Die Kunst des Schreibens

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Was unterschiedliche Formulierungen auszudrücken vermögen

Was kann Sprache alles vermitteln, im Schriftlichen, wo sie doch gänzlich ohne Mimik, ohne Gestik, der Akustik, den Gerüchen, den Geräuschen auskommen muß, sondern lediglich die Kunst darin besteht, mit nüchternen Tatsachen auszukommen?

Dabei sollte gerade deshalb ihr Einfluß nicht unterschätzt werden, der natürlich vom Stil, der Spannung abhängig ist. Langweilige Geschichten sind daher fad, und trockene Berichterstattung lediglich dienlich zum Nutzen der Informationen, Prosa bleibt da auf der Strecke. Und was haben in Schulzeiten so manche sich schwergetan, sich schriftlich in Aufsätzen auszudrücken.

Um Ihnen einmal zu verdeutlichen, was Sprache alles vermag, hier ein kleines aber hilfreiches Beispiel:

Ein Gänseblümchen auf einer Wiese, im Juni, wolkenloser Himmel bei strahlendem Sonnenschein. Ein Star verunglückt dabei plötzlich.

Aus der Sicht zweier Ameisen

„Ja ja, diese Zweibeiner haben mal wieder so eine eklige Kippe auf die Wiese geschmissen, hast du das gesehen?“, fragte Mia ihren Kumpel Tim, der sich schwertat, ihrem Tempo zu folgen.

„Nö, hab ich nicht, laß uns lieber mal einen Bogen um sie machen, falls sie noch glimmt, denk’ dran, letzte Woche erst hat es einen aus dem Nachbarstaat erwischt, weil er wohl nicht die Gefahr erkannte“, erwiderte Tim, grinste dabei ihr frech ins Gesicht und war verschwunden.

Mia erkannte allerdings, daß sein Ziel das Gänseblümchen war, hatten sie doch zuvor gewettet, wer als erster dort wohl ankommen würde. Ein merkwürdiges, völlig unbekanntes Geräusch, welches sehr schnell lauter wurde, ließ beide erstarren. Und dann war es schon geschehen: Ein ziemlich alter Star war vom Himmel gefallen und hatte ausgerechnet Tim unter sich begraben. Mias Trauer sollte noch eine ganze Weile lang anhalten.

Ein nüchterner Zeitungsbericht

Kleinrechen. Am Mittwochmorgen verunglückte ein Star, der im Sturzflug eine Birke übersehen hatte und erlag seinen inneren Verletzungen. Er wurde von einem aufmerksamen Gartenbesitzer auf dessen Wiese neben einem Gänseblümchen entdeckt. Die eilig herbeigerufenen Rettungssanitäter konnten nur noch den Tod des Vogels vermelden. dpa.

Später Vormittag, eine 3. Grundschulklasse schreibt eine Kurzgeschichte

Das Gänseblümchen

Ein Gänseblümchen stand ganz allein auf einer Wiese, die noch ganz feucht war. Weit und breit waren sonst keine Blumen zu sehen. In der Nähe befand sich eine Birke, die ein wenig Schatten spendete. In der Junihitze übersah ein vorbeifliegender Star die Birke und stürzte daher unglücklich ab. Er war auf der Stelle tot, wobei er beim Gänseblümchen lag.

Aus der Sicht eines Schriftstellers

Die Mittagssonne hatte am heutigen, warmen Junitag nicht die geringsten Schwierigkeiten sich durchzusetzen, waren doch die wenigen, weißen Wolken schnell verschwunden, so daß ein wunderschönes Blau sich der Natur offenbarte. Überall war emsiges Treiben zu vernehmen, Vogelgezwitscher lag in der Luft, begleitet vom Schwirren vieler Fluginsekten wie Bienen, Fliegen, Hummeln und dergleichen. Ein leichter Wind wehte aus Südwest, der warme Luftmassen herbeischaffte. Inmitten einer kräftig grünleuchtenden Wiese stand einsam ein kleines Gänseblümchen und streckte tapfer ihr Gesicht zur Sonne. Viel zu plötzlich wurde in Sekundenschnelle dieses wunderschöne Idyll tragisch heimgesucht. Ein zu übermütiger Altvogel, ein Star, übersah einen im Winde schaukelnden Birkenast, brach sich daher seinen rechten Flügel und fiel wie ein Stein vom Himmel. Durch die Wucht des Aufpralles aus immer noch beträchtlicher Höhe war er augenblicklich tot.

Anhand dieser Beispiele wird vielleicht deutlich, was Sprache für Möglichkeiten hat, mittels ihres Ausdruckes dem Leser zu vermitteln. Selbstverständlich erschöpft sie sich niemals, es liegt einzig und allein beim Autor, welche Informationen er mitteilen möchte oder aber auch nur darf, wenn man sich z.B. Zeitungsberichte vergegenwärtigt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Eklatant ohne Bestand

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Ein Fliegenschiß, ein Fliegenschiß,
der verheißt nichts gutes.
Ein Kompromiß, ein Kompromiß,
nützt nichts, außer man tut es.

Ein Kavalier, ein Kavalier,
der wird meist gern gesehen.
Hält auf die Tür, hält auf die Tür,
als sei so gar nichts geschehen.

Ein Heimatminister, ein Heimatminister,
sorgt für viel Zoff im Bundestag.
Hat drei Geschwister, hat drei Geschwister,
manch einer ihn so gar nicht mag.

Ein besorgter Dichter, ein besorgter Dichter,
sucht stets nach tieferem Sinn.
Gehen auf die Lichter, gehen auf die Lichter,
manchmal er sich fragt: wohin?

Ein Gesellschaftsriß, ein Gesellschaftsriß,
bedeutet mal wieder Unfrieden.
Kein Hindernis, kein Hindernis,
Menschen allesamt sind doch verschieden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Unionsstreit eskaliert ins Unerträgliche

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Wenn ein Heimatminister von einem Österreicher sich beraten läßt

Das Lager der „Merkel muß weg“-Gegner dürfte frohlocken, zumal sich in jener Masse nicht nur überwiegend die Neue Rechte findet, sondern obendrein all die anderen, die unzufrieden die lange Kanzlerschaft anprangern, eine Politik des Wegduckens, der Förderung neoliberaler Politik bei gleichzeitigem Sozialabbau sowie Aufrüstung. Mittendrin mitverantwortliche Sozialdemokraten, die sich obendrein jetzt raushalten.

Wenn ein Horst Seehofer die Machtfrage stellt, kommt Fahrt auf im Deutschen Bundestag, wie gestern geschehen. Im Zuge des schon lange währenden Asylstreits ist gar die Rede vom Sturz der Kanzlerin. Eine Retourkutsche gen Merkels Haltung ihrer Entscheidung im Herbst 2015? Unbedingt und mit Nachdruck, erst recht im Hinblick zur bevorstehenden Wahl Bayerns. Der Freistaat verspricht sich dadurch, die CSU zu stärken, um eine AfD in Zaum zu halten. Welch trügerische Versuche!

CSU nähert sich in Riesenschritten der blaunen Partei an

Darüber hinaus scheinen manche Politiker der CSU wohl doch in der falschen Partei zu sitzen, besonders Herr Dobrindt stellt dies immer wieder in öffentlichen Stellungnahmen unter Beweis, geht auf in seinem neuen Amt als Generalsekretär. Wieso nicht gleich zur AfD wechseln, das wäre wenigstens ehrlicher und vor allem konsequenter.

Dessen politischer Ziehvater und Heimatminister Horst Seehofer, vom Innenminister bemerkt man eher weniger, der gleich zu Beginn bei Merkels Regierungserklärung die Fronten mit seinem Anstoß, der Islam gehöre mitnichten zu Deutschland, verhärtete, sorgt nunmehr für ein weiteres Vorpreschen, nähert sich in Riesenschritten der blaunen Partei. Nach gestriger Ministerpäsidentenkonferenz, die übrigens Markus Söder vorzeitig verließ, sorgte dessen Protokollerkläung für entsprechende Aufregung: „Bayern begrüßt das Vorhaben des Bundesinnenministers, durch einen Masterplan Asyl die hierfür notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.“ Wichtigstes Prinzip seien „wirksame Binnengrenzkontrollen an allen deutschen Grenzen sowie Zurückweisungen an der Grenze“. Die CSU will Merkel keine Zeit mehr lassen, eine bevorstehende europäische Lösung zu vereinbaren, schon gibt es erste Stimmen von einem Bruch der Union.

Der Besuch von Bundeskanzler Kurz keineswegs zufällig

Bereits vorgestern stellte Horst Seehofer seinen Konfrontationskurs unter Beweis, in dem er den Integrationsgipfel im Kanzleramt absagte, um anschließend sich mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz im Innenministerium über Flüchtlingspolitik zu beraten. Von Zufall kann hierbei keine Rede sein, viel eher nicht nur von einem Affront der Bundeskanzlerin gegenüber, darüberhinaus einer Stärkung der gesamteuropäischen Neuen Rechten, die ganz offensichtlich ebenso Seehofer vorzieht. Vordergründig eine „Achse der Willigen gegen Merkel“.

In Wirklichkeit könnte man durchaus behaupten, daß es einen zweiten Masterplan gibt, den offiziellen in Sachen Flüchtlingspolitik, den inoffiziellen, das Bündnis rechtsextremer Kräfte verstärkt zu bündeln. Keine tolle Aussichten für all jene, die noch an soziale Standards festhalten, bis hin für eine humane Gesellschaft sich engagieren. Da wird viel eher Menschenverachtung zelebriert, dessen Auswüchse wir bereits im Deutschen Bundestag immer öfters vernehmen dürfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Des Menschen Gunst

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Menschen, ach, Menschen.
Steht geschrieben,
um als Erinnerung
zu dienen.

Genau da war der Haken.
Hätte er den Mund gehalten,
das Dienen nicht erwähnt,
könnte man genießen,
so ist man vergrämt.

Was im Buche steht,
nicht ist verkehrt.
Es ist das vorab Versklaven,
anstatt der Gunst sich zu laben,
erhält man die Verpflichtung
zur Erinnerung an die Dichtung.

Menschen, ach, Menschen,
das habe ich mir gemerkt,
oftmals sind sie
keine Erinnerungen wert.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Earth Overshoot Day rückt gen Juli

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Australier und US-Amerikaner benötigen jeweils mindestens 5 Erden

In den Tag hineinleben, einfach sich fallen lassen im Rausch ewiglichen Konsums, Hauptsache es geht einem gut, was interessieren schon all die weltweiten Probleme, die unser Verhalten nach sich ziehen, man merkt doch kaum bis gar nichts davon. Welch Trugschluß, zumal wer genauer beobachtet, längst erkennen sollte, daß selbst hierzulande vieles aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Non-Profit-Organisation GFN (Global Footprint Network) hat den Earth Overshoot Day ins Leben gerufen, der Tag, an dem die errechneten Jahresressourcen der Welt aufgebraucht sein werden. Das GFN arbeitet dabei mit über hundert Partnerorganisationen, aber auch Städten, Ländern, Industrieunternehmen zusammen, um somit den Ökölogischen Fußabdruck einzusetzen, dessen Meßmethode mit einem komplexen Kennzahlensystem zustandekommt.

Seit 1971 verbrauchen wir mehr Ressourcen als zur Verfügung stehen

Errechnet wurde der 21. Dezember, wo der jährliche Verbrauch erschöpft war. Selbst 1990 befand sich jene Entwicklung noch im Dezember, wurde der 07. Dezember als Earth Overshoot Day errechnet. 15 Jahre später war dieser Tag der 20. Oktober, die Entwicklung schritt wesentlich schneller voran, weil schon fünf Jahre später, am 21. August 2010, der Erdüberlastungstag festgelegt wurde.

Seitdem verharrt zwar Menschheit im Sommermonat August, offensichtlich macht sich ein Umdenken breit, was dennoch keine Entwarnung bedeuten muß, aber zumindest ein kurzfristiges Innehalten. Diesjährig wird es der 01. August sein.

Greenpeace bietet etliche positive Vorschläge an

Um Ausreden zu verhindern, eben aufzuzeigen, daß Mensch und Konsument durchaus Möglichkeiten hat, den Earth Overshoot Day wieder nach hinten zu verbannen, weil wir inzwischen schon 1,7 Erden bräuchten, die eine Welt nicht genug ist.

Zurück zum Leitungswasser, zumal wir gerade hierzulande meist über eine hohe Trinkwasserqualität verfügen, den Fleischkonsum senken, nicht gleich alles ausdrucken, eher weniger Papier verschwenden, Plastikmüll vermeiden, Nahrungsmittelabfälle halbieren, um nur einige Vorschläge der Greenpeace-Liste zu zitieren, verhelfen durchaus, unser Bewußtsein zu schärfen. Nützt aber auch nur etwas, wenn man konsequent sie umsetzt, nicht eine Minderheit, sondern eine große Mehrheit.

Eine schöne neue Welt gewollter Ignoranz belastet uns weiterhin, obwohl etliche wenigstens beginnen, umzudenken. Dazu bedarf es natürlich, ideologische Schranken abzubauen, nüchtern den Tatsachen ins Auge zu blicken, genauer hinzuschauen, was da vor unser aller Augen geschieht. Mit Lippenbekenntnissen wird es nicht getan sein.

„Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden.“ (Hermann Hesse)

Wer diese Erkenntnisse hat, weiß nur zu genau, woran die Menschheit krankt. Wann beginnt sie, endlich wieder ihr verlorenes Paradies aufzubauen, bevor es endgültig verloren?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Idem per idem oder Zirkelschluß

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Er hat keine Persönlichkeit,
dann ist er Nationalist halt.

Damit kann er sich hervortun,
auf anderer Lorbeeren ausruhn.

In der gleichen Gegend geboren,
bedeutet, auch er ist auserkoren.

Identitär, das ist doch mehr als fair,
derselbe, noch Fragen irgendwer?

Wer braucht schon Charakter,
Gülle gehört auf den Acker.

Jetzt ist er wer, jetzt ist er stolz,
egal was er hat auf dem Kerbholz.

Aus klein mach groß,
entscheidend die Nation bloß.

So denkt und fühlt einer,
ohje, ein Loch ist im Eimer…

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Armut bedeutet stets Gewalt auf leisen Sohlen

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Sozialstaaten am Ende – der Reichtum verteidigt seinen Stand

Noch können die Bedürftigen sich hierzulande einer sozialrassistischen Hartz-IV-Regelung erfreuen, die politische Gesetzgebung sieht keine Kürzungen auf Null vor. Es fragt sich nur, wie lange noch. Meinen Sie tatsächlich, der einmal angehäufte Reichtum wird ein Stückchen von seinem riesigen Kuchen abgeben wollen? Bisher wäre das eine einmalige Geste in der Geschichte der Menschheit. Das Gegenteil war stets der Fall, außer, es wurde den Privilegierten mit Gewalt ihr Hab und Gut enteignet zum Wohle des darbenden Volkes.

Im übrigen muß festgehalten werden: Armut ist eine Form der Gewalt. Und Armut entsteht immer infolge von Ausbeutung. Wer also die Armut fördert, muß auch mit einer gewissen Gegengewalt rechnen. Und das tun sie auch, die wirklich Reichen. Sie haben längst „aufgerüstet“, sich abgeschottet hinter Stacheldraht, Videokameras und Security. Die Frage, die sich stellt: Wie lange können sie diesen Krieg zwischen sich und der breiten Masse ernsthaft durchhalten? Ja, wir müssen dabei von einem Krieg sprechen, der stellvertretend weltweit stattfindet, nur nicht hier in der wohlbehüteten, westlichen Welt. Doch auch hier offenbaren sich immer deutlicher seine eigentlichen Folgen, die ganz viel mit Sozialabbau zu tun haben.

Vom Gleichgewicht der zu beruhigenden Bevölkerung

Solange das Volk nicht wirklich bemerkt, daß ihm das Fell über die Ohren gezogen wird, hält es still. Das war schon immer so. In guten Zeiten, wo jeder mehr oder weniger einen Arbeitsplatz hatte, soziale Absicherung halbwegs gegeben war, Frieden herrschte, da ließ es sich leben, während dennoch die ewig nimmersatten Gierigen bereits dabei waren, sich die Taschen so richtig vollzustopfen.

Das ging bisher stets eben nicht zu Lasten der Menschen hierzulande, sondern ganz einfach da draußen in einer Welt, die sich wie ein Selbstbedienungsladen für diejenigen präsentierte, die einfach nur noch zugreifen mußten. Klingt für Sie zu simpel? Doch, es ist keinesfalls schwierig, man muß nur skrupellos und unmoralisch genug sein, sich von Menschenrechten gänzlich verabschieden, eine rücksichtslose Vorgehensweise bis hin zu dem Inkaufnehmen von Menschenopfern praktizieren. Wer vertuscht all diese Verbrechen, um ja den Frieden zu bewahren?

Die Politik, die am ungerechtfertigten Gewinn beteiligte Wirtschaft, oftmals eine stillhaltende Medienlandschaft. Dabei muß man sich das Ganze als ein riesiges, letztlich undurchschaubares Netz der Seilschaften vorstellen, wobei selbst gutunterrichtete Insider ebenso nicht den vollen „Durchblick“ haben. Macht auch nichts, Hauptsache das weltweite Gleichgewicht gerät nicht aus den Fugen. Die Völker haben einfach stillzuhalten, staunend ob der Entwicklungen, sind sie ohnehin viel zu beschäftigt im Reigen der vielen Schauplätze der „Brot und Spiele“. Was im alten Rom prima funktionierte, erweist sich bis heute als nützlich.

Haben wir alle über unsere Verhältnisse gelebt?

Wenn wir mit ganz offenen Augen in die Welt schauen, dann können wir nur noch diese Frage bejahen. Doch ein schlechtes Gewissen uns jetzt einreden zu wollen, kann zynischer kaum daherkommen, wenn es ausgerechnet von denjenigen formuliert wird, die wesentlich beteiligt waren an diesem jahrzehntelangen, eigentlich jahrhundertelangen Prozeß: den Politikern. Die westliche Welt war von Beginn an auf Expansion, auf Raubbau aus, und das nur, um ihre eigenen Belange zu erreichen, per Gewalt und keineswegs behutsam oder gar mit entsprechender Weitsicht.

Rücksichtslos wurde alles zu Geld verwertet, was half, den eigenen Reichtum zu steigern. Wenn schon in der Presse über das Drama des deutschen Sozialstaates zu lesen ist, dann kommen da eine Menge dramatische Zukunftsszenarien auf uns zu. Denn eines sollte klar sein: In allen Krisen haben stets die Armen, die ganz unten angelangt sind, zuerst das Nachsehen. Darum wird der Sozialstaat aufgegeben, und zwar ziemlich schnell und eindeutig. Reichtum hofiert sich weiterhin, hat er doch seine Sicherheit, seine stetigen Begünstigungen.

Es liegt also nur an uns allen, die tatsächlichen Zusammenhänge zu begreifen und dann entsprechend sich zusammenzutun. In schweren Krisen zeigt sich ganz schnell die eigentliche Menschlichkeit, ob wir es gelernt haben, zu teilen, füreinander einzustehen und vor allem keine andere Staatsform zuzulassen als eine Demokratie. Wenn wir zugunsten des nimmersatten Reichtums sämtliche Erkenntnisse des Humanismus opfern, dann schaut es mitnichten gut aus für die Zukunft.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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