Edward Snowden: Russisches Exil weiterhin fragwürdig

Ein Leben als Verräter und Held

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Trumps harsche Ausdrucksweise im Kontext seiner unverkennbar deutlich spürbaren Politik trägt längst Früchte einer zunehmenden Verrohung weit über die Grenzen der USA hinaus. Als Zeichen einer sich wiederholenden Ära des Nationalismus, wer nicht die Augen vor sich anbahnender Realität verschließt.

Der Whistleblower und ehemalige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden stellte sich kürzlich im Interview mit der SZ den Fragen, die ihn per Überschrift zitiert: „Er hatte nie vor, hier zu sein.“ Betrachtet man den Ablauf seiner Flucht vor den US-amerikanischen Häschern, blieb ihm auch nichts anderes übrig, als das Angebot Russlands anzunehmen. Europa gewährt ihm bis heute kein Asyl, für ihn sei Merkels Haltung eine Enttäuschung.

Wegducken hinter Terrorbekämpfung ein Mittel zur totalen Überwachung

Edward Snowdens Enthüllungen haben damals eine Tür aufgestoßen, die niemand mehr zu schließen vermag, allein dafür gehört er als Held gefeiert, mit Preisen und Ehrungen überhäuft, wenngleich er selbst lieber in Freiheit leben möchte, mitnichten in Russland, von Beginn an jede Zusammenarbeit mit dem Kreml auschließt. Eine weise, folgerichtige Entscheidung. Sogenannte Putinversteher werden ihn deshalb schneiden.

Was die westliche Welt, die unter der Fuchtel der Amis weiterhin zu agieren hat, sich erlaubt, bezeugt die anhaltende Ohnmacht, sich dem Hegemon widersetzen zu können. Das Ende der NSA-Affäre verdeutlicht dies genauso wie der Freifahrtschein für ungehindertes Ausspionieren seitens des BND, alles im Namen der Terrorismusbekämpfung. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, auch gänzlich ohne in Verdacht zu geraten, irgendwelchen Veschwörungstheorien auf den Leim zu gehen, einen Kontext zwischen 9/11, der Zunahme weltweiten Terrors und den um sich greifenden Überwachungsmechanismen zu erkennen. Umso besser, wenn Menschen an gewissen Schaltstellen den Mut aufbringen, die Öffentlichkeit zu informieren, wie dies Snowden tat.

Pattsituation oder eher ein Stelldichein kurz vor der Ohnmacht?

Alles schön und gut, jener Optimismus, den auch Edward Snowden letztendlich im SZ-Interview an den Tag legt, in dem er hofft, die Menschen würden aus seinen Enthüllungen dazulernen. Viele folgen ihm, die große Masse aber fügt sich, bis hin zu Regierungen, die auch nur am Tropf der USA hängen. Die Bundeskanzlerin hätte tatsächlich die Macht, nutzt sie aber nicht, bei G.W. Bush und Barack Obama knickte sie ein, am Ende könnte auch The Donald sich durchsetzen, solange Wirtschaftskriminaliät nicht das Handwerk gelegt wird.

Edward Snowden lebt weiterhin geduldig vor, während die Bevölkerng nur noch verinnerlichen braucht, den Mächten Paroli zu bieten. Genau darin liegt die Pattsituation, jenes Wechselspiel zwischen Mächten, Gehorsam und Auflehnung ohne Revolte, ein Stelldichein kurz vor der Ohnmacht.

Der Paradigmenwechsel steht bevor, angekurbelt durch Menschen wie Edward Snowden und viele andere.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Kartoffel oder rohes Ei

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Sie ist nur eine Kartoffel
oder ein rohes Ei,
einerlei,
du Stoffel,
denn sie dreht sich doch,
und dreht sich noch,
und dreht am Rad,
Menschen sind übergeschnappt.

Haben etliche Schrauben locker
diese eingebildeten Weltverzocker,
haben stets zu wenig Tassen im Schrank,
gute Ansichten empfinden sie als krank.
Kein Wunder, daß die Erde eiert,
es wird gerülpst, gesoffen, gefeiert,
egal ob nebenan jemand Hungers stirbt,
einer macht immer die Rechnung ohne den richtigen Wirt.

Die Erde stöhnt,
ist einiges gewöhnt,
fragt sich, wer zündet den Docht,
für dessen Unsterblichkeit er focht.
Der Trottel entzündet einen Feuerball,
sein Name, keine Spur mehr hinterläßt im All.
Aus, vorbei, zu Ende, auf Knall und Fall,
ihre Gene irgendwo andocken, wird ein neuer Erdenball.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Gesellschaft zwischen geistiger Verdummung und hochnäsigem Habitus

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Wo beginnt oder endet unser Glück?

Die Welt versinkt im industriellen Müll unserer schnellebigen Konsumgesellschaft, die beinahe tatenlos an diesen Folgen mitwirkt. Anstatt diesen alltäglichen Wahnsinn ernsthaft zu stoppen, versucht ein jeder seine Schäflein ins Trockene zu bringen. Was interessieren schon die Belange einer zerschundenen Umwelt, wenn man selbst es sich gutgehen läßt.

Die ewiglich anhaltende Armut letztlich ein Zustand zwischen geistiger Verdummung und hochnäsigem Habitus, in dem kein Platz vorhanden, ihn nachhaltig zu verändern? Wo beginnt oder endet unser Glück, welches lediglich in bestimmten Momenten sich offenbart, während ansonsten alles darauf abzielt, es krampfhaft herbeizusehnen?

Unterschiedliche Welten begegnen sich oft ahnungslos

Wir kennen es von Gleichnissen wie in Märchen, wenn das arme Aschenputtel oder Goldmarie jeweils ihre gegebenen Umstände zäh erdulden, während Arroganz und Hochmut am Ende den Kürzeren ziehen oder wie bei Pretty Woman, wo der eiskalte Geschäftsmann Unternehmen aufkauft, während sie ihm gar die „Augen öffnet“. Ein Leben unterschiedlicher Welten findet all die Zeit statt, obwohl sie sich ahnungslos begegnen. Doch welche Umstände führen zu den extremen Verhältnissen zwischen unsäglicher Armut und Überreichtum?

Während man natürlich die rein finanziellen Vermögensverhältnisse in Betracht ziehen kann, um Armut und Reichtum zu beurteilen, handelt es sich hierbei um knallharte Zahlen, die längst nicht den menschlichen Faktor widerspiegeln. Natürlich lebt es sich scheinbar angenehmer in wohlgeordneten, in Überfluß bestehenden Verhältnissen. Wo hingegen solche Zeitgenossen keinerlei Vorstelllung haben, wie ein Dasein als Obdachloser am Rande der Existenz sich gestaltet. Wenn wir all unsere Materie verlieren, nur noch ums nackte Überleben kämpfen in einer Welt des Habitus, des Glamours, wo sehr viele hinwollen, da stören die sichtbar Armen erheblich dieses „Bild“ eines ungetrübt sich selbst feiernden Reichtums.

Reichtum ein Ergebnis grenzenloser Ausbeutung

Wann werden diese Zusammenhänge endlich wirklich verinnerlicht, die nicht im geringsten etwas mit Neid, Mißgunst oder gar Kommunismus zu tun haben? Eigentlich verhält es sich sehr simpel. Was dem einen nicht gegönnt, somit genommen wird, ein menschenwürdiges Leben ohne Sorgen, nimmt sich der andere mittels grenzenloser Ausbeutung: eine Fortsetzung des Adels, der Herrschaftshäuser und Großgrundbesitzer. Kein Mensch müßte Hunger leiden sowie in Armut vor sich hinsiechen, weder hierzulande noch sonstwo auf Erden.

Aber was macht Mensch daraus? Er erhebt sich über andere, nützt deren Gutmütigkeit, ihre Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe aus, in dem er nach mehr trachtet, sämtliche Register zieht, seinen eigenen Reichtum zu vergrößern. Im Kleinen wie im Großen beherrscht dieses Denken den Lauf der Welt. Solange wir uns davon nicht wirklich verabschieden, setzen sich sämtliche daraus entstehenden Ungerechtigkeiten fort, versinken die Völker in Zwietracht und Unfrieden.

Unser aller Glück muß nicht in Momenten stattfinden, sondern kann ohne weiteres ein harmonisches Miteinander bedeuten, wenn endlich begriffen wird, daß der Run auf Materie, auf Statussymbole und das Geifern nach Maßlosigkeit stets Ausbeutung bedeutet, Zerstörung folgt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Modisch ist althergebracht

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Glatt rasiert,
Haut wie geschmiert.
Mimik versteinert,
Gang wie ein Rad, das eiert.

Mode, modern, modisch,
nein, althergebracht, wie komisch.
Wie man Schönheit modelliert,
der Herrgott hat´s für uns „intoniert“.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Putin-Trump-Gipfel: Techtelmechtel der Supermächte

Er liebt mich, er liebt mich nicht?

Chance oder Treffen fürs Poesiealbum? In jedem Fall sollte man eine generelle Kommunikation zwischen Staatschefs begrüßen, ob dabei etwas konstruktives herauskommt, bleibt mal dahingestellt, erst recht mit einem unberechenbaren Donald Trump. Allerdings wird er wohl kaum danach Twittergewitter entsenden angesichts der Brisanz, die dies auslösen kann.

But you never know how the show works! Immerhin stieß The Donald des öfteren die Weltöffentlichkeit vor dem Kopf, gewisse Parallelen cholerischer Entgleisungen zum kürzlich sich etablierenden Sultan und Diktator der Türkei flackern schon auf, wer sich erinnern mag. Andererseits wird Putin mit gewohnt lässiger Besonnenheit jedwede unüberlegte Regung des US-Präsidenten für seine Zwecke verwerten können. Noch im Juli soll das Techtelmechtel der Supermächte stattfinden, wie der Kreml ankündigt.

Trumps Europareise bietet sich an – reale Chancen oder nur nette Statements?

Wenn Trump ohnehin Europa bereist, würde ein Treffen zwischen Putin und ihm beiden gelegen sein, unabhängig, was beim Nato-Gipfel herauskommt, insofern wäre Mitte Juli möglich, wahrscheinlich direkt nach der Fußball-WM.

Doch sollte niemand zu hohe Erwartungen an den Tag legen, weil die weltpolitische Lage dies weder zuläßt, noch die Politik der US-amerikanischen Administration dafür Gelegenheiten anbieten will. Ganz im Gegenteil, das atomare Wettrüsten setzt sich fort, die „America-First-Doktrin“ Trumps nimmt konkrete Formen an, ein Handelskrieg zwischen den USA und den Chinesen sowie Europäern hat längst begonnen. Wer hierbei reale Chancen sieht, sollte sich eher auf nette Statements einstellen.

Gerät Europa etwa ins Hintertreffen?

Weil in Wirklichkeit die beiden Supermächte längst ihre anvisierten Pläne kontinuierlich umsetzen? Das verzerrte Bild vom guten Putin vs. bösem Westen nur Ablenkung? Betrachtet man den erneut eingeschlagenen Weg zurück zur Nationalstaaterei, mögen gewisse Kräfte händereibend ihre Kriegsphantasien ausleben, wenn Europa auseinanderdividiert wieder Feindschaften gedeihen läßt. Das bewährte Spiel vergangener Jahrhunderte könnte neu entflammen, die Supermächte den „Kuchen“ sich einfach teilen, eine Mauer hat wohl nicht gereicht.

Als perfides Vorspiel läßt man mal soeben den Iran über die Klinge springen, Trump sorgt für noch mehr Spannungen im Pulverfaß Naher Osten, von Friedensabsichten keine Spur, daran ändert gleichwohl auch kein Treffen mit Kim Jong-un etwas. Zu schnellebig fordern wirtschaftspolitische Entwicklungen entsprechende Reaktionen heraus, was heute noch zählt, muß morgen bereits nicht mehr gelten. Erst recht nicht bei soviel Unberechenbarkeit eines Donald Trump. Putins weise Zurückhaltung scheint seriöser, darauf verlassen sollte sich allerdings niemand, wenn man bedenkt, daß er gern nicht zufällig Rechtsradikale unterstützt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Betörender Duft in der Luft

 

Sie stand, das Köpfchen gehoben,
selbstvergessen,
schaute unverwandt nach oben,
sah mich, gibt es gleiche Interessen?

Lebensfreude strahlte sie aus,
Zufriedenheit,
genau hier ist mein Platz, mein zu Haus,
ich blickte nieder mit Erhabenheit.

Da schwirrte ein Flüstern durch die Luft,
sprach sie, war´s in mir?
Eine Blume bin ich mit Blütenduft,
aufrecht in mir. Warum krümmst du dich vor dir?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Türkei: Erdogans Sultanat nimmt konkrete Formen an

Erneuter Wahlbetrug festigt seine Alleinherrschaft

Mit einer „osmanischen Ohrfeige“ wider der Demokratie offenbart jener Recep Tayyip Erdoğan seinen unabdingbaren Willen, per fingierten Wahlen und gesetzlich gezwungenen Maßnahmen nunmehr als Regierungs- und Staatschef die Geschicke des Landes bestimmen zu dürfen. Der Staat Erdogan, treffender als neuzeitliches Sultanat zu bezeichnen, blickt nach diesen vorzeitigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen dramatischen Zeiten entgegen.

Nicht weiter verwunderlich, daß Erdoğan das Bündnis mit der rechtsextremen MHP fortsetzt, deren Vorsitzender Devlet Bahceli bei den Parlamentswahlen 11,2 Prozent einheimst, um zusammen mit der AKP, die lediglich 1,6 Prozent mehr Stimmen als bei letzter Parlamentswahl 2015, gerade mal 42,5 Prozent erreicht (nach Auszählung von 99% der Stimmen). Zu viele Ungereimtheiten bei den Wahlen, wie schon ein Jahr zuvor beim Referendum zum fragwüdigen Präsidialsystem, stört nicht weiter, Erdoğans Weg zur Alleinherrschaft setzt sich fort.

Eine despotische Selbstüberschätzung macht die Rechnung ohne den Wirt

Nämlich keinem geringeren als das Volk selbst. Erzwungene Wahlen mittels heftiger Einschüchterung, wobei Erdoğan bisherig nahezu jedes Mittel recht war, dem per Gewalt Nachdruck zu verleihen, von überfüllten Gefängnissen, weil Oppositionelle und angebliche Terror- und Putschversuche somit verhindert werden sollen, bis hin zu Folter, der Vereinnahmung der Medien, Pressefreiheit existiert faktisch nicht mehr im Lande.

Claudia Roth betont im Interview nicht nur, daß die Türkei nicht Erdogan sei und umgekehrt, es setze die Opposition wichtige Signale durch Muharrem Inces über 30 Prozent der Stimmen aus dem Stand bei der Präsidentschaftswahl, Selahattin Demirtaş HDP wenigstens die 10-Prozent-Hürde überwand, die prodemokratischen Kräfte in der Türkei würden nicht kleinlaut beigeben. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, die Opposition endlich mehr zu unterstützen, keine Rüstungsgüter mehr gen Ankara zu liefern, die Hermes-Bürgschaften seien fraglich, gleichwohl der schäbige Flüchtlingsdeal.

Deutschtürken sollten mehr Farbe bekennen?

Was keineswegs sich simpel gestaltet im Hinblick zur despotischen Vorgehensweise jenes „Paschas aus Ankara“, dessen Verbündete, die Grauen Wölfe schüchtern bekanntlich gern ein, das Gewaltpotential sollte niemand unterschätzen. Selbst die hohe Zahl der Erdoğan-Befürworter unter den Deutschtürken darf angezweifelt werden, wer die Eingeschüchterten mit einbezieht.

Verständlicherweise halten sich die Erdoğan-Gegner eher zurück, anstatt ganz offen aufzutreten. Dabei spielt auch die fragwürdige Haltung der Bundesregierung eine Rolle, die Reaktionen auf den Wahlsieg des Despoten verdeutlichen, daß längst der Riß in der Gesellschaft eher zunimmt. In diesem Zusammenhang von einer Chance zu mehr sachlicher Auseinandersetzung nach dieser Wahl zu sprechen, darf bezweifelt werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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