Steck das Hemd in die Hose

https://pixabay.com/de/gesicht-kopf-geist-gedanke-109968/

pixabay.com

Vor langer Zeit habe ich mir verboten, das vor dem Einschlafen Gedachte zu merken. Zu oft grübelte ich am nächsten Morgen, den ganzen nächsten Tag, ach was, tageweise, also auch völlig unabhängig, ob ich nun gestern Abend oder vor einer Woche abends, manchmal sogar noch Monate nach so einem Einschlafgedachtem, darüber nach, was ich denn nun gedacht hatte.

Tricks, wie merke dir nur zwei Begriffe, formuliere einen einprägsamen Text, stelle eine Verbindung zu einem wichtigen Ereignis in deinem Leben vor, möglich war auch das Leben von Freunden, wenn es passend erschien, wiederhole ständig diese Merkbegriffe, zeigten sich als nutzlos. Selbst, und dies war anfangs mehr als bedenklich, als ich anfing, das Gedachte auf einen neben dem Bett platzierten Notizblock zu schreiben, wußte ich oftmals nichts mit diesen Begriffen anzufangen, sie erschienen losgelöst von einem Zusammenhang wie Staubkörner in einem luftleerem Raum. Wie sind diese Partikel hierhergekommen, aus welchen Materialien bestehen sie, verdammt nochmal, wer hat hier nicht auf die erforderliche Hygiene, Sterilität geachtet?

So kann man doch unmöglich Rückschlüsse ziehen auf einen klaren Gedanken, wenn das Gedachte verunreinigt ist. Entweder war das Einschlafgedachte bereits durch die Kurzinfos aus dem Nachttischzettel verwirrend, oder ich selbst, das gebe ich zu, habe durch die morgendlichen Gedanken, wie sie meiner Neigung folgend reagierten, zu viel, zu wenig hineininterpretiert, jedenfalls erschien mir kein noch so perfektes Einschlafgedankenkonstrukt der Rede, des Schreibens oder des Weiterverbreitens wert.

Die Konsequenz, übrigens die einzige, abgesehen von ein paar Ausnahmen, die ich mir genehmige, damit mein Leben nicht zu hierarchisch durch meine Gedanken bestimmt werden, war an ein striktes Verbot vor dem Einschlafen zu denken, geschweige denn daran zu denken, zu denken. Schließlich ist es nicht unmöglich, denkfrei zu sein, man muß nur die Gedanken daran hindern, sich selbständig zu machen, ihnen jede Gelegenheit nehmen, sich ungehindert, das heißt ohne Erlaubnis meinerseits, ihrem Wesen entsprechend zu denken.

Es war nicht von Nutzen, zu lesen, bis die Gedanken nicht mehr fähig waren, etwas aufzunehmen, das taten sie höchst selten, so daß ich zeitweise bis in die Morgenstunden in einem Kampf lag zwischen meinen müden Augen und den unabläßig flüsternden Gedanken anderseits, die sich weigerten, das Gelesene nur als Gelesenes aufzunehmen, sondern darauf beharrten, ihrerseits bedacht zu werden, indem sie mitlasen und ab und an ihre Kommentare, Meinungen, ihre gedanklichen Fortschritte, wenn sie das Gelesene verbinden konnten, mit schon einmal Gedachtem zu vergleichen, zu belächeln, zu hinterfragen.

Ständig gaben sie ihren Senf dazu. Selbst als ich Sachbücher, deren Inhalte keineswegs den Gedanken bekannt sein konnten, schließlich weiß ich sehr genau, mit was sich die Gedanken bis dahin beschäftigt haben, konnten sie es nicht sein lassen, zu denken und mich bitten, dieses und jenes zu notieren, damit ich mich vergewissern könnte, ob denn diese Tatsachen nicht doch und überhaupt, eventuell, möglicherweise fälschlich, nicht ausgiebig wissenschaftlich belegt, in die Versuchung bringen, doch wieder nach dem Zettel auf dem Nachttisch zu greifen. Musikhören ist unter den gleichen Bedingungen auch gescheitert, und dies obwohl weder ich noch meine Gedanken komplett unmusikalisch sind.

Gespräche mit meiner Frau, die bis dahin die Angewohnheit pflegte, abends im Bett eine Unterhaltung zu beginnen, indem sie ihren Tagesablauf nochmal Revue passieren ließ, über ihr so in etwa geplantes morgiges Aktivitätenprogramm mich in Kenntnis setzte, vergessene und unvergessene Erinnungsstücke zum Besten gab, in der guten Absicht, wie sie meinte, mich vom Einschlafdenken abzuhalten, nachdem sie erfuhr, in Wirklichkeit tat sie dies, seitdem wir ein Bett teilten, daß ich es leid war, mir meine abendlichen Gedanken zu erlauben, die sowieso nicht dafür geeignet waren, sie wirklich zu wissen, und meistens es völlig unnötig war, sie überhaupt zu kennen, halfen meinen Einschlafgedanken, sich berechtigt zu fühlen, gedacht zu werden. Ergo, verbat ich meiner Frau, mit mir in Konversation zu treten, sobald wir das Schlafzimmer betreten, denn ihr Mitteilungsbedürfnis fing nicht erst an, wenn sie die Bettdecke über sich legte.

Nachdem ich alle diese Störfaktoren beseitigt habe, wie gesagt vor langer Zeit schon, fühle ich mich außergewöhnlich befreit, denn es hat sich bestätigt, was ich schon immer dachte, die Einschlafgedanken merken sich das Gedachte auch ohne mein abendliches Denken und teilen mir morgens, den Tag über, zu irgendeiner unbestimmten Zeit mit, was sie abends nicht gedacht haben.

Der einzige Nachteil ist, den ich bisher entdecken konnte, nach diesem auferlegtem Verbot zu leben, und ich erlaube mir nicht, daran zu denken, daß dahinter die Absicht stecken könnte, mir damit vorzuwerfen, ich würde sie unter egoistischen Gründen hindern, mir ihre Gedankenwelt mitzuteilen, dauernd von meiner Frau Hinweise mir anhören zu müssen, die sie mitunter mit einer Leidenschaft in der Stimme ausspricht, die jedem Theaterregisseur die Tränen fließen lassen könnte, daß ich den Schlüsselbund im Kühlschrank abgelegt habe, daß meine Brille in ein Brillenetui gehört und nicht auf die Fensterbank, und steck das Hemd in die Hose.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Letzte macht das Licht aus

https://pixabay.com/de/figur-mann-fernglas-zaun-gag-2687801/

pixabay.com

Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Resignation sucht sich Wege ihrer Ausbreitung angesichts etlicher weltweiter politischer Verfehlungen, die in erster Linie Leid und Elend für betroffene Menschen bedeuten, für die Natur selbst. Ein stets fortschreitender Zustand, der somit Mutlosigkeit entfacht, dem Optimismus und entsprechender Tatendrang kaum noch etwas entgegensetzen kann.

Die jüngste Resolution der UN, um wenigstens humanitäre Hilfe für 30 Tage am Stück im Syrienkrieg gewähren zu lassen, zog sich ziemlich lang hin, dadurch starben unnötigerweise noch mehr Menschen, ihre direkte, schnelle Umsetzung ist daher ein absolutes Muß. Doch träge wird abgewiegelt, dieser Krieg setzt sich einfach fort, von Frieden keine Spur, genausowenig davon, die Gräuel im Jemen zu thematisieren, die ebenso parallel stattfinden!

Europa sollte sich keineswegs in Sicherheit wähnen, vor seinen Grenzen und Toren rumort es bis hinein in einige Staaten selbst, denken wir an den zunehmenden Rechtsruck, einem Nationalismus, der mal wieder Futter für neue Kriege vor Ort bedeuten mag. Davon will eine sich täuschen lassende anwachsende, zutiefst unzufriedene Menge nichts wissen, Hauptsache haßerfüllte Parolen und Phrasen setzen eigenes Unvermögen durch, neue Feindbilder werden erschaffen. Alles Gründe, um im Anschluß der Gewalt freien Lauf zu lassen.

Von friedlichem Zusammenleben keine Spur in den Köpfen jener, die genau das umsetzen wollen. Menschliche Gier erfindungsreich unterwegs, sie zu befriedigen, egal wieviele Opfer auf der Strecke bleiben. Im ehemaligen Osmanischen Reich, der heutigen Türkei, weht ein diktatorischer Wind, der alles und jedem entgegenbläst, der ihm nicht Folge leistet. Doch die Weltgemeinschaft duckt sich pikiert weg, viel zu beschäftigt mit immer mehr neuen Brandherden, die längst entflammt.

Da reichen einige wenige überstürzte Entscheidungen, um für noch wesentlich mehr Leid zu sorgen, ein dritter Weltkrieg könnte der letzte sein, um Spezies Mensch zu vernichten, ob gänzlich, bleibt mal dahingestellt. Die Frage beantwortet sich dann von selbst. Noch Chancen vorhanden, ein winziger Lichtblick, genau jenes Drama zu verhindern?

Klar doch, an jedem einzelnen Tag hat Mensch die Möglichkeit, seine bisherigen Fehler zu erkennen und sein Verhalten entsprechend zu ändern. Nur sollte er es auch umsetzen, will er sich nicht selbst etwas vormachen. Halbherzige Kompromisse bedeuten stets Hintertürchen für die Machenschaften all derer, die erneut Gier, Haß und Krieg initiieren. Genau das gilt es zu vermeiden.

Weil ansonsten kein Schalter vorhanden sein wird, um als Letzter das Licht auszumachen. Mutter Erde dreht ihre Bahn in den Weiten des unendlichen Kosmos, andere Spezies werden vielleicht Spuren auf ihr finden, die darauf hindeuten, daß Mensch versuchte, miteinander friedlich zu koexistieren. Sein Scheitern bedeutet, er hat nicht nur versagt, sondern das eigentliche Ziel nicht erkannt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wer sich aber nicht selbst liebt, verursacht all dieses Leid!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wellenmurmeln am Ufer

https://pixabay.com/de/welle-atlantik-pazifik-ozean-1913559/

pixabay.com

Klein war sie damals.
Hier begann ihre Reise.
Gedanken spiegelten tief.
Weite spürte sie im Innern.
Ferne fremd ihr nicht war.
Als nächstes spürte sie sich.
Wie weit es bis dahin war?
Die kurze Strecke schien endlos.
Da wußte sie, alt sie war.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ab heute wird deutsch getafelt in Essen

Wir sind deshalb längst keineswegs Rassisten

„Aber unser Augenmerk liegt auf den Interessen derjenigen, die in Deutschland geboren, die lassen wir auf alle Fälle nicht im Stich, das wäre ja noch schöner. Genausowenig widersprechen wir vehement, uns in irgendeine rechte Ecke stecken zu wollen, damit haben wir schon gleich gar nichts am Hut.“

Die Presseleute wenden sich angewidert ab, versteht sich von selbst. Alldieweil Tafeln ohnehin nicht unbedingt einen guten Ruf haben. Davon wollen sich nur die Journalisten vor Ort lieber ein Bild machen. Schließlich verbreitet sich ziemlich schnell das merkwürdige Verhalten in der Ruhrpottmetropole Essen im Herzen von Nordrhein-Westfalen.

„Überhaupt, was soll der ganze Medienrummel hier? Wir haben Sie nicht eingeladen, uns über die Schulter zu schauen! Vergessen Sie nicht, daß hier Ehrenamtliche stehen, mit Herz und Seele den bedürftigen Menschen helfen. Wir könnten doch auch einer anderen Tätigkeit nachgehen, in dieser Zeit Geld verdienen. Darauf verzichten wir halt.“

Einer von der taz schüttelt entrüstet den Kopf, während sein Kollege vom freitag ihm beipflichtet, soviel Schmierenkomödie sei kaum noch auszuhalten, und gleichwohl gäbe es nicht die geringste Begründung ob jener Bestimmung, ausländischen Mitbürgern das Essen zu verweigern.

„Tafeln haben schlichtweg den Ruf weg, Armut im Lande zu etablieren. Eine Klientel der Reichen und Superreichen vermittelt dadurch obendrein eine Hilfsindustrie, die in ihrer gesamten Verlogenheit kaum noch zu toppen ist. Erinnert fatal ein wenig an die Entwicklungshilfepolitik in Afrika, nur mit dem Unterschied, daß dies jetzt hier mitten im Herzen Europas völlig selbstverständlich den Alltag bestimmt. Haben wir ebenso den Sozen zu verdanken, die mit jenem Schröder das Ganze anleierten.“

Der Mitarbeiter dreht sich für einen Moment weg, um zwei Tränen von der linken Wange mit dem Hemdsärmel etwas umständlich wegzuwischen. Die Journalistin vom Spiegel hat dennoch jene kurze Geste beobachtet, hakt gleich nach, warum er denn die Tafel selbst dermaßen schlecht rede.

„Wissen Sie, ich mach das nur, weil mir die Leute leidtun, und mir sonst vor Langeweile zu Hause die Decke auf dem Kopf fällt. Gleichzeitig hatte ich schnell bemerkt, mit welcher Heuchelei die Menschen abgefertigt werden. Am schlimmsten sind wohl diese AWO-Leute, vor ein paar Jahren noch unterwegs, um mit ihren dusseligen Maßnahmen den Leidtragenden auf den Keks zu gehen. So, als ob jene kleine Kinder wären, die man an die Hand nehmen müsse, um ihnen das Leben zu erklären! Unglaublich, dabei haben etliche lange im Beruftsleben ihren Mann oder Frau gestanden. Die können gern auf solch bevormundendes Gesabbel verzichten!“

Die Presseleute klatschen prompt, auch wenn die wenigsten jene berechtigte, harsche Kritik leider nicht aufgreifen. Befehl von oben, möglichst gleichgeschaltet nicht zu viele Details zu schildern, man könne an diesem Hartz-IV-System eh nichts ändern.

„Bullshit. Man kann, will aber nicht. Morgen steige ich aus, will mich doch nicht als AfD-Depp oder Neonazi beschimpfen lassen, mir geht die Tafel sowieso schon länger gegen den Strich!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Viel Feind, viel Ehr

Keine Option für ein friedliches Miteinander

Großmäuler lieben diesen Spruch sehr. Und wie könnte es anders sein. Diese Redensart kommt aus dem Kriegswesen. Ritter Georg von Frundsberg (24.9.1473-20.8.1528), als Infanterietaktiker, Kriegsunternehmer und als Wahlspruchgeber von „Viel Feind, viel Ehr“ in den Geschichtsbüchern aufgeführt, hat unter Karl V. um die Vorherrschaft in Oberitalien gekämpft. Seit der Schlacht bei Creazzo (1513) wird er als Urheber dieser Redensart genannt.

Im heutigen Gebrauch wird dieser Spruch dafür verwendet, anzudeuten, wer es zu etwas gebracht hat, hat viele Neider. In der Kaiserzeit und den beiden Weltkriegen wurde dieser Spruch dafür verwendet, um Menschen gegeneinander auszuspielen.

Egal ob dieser Spruch geäußert wird im Zusammenhang, jemanden den Erfolg nicht zu gönnen, oder ob man es als vorteilhaft ansieht, möglichst viele Feindschaften für sich in Anspruch zu nehmen, um damit sein Ego aufzupolieren, sich dadurch Orden und Ehren zu verdienen, er ist auf fatale Weise unangebracht für ein friedliches Miteinander. Denn ist es wirklich begehrenswert, um sich herum Feinde und Neider zu sammeln, damit man sich von anderen abgrenzen kann, sich womöglich dann erst wohlfühlt?

„Nur Leute, die Größenwahn mit Selbstbewusstsein und Starrsinn mit Standhaftigkeit verwechseln, sehen die Nachteile durch die „Ehre“ ausgeglichen. Vernünftige Menschen dagegen pflegen gute Beziehungen zum Vorteil aller. Überhaupt wurde und wird das Ehrgefühl oft als Unterdrückungsinstrument missbraucht – von der früheren „Soldatenehre“ bis zum heutigen „Ehrenmord“. (Redensarten-index)

Dem vorigen Abschnitt ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Man sollte meinen, jeder vernünftige Mensch sehe das genauso und hat dies verinnerlicht. Dennoch wird gerade durch eine Minderheit, die auch noch vorgibt, Verantwortung für eine Gesellschaft übernehmen zu wollen, dieser Spruch sei das Hauptmerkmal ihrer Agitation, um sich Gehör zu verschaffen, um durch Brandreden im Brennpunkt zu stehen.

Wer früher unter vorgehaltener Hand, in Hinterzimmern, in den neuen Medien, durch Pseudonyme Gehässigkeiten gegenüber Mitmenschen, Gruppierungen verbreitet hat, der posaunt seit jüngerer Zeit gerne stolz mit seinem Klarnamen rassistische, faschistische Einstellungen von Podien, in Talkshows, durchs Netz und lauthals auf der Straße. Sie alle finden sich unheimlich großartig und bewundernswert, je mehr sie „Feinde“ und „Neider“ einsammeln. Dies garantiert ihnen zudem, von den „Oberen-Feindsammlern“ gesehen und gehört zu werden, schließlich erhofft man sich, wenn diese „Art des Umgangs“ hoffähig geworden ist, von der Kuchenverteilung (gesellschaftliche, wirtschaftliche Positionen) ein großes Stück abzubekommen.

Interessant ist, dabei zu beobachten, wenn diese „viel Feind, viel Ehr“- Sammlungen mal nicht den gewünschten Effekt erzielen, dann wird sofort eine Opferrolle „parodiert“, die das Verhalten entschuldigen, relativieren soll.

Übrigens wird bis heute Ritter Georg von Frundsberg Ehrungen zuteil. Man muß diese Erinnerungsfeste, Straßennamen, Büste in der Helden-Allee, Kasernennamen, Studentenverbindung, Tafelrunde in Schwaz, ja richtig gelesen Tafelrunde, nicht nur unter dem Blickwinkel einer Geschichtsepoche sehen, sondern auch in Hinblick auf ein fragwürdiges Heldentum.

„Drei Dinge“, so sein Resümee, „sollten jedermann vom Krieg abschrecken: Die Verderbung und Unterdrückung der armen, unschuldigen Leute, das unordentliche und sträfliche Leben der Kriegsknechte und die Undankbarkeit der Fürsten.“ (Wikipedia)

Kann man in diesem Resümee von Georg von Frundsberg die Einsicht erkennen, daß „Viel Feind, viel Ehr“ nicht dazu beiträgt, in einem friedlichen Konsens miteinander zu leben?

Schade, daß er und viele andere ihre Position im Leben nur dann mit Glück und Frieden gesegnet sahen oder sehen, wenn sie dafür andere erniedrigen, demütigen.

Gerne greife ich an dieser Stelle nochmal aufs „Redensarten-Index“ zurück, denn besser kann man den Unsinn der Aussage in diesem Ausspruch nicht kommentieren.

„Wer viele Freunde hat, bekommt viel Unterstützung. Wer dagegen viele Feinde hat, hat viele Probleme. So einfach ist das!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Erkenntnisse umsetzen

https://pixabay.com/de/sonnenuntergang-panorama-himmel-2160352/

pixabay.com

Reizüberflutung trifft auf Leere
ohne Unterlaß,
sucht Wege der Gelassenheit
im Vorfeld einer Unterhaltung,
die nicht fruchten will.
Dann wird’s plötzlich schrill,
kommt auf ungeahnter Schwung,
manch trostloses stößt auf Heiterkeit,
das macht richtig Spaß,
der möglichst oft wiederkehre.

Veränderung möge uns ereilen,
die Entwicklung bedeutet,
hin zu anderen Ideen,
kreatives auf verkrustetes trifft,
neuen Wegen Räume schenkt.
Mensch nicht mehr abgelenkt,
manch schwierige Hürde umschifft,
kann jetzt viel klarer sehen.
Keine Ressourcen vergeudet,
sondern mit der Natur verweilen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gewalt an Schulen: Statt Reformen bewaffnete Lehrer

Wild-West-Verhältnisse eines Donald Trump alles andere als hilfreich

Stellen Sie sich mal vor, Ihr Kind geht des morgens voller Freude in die Schule und Sie erfahren wenige Stunden später, ein Lehrer habe es versehentlich über den Haufen geschossen, dieser unterschätzte wohl die Situation und handelte sofort per mitgeführter Schußwaffe.

Eine grauenvolle Vorstellung für sämtliche Eltern, was nicht gerade Vertrauen schafft, Kinder in solche Schulen zu lassen. Doch ginge es nach dem 45. US-Präsidenten, könnten solche dramatische Szenarien durchaus geschehen, weil Donald Trump für die Bewaffnung von Lehrern plädiert, was er bereits nach dem Amoklauf in Florida vorgeschlagen hatte.

USA offenbaren sich als Waffennarren mit zunehmenden Opfern

Im Grunde genommen dürfte jene Entwicklung in den USA kaum verwundern, verfolgt man ihren historischen Verlauf. Die Neue Welt hatte von Beginn an sich mordend ihren Platz erkämpft, die nordamerikanischen Indianervölker nahezu ausgerottet, in wenigen kleinen Estates dürfen diese sich gerade noch geduldet aufhalten.

Ganz ähnlich das Verhalten mit den meisten US-Stützpunkten überall auf dem Globus verteilt. Keine Nation hat dermaßen kriegerisch mitgemischt, der Hegemon verdeutlicht seine Weltherrschaft. Wie im Äußeren, so im Inneren. Die US-Amerikaner pflegen scheinbar ihr Image als Waffennarren, dementsprechend wurden an die 20.000 Gesetze zum Waffenbesitz im Laufe der Zeit erschaffen, eines der jüngsten das neue Notwehrgesetz, das sogenannte „Stand your ground law“, welches im Jahre 2005 in Florida in Kraft trat, auch als „Shoot first, ask later“ bezeichnet wurde. Mit Selbstverteidigung hat das wenig zu tun, vielmehr mit Selbstjustiz!

Bump Stock-Verkaufsverbot lediglich die Spitze des Eisbergs

Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, Schnellfeuerkolben (bump stocks) in den gesamten USA verbieten zu lassen, ob die Durchsetzung möglich wird, darf angezweifelt werden, da etliche Bundesstaaten ohnehin es nicht so genau nehmen mit schärferen Waffengesetzen, sie eher ablehnen. Es erweckt viel mehr den Eindruck, die USA werden ihr Waffenproblem nie in den Griff bekommen.

Reformversuche für schärfere Waffengesetze gab es ohne weiteres, Barack Obama scheiterte allerdings im Laufe der 2010er-Jahre etliche Male an der Blockade republikanischer Senatoren, die an den bestehenden Waffengesetzen festhielten. Ganz besonders die Waffenlobby der NRA (National Rifle Association of America), zu deutsch „Nationale Gewehr-Vereinigung“, die das Sportschießen und Training an Schußwaffen in den USA organisiert, übte für entsprechenden Einfluß zur Blockade-Haltung betreffender Politiker.

Ein Land, welches demnach 42 Prozent aller Schußwaffen auf der Erde besitzt, wird wohl kaum jenen Mißstand ändern, da hat sich im Laufe der Zeit jenes Recht etabliert. Erst wenn die Menschen selbst wirklich erkennen, welch fatale Entwicklung zu derartigen Zuständen führt, besteht überhaupt eine Chance auf Veränderung hin zu weniger Waffengewalt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar