Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns – Teil 1

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Manchmal würde Hraban am liebsten einfach seine grüne Bettdecke über den Kopf ziehen, keine einzigen Fragen, Sorgen und Nöte an sich heranlassen, weil in letzter Zeit sowohl seine Eltern als auch Bert, sein bester Freund, von ihm zuviel abverlangten. Neulich bemerkte doch tatsächlich Papa am Küchentisch, Hraban sollte auf alle Fälle in der Lage sein, selbständig den Müll rauszubringen, ohne daß Mama ihn oft daran erinnere. Und als Sohnemann trotzig die Arme demonstrativ verschränkte, erwidert hatte, er bräuchte nicht eine solche Belehrung, wurde er streng zurechtgewiesen auf sein Zimmer geschickt, er solle sich schlafen legen.

Da lag Hraban nunmehr im Bett, hatte sich über den frechen Blick seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Salia mächtig geärgert, zumal selbst Mama mit Nachdruck Papas Standpauke unterstützte. Na klar, immer auf uns Elfjährige, hatte er noch im Hinausgehen aus der hell erleuchteten Küche schroff ihnen entgegengeschmettert, dabei mit jedem Schritt laut aufgestampft. Aber keiner nahm davon Notiz, im Gegenteil, seine Eltern waren bereits mit Salia sich am Unterhalten, sie erzählte vom Schultag. Das hatte Hraban natürlich erst recht in Rage versetzt, was ihm allerdings nicht weiter verhalf, einer einmal ausgesprochenen Strafe von Papa konnte niemand entgehen.

Der Moment kurz vorm Einschlafen, diese stille Phase, in der wir gerade noch die Außenwelt, wenn auch entfernt hören, die kennt jeder, oder? Man möchte eigentlich lieber schnell einige Gedanken oder tolle Ideen sortieren, jedoch die verstärkte Müdigkeit erzwingt den Schlaf, der bereits auf uns wartet. Hraban zögerte ihn eine Weile erfolgreich heraus, aber die Natur obsiegte, er fiel in einen Tiefschlaf am späten Abend. Das fahle Mondlicht tauchte den Lärchenholzboden in ein grünliches Grau, langer Schattenwurf flackerte kurz auf, nachdem eine Wolkenwand rasch vorüberzog, tagsüber hatte sich bereits ein Sturm angekündigt.

***

Komischerweise schlief Hraban nur sehr kurz, wachte nach einigen Augenblicken plötzlich wieder auf. Aber was er dann bemerkte, ließ ihn innehalten: Er befand sich nicht im Bett seines Kinderzimmers, sondern an einem Meeresstrand. Das gleichmäßige Rauschen der Wellen erkannte er sofort, die salzhaltige Luft bestätigte seinen Hörsinn, gleichzeitig durchfuhr seine linke Hand den äußerst feinen, nahezu weißen Sand, allerdings eher re-flexartig, wobei ihm dabei bewußt wurde, wie hell die gesamte Gegend erleuchtet war. Ein leichter Wind umwehte seinen Pyjama, der wie ein Segel herumflatterte. Hraban richtete sich auf, die beidem Ärmel über den Kopf gestülpt, als ob er im Begriff gewesen war, ihn auszuziehen. Das lästig umherwehende Stoffknäuel zog er weg und ließ es auf den Boden gleiten.

Etliche Fragen tauchten auf, die ihn irgendwie verunsicherten. Dennoch konzentrierte der Junge sich inzwischen hellwach auf die Umgebung. Vor ihm lag das weite Meer, am Horizont zogen violette Wolken auf, zur Linken streckte sich der leuchtendweiße Sandstrand, zur Rechten bemerkte er weiter hinten zwei taubenblau gekleidete Gestalten, die auf ihn zurannten. Kaum hatte Hraban sich erhoben, stand etwas unbeholfen im warmen Sand, erreichten die beiden älteren Jungen ihn, die ein wenig aus der Puste waren.

„Wir dachten schon, dir sei etwas passiert, darum unsere Eile“, begann der größere der beiden Jugendlichen, „ich bin Gaven, und wie heißt du?“

„Meine Eltern gaben mir den Namen Hraban, was Rabe bedeutet“, erwiderte er daraufhin ziemlich selbstsicher und voller Stolz. Gaven nickte anerkennend.

„Ich bin der jüngere von uns und heiße Taras“, stellte dieser sich vor und schüttelte Hrabans Hand, „wir wurden beauftragt, dich hier abzuholen.“

Hraban schaute ein wenig ungläubig von einem zum anderen, wollte schon fragen, woher sie denn wüßten, daß er hier am Strand „landen“ würde, konnte aber gleichzeitig sich beim besten Willen nicht erinnern, was vorher geschehen war. Im selben Moment bemerkte er, daß ihm lediglich das Bildnis seiner Eltern haften geblieben war, alle anderen Erinnerungen an seine bisherige Vergangenheit wußte er jetzt überhaupt nicht mehr.

„Keine Sorge, du wirst dich ganz sicher schon wieder erinnern“, bemerkte Gaven und grinste ein wenig. Hraban war sichtlich erschrocken, doch bevor er fragen konnte, ergänzte Taras, daß hier alles anders sei, sie problemlos Gedanken lesen könnten. Kaum ausgesprochen, empfing Hraban eine freundliche Aufforderung von Gaven, daß sie nun alle drei am besten weiterziehen sollten, da braue sich ein Unwetter zusammen. Der Elfjährige empfand diese Form des gedanklichen Austausches als äußerst angenehm und bejahte sofort wortlos. Die Jungs liefen beherzt los, während gerade die ersten großen Regentropfen auf den warmen Sand fielen. In der Ferne zuckten etliche Blitze, lautstarkers Donnern folgte dazwischen.

Schnell erreichten sie einen Wald, der sich allerdings erheblich von den Wäldern, die Hraban zuhause kannte, unterschied. Zunächst meinte er, es müsse sich um einen subtropischen Regenwald handeln, die Vegetation war sehr eindeutig, auch die Tiere, die hin und wieder ihren Weg kreuzten, ließen darauf schließen. Dennoch rätselte er noch eine zeitlang, was hier anders war. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Überall gab es angelegte Wege, man brauchte kein Buschmesser. In gewisser Weise wirkte alles wie ein mühevoll errichteter Park oder gar wie ein Botanischer Garten, nur daß keine Hinweisschilder zu den Bäumen, Pflanzen oder manchen Tierarten hilfreich vorhanden waren.

***

Nach schier endlos langem Fußmarsch, der Regen hatte längst aufgehört, erreichten sie eine vor ihnen sich weit erstreckende Ebene, ganz hinten am Horizont bemerkte Hraban so etwas wie Flugobjekte, weil für Vögel flogen sie viel zu schnell. Er grübelte noch, doch im selben Moment berichtete Taras ihm per Gedankenübertragung, dort würden Tillos fliegen, die man wohl in Hrabans Welt allgemein als UFOs bezeichne. Ein Schauer lief dem Elfjährigen über den Rücken, denn diese Tillos konnten genauso schnell wie sie dahinschwirrten auch nahezu schlagartig zum Stillstand gelangen und regungslos am Himmel verharren, so etwas hatte er niemals zuvor gesehen. Die beiden Jugendlichen lächelten ihn an, wobei Hraban erstmalig bemerkte, daß sie ständig grinsten, und bei jeder Gelegenheit ein erneutes Lächeln folgte.

Was dann geschah, überraschte ihn erst recht. Dort, wo eine Steppenlandschaft vor ihm noch gelegen hatte, öffnete sich plötzlich die Erde, dabei bildete sich ein weitläufig riesiger Kreis, eine grellbunte Stadt stieg aus dem Nichts empor, das ganze unheimlich schnell und nahezu lautlos. Allerdings war es keine Stadt im herkömmlichen Sinne, sie erinnerte Hraban ein wenig an Minas Tirith, die Herrschaftsstadt Gondors im „Der Herr der Ringe“, jenen Film, den er so sehr liebte, und nun lag eine ähnlich imposante Stadt vor ihm. Gaven und Taras nahmen Hraban behutsam an die Hand, gingen forschen Schrittes zum mächtigen Eingangstor. Oben stand in wunderschöngeformten Buchstaben wohl ihr Namen: Perheoles Sargatin.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Titelgeschichte erschienen im Buch „Hrabans geheimnisvolle Reise zum Kontinent des Lächelns“ (BoD)

Kategorie: Kurzgeschichten

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Rendezvous hinfort im Nu

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Hab noch schnell Pomade ins Haar geschmiert,
schließlich soll alles akurat sitzen,
selbst wenn nichts aufregendes passiert,
die ein oder andere läßt dir abblitzen.
Hauptsache man zeigt alle Welt sein Ziel,
so läuft nu mal das Liebesspiel.

Hab noch schnell die Scheine gezählt,
schließlich kostet so nen Abend nicht nur Geduld,
selbst wenn man am Ende die Verkehrte wählt,
du dir selbst gibst die Schuld.
Hauptsache man präsentiert sich überlegen,
für manche wirkt’s dabei verwegen.

Hab noch schnell den besten Freund um Rat gefragt,
schließlich hat der schon so manch Erfahrung,
selbst wenn danach erneut ein Kater dich plagt,
Alkohol verhindert eher ne traute Paarung.
Hauptsache man hat’s wenigstens versucht,
selbst wenn man ne Verfehlung danach verflucht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Bei der Kindererziehung gibt es mitnichten einen Königsweg

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Ignoranz von eigentlichen Hilferufen

Sie werden drakonischen Strafmaßnahmen unterzogen, von Prügel (obwohl offiziell verboten) über Erziehungscamps bis hin zur totalen Vernachlässigung, unsere Kinder und Jugendliche. Das alles nur deshalb, weil die Gesellschaft prägend Menschen formt, nach ihren festgelegten Vorgaben eines geordneten Zusammenlebens. Bei der Kindererziehung gibt es keinen Königsweg, weil wir uns damit abfinden müssen, einsehen sollten, daß jeder Mensch einmalig, ein Individuum ist.

Ein Aufschrei derjenigen, die jetzt meinen, das Argument der anti-autoritären Erziehung würde folgen. Fehlanzeige, denn diese kann überhaupt nicht fruchten, weil grenzenloses Dasein stets die berechtigte Freiheit des anderen gefährdet.

Ellenbogen ganz im Sinne einer Leistungsgesellschaft

Das Recht des Stärkeren setzt sich durch, und zwar überall. Wer oberflächlich die Natur betrachtet, könnte ebenso zu diesem Schluß kommen, funktioniert halt nur nicht, außer, daß eine unausgesprochene Rangordnung dies dortigst regelt. Das bedeutet, die Freßfeinde einmal ausgeklammert, daß Tiere instinktiv sehr genau wissen, wann lebensbedrohliche Gefahr in Verzug und obendrein über genetische Ketten weitervererbt, wer Feind oder eher harmlos ist.

Mensch selbst kommt letztlich völlig hilflos auf die Welt, ist von Beginn an auf seine Eltern bzw. das Umfeld der Erwachsenen angewiesen. Somit das Vorleben eine wichtige Schlüsselrolle spielt, die im Idealfall das heranwachsende Kind begleiten möge. In Naturvölkern funktioniert dies fast problemlos. Doch in unserer zivilisierten Leistungsgesellschaft richtet sich alles nach den wirtschaftlichen Vorgaben, vom Kindergarten über die Schule, in der Ausbildung oder der Uni, ordnen sich entsprechende Erziehungsvorgaben oder Lehrpläne nach den Anforderungen des zukünftigen Berufslebens.

An und für sich nicht unbedingt gleich etwas negatives, wenn dabei nicht die menschliche Schwäche von Komplexen oder Machtempfinden ins Spiel käme. Ellenbogen können äußerst spitz sein, wenn bestimmte Gesellen sich mit sämtlichen Mitteln durchsetzen wollen, Hauptsache sie erreichen ihr Ziel. Aber wo beginnt hierbei die Erziehung, müssen sich Eltern einmischen oder eher zurückhalten?

Beobachtung und Feingefühl hilfreich

Sogenannte pädagogische Ansätze, Konzepte und Hilfsangebote sind zahlreich vertreten. Und wenn hilflose Eltern sich an entsprechend Geschulte wenden, vermag der ein oder andere Tip sicherlich zu erfolgreichen Lösungen führen, den Kindern oder Jugendlichen Halt geben. Wirklich ersetzen können solche Angebote die Erziehungsberechtigten keinesfalls. Denn jede Entwicklung verhält sich stets individuell, weil kein Mensch dem anderen gleicht.

Wesentlich erfolgversprechender, seinem Kind von Beginn an beobachtend, fördernd zur Seite stehen, ein Feingefühl für dessen Stärken und Schwächen hilfreich. Das hat mit jemanden in Watte packen gar nichts zu tun, da der soziale Austausch unter Gleichgesinnten ohnehin stattfinden muß. Jedoch verlieren die Eltern an eine harsch sich entwicklende Wirtschaft, wo Leistung und Aufopferung im Beruf als oberste Meßlatte herrscht, den notwendigen Zeitrahmen, das harmonische Umfeld dem Heranwachsenden zu bieten., zumal der Geldbeutel, folglich das entsprechende Gehalt gleichwohl Förderungsmaßnahmen zuläßt oder verhindert. Viel eher zählt nur noch das entsprechende Zeugnis, der Titel und die daraus ergebende Stellung. Wer jene Posten nicht erreicht, wird als Verlierer ausgeschlossen bis hin zum schnelleren Weg in die Arbeitslosigkeit oder gar in ein Leben an den Rand der Gesellschaft. Alles ordnet sich dieser inhumanen Pyramide unter, das in Indien belächelte Kastendenken herrscht im Westen über Werte, Reichtum und Abzocken mittels krimineller Energie wie Korruption, Gewalt und Mobbing.

Herrschende Systeme müssen weichen zugunsten einer gesunden Nähe

Solange sich an solchen Umständen nichts ändert, verbleibt die Frage, ob wir unsere Kinder schreien lassen oder selbst Kritikfähigkeit im Endeffekt sich erübrigt. Denn den Zeitgeist können nur wirklich beherzte, Empathie entwickelnde Menschen nachhaltig verändern, mitnichten angepaßte, zurechtgestutzte, gut funktionierende gehorsame Befehlsempfänger. Letztere sind exakt einer Wirtschaftsdiktatur dienlich, wie sie weiterhin sich fortsetzt, weil Konzerne wachsen, Mittelstand und kleinere Betriebe auf der Strecke bleiben, während unsere gewählten Volksvertreter bewegungslos sich dieser Entwicklung unterordnen.

Erinnern wir uns: Es beginnt mit der Geburt, der sogenannten Erziehung, die keine ist, sondern vielmehr eine fatale Anpassung an herrschende Systeme. Durchbrechen wir ein solches Muster, schaffen wieder genau die Nähe untereinander, die wir uns haben nehmen lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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In Leinen gebunden

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Der tägliche Besuch
im Tagebuch.
Notiert, skizziert,
Nachwelt informiert,
Erinnerungsstütze,
im Alter sehr nütze,
als Beweis,
der dritte Mai war heiß,
verliebt war man,
so dann und wann,
geschätzt, dreißig Mal,
fünfundfünfzig, ach egal.

Jede kleine Händel,
geführt als Mädel,
jedes erste Gebabbel,
Gekrabbel,
genauestens protokolliert,
für die Kinder archiviert,
die dürfen es erst lesen,
wenn ich bin gewesen,
wochenlang beschäftigt,
bis sie mit lesen fertig,
aufgeblättert, bloß,
mein Leben auf ihrem Schoß.

Fein säuberlich sortiert,
wann war was passiert,
geschrieben Blatt für Blatt.
Habe euer Nörgeln satt,
bin sechzehn, ich weiß,
schon erwachsen, ohne Scheiß.
Unsere Flitterwochen,
wir lieben uns, ununterbrochen.
Viele Einträge warten,
Zeile um Zeile zu eratmen,
erhofft, ohne Datum in den Büchern,
kein Leben nur in trockenen Tüchern.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Seehofsöder wie gemeine Köter kläffen

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Die rechte Mischpoke ohnehin sich übt im Nachäffen. Das weiß, wer genauer hinschaut, es zahlen viele den Preis, wenn sich blaunes immer mehr traut, im Hintergrund von manch Konzern mit aufgebaut. Hauptsache der einfache Mann, auch die Frau, kriegt nichts mit, zieht man gezielt in jenen patriotischen Bann, welch trügerische Schau. Statt aus der Geschichte zu lernen, kommt manch einem wohl bekannt vor, züchtet man erneut ne fiese Brut auch in Kasernen. Wach auf, du teutscher Tor!

Solange ne CSU als kleinster Koalitionär darf bis hinein in die Europapolitik ihr Machwerk ungebremst ausleben, sollte niemand einfach sich beschämt wegducken. Wer stoppt jenes nationalistische Bestreben? Wenn nicht, wird sich dies als großer Fehler entpuppen. Darauf sind die Seehofsöders erpicht. Der Letzte mache aus das Licht!

Na, wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Jetzt erst recht die Krallen schärfen, keineswegs nett gedämpft, sondern voll Tatendrang wie neu- geboren. Gegendemos sind klare Argumente, überall Widerworte finden, beäugt dabei och die Polente, unbedingt wenn aalglatte Politiker sich winden. Die haben nur ihren Posten, weil fünfzehn Prozent mal Protestzeichen setzen wollten. Wenn nur wüßten jene Vollpfosten, daß deren Klientel alles andere als unbescholten. Aber Mensch läßt sich nun mal blenden, dieses Spiel hat meist Erfolg, man trägt seine Helden auf Händen, hievt sie auf manch irrationale Wolk’.

Entfleucht aus Ösiland damals entfachte der mit Stutzbärtchen den allseits bekannten Brand, wie markig doch die Geschichte sich wiederholt, heut ischt’s ein langer Kurz, der per Achse der Willigen seine Landsleute umpolt. Da folgt kein Sturz vom hohen Roß, Dekadenz spielt sich auf als Boß. Das Fatale daran: Europa läßt sich erneut spalten, die Neue Rechte zieht es in ihren Bann, schon darf in Bayern die Polizei schalten und walten!

Hunde, die bellen, beißen nicht, bei Kläffern ist manch einer darauf erpicht, die Füße stillzu- halten, weil jene Amtsinhaber sich alles krallten, was nicht niet- und nagelfest. Wer dagegen interveniert, dem geben sie den Rest. Völlig ungeniert. Schließlich haben genug Willige per Haßgeschrei, sie seien das Volk, ihnen den Weg planiert. Einerlei, von nun an wird pariert!

Wer sich ihnen widersetzt, wird datentreu aufgelistet, oder gegen sie gehetzt, weil der blaune Sumpf sich längst hat eingenistet. Demokraten weltweit und in diesem Land, seid bereit, verjagt jene Schand, bevor sie noch mehr Macht ausüben werden. Denn die fackeln nicht lange, alles zu zerstören, was mühsam aufgebaut. Manch einem wird angst und bange, wie simpel sie Massen betören, was sich erneut zusammenbraut. Seid bereit, noch gibt es die Zeit, zu stoppen sich anbahnendes Leid.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Schau – hin und her

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Die Schaukel weht im Wind,
alleine, auf ihr sitzt kein Kind.
Ihre Quietschgeräusche sind leise,
einsam unternimmt sie ihre Reise.
Klagend bewegt, daß es einem erscheine,
man vernimmt ein Kind, das weine.

Und sie schaukelt hin und her,
wiegt sich mit Erinnerungen schwer.
Träumt sich fort aus dieser Zeit,
fühlt das Lachen und die Heiterkeit,
hört das Kind seine Welt erklären,
spürt Liebe, sie läßt den Wind gewähren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Edward Snowden: Russisches Exil weiterhin fragwürdig

Ein Leben als Verräter und Held

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Trumps harsche Ausdrucksweise im Kontext seiner unverkennbar deutlich spürbaren Politik trägt längst Früchte einer zunehmenden Verrohung weit über die Grenzen der USA hinaus. Als Zeichen einer sich wiederholenden Ära des Nationalismus, wer nicht die Augen vor sich anbahnender Realität verschließt.

Der Whistleblower und ehemalige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden stellte sich kürzlich im Interview mit der SZ den Fragen, die ihn per Überschrift zitiert: „Er hatte nie vor, hier zu sein.“ Betrachtet man den Ablauf seiner Flucht vor den US-amerikanischen Häschern, blieb ihm auch nichts anderes übrig, als das Angebot Russlands anzunehmen. Europa gewährt ihm bis heute kein Asyl, für ihn sei Merkels Haltung eine Enttäuschung.

Wegducken hinter Terrorbekämpfung ein Mittel zur totalen Überwachung

Edward Snowdens Enthüllungen haben damals eine Tür aufgestoßen, die niemand mehr zu schließen vermag, allein dafür gehört er als Held gefeiert, mit Preisen und Ehrungen überhäuft, wenngleich er selbst lieber in Freiheit leben möchte, mitnichten in Russland, von Beginn an jede Zusammenarbeit mit dem Kreml auschließt. Eine weise, folgerichtige Entscheidung. Sogenannte Putinversteher werden ihn deshalb schneiden.

Was die westliche Welt, die unter der Fuchtel der Amis weiterhin zu agieren hat, sich erlaubt, bezeugt die anhaltende Ohnmacht, sich dem Hegemon widersetzen zu können. Das Ende der NSA-Affäre verdeutlicht dies genauso wie der Freifahrtschein für ungehindertes Ausspionieren seitens des BND, alles im Namen der Terrorismusbekämpfung. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, auch gänzlich ohne in Verdacht zu geraten, irgendwelchen Veschwörungstheorien auf den Leim zu gehen, einen Kontext zwischen 9/11, der Zunahme weltweiten Terrors und den um sich greifenden Überwachungsmechanismen zu erkennen. Umso besser, wenn Menschen an gewissen Schaltstellen den Mut aufbringen, die Öffentlichkeit zu informieren, wie dies Snowden tat.

Pattsituation oder eher ein Stelldichein kurz vor der Ohnmacht?

Alles schön und gut, jener Optimismus, den auch Edward Snowden letztendlich im SZ-Interview an den Tag legt, in dem er hofft, die Menschen würden aus seinen Enthüllungen dazulernen. Viele folgen ihm, die große Masse aber fügt sich, bis hin zu Regierungen, die auch nur am Tropf der USA hängen. Die Bundeskanzlerin hätte tatsächlich die Macht, nutzt sie aber nicht, bei G.W. Bush und Barack Obama knickte sie ein, am Ende könnte auch The Donald sich durchsetzen, solange Wirtschaftskriminaliät nicht das Handwerk gelegt wird.

Edward Snowden lebt weiterhin geduldig vor, während die Bevölkerng nur noch verinnerlichen braucht, den Mächten Paroli zu bieten. Genau darin liegt die Pattsituation, jenes Wechselspiel zwischen Mächten, Gehorsam und Auflehnung ohne Revolte, ein Stelldichein kurz vor der Ohnmacht.

Der Paradigmenwechsel steht bevor, angekurbelt durch Menschen wie Edward Snowden und viele andere.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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