Analphabetismus auch hierzulande vorhanden

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Kaum Chancen für Lernbehinderte – Bildungs-system in der Kritik

Wenn Statistiken weltweit 862 Millionen Analphabeten aufführen, mögen viele hier-zulande mit der Schulter zucken, wissend, wie dramatisch da draußen in fernen Ländern beim Existenzkampf kaum sich Gedanken um eine Grundbildung gemacht werden kann, weil in erster Linie ein Überleben zunächst ansteht.

Daß Armut und kriegerische Auseinandersetzung zusammen mit ausbeuterischen Struk-turen entscheidend dazu beitragen, einen bestimmten Bildungsstand zu verhindern, sollte jedem dennoch einleuchten. Zwölf Prozent der Berufstätigen können nicht richtig lesen. Woran dies wohl liegen mag? Gibt es etwa in europäischen Gesellschaften kaum Chancen für Lernbehinderte, wobei zugleich das Bildungssystem selbst in der Kritik steht?

Elternliebe ein Grundstein – oberflächliche Betrachtung nicht hilfreich

Schnellschüsse helfen nicht wirklich, sondern viel eher eine klare Differenzierung. Und gerade deshalb sollten wir mit statistischen Zahlen äußerst vorsichtig sein, wenn die Rede von 7,5 Millionen Menschen ist, die kaum lesen und schreiben können. Zumindest muß darauf hingewiesen werden, daß in dieser großen Zahl der primäre, sekundäre und funk-tionale Analphabetismus enthalten ist. Kurzfristig angelegte Programme seitens der Bundesregierung taugen nicht viel, man darf gespannt sein, wie die neue Bundesregierung Johanna Wankas Beteuerung zum verstärkten Kampf gegen Analpha-betismus tatsächlich umsetzen wird.

Ganzheitliches Denken kann nur die Antwort sein, dabei schwingen auch ganz persönliche Erfahrungen mit, gerade was die ersten Jahre der Entwicklung vom Baby zum Kleinkind anbelangt. Die Geborgenheit zur Mutter oder den Eltern läßt das Kind intensiver und vor allem in vertrauter Umgebung unbefangener die Welt entdecken, so haben solche Kinder eine höhere Chance, Sprache zu erlernen als in Fremdbetreuung, die in einem Klima geteilter Liebe bei gleichzeitiger Distanz stattfindet. Elternliebe ein Grundstein, um späteren Analphabetismus zu verhindern? Das wäre zu simpel, aber sie gibt den Kindern schon einen großen Halt.

Wird Analphabetismus dennoch bagatellisiert? – Schulsystem auf dem Prüfstand

Obwohl nach aktuellen Untersuchungen der Nachweis erbracht wurde, daß Analpha-betismus zu einer erheblichen Behinderung der persönlichen und sozialen Integration des einzelnen Menschen führt, stimmt die deutsche Rechtsprechung dem nicht zu: Für sie gilt, Analphabetismus ist keine Form der Behinderung.

Angesichts der nach wie vor hohen Anzahl an Analphabeten muß sich auch unser Bildungssystem die Frage stellen lassen, was da wohl verkehrt läuft? Das Schulsystem, die zweite Instanz bei heranwachsenden Menschen, hat eine sehr hohe Verantwortung, allen gerecht zu werden. Da sich aber alles nach den Vorgaben einer leistungsorientierten Wirtschaft richtet, in der der Schwächere kaum bis gar keine Chance hat, Förderunterricht nicht flächendeckend stattfindet, brauchen wir uns über die Mißstände nicht zu wundern. Es bedarf daher eines ausführlichen Überdenkens, weil ansonsten das Problem weiterbesteht und die betroffenen Menschen sich selbst überlassen chancenlos bleiben.

„Non scholae sed vitae discimus.“ (Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Was war zuerst, die Sorge oder der Zorn?

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Zores auf der Straße ein Kalkül?

Grundbedürfnisse eines Babys sind grob umschrieben, Nahrung, Wasser, Wärme, Luft, Berührung, Licht, Schlaf, Pflege. Die Reihenfolge ist hier wahllos aufgeführt und hat nichts mit einem ablaufenden Schema gemein. Auch der Bedarf der einzelnen Zuwendungen der oben genannten Bedürfnisse ist unterschiedlich. Was aber immer gleich bleibt, ist das Bemerkbarmachen, wenn eines der Bedürfnisse nicht erfolgt. Das Baby weint, schreit.

Falls das Baby nicht durch einen Traum, Lärm aufgeschreckt wird, wird es anfangs leise weinen. Dieses Weinen kann sich in Schreien verwandeln, wenn ein individueller Zeitrahmen überschritten ist oder Schmerzen akut vorhanden sind. Schreit das Baby aus Zorn oder aus Sorge?

Es ist die Sorge, die das Baby veranlaßt, auf sich aufmerksam zu machen, die Sorge der Hilflosigkeit. Wäre das Weinen Zorn, so müßte man den Babys unterstellen, sie fühlten Zorn noch bevor das Gegenüber weiß, daß sie sich unwohl fühlen.

Die Sorge, mittelhochdeutsch sorge, althochdeutsch sorga, eigentlich Kummer, Gram. Andere Begriffe sind, Angstgefühl, Befürchtung, Beunruhigung, Furcht, Fürsorglichkeit, Schutz, Versorgung, Obhut. (Duden)

Der Zorn, mittelhochdeutsch, althochdeutsch zorn, Herkunft ungeklärt. Synonyme sind Ärger, Aufgebrachtheit, Groll, Hader, Erregung, Aggression, Tobsucht, Raserei, Wut, Jähzorn. (Duden)

Sprachwissenschaftlich findet sich laut Duden keine Wortverwandtschaft, die eventuell Hinweise geben könnte, ob sich Sorge zu Zorn oder Zorn zu Sorge verwandeln kann.

Kennen Sie das Wort Zores? Es ist nicht mehr sehr oft im Sprachgebrauch zu hören. Mit jemanden Zores haben bedeutet, mit jemanden Ärger haben. Mach doch nicht so einen Zores! Mach doch nicht so ein Gezänk!

Der Zores, jiddisch zores (Plural), Sorgen, zu hebräisch Zạrạ̈, Kummer. Andere Wörter sind, Ärger, Gezänk, Wirrwarr, Gesindel, Stunk, Unannehmlichkeit. (Duden)

Liegt hier für die obige Behauptung eine Bestätigung vor? Möglicherweise, denn es ist nicht ungewöhnlich, daß Wörter im Laufe von Jahrhunderten, manchmal nur in Jahrzehnten von der ursprünglichen Aussage und Bedeutung sich losgelöst, ja sogar ins Gegenteil verwandelt haben.

Der Zores, die Sorge, der Kummer verstehen wir heute als Ärger, Stunk, Gezänk, Gesindel. Nichts erinnert in der derzeitigen Bedeutung an Befürchtung, Angstgefühl, Fürsorglichkeit. Aus Sorge wurde Ärger, Zorn.

Nun stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang gibt, wenn man den Zorn beobachtet, der in den Medien, auf der Straße graßiert und der obigen Aussage Babys würden Sorge empfinden und nicht Zorn, wenn sie weinen. Sind die wütenden Massen auf der Straße in Sorge aus Hilfslosigkeit oder sind sie zornig aus Hilfslosigkeit?

Bezieht man das Verhalten eines weinenden Babys, nachdem eines oder eventuell mehrere Bedürfnisse gestillt wurden, in die Frage mit ein, so kann man durchaus erkennen, daß der Sorgende sich beruhigt, der Zornige aber nicht oder nur bedingt. Wenn nämlich zur Sorge der Trotz hinzukommt, kann noch so viel geholfen und bemüht werden.

Trotzende Babys (etwa ab dem 10. Lebensmonat) kann man schnell ablenken. Etwa ab dem zweiten Lebensjahr beginnt das eigentliche Trotzalter (Lernphase, daß die eigenen Wünsche nicht die Wünsche der Eltern oder Bezugspersonen sein müssen und nicht immer erfüllt werden.). Setzen wir voraus, daß Erwachsene im Gegensatz zu Babys und Kindern sehr wohl unterscheiden können zwischen Sorge, Zorn und Trotz, dann bleiben einige Fragen offen in Bezug auf das eigene Einlenken zu ihren Beweggründen und das Vermeiden der Sorge, des Zorns durch Differenzierung, Aufklärung.

Warum schließen sich Menschen dem Zores auf der Straße, in den Medien an? Wirklich nur aus Sorge oder steckt hinter dem auf der Straße verbreiteten Zorn Kalkül? Das Kalkül des Trotzes? Der besorgte Bürger in Wahrheit der tobende Bürger, weil er sich überhaupt nicht beruhigen will.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Klimawandelleugner Trump hofiert Auto- und Ölkonzerne

Mit Hilfe der EPA werden Obamas Umweltnormen gekippt

Die Tragödie nimmt ihren Lauf, was seit Monaten im Weißen Haus sich abspielt, hat längst die Runde gemacht, jener 45. US-Präsident hat sein Markenzeichen des „You’re fired“ äußerst eindrucksvoll unter Beweis gestellt, keiner seiner Vorgänger ließ dermaßen viele Mitarbeiter feuern, sorgte für eine derartige Unruhe im Stab.

Die Frage, wieviel Trump die Weltgemeinschaft verträgt, kann nur jeder halbwegs vernünftige Mensch bei klarem Verstand mit einem deutlichen „gar keinen“ beantworten. Die Bevölkerung der USA hat ihn aber gewählt, muß sich dieser Herausforderung stellen. Insofern aus der Sicht des Klimawandelleugners Donald Trump, Obamas Umweltnormen für Autos lockern zu wollen, letztlich konsequent, mit diesem Schritt die Auto- und Ölkonzerne zu hofieren.

Eine solche EPA glänzt mit fragwürdigen Entscheidungen

Die im Jahre 1970 ins Leben gerufene Umweltschutzbehörde, die United States Environmental Protection Agency (USEP), kurz auch EPA genannt, soll eigentlich unabhängig agieren. Davon kann spätestens mit diesem neuen US-Präsidenten keine Rede mehr sein, der schon mit dem Übergangsteam den erklärten Verfechter des Klimawandels, Myron Ebell, einsetzte, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung absolvierte, aber sich als Leiter der „Cooler Heads Coalition“, einer Vereinigung von konservativen Think Tanks, wichtigtut.

In Folge darf jetzt der von Trump benannte Leiter der EPA, der Rechtsanwalt Scott Pruitt, die Geschicke der EPA bestimmen. Auch der Klimawandelleugner Pruitt beherzigt die Vorgaben seines Präsidenten, indem die Umweltschutzbehörde komplett aufgemischt, das Personal erheblich verkleinert wird. In diesem Kontext sei an die von Wissenschaftlern organisierten Data Rescue Events (Datenrettungsveranstaltungen) erinnert, die seit Dezember 2016, somit schon vor dem Amtsantritt von Danald Trump stattfanden, um auf diese Weise öffentliche Daten zu kopieren, sie in ein gesichertes Archiv zu speichern mit dem Projekt datafuge.org (Datenzuflucht).

Pruitt fordert neue Umwelt- und Sicherheitsstandards

Wobei er natürlich bei Auto- und Ölkonzernen offene Türen einrennt. Trumps Vorgabe der Klimawandelleugnung führt somit zu dessen erwünschten Ergebnissen, während das Pariser Abkommen gleichzeitig mit Füßen getreten wird. Die USA, das wiedergekehrte Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die Umwelt erst recht zu belasten, so die dramatische Schlußfolgerung!

Den Widerstand des kalifornischen Generalstaatsanwalts Xavier Becerra kann man daher nur begrüßen, der den Kampf gegen den „Krieg der Umwelt“ der Trump-Administration mutig mit einem Rechtsstreit angeht. Umso wichtiger, daß die Öffentlichkeit nicht nur darüber informiert wird, sondern darüber hinaus Umweltverbände weltweit gegen die US-Politik protestieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Der Bettenmacher

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Es war nicht die rettende Frage, die er erwartet hat, als sie ihm durch den Kopf schoß. Kann man besser lernen, wo der Schuh drückt, wenn man als Kind zum größten Teil mit zu kleinen Schuhen die Schritte ins Leben bewältigt hat? Ansichtssache. War seine Antwort. Randolf war sich sicher, solche Fragen geistern nur in seinem Kopf, damit er sich geistig beschäftigen soll. Sie waren reine Beschäftigungstherapie. Ablenkung. Eine bewußte Irreführung. Denn die eigentliche Frage hätte seiner Meinung nach etwa lauten müssen, warum kann ich nicht wie die anderen bei dieser Feier ausgelassen sein?

Und weil er weiß, daß ihn weder die Frage noch die Antwort interessiert, weil ihn nämlich aus lauter Frust gar nichts interessiert, phantasieren seine Gehirnzellen mittels Ablenkungstaktiken vom ursprünglichen Thema eigene selbstgefällige Fragen, natürlich unter Berücksichtigung seiner Interessengebiete. Auf die Idee eine Frage zu stellen, die es ihm leichter machen könnte, die Blonde, die sich lachend im Gewühl der anderen Partygäste von einem zum anderen hangelt, eine Frage zu formulieren, wie er sie ansprechen könnte, darauf, das weiß er, kann er lange warten, denn schließlich kennt er sich in seinem Kopf bestens aus, und er kann halt nun mal nur mit Anmachsprüchen aufwarten, die er im Fall der Blondine fehl am Platz hält.

Wer schon als Kind auf großem Fuß gelebt hat, hat als Erwachsener weniger Probleme, sich breit zu machen. War das jetzt eine Frage oder eine Antwort? Bei Oliver scheint dies zuzutreffen, er bewegt sich traumwandlerisch, ohne anzuecken, auf solchen Partys. Nicht nur die Mädels hängen an seinem Arm und Lippen, auch die männliche Ausgabe von „Was du nicht erzählst!“- Anhängern schnurren um ihn herum. Das ist mal wieder ein Sonnenbad für ihn.

Randolf trat im übertragenen Sinn von einem Bein auf das andere. Sein Getränk neigte sich dem Ende zu, genauso wie seine Stimmung, die ihm einflüsterte, soll ich jetzt gehen? Eine konkrete Frage verlangt eine konkrete Antwort. Doch die konnte er nicht denken, denn Oliver winkte ihn zu sich mit der Frage: „Randolf, hast du Bock mit schwimmen zu gehen?“

Ein langgezogenes Ja kam direkt als Antwort, das sollte ihm die Chance bieten, noch ein Weilchen Zeit zu überbrücken, ob er denn nicht hintenan ein „vielleicht“ oder ein, „wo wollt ihr denn schwimmen“, oder „aber ich…“, oder eine andere passende Ausredefrage, mit der man seine Unschlüssigkeit verstecken kann. Die Blonde, ich bin Janine, fiel ihm aber in das Ja hinein, so daß er, ohne daß er das wirklich vorgehabt hätte, jetzt mit Oliver, Tim, Charlotte, Jan, Sebastian, Chiara und der blonden Janine am Weiher bei Dietershofen saß.

Wenn man mit beiden Beinen auf dem Boden steht, steht man dann auch auf eigenen Beinen? Randolf fand wider Erwarten in Janine eine Gesprächspartnerin, die ihm nicht auf die Füße trat. Sie sprach mit Händen und Füßen, egal ob über etwas gelacht oder ein ernstes Thema angeschnitten wurde. Sie vertrat vehement ihre Standpunkte, auch wenn sie auf einsamen Posten stand. Manchmal schien es, sie provoziere diese Außenseiterrolle, nur um kurz im Abseits zu stehen.

Das gefiel Randolf. Und ihm gefiel, daß sie öfters auf eine Frage mit einer Frage antwortete. Oder völlig andere Themen ansprach, die keinerlei Bezug zu dem gerade geführten Gespräch hatten.

Randolf mochte noch nie blonde Frauen, Frauen, die ständig mit den Armen fuchteln und so gut wie nie den Mund halten und zuhören.

„Du bist ein Bettenmacher, deshalb bin ich dein Widersacher“, lachte sie ihn an. Und hörte weder mit dem Lachen noch mit, du bist ein Bettenmacher, deshalb bist du mein Widersacher, auf, bis er, weil er nicht verstand, angesteckt durch ihr Gelächter, zuerst einen Bauchkrampf und danach einen Hustenanfall bekam.

Randolf schmunzelte, lange schon hatte er nicht mehr, du bist ein Bettenmacher, deshalb bin ich dein Widersacher, gehört. Und bis heute ist ihm der Sinn nicht gänzlich verständlich. Klar, er bemüht sich um Ausgewogenheit und das nicht nur für sich selbst, auch unter Freunden, überhaupt zu allen Themen, das muß er zugeben und sie, sie ist meistens auf Krawall gebürstet. Wie jemand, der ständig mit dem falschen Fuß aufsteht, dies aber mit Leidenschaft, einfach nur um zu kontern. Er bietet ihr quasi ständig eine Vorlage, auf der sie dann herumtrampeln kann. Er macht das Bett, das sie mit Freude zerwühlt.

Hast du dich schon mal gefragt, ob man mit zwei linken Händen weiß, was die rechte und die linke Hand macht? Kippt man eher aus den Schuhen, wenn man kalte Füße bekommt? Reine Ablenkung. Eine bewußte Irreführung. Stolpernd betrat er das Juweliergeschäft, um einen Ring zu kaufen, denn am Wochenende will er um ihre Hand bitten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Gewalt in der Erziehung latent vorhanden

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Eltern überfordert – gibt es überhaupt Alter-nativen?

Früher war alles anders, da habe ein Klaps, eine Ohrfeige, eine Tracht Prügel schließlich auch nichts geschadet, wenn sie denn gerechtfertigt war. Solche Sätze kann man des öfteren in Gesprächen mit Eltern der etwas älteren Generationen hören.

Doch wer entscheidet eigentlich, inwieweit dieses veraltete Erziehungsmodell gehen darf? Wie oft, wie hart und wie lange dürfen solche Erziehungsmaßnahmen stattfinden? Ganz einfach: Sie sind mit der Einführung des Gesetzes zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung seit dem Jahr 2000 in Deutschland schlichtweg verboten. Aber zwischen der gesetzlichen Vorschrift und der Praxis im Alltag gibt es nach wie vor genug Gesetzesbrüche in der Erziehung, sodaß weiterhin diese Fragen unbeantwortet bleiben.

Was lange währte, soll auf einmal einfach unterbunden sein?

Noch bis zu Beginn der 1970iger Jahre war es durchaus üblich, daß Schüler von Lehrern noch gezüchtigt wurden mit dem Rohrstock, Schlägen auf den Allerwertesten, bis hin sogar mit dem Gummi eines Scheibenwischers auf dem Hinterkopf. Seit 1973 wurde das Züchtigungsrecht für Lehrkräfte an Schulen untersagt, Bayern brauchte für dieses Verbot immerhin noch weitere zehn Jahre.

In diesem Zusammenhang sei auch angemerkt, daß die Unionsparteien dem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung im übrigen nicht zugestimmt hatten. Dürfen wir davon ausgehen, daß die C-Parteien sich auf die Bibel berufen, auf Stellen sowohl im Alten als auch im Neuen Testament, bei denen die Züchtigung von Kindern sogar empfohlen wird? Aus dieser jahrhundertealten Tradition heraus hat sich folglich die Bestrafung per Gewalt in der Kindererziehung festigen können, die allerdings ebenso in anderen religiösen Kulturen Anwendung fand.

Der christliche Prediger Wilfried Pflock zeigt sich völlig unbeeindruckt und nicht im geringsten einsichtig, „Kinder schlagen im Namen Gottes“ predigt er sogar, hält Vorträge. Daher dürfte es nicht weiter verwunderlich sein, daß immer noch viele Eltern auch heute noch zuschlagen angesichts einer in der Gesellschaft noch verwurzelten Überzeugung, es könne als erzieherische Maßnahme wohl nicht schaden. Wann beginnt der Schaden tatsächlich? Wer hat das Recht, diesen einzuschätzen? Doch was sind die eigentlichen Ursachen dieser Hilflosigkeit der Eltern?

Gründe der erzieherischen Gewalt – Wege aus solchen Krisen

Wer seine Kinder schlägt, stellt im selben Moment seine Unfähigkeit unter Beweis, Konflikte nicht anders lösen zu können. Aber wer nach einer langen Zeit mühsamen Redens mit Engelszungen schließlich die Nerven verliert und per Ohrfeige, Schläge auf dem Po, seinen Kindern überdeutlich die Überschreitung der Geduldsgrenzen auf diese Weise verdeutlicht, hat die Ebene der physischen Gewalt erreicht. In der Regel scheint der Konflikt beendet zu sein. Doch genau das ist trügerisch.

Findet diese Form der Eskalation beim nächsten Mal unter selben oder ähnlichen Vorraussetzungen wieder statt, um schließlich sich als Muster einer erzieherischen Maßnahme zu festigen? Oftmals muß man dies leider bejahen, es geschieht genauso. Wenn Menschen, also Familien zusammenleben, sind immer Konflikte vorprogrammiert. Leben die Eltern selbst innerhalb ihrer Beziehung Gewalt als Mittel vor, brauchen wir uns nicht zu wundern, daß deren Kinder dasselbe Aggressionspotential aufnehmen und bei ihnen dann entsprechend erzieherisch stattfindet. Aber auch zu hohe Anforderungen, Unsicherheiten in der Erziehung selbst, was sich durch inkonsequentes Verhalten seitens der Eltern zeigt, keine klaren Absprachen, führen schnell zu Hilflosigkeit mit entsprechendem Ende zur Hemmschwelle der Gewaltausübung der Schutzbefohlenen.

Ein ganz entscheidender Punkt, der genannt werden muß: die Arbeitslosigkeit, die Zunahme der Armut. Es gibt durchaus belegte Zahlen, daß Gewalt in Familien im Zusammenhang des sozialen Standes viel eher stattfindet. Wer sorgenfrei seinen Alltag gestalten darf, hat es eben leichter, selbst wenn in den sogenannten Oberschichten keineswegs eine pazifistische Grundhaltung eingekehrt ist. Auch sie sind Menschen, die bei Überforderung reagieren.

Jedes Kind braucht von Beginn an sehr viel Zuwendung bei gleichzeitig aufgezeigten Grenzen und eine gewiße Kontrolle. Emotionale Kälte und eine inkonsequente Kontrolle in der Erziehung fördern viel eher das Aggressionsverhalten bei den Kindern selbst. Sehr mitentscheidend muß allerdings auch das Hineintragen von Gewalt in die Familien von außerhalb berücksichtigt werden, wenn man sich den Schulalltag genauer anschaut. Dort hat Gewalt generell erheblich zugenommen. Und nicht nur das. Ebenso müssen wir eine Bereitschaft der Gewaltzunahme in der Gesellschaft selbst feststellen, und das nicht nur wegen der Berichterstattung über sich häufende U- und S-Bahn-Vorfälle.

Letztlich nutzen gutgemeinte und durchaus berechtigte Gesetze, wie das der Ächtung von Gewalt in der Erziehung nur dann wirklich etwas, wenn die Gesellschaft selbst sich ändert, mit daran wirkt, politische Weichen der Entspannung in unserem gemeinsamen Zusammenleben zu fordern, sie somit humaner wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Ostern am 01. April macht ohnehin, was es will

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Mannomann ist das schrill! Dabei setzt sich das Jahr 2018 nach dem ersten Vierteljahr genau dort fort, womit es im letzten bei manch einem den Atem stocken ließ. Am ein oder anderen Ort es bedauerlicherweise hieß: Besser flieh ganz schnell, weil dort all jene Waffen sprechen, nicht einfach so ick euch erzähl’, die zerstören Leben und viele Flächen.

Und wenn Flüchtlinge in Scharen das Weite suchen, obwohl kein Mensch ist illegal, hierzulande jene Neuen Rechten sie verfluchen. Na, haben die denn ne andere Wahl? Aber Hauptsache mit den „Söhnen Europas“ prahlen, die werden es angeblich schon richten. Wat für idiotische Qualen, wer denen zuhört beim unsinnigen Zusammendichten. Haß ist deren Botschaft, die niemand gebrauchen kann, sie zündeln, damit die Gesellschaft auseinanderklafft, ziehen Verunsicherte in ihren Bann.

Ganz fatal dabei jener blonde Dolle in den Staaten, der hat uns gerade noch gefehlt. Jetzt heißt’s, nicht einfach abwarten, dafür ist’s eh zu spät. Vielmehr nen klaren Kopf bewahren. Wer voreilige Schlüsse zieht, ob jung oder in fortgeschrittenen Jahren, weiß am Ende nicht, was tatsächlich geschieht. Nicht etwa das Jüngste Gericht, das erwartet uns ohnehin früh genug, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, zerbrochen manch Krug, der letzte Damm.

Kein Aprilscherz mag über die Lippen schwingen, dafür die Lage viel zu ernst uns belastet. Nichts Gutes mag gelingen, manch Entscheidungen überhastet. Den roten Faden sollte man schon erkennen, der keineswegs zufällig sich präsentiert. Kinder entsetzt flennen, eine Soldatenschar pariert. Die Zeichen stehen weltweit längst auf Krieg, Mensch nichts aus der Geschichte gelernt, habt Euch besser lieb. Vergessen, wofür Ihr in Eurer Jugend geschwärmt?

Mach dir doch nen Knoten ins Tuch, das mag dem Erinnerungsvermögen helfen. Riechst etwa nicht den Waffengeruch, jenen ständig sich wiederholenden Fluch? Auch bei Besuch von kleinen, niedlichen Elfen, die in deine Ohren säuseln: „Einzig und allein ein friedfertiges Leben zählt.“ Daraufhin deine Zehen sich kräuseln, dein schlechtes Gewissen dich quält.

Aus all den vollzogenen Fehlern lernen, sie bloß nicht wiederholen. Nicht weiterlärmen, man hätt’ dir die Freiheit gestohlen. Im Grunde wissen die Meisten, was ihre Stunde hat geschlagen: Man kann sich diesen Haß keineswegs leisten, nicht jetzt und auch nicht in zukünftigen Tagen.

Drum bewahre nicht nur jene Erkenntnis, sie auch umzusetzen, sondern entferne jedes Hindernis, was uns weiterhin will verletzen. Der Kosmos auf Liebe baut. Wenn beim 01. April am Ostersonntag der Morgen graut, Hand aufs Herz, ganz ohne Scherz, nutzt jede Gelegenheit für Zweisamkeit, seid bereit, Eure kleine Welt friedlich zu gestalten, anstatt für Krieg und Elend stillzuhalten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Knoten im Tuch

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Es ist kein Fluch,
der Knoten
im Taschentuch.

Er soll erinnern,
an Wichtiges,
und was es sonst
noch gibt an Dingern,
er soll das Vergessen
lindern.

Der Knoten als
Gedankenfundament,
das Bild,
das an der Wand hängt.
Das verschlungene Tuch,
der Gedankenöffner
zum aufgeschlagenen Buch.

Fehlt trotzdem
irgendwann der Sinn,
nicht schlimm,
solange der Knoten,
bleibt das Wissen drin,
wie Geheimnisse
im Herzen sicher sind.

Drum ist der Knoten
im Taschentuch
kein Fluch,
es ist das Kriterium
des Geistes,
sein Mysterium.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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