amerikanischen Fernsehserie „Breaking Bad“ betrachten, die etliche Auszeichnungen für sich verbuchen konnte, sogar einen Eintrag als beliebteste Serie der Welt ins Guiness-Buch der Rekorde 2014 erhalten hat, so könnte man ihr darüber hinaus eine prophylaktische Warnung zugute halten, was alles geschieht beim Vertrieb von Crystal Meth. Daß im Film die Süchtigen nonstop nahezu problemlos die Droge konsumieren, scheinen die Macher eventuell zu sehr unterschätzt zu haben, auch wenn beim Hauptdarsteller in der Figur des Jesse Pinkman deutlich dessen Schwächen als Folge der Sucht dargestellt werden.

Eine dramatische Zunahme von Drogen sollte uns aufzeigen: Die Gesellschaft scheint für genügend Unmut zu sorgen, daß Menschen aus der Realität fliehen wollen. Arbeiten wir alle daran, unsere Welt lebenswerter zu gestalten, damit die Macht der Drogen zumindest geringer wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Großartig!

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Heimatstolz die Triebkraft
Humanismus abgeschafft
Nächstenliebe über Bord geworfen
Egoisten Narzißmus befürworten
Kinder als Druckmittel mißbrauchen
Menschenpfand Seelen aussaufen
mittelalterliche Methoden
ein Hurra auf Despoten
Gehorsam, Treue propagieren
Willige anzuschirren
Liebe zum Eigenen durchsetzen
Frieden mit Haß verpesten

Wer sein vermeintliches Leid
dadurch heilt,
andere zu drangsalieren,
indem sie Liebstes verlieren,
der will nicht gesunden,
es ist ihm eine Freude,
wenn jemand fühlt sich geschunden.

Herzen gebrochen
Seelen zerstochen
Menschen ohne Rückgrat
hervorgekrochen
Gefühle erkaltet

Toleranz, Güte
daß ihr endlich die Klappe haltet

Bösartig!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Berliner Express – angebliche Satire von Neuen Rechten unterwandert

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Contra Magazin Redakteur Marco Meyer alles andere als harmlos

Eine Unterwanderung der Neuen Rechten findet seit Jahren statt, oftmals fallen etliche weiterhin auf sie herein, besonders wenn Unzufriedenheit mit bestehender Politik einhergeht. Wer kennt sie nicht, die Listen „rechtsextremer Plattformen“, auch Querdenkende scheut sich bisherig keinesfalls, jene zu benennen. Denken wir an Kopp, Elsässer und Co., darunter gleichwohl die als Contra Magazin titulierte Online-Plattform, die mit einem Magazin soviel gemein hat wie eine Wüstenmaus mit der Antarktis.

Der kritische Leser möge sich mal die Mühe machen, genauer hinzuschauen, was ihm da präsentiert wird. Mit einem Blick ins Impressum wird beim Contra Magazin Marco Meyer als Chefreadakteur angegeben. Der eigentliche Herausgeber wird verschwiegen, lediglich eine All Inclusive Media Inc. stecke dahinter. Dabei wurde noch vor kurzem bei Psiram der eigentliche Seitenbetreiber, Andreas Keltscha, alias Andre Eric Keller, genannt, der ziemlich eindeutig der Neo-Nazi-Szene zuzuordnen ist.

Mit einem kurzen Blick ins Impressum des Berliner Express wird schnell klar, daß es identisch mit dem Contra Magazin ist. So weit so verwunderlich oder eben doch nicht. Denn wer den Anspruch erhebt, als dritte Satiresäule neben dem „Postillon“ und der österreichen „Die Tagespresse“ anzutreten, wie man unschwer unter dem Menüpunkt „Über uns“ nachlesen kann, der sollte dabei aber unbedingt mit offenem Visier agieren. Da paßt was nicht zusammen mit einer Seychellen-Adresse, auf den Philippinen lebend und im Sinne einer rechtsradikalen Gesinnung schreibend. Unterwanderung von Neuen Rechten als satirische Spielwiese? Genial oder eher größenwahnsinnig?

Was lange währt, wird endlich gut. Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir sollten Propaganda niemals unterschätzen, besonders in Zeiten von Fakenews. Gerade weil die Bezeichnung einer Lügenpresse erneut sich etablieren möchte, es vielerorts gar schafft, gilt erst recht, noch wesentlich genauer zu differenzieren. Erfolge basieren nicht immer aufgrund akribischer Arbeit, oftmals schwingen entsprechende Strategien mit, um die eigene Aufmerksamkeit zu erhalten.

Lassen Sie sich nicht täuschen, auch wenn jeder lesen mag, was ihm gefällt. Manchmal verbergen sich simple Botschaften in den Texten, die auf Dauer die eigene Meinung verändern. Kritische Hinterfragung kann nur funktionieren, wer sich dabei selbst treu bleibt. Schwarz-Weiß-Denken ist ohnehin fehl am Platz. Nur Rechtsextremismus hat weder in der Politik noch in der Medienlandschaft etwas verloren. Solche Verbrechen sollten schon gleich gar nicht hofiert werden!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Medienschelte

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CAfD nimmt schärfere Konturen an

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Wenn Seehofhöcke Bundeskanzler will

Heil Höcke, erschallt es durch bundesdeutschen Straßen in den Köpfen einer sich formierenden Bewegung, die in der CAfD münden möge, der Christlichen Alternative für Deutschland, ein Zusammenschluß ehemals versprengter CSU und der rechtsradikal geprägten AfD. Zusammengezählt ergäbe dies immerhin stolze 21%, weitaus mehr als jene mickrige 18-Prozent-Partei der Sozen mobilisieren kann.

Jetzt wollen sie es aber, nachdem die lästige Angela Merkel überwunden, dem erstaunten Volke zeigen, was sie so alles in petto haben. Grenzen dicht, erscheinen im günstigen Licht, vorneweg der markige Bösewicht, Höcke als ernannter Führer, Seehofer als Vizekanzler und Außenminister. Erste Amtsreise, Humpty-Trumpty den braunen Teppich ausrollen, im Anschluß beim Kaffeekränzchen mit Putin per Handschlag eine europäische Säuberung besiegeln, Homosexuelle weg von der Straße, rin ins Verlies, das tut denen gut, ist so richtig fies, fort mit jener lästigen Brut.

Simpelst eine christlich angehauchte Achse der Willigen ausrufen, das Europa der Vaterländer erneut oberstes Gebot, jene alten Kamellen vergangener Jahrhunderte versprechen Arbeit, Lohn und Brot, weil in höchster Not man sich wieder bekriegen darf. Was viel zu lange währte, hatte doch Bestand, Franzhose schlug den Germanen, der Tommy darf mitschischen – ein jeder verteidigt sein eigenes Vaterland, friedliches Europa ade, Kriege sind wieder schee!

In jenem bösartigen Geflecht entpuppen sich all jene als Heilsverkünder, die ohnehin keinerlei Diskussionskultur pflegten, stattdessen lieber kameradentreudoof in losen Verbindungen sich trafen, um jene links-grünversifften Zecken wenigstens per Degen, Bier, Weiber und Gesang abzustrafen. Was lange im Verborgenen währte, darf nunmehr sich frei entfalten, schalten und walten nach Gutdünken, vorneweg ne Storch, Weidel oder ein Gauland, genau das zeichnet aus das wiederentdeckte Deutschland. Sagen wir’s doch gleich, zurück zum Deutschen Reich.

Der erstaunte Beobachter sich dabei selbst fragen sollte, inwieweit solch schnelle Entwicklung überhandnimmt. Wo sind sie verblieben, die letzten Jahrzehnte einer Befreiung vom Mann als Herrscher in Familie und Betrieb, der Verbannung des Ausländerhassens, losgelöste sexuelle Befreiung, hin zu einer Politik wirklichen Humanismus? Letzteres findet keine Bestätigung, wer die Weltpolitik im Blick. Der ewige Kampf eines friedlichen, vor allem tatsächlich gerechten Zusammenlebens muß als verloren gelten.

Nicht die Systeme an sich versagen, allen voran Demokratien, vielmehr das erneute Zulassen einer rechtsextremen Einstellung, die brutalst möglichen Gehorsam einfordert, ein Zurück hin zur Diktatur, Alleinherrscher spielen sich als Führer auf, die Liste namentlich Aufzuführende nimmt erneut zu, vom Humpty-Trumpty, Kurz, Orbán, Putin, Erdoğan bis zum Jong-un. Hinzu kommt bald ein neues Gespann: Seehofhöcke – darauf haben noch etliche keene Böcke. Eine Mehrheit dabei schweigt, setzt sich das fort, hat sie’s selbst vergeigt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Natürliche Widerstände

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Als Rassisten
an nen Baum pissten,
verlor er sein Laub,
war vor Schreck taub.
Verlor manch gesunden Ast,
ohne Frost oder Schneelast.
Jene alten Wesen
wollten kaum mehr genesen.
Drum hütet die Bäume,
verhindert deren Albträume.
Mögen Naturschützer trotzen,
wenn Neue Rechte protzen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Billiges Obst und Gemüse vernichtet Ökosystem bis hin zum Seepferdchen

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Spanische Salzwasserlagune Mar Menor verseucht

Informationen gelangen nicht immer dorthin, wo sie hingehören, vor allem selbstkritisch sowie faktisch nüchtern. Wer bei Wikipedia Mar Menor in deren Suchmaske eingibt, der erfährt etwas über die geographische Lage als auch über Flora und Fauna. Keine Silbe über die extrem verseuchten Zustände in Europas größtem salzhaltigen Binnengewässer.

Dabei warnt der Verein Rettet den Regenwald vor billigem Gemüse für uns und Gift für Seepferdchen in seiner eindringlichen Petition, prangert völlig zu Recht deutsche Handelsketten an, die für jene desaströsen Umweltbelastungen hauptverantwortlich sind.

Global GAP erweist sich als großangelegte Kundentäuschung

Prinzipiell gelten viele Labels als fragwürdig, je aufgeblähter und per Hochglanzbroschüren umworbener Versprechen und Zusicherungen sie auftreten, zumal in Wirklichkeit Intransparanz vorherrscht, der kritische Verbraucher eben nicht erfährt, was im Verborgenen geschieht. Entsprechende Handelsketten wie Lidl, Aldi, Rewe und Edeka schmücken sich gern mit ihnen, bieten ihren Kunden billiges Obst und Gemüse an, u.a. aus dem spanischen Murcia, wo auch das Mar Menor an der Mittelmeerküste liegt.

Global GAP erfüllt keineswegs seine selbst auferlegten Ziele, sondern leistet mit seinem Zertifikat viel eher eine geschönte Rechtfertigung, täuscht somit die Kunden. Was anscheinend gleichwohl die Handelsketten nicht weiter stört, Hauptsache Profite werden erzielt, das allerdings zu Lasten der Umwelt vor Ort geschieht, viele Meeresbewohner bis hin zum Seepferdchen verrecken regelrecht in vergifteter Algenbrühe der riesigen Lagune.

Können wir neben Petition und Protesten anderweitig Abhilfe schaffen?

Jeder Verbraucher hat real eine weitaus größere Macht, als er sich kurzfristig vorzustellen vermag. Die Lösung bedeutet konsequent nachhaltiges Handeln, was wiederum nur funktioniert, wenn eine entsprechende Mehrheit sich auch daran hält. Letztlich kein billiges Obst und Gemüse aus Spanien mehr kaufen, besser regional angebotene Waren konsumieren, obendrein muß man nicht wirklich ganzjährig Erdbeeren verzehren.

Politik und Wirtschaft reagieren am ehesten, wenn Verbraucher sich weigern, jene zerstörerisch entlarvten Verbrechen an der Umwelt weiterhin mittels eigenem Konsum zu fördern. Beispiele gibt es genug, wo dies funktioniert hat, denken wir an Fair Trade oder die Bio-Branche. Sicher doch, all jenen, die zugleich sämtliche schwarzen Schafe jetzt als Gegenargument aufführen, sei mitgeteilt: Der Weg der konventionellen Landwirtschaft bleibt eine Einbahnstraße! Am Ende ist die Umwelt dauerhaft zerstört, eine zweite oder dritte Erde befindet sich nicht in unserer Nähe, um mal soeben als Menschheit auf sie zurückgreifen zu können.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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