Gefühlte Fülle

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Gefühlte Stunden Einsamkeit,
gefüllt mit Samen der Trostlosigkeit.
Kein Abwenden,
kein Verschwenden,
sonst können die Pflanzen nicht sprießen,
sonst kann man die Trauer nicht genießen.

Stunden gefüllt mit Einsamkeit,
gefühlt die Samen der Trostlosigkeit.
Kein Abwenden,
kein Verschwenden,
sonst können die Tränen nicht fließen,
sonst kann man die Seele nicht begießen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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DFB: Coca-Cola und McDonald’s locken Kind und Kegel

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Fetteste WM aller Zeiten laut foodwatch

Aufregung, viel Lärm um den Ball, der auf dem Platze gen Tor rollt. Die 21. Fußball-WM befindet sich mitten in den Gruppenspielen, Deutschland muß sich erst noch beweisen, wenn es den Einzug ins Achtelfinale nicht verpassen will. Alles Gründe, per netten Snacks sich was zu gönnen beim Verfolgen des Geschehens auf riesigen Flatscreens.

Die Lebensmittelbranche sowie Fastfoodketten boomen mal wieder, gleichwohl wie vor zwei Jahren vorneweg der DFB zur Fußball-EM per Doppelmoral glänzte, scheinen deren Macher keinerlei Einsicht zu hegen. Das profitable Geschäft sucht sich erneut seine Opfer, die bereitwillig sich von Coca-Cola, McDonald’s und Co. locken lassen. Kinderärzte kritisieren den DFB, er sei mitverantwortlich für Übergewicht bei Kindern, wie foodwatch anmerkt.

Bewegung vs. ungesunder Ernähung

Die Argumentation des DFB, wenn McDonald’s als Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens die Bewegung von Kindern und Jugendlichen unterstütze, ohnehin auch Coca-Cola sich in karikativen Projekten engagiere, dann wäre der Verzehr eines Hamburgers keine Fehlernährung, spricht Bände. Kein Wort zu den belastenden Stoffen in jenen gesundheitsschädigenden Snacks, man redet sich seine Geschäftsinteressen lieber schön.

Selbstverständlich darf man begrüßen, wenn ein DFB für entsprechende Bewegungsempfehlungen wirbt, unbhängig davon, daß es auch andere Möglichkeiten neben dem Fußballspiel gibt, die des öfteren viel eher weniger Verletzungspotential aufweisen. Obendrein bedeutet Fußballspielen bei professioneller Ausübung Hochleistungssport mit den bekannten Gesundheitsrisiken.

Den Königsweg zur gesunden Ernährung zu finden, stellt weiterhin ein Problem dar. Von der philosophischen Streitfrage bis zur Ernährungspyramide tummeln sich etliche Aspekte, inwiefern man sich ernähren sollte, zwischen Ratschlägen und Verunsicherung verweilt der Verbraucher. Letztendlich hilft selbstkritische Beobachtung, der Austausch mit anderen.

Alle zwei Jahre vier Wochen Fußballfieber erzeugen Übergewicht?

Das wäre allzu simpel, weil in den vielen Restmonaten eben nicht jene aggressive Werbung stattfindet. Dennoch generell ein Überangebot an ungesunden Produkten in den Lebensmittelgeschäften und den Fastfoodketten den Kunden angeboten wird. Einerseits gibt es die Verlockungen einer Lebensmittelindustrie, andererseits wohl immer noch genügend Verbraucher, die ihnen nicht widerstehen können trotz zunehmender Aufklärung und Ratschlägen.

Einfach nur Ignoranz, Dummheit oder Trägheit seitens jener Konsumenten? Man muß gestehen, daß dies tatsächlich zutrifft. Ansonsten müßten ja im Laufe der letzten Jahre Kinder und Jugendliche ein normales Körpergewicht haben. Mit Blick zu Statistiken und eigener Beobachtung ergibt sich allerdings ein ähnliches Bild wie in den USA. Kein gutes Fazit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Ausgeheckt

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Diese Straßenecke
mit der großen Hecke,
geeignet zum Verstecken,
um Charlotte zu necken.

Zwei ist schon vorbei,
ich warte bis drei.
Sie kommt nicht, sie kommt nicht.
Christopher verzieht sein Gesicht.

Schule ist längst aus.
Hat die doch was mit Klaus?
Er kratzt sich, es juckt ihn,
er zuckt, er muß flieh’n.

Überraschung! Schreck laß nach!
Vor ihm Charlotte und Lars.
Umsonst auf der Lauer,
du Oberschlauer!

Hinterm Gebüsch
sieht man nüscht.
Unerwartetes Geschehen,
so soll Schrecken aussehen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Tagebuchauszüge spiegeln ein Stückweit Geschichte wider

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Gertrud entrinnt der schönen heilen Welt

Mitten im Herzen Europas, in einer deutschen Kleinstadt, wurde Gertrud Rosalinde Hinrichs im vorletzten Kriegsjahr an einem kalten Novembertag zuhause geboren. Ihre Mutter überlebte die Geburt dank einer kompetenten Hebamme, ihr Vater befand sich in russischer Gefangenschaft. Die hier geschilderten Tagebuchauszüge spiegeln die Gedanken eines Mädchens, einer jungen Frau und Mutter wider.

Donnerstag, den 13. März 1958

Wieso hat Papa neulich wutentbrannt meine Single-Platte „Jailhouse Rock“ vom Plattenteller gerissen und achtlos ins Regal geworfen? Dabei hatte ich mich so schön warmgetanzt, Mutter gefiel Elvis Musik ohnehin, konnte sie endlich wieder nach langer Zeit viel befreiter ihren Haushalt machen, schwang sogar gelegentlich selbst die Hüften, wenn auch noch ungelenk. Aber Papa muß unbedingt mir den Tag versauen, nur weil er so gar kein Verständnis für mich hat. Er sagte einmal, unsere Jugend sollte sich anstrengen, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Georg, meinen neuen Schwarm, treffe ich seit einiger Zeit heimlich im nahen Park, dabei müssen wir arg aufpassen, daß keine Nachbarn uns entdecken, die tratschen nämlich sehr gern.

Dienstag, den 14. August 1962

Immer noch kann ich mich nicht beruhigen, weil sie vor neun Tagen Nelson Mandela verhafteten. Darüber geriet ich mit Papa in einen heftigen Streit, der bis heute weiterhin anhält. Seiner Meinung nach sei Nelson ein Terrorist, während ich spüre, daß dieser Mann sich für seine Landsleute einsetzt, die Weißen überzeugen will, wie schrecklich ihre Herrschaft sei. Am Abend tröstete mich Mutter zwar, konnte mir dennoch meinen Weltschmerz nicht nehmen.

Dienstag, den 16. November 1965

Endlich habe ich mein Bett aufgesucht, bin hundemüde nach diesem langen Tag, wo ich seit heute mit 21 nunmehr als volljährig gelte, selbst Papa mir gesetzlich keine Vorschriften mehr machen darf. Kein Wunder, daß er trotz aller Feierlichkeiten ziemlich reserviert sich mir gegenüber verhält. Jetzt versuche ich, meine Gedanken zu ordnen und hier im Tagebuch die Eindrücke festzuhalten. Morgen muß ich wieder früh raus, mal schauen wie mich die Oberschwester diesmal schickaniert, aber ich bin ja bereits die Krankenhaushierarchie gewohnt. Bloß Mike, der Lieblings-Assistenzarzt vom Professor Dahlke, macht mir ständig schöne Augen, was mir mißfällt. Nur, wie soll ich mich wehren, ohne meine Ausbildung zu gefährden? Mit Mutter kann ich darüber gar nicht reden, die würde sowieso mir vorschlagen, ich möge stillhalten, und Lisa, meine beste Freundin, würde einfach kess erwidern, daß sie diesen Mike benutzt, um dadurch Vorteile zu erlangen. Kann und will ich aber nicht dulden!

Freitag, den 12. Dezember 1969

Ich nehme alles zurück, was ich gestern hier noch bemerkte. Ganz so einfach gestaltet sich die Sachlage doch nicht. Außerdem kann ich meinem Göttergatten keineswegs diesmal zustimmen. Wieso besteht er ständig auf seine CDU? Ich hingegen bin ziemlich stolz, meine Stimme Willy Brandt bei der Bundestagswahl gegeben zu haben. Von dem verspreche ich mir viel. Die Welt ist in Aufruhr, bemerkt denn Georg das gar nicht? Gerade im letzten Jahr der 1960er, ich denke da mal an die erste Mondlandung, an Woodstock. Und noch ein Jahr zuvor an Rudi Dutschke, an die Ermordung Martin Luther Kings, an die Vietnamproteste. Aber davon will er nichts wissen, meint sogar, es seien alles Kommunisten und Verräter. Mein Gott, wen habe ich da nur geheiratet? Ich hadere mit mir.

Samstag, den 13. September 1970

Unsere Tochter Claudia wurde in den frühen Morgenstunden geboren, und ich hatte das Glück einer leichten Geburt. Aber meine Gedanken bleiben getrübt, mein Entschluß steht längst fest. Ich werde mich von Georg trennen, nur weiß ich noch nicht so ganz, wie ich das bewerkstelligen soll. Hätte er nicht wenigstens bei der Geburt seiner Tochter sich zurückhalten können, zumal er genau deshalb auch viel zu spät nach der Geburt erschien? Seine Alkoholfahne widerte mich an, entsprechende Blicke erhielt er auch von Mutter und der Hebamme. Aber das hat er gar nicht bemerkt!

Montag, den 6. Mai 1974

Montage haben stets etwas Schreckliches, zumindest empfinde ich dies so. Da hat man noch sonntägliche Ruhe vom hektischen Berufsalltag im Gemüt, und schon muß man sich wieder einbringen. Ich will aber nicht jammern. Im Kindergarten wurde ich sehr schief angeschaut, irgendwie kommen die anderen Mütter nicht damit zurecht, daß ich endlich alleinerziehend bin, manche meinen hingegen, ich würde versuchen, ihren Ehemännern den Kopf zu verdrehen. So ein Blödsinn, bin ich doch heilfroh, endlich geschieden zu sein, mich mit Georg geeinigt zu haben, selbst wenn Papa mich inzwischen gar nicht mehr duldet, ich Mutter nur ab und an im Café treffe.

Sonntag, den 08. Juli 1984

Gestern hatten Claudia und ich vielleicht unseren schönsten Tag. Weit über eine halbe Millionen Menschen waren um uns herum, völlig friedlich, kein Schubsen, keine miesen Töne, leuchtende Augen und ein Feuerwerk, wie wir es noch niemals gesehen hatten. Wir befanden uns vorm Berliner Reichstag und erlebten André Hellers „Feuerwerk mit Klangwolke“, dabei ertönte auch klassische Musik, und André Heller rezitierte Bert Brechts Antikriegsgedicht „An meine Landsleute“, welches ich sehr gern hier meinem Tagebuch gönne:

„Ihr, die ihr überlebtet in gestorbenen Städten
Habt doch nun endlich mit euch selbst Erbarmen!
Zieht nun in neue Kriege nicht, ihr Armen!
Als ob die alten nicht gelanget hätten:
Ich bitt euch, habet mit euch selbst Erbarmen!“

An dieser Stelle mögen die ausgesuchten Tagebucheinträge jetzt enden, unabhängig davon, daß sämtliche Personen hier frei erfunden wurden, außer die genannten realen Menschen, die ein Stückweit unsere Geschichte mitprägten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Immerzu

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„Kann ich Ihnen helfen?“ Das hat mir gerade noch gefehlt. Hilfe. Ich brauche keine Hilfe. Komme alleine klar. Der geht es nur drum, mir etwas anzudrehen. Etwas, was sich schlecht verkaufen läßt. Irgend so ein Ladenhüter. Das steht Ihnen ausgezeichnet. Die Farbe umschmeichelt Ihren Teint. Das trägt man in dieser Saison. Nein, der Ausschnitt ist nicht zu sexy. Sie können das ohne weiteres tragen. Sprüche, alles Sprüche. Keine Aussagen. Alles unverbindlich. Aber bitte. Ich kann nachsehen, ob dieses Teil eventuell in einer anderen Größe vorrätig ist. Kein Wort über die Größe. Sie wird nie sagen, in einer größeren Größe. Beschämend wäre das. Ich komme alleine bestens klar. Hilfe. Nein, danke. Bianka sah zu der Verkäuferin auf, ohne ihre Hände vom Ständer, an dem die Kleider mit Blumenmuster hingen, wegzunehmen.

„Geben Sie mir zehn Minuten. Das dürfte reichen, um mir zu überlegen, wie ich Ihre Hilfsbereitschaft einsetzen kann. So schnell fällt mir beim besten Willen nichts ein. Sind Sie denn zeitlich ungebunden? Ich meine, könnten Sie auch in den Abendstunden? Mein Rudolpho ist inzwischen ein bißchen senil geworden, er vergißt tatsächlich zu pinkeln, wenn wir nach dem Abendessen unsere gewohnte Runde drehen. Da kann es schon vorkommen, er muß dringend, und ich lieg’ schon im Bett. Ach, manchmal nimmt er reißaus. Dann kann ich bis zu Braunbergs laufen, wissen Sie, die jungen Braunbergs, die haben neu gebaut, neben ihren Eltern, jetzt haben sie seit ein paar Wochen eine Hündin. So ein herziges Wesen. Rudolpho kann auf seine alten Tage nicht widerstehen, ihr die Aufwartung zu machen. Das wäre wirklich hilfreich, wenn Sie ihn dort abholen könnten. Aber ich überlege noch, schließlich soll Ihre Hilfe effektiv sein. Verstehen Sie? Sie können solange neben mir stehenbleiben, nur mischen Sie sich nicht ein, während ich ein wenig nach einem passenden Kleid mich umsehe. Das hilft mir beim Denken.“

Bianka Mosler war, das fühlte sie, in ihrem Element. Keine Sekunde hörte sie auf, ein Kleid nach dem anderen vom Ständer zu nehmen, es zu begutachten, es an ihren Körper zu halten, die ein oder andere Falte glattzustreichen, sich vor den großen Spiegel, der in der Nähe stand, zu stellen und mit großer Umsicht darauf zu achten, das Kleid an einen anderen Platz zurückzuhängen. Warten Sie bitte einen Moment, alle Verkäuferinnen sind zurzeit in Bedienung. Und man mußte sich die Beine abstehen, warten, nichts anfassen, bloß nicht, bis eine der Damen oder ein Herr, ja Herr, wie der Herr Ober, so kamen sie sich vor, geschniegelt und gebürstet wie ein Pferd beim Fronleichnamszug, bis sie frei wurden, dich bedrängten, nachdem sie, Sie wünschen, gefragt hatten, zügig über die Ware zu sehen, und wenn man nicht mit klaren Vorstellungen in ihre Fänge geriet, ging man mit Schuhen, die nie passen wollten, einem Kleid, an dessen Farbe man sich erst nach vielen Wochen des Tragens gewöhnte, zurück in die Hilflosigkeit der eigenen Wunschvorstellungen.

So jedenfalls hatte Bianka die ersten Einkäufe an der Hand der Mutter erlebt. Nirgends war man vor diesen freundlichen, ehrerbietenden, aufsässigen, umschmeichelnden Helfern verschont, nicht mal im kleinen Laden an der Ecke. Immerzu war man ab dem Betreten eines Geschäftes zur Hilflosigkeit verdammt. Bianka Mosler war aber nie hilflos. Ihre Zierlichkeit brachte ihr schon sehr früh von verschiedenen Seiten Aufmerksamkeiten entgegen, denen sie sich vehement mit Trotz und Jähzorn entzog. Ein schwieriges Kind. Das schwierige Kind wollte keine Hilfe annehmen, das Kind ist bockig. Bianka, gib die Tasche deinem Bruder, sie ist zu schwer für dich, reichte aus, den Bruder zu kratzen, sogar ihn anzuspucken, sobald er nur in etwa Anstalten machte, der Aufforderung der Mutter zu gehorchen. Lieber lief sie krumm und buckelig unter der Last, lieber war sie den Tränen nahe, wenn ihre Kraft zu schwinden schien, als sich einzugestehen, schwächlich oder gar hilflos zu sein. Nie und nimmer. Immer schon war ein Wehren, ein Aufbegehren in ihr, das es ihr unmöglich vorkam, Hilfe anzunehmen.

„Bianka, Bianka halt dich an mir fest.“ Heiner erstickte fast an seinem eigenen Schreien. Sie waren heimlich schwimmen. Im Weiher, dem Brandweiher. Brandweiher heißt er. Schreiheiner bist du. Sie prustete Wasser, zappelte wie ein Fisch an Land, warf ihrem Bruder böse Blicke zu, wenn dich jemand jetzt gehört hat, dann können wir nie mehr hier schwimmen. Zwischen den beiden Geschwistern konnte nie gänzlich geklärt werden, ob Heiners Angst um Bianka gerechtfertigt war. Sie behauptet nämlich bis heute, nie in Gefahr gewesen zu sein, zu ertrinken, sie hätte bloß kurz tauchen wollen. Und hilflos sei sie keinen Moment gewesen. Irgendwo ganz tief im Innern wußte Bianka, ohne das Schreien des Bruders hätte es passieren können, daß sie ihre Kräfte verlassen hätten, es war wohl das Wehren gegen das Schreien, gegen die erkannte Hilflosigkeit, die ihr Stärke verliehen hat, den Rest der Schwimmstrecke zu meistern. Doch das geht Heiner nichts an.

Inzwischen hatte Bianka Mosler ihrer Meinung nach genug Unordnung geschaffen. Das sollte reichen. Schließlich sollte das Fräulein nicht die nächsten Stunden damit verbringen, die Kleider wieder an den richtigen Platz zu hängen, eine halbe Stunde ist genug meiner Hilfe, ihr eine Beschäftigung zu geben. Man soll nie etwas übertreiben.

„Ihr Hilfsangebot ist, wie soll ich sagen, ist heute sehr ungünstig. Sehr ungünstig. Ich vergaß, die Lilian, die Tochter von Braunbergs, also die Enkelin von den Braunbergs, die schon immer in dem Haus wohnten, neben das jetzt die Braunbergs gebaut haben, der Lilian habe ich gestern versprochen, sie darf Rudolpho mittags abholen, weil ich nach so einem Einkaufsbummel nur einen kleinen Spaziergang mit meinem Rudolpho, deshalb, Sie verstehen, kann ich Ihre Hilfe, so gerne ich, aber heute muß ich ablehnen. Vielleicht nächste Woche, wenn…“

Obwohl die Verkäuferin bereits nach den ersten Sätzen das Weite gesucht hat, sie war nicht mehr im Ladenraum zu sehen, sprach und gestikulierte Bianka Mosler weiter. Es interessierte sie nicht, wie viele Augenpaare ihr nachstarrten, bis sie durch die Eingangstür des Ladens verschwand.

„…Sie dann immer noch bereit sind, mir Ihre Hilfe zu überreichen. Nächste Woche hat Rudolpho einen Termin beim Friseur, waschen, schneiden. Da wäre es ausgesprochen hilfreich, wenn Sie ihn begleiten könnten. Ich muß unbedingt einkaufen gehen, ich brauche ein Kleid, ein buntes Kleid, ein freundliches Kleid, ein Kleid, das keine Hilflosigkeit signalisiert, das mich umschmeichelt mit einem Hauch von klaren Vorstellungen, das keine Wünsche offenläßt, das immerzu mich kleidet. Sehr nett von Ihnen, wenn Sie Ihre Klamotten holen gehen. Ich warte dann im Bistro, neben dem Schuhgeschäft.“

Wie nett ich heute wieder bin? Immerzu meine Hilfsbereitschaft zu verteilen, damit andere genügend Gesprächsstoff über Tage haben, das traut man mir nicht zu, wieso eigentlich?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Crystal Meth – alles andere als ein normales Speed

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Von der Partydroge zum Leistungskick

Überall lauern Drogen, um die Menschen abzulenken, ruhig zu stellen, in Laune zu versetzen, die Stimmung anzuheizen, aber auch Dramatisches zu vergessen, sich in eine schöne bunte Welt der Träume und Gelassenheit zu katapultieren.

Was früher der Joint, heutzutage Crystal Meth, obendrein als die am schnellsten zerstörende Droge. Synthetische Drogen qualmen nicht, lassen sich wesentlich leichter verkaufen und herstellen, wer entsprechendes Wissen hat. Crystal Speed, wie das Methylamphetamin ebenso genannt wird, von ursprünglicher Partydroge in den 1990iger Jahren jetzt viel eher ein Mittel zum Leistungskick, wobei die Nachfrage hierzulande steigt.

Wachmacher längst angekommen in allen Gesellschaftsschichten

Daß ganze Drogenkartelle sich keineswegs ihr Geschäft zerstören lassen und alles tun, um es aufrecht zu erhalten, dürfte nichts Neues sein. Weltweit floriert es neben Waffengeschäften und Prostitution auf gleicher Augenhöhe, oftmals miteinander verflochten.

Dazwischen befindet sich der Verbraucher, der Drogenkonsument, der einmal in Abhängigkeit geraten, stets seinen Stoff sich beschaffen wird, um die eigene Sucht zu befriedigen. Ein Teufelskreis, aus dem nur Wenige entkommen, die meisten bleiben auf der Strecke, erkranken kurz- und mittelfristig oder sterben an den Folgen des Konsums.

Crystal Meth, das ohne weiteres wach macht, eine Leistungssteigerung suggeriert, auf diese Weise vielen verhilft, den streßigen Arbeitstag scheinbar besser meistern zu können, verschafft zunächst ein Gefühl unendlicher Glückseligkeit, sodaß sämtliche Gemütszustände wie Trauer, Langeweile, Müdigkeit oder Hunger verschwinden, was ganz ähnlich sich bei anderen Drogen wie Koks so verhält.

Das eigentlich Gefährliche dabei, die synthetische Droge ist wesentlich erschwinglicher, vor allem wer sich kurz nach Tschechien begibt, erhält das Gramm für ein Taschengeld zwischen 10 und 15 Euro, je nach Reinheitsgehalt. Wo es früher in Discokreisen noch florierte, ist der Wachmacher längst angekommen in allen Gesellschaftsschichten und dies trotz vielfach veröffentlichter Schreckensbilder über die schnelle Wirkung dieser Droge auf den menschlichen Organismus.

Rasante Verbreitung ein Indiz gesellschaftlicher Kapitulation

Wir haben vielleicht alle noch den Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ in Erinnerung, der nur zu deutlich aufzeigte, was Drogen mit Menschen anstellen, wie beim Schicksal von Christiane F., wobei man meinen sollte, es hätte entsprechende Wirkung hinterlassen. Die Drogenszenen sind geblieben, Menschen lassen sich nicht so einfach beeindrucken, belehren oder gar aufklären.

Während die Möglichkeiten der Drogenbeschaffung zusammen mit immer raffinierteren Drogencocktails weiterhin eher zu- als abnehmen, muß man daher diese rasante Verbreitung als ein Indiz gesellschaftlicher Kapitulation werten. Dürfen wir natürlich keineswegs, denn das würde die mühsame Arbeit sämtlicher Beteiligten zunichte machen, die alles Menschenmögliche unternehmen, um Drogenabhängige wieder in ein normales Leben zurückzuführen: von den ermittelnden Polizisten, den Ärzten, den Schulen, den Familienangehörigen, bis hin zum Freundes- und Bekanntenkreis der Süchtigen.

Mit leicht zwinkerndem Auge mag man vielleicht die Beweggründe zur Verfilmung der US-amerikanischen Fernsehserie „Breaking Bad“ betrachten, die etliche Auszeichnungen für sich verbuchen konnte, sogar einen Eintrag als beliebteste Serie der Welt ins Guiness-Buch der Rekorde 2014 erhalten hat, so könnte man ihr darüber hinaus eine prophylaktische Warnung zugute halten, was alles geschieht beim Vertrieb von Crystal Meth. Daß im Film die Süchtigen nonstop nahezu problemlos die Droge konsumieren, scheinen die Macher eventuell zu sehr unterschätzt zu haben, auch wenn beim Hauptdarsteller in der Figur des Jesse Pinkman deutlich dessen Schwächen als Folge der Sucht dargestellt werden.

Eine dramatische Zunahme von Drogen sollte uns aufzeigen: Die Gesellschaft scheint für genügend Unmut zu sorgen, daß Menschen aus der Realität fliehen wollen. Arbeiten wir alle daran, unsere Welt lebenswerter zu gestalten, damit die Macht der Drogen zumindest geringer wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Großartig!

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Heimatstolz die Triebkraft
Humanismus abgeschafft
Nächstenliebe über Bord geworfen
Egoisten Narzißmus befürworten
Kinder als Druckmittel mißbrauchen
Menschenpfand Seelen aussaufen
mittelalterliche Methoden
ein Hurra auf Despoten
Gehorsam, Treue propagieren
Willige anzuschirren
Liebe zum Eigenen durchsetzen
Frieden mit Haß verpesten

Wer sein vermeintliches Leid
dadurch heilt,
andere zu drangsalieren,
indem sie Liebstes verlieren,
der will nicht gesunden,
es ist ihm eine Freude,
wenn jemand fühlt sich geschunden.

Herzen gebrochen
Seelen zerstochen
Menschen ohne Rückgrat
hervorgekrochen
Gefühle erkaltet

Toleranz, Güte
daß ihr endlich die Klappe haltet

Bösartig!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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