Patt Ihr Idioten!

https://pixabay.com/de/sch%C3%A4del-knochen-skelett-kopf-tod-2525192/

pixabay.com

Reizüberflutet,
da gehen sie hin.
Worin der Sinn?
Ein stiller Gedanke tutet.

Zurückgeblickt,
keine Fragen stellen.
Welche Urteile fällen?
Ziemlich ungeschickt.

Abgewählt,
Regierungen sich suchen.
Warum darüber fluchen?
Manchem dies nicht gefällt.

Aufgescheucht,
zuvor vor sich hingedämmert.
So viele dermaßen behämmert?
Was da wohl alles herumfleucht!

Parolengeschrei
sucht erneut sein Ziel.
Wird dem Deutschen nie zuviel?
Merkt ihr’s? Einerlei.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ernährung: Zwischen Ratschlägen und Verunsicherung

https://pixabay.com/de/quark-quarkspeise-nachtisch-dessert-3015579/

pixabay.com

Unterschiedliche Ernährungspyramiden tummeln sich

Welcher Ernährungspyramide mag man wohl Glauben schenken? Es scheiden sich die Geister, wer was zu essen hat zwischen Fleischessern, Vegetariern, Veganern, den Makrobioten, der Trennkost, Vollwerternährung, nach den 5 Elementen (aus der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin), nach Ayurveda oder Mazdaznan etc.

Letzlich gilt für den Menschen generell: Er ist, was er ißt. Ernährungsgewohnheiten bestimmen die Gesundheitsprophylaxe, obwohl dabei gerade Expertenmeinungen den Bürger verunsichern. Uneinigkeit trifft auf Dogmen, eigene an sich beobachtete Erkenntnisse stehen dennoch im ewigen Disput, ob man denn alles richtig mache.

Ich weiß, daß ich nichts weiß

Verkündete schon Platon in seiner Apologie. Davon ausgehend könnten wir einfach unser Leben unbedarft fortführen, auch was das Essen anbelangt. Spätestens bei den ersten Wehwehchen, ernährungsbedingten Krankheiten geraten viele ins Grübeln, lassen sich vom Arzt bis hin im Freundes- und Bekanntenkreis vielfältigst beraten. Und alle haben sie unterschiedliche Ernährungsweisheiten auf Lager, ob mit oder ohne Chemie, der Alternativen gibt es viele. Dabei wird oftmals vergessen, wie sie entstanden und vor allem in welchen Gebieten oder Umfeld bestimmte Nahrungsmittel sich durchsetzten, tausenden von Generationen der dortigen Bevölkerung dienten.

Demnach können wir heute längst in einer globalisiert zusammengerückten Welt uns japanisches Essen gönnen, während in Tokio ungeniert der fragwürdige Big Mac à la McDonald’s seinen Weg in jugendliche Mägen findet. Zeichen einer befreiten Welt, kulturelle Essensgewohnheiten überall jedem anbieten zu können? Im Prinzip spricht nichts dagegen, da eine Vielfalt in der Ernährung ohnehin eigentlich gutzuheißen ist. Doch wer bestimmt das, zumal wir Menschen mit Platons Unwissenheit bestückt sowieso im Dunkeln tappen?

Zwischen Ernährungspyramiden und zunehmender Armut

Uneinigkeit herrscht, was eine gesunde Ernährungsweise anbelangt, nicht nur zwischen den beiden großen Lagern, den Fleischessern und den Vegetariern, sondern ganz allgemein bereits bei der sogenannten Ernährungspyramide. Gleich vorneweg hat sich längst die erste Ernährungspyramide des USDA (United States Department of Agriculture) aus dem Jahre 1992 erübrigt, weil deren miese Zusammensetzung des Zuckers und Weißmehls ohnehin keiner gewissenhaften Ernährungserkenntnis standhält: Beide Bestandteile sind alles andere als gesundheitsförderlich! Aber selbst andere Ernährungspyramiden haben sich stets selbst als problematisch entlarvt, da Folgestudien zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangten, erst recht für Verwirrung sorgten.

Mal von dieser Form der Empfehlung abgesehen, steht Ernährungsberatung sowieso im extremen Gegensatz zur Realität. Wie schön, daß sich Gutbetuchte exklusiv beraten lassen, was denn an Gaumenfreuden verträglich der Gesundheit nicht schaden möge, während zunehmende Armut selbst hierzulande Menschen zwingt, am Existenzminimum herumkrebsend sich zu ernähren. Da billigste Lebensmittel nur noch in Frage kommen, ohnehin ein latenter Mangel vorherrscht, darf der kritische Leser sich schon wundern, wenn ausgerechnet eine Bertelsmann-Stiftung mit einer angeblich repräsentativen Umfrage um die Ecke kam, um festzustellen, Kita-Kinder essen nicht ausgewogen.

Das kann man sogar unter Umständen gar nicht abstreiten, doch zynisch wird es, wenn man die berechtigte Geldsumme in Höhe von 4 Euro betrachtet, die von der Bertelsmann-Stiftung in der Studie gefordert wird. Diese steht in keinem Verhältnis zum Hartz-IV-Regelsatz. Demnach wären jene Betroffenen von vornherein ausgeschlossen.

Ernährung eine philosophische Streitfrage?

Wenn Sie so wollen, kann man die Frage nur bejahen. Mal Hand aufs Herz: Jeder Mensch sollte am besten in sich hineinhorchen, sich selbst beobachten, wie der eigene Körper reagiert im Leben, was das Essen einen Teil vom Lebenswandel ausmacht. Das kürzlich erschienene Interview mit Hannes Jaenicke zeigt auf, daß selbst der sogenannte Sonntagsbraten letztlich ein gutes Konzept war, obwohl er selbst Vegetarier ist.

Hektik, Streß, Sorgen, die gesamte psychische Verfassung schwingt genauso mit als auch die Ernährung. Wenn es früher hieß, esse von allem etwas in Maßen, gut durchkaut, so haben die „Alten“ keineswegs Unrecht, weil uralte Erfahrungswerte sich nicht zufällig weiterverbreiteten, auch wenn Nutztiere ein Widerspruch in sich sind.

Trotzdem sind wir alle Individuen, kein Organismus dem anderen gleicht, was für den einen bekömmlich, kann der andere vielleicht gar nicht vertragen. Insofern muß man die teils feindseligen Diskussionen unter den verschiedenen Ernährungsmodellen nicht gleich teilen, man kann auch einfach sich gegenseitig respektieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

Veröffentlicht unter Gesundheit | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

Deutliche Bedeutungen?

https://pixabay.com/de/waldweg-hase-tier-wald-natur-1802907/

pixabay.com

Da wo der Hase im Pfeffer liegt

Eigentlich kann eine Bedeutung nicht Deutlichkeit einschließen. Wäre dem so, wäre eine Bedeutung gleichzusetzen mit Tatsache. Bedeutung besagt lediglich den Sinngehalt, die inhaltliche Aussage, die Wichtigkeit, den Belang, den Wert einer Handlung, eines Gegenstandes, einer Meinung. Deutlich hingegen stellt einhellig fest, ist offenkundig, unmißverständlich, unzweideutig, entschieden, offensichtlich, sonnenklar positioniert als unzweifelhaft.

Ob es der Deuter ist oder die Deuterin, sie sind lediglich Interpreten, Zeichengeber, und oftmals keinen Deut besser als manch Seher, als manch Tageshoroskope, die uns weismachen wollen, wo der Hase im Pfeffer liegt, es ist lediglich ein deuteln, daran gibt es nicht zu deuteln, ein Auslegungsversuch und keine eindeutige Prognose, noch deutliche Klarheit, Genauigkeit.

Fragt man sich angesichts so viel Unklarheit nicht, warum deutlich, genau, sichtbar, augenfällig bedeutet?

Deutlich, spätmittelhochdeutsch diutelich, mittelhochdeutsch diut(ec)līche(n) (Duden). Synonyme sind anschaulich, bestimmt, präzise, ersichtlich, handfest, unverblümt.

Deut, niederländisch duit, eine niederländische Scheidemünze, mittelniederländisch duyt, eigentlich abgehauenes Stück (Duden). Wird vornehmlich in Redensarten verwendet, „sich keinen Deut kümmern, kein Deut besser“.

Deuteln, kleinlich, auszulegen versuchen, „an einer Sache nicht deuteln“. (Duden)

Bedeutung, mittelhochdeutsch bediutunge, Auslegung (Duden) andere Begriffe sind Hintersinn, Stellenwert, Gewichtigkeit.

Irgendwie fehlt in dieser Reihe der Wörter etwas, zumindest eins, das nicht zu übersehen ist, deutlich zu erkennen der Begriff „deutsch“, ist doch deutlich genug, oder?

Deutsch, mittelhochdeutsch diut(i)sch, tiu(t)sch, althochdeutsch diutisc, über ein gleichbedeutendes westfränkisches Adjektiv zu einem germanischen Substantiv mit der Bedeutung »Volk«, vgl. althochdeutsch diot(a), Volk, also eigentlich, volksmäßig (Duden)

Es folgt noch ein irgendwie. Irgendwie wird hier entweder gedeutelt oder deutlich der Begriff „deutsch“ erklärt.

Deutlich (diutelich), deutsch (diut(i)sch), das eine bedeutet klar, erkennbar, verständlich, das andere, Volk oder volksmäßig, was nun?

Laut Gebrüder Grimm liest sich die Herkunft „deutsch“ so: adj. und adv. germanus, teutonicus, ahd. diutisc (Graff 5, 130), mhd. diutisch tiusch (Ben. 1, 325b), altsächs. thiudisc, niederd. düdesk, niederl. duitsch, schwed. tysk, dän. tydsk, die Engländer gebrauchen german, die Franzosen allemand. da es von diet, goth. þiuda, ahd. diot diota abstammt, wie Gramm. 13, 14 gezeigt ist, so bedeutet es ursprünglich gentilis, popularis, vulgaris; im gothischen heiszt þiudiskô heidnisch, ἐθνικῶς. unzweifelhaft ist es im anlaut mit d zu schreiben und nur die unorganische verwechslung der tenuis mit der media, die freilich, wie wir oben gesehen haben, öfter vorkommt, ist schuld dasz man im 16ten und 17ten jahrhundert sehr oft und auch nachher nicht selten teutsch geschrieben hat: schon bei Walther, Wolfram, in den Nibel. findet man tiusch, tiutsch

Der Bedeutung liegt demnach nicht nur „volksmäßig“ zugrunde, sondern auch „heidnisch“. Demzufolge ist folgendes zu deuten, „Deutsche“ sind ein heidnisches Volk.

Deutlicher formuliert durch den Begriff „Heide“, nachzulesen bei DTW Gebrüder Grimm: Das wort (in der ältern form heiden) ist ursprünglich ein adjectiv zu heide (in der bedeutung 1), nach der einführung des christenthums dem lat. paganus, bewohner des platten landes und gegenüber der christlichen lehre altgläubiger, nachgebildet, wie bereits Adelung ausgeführt hat; die nachbildung musz bei denjenigen deutschen stämmen erfolgt sein, die nähere berührung mit Rom, und kenntnis der römischen kirchenväter, welche das wort paganus in der zuletzt angeführten bedeutung seit dem 4. jahrh. brauchen, hatten. die Gothen richten sich beim ausdruck des begriffs heide, heidnisch nach dem griechischen sprachgebrauche und geben ἐθνικοί durch þai þiudô (Matth. 5, 46. 6, 7), das adv. ἐθνικῶς durch þiudiskô (Gal. 2, 14) wieder; und nur einmal begegnet das adj. haiþns in der schwachen femininform haiþnô: vasuþ-þan sô qinô haiþnô (ἦν δὲ ἡ γυνὴ Ἑλληνίς). Marc. 7, 26, wo aber gefragt werden darf, ob das wort hier schon von Ulfilas gebraucht ist oder nicht vielmehr erst aus der späteren aufenthaltszeit der Gothen in Italien stammt, wo es von einem abschreiber in den text gesetzt ward. allen deutschen stämmen auszer den Gothen ist das wort gemeinsam: ahd. heidan, mhd. heiden, alts. hêðin, ags. hæðen, fries. hêthin, hêthen, altn. heiðinn; und zwar zunächst immer in adjectivischer verbindung: ahd. eno ni tuont thaʒ heidanî man.

Nun, zum dritten Mal, irgendwie. Irgendwie verwirrend und doch deutlich, verständlich, wenn man weiß, daß die Handelswege über dem Meer den Händlern die ersten Eindrücke eines Landes vermittelten. „Deutsche“ sind demnach Bewohner des platten Landes und Altgläubige.

Irgendwie, zum vierten, auf irgendeine Art und Weise, wie auch immer, ist eine deutliche Bedeutung von „deutsch“ klar ersichtlich, da gibt es nichts zu deuteln, in dieser Hinsicht kann es keinen Deut besser werden.

Wer auf dem „platten Land“ lebt oder sich auf einem Landstrich aufgehalten hat, der vermag nun besser den Zusammenhang verstehen. Deutlich (diutelich), klar, erkennbar, verständlich, und deutsch (diut(i)sch), Volk oder volksmäßig. Jedenfalls liegt dort, wo man den Besuch schon eine Woche vorher- sehen kann, der Hase im Pfeffer.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Banking-Apps: Trotz Sicherheitslücken eingesetzt

Vertrauen ist gut, Kontrolle wird schlichtweg ignoriert?

Vorneweg sei betont, daß es ohnehin keine hundertprozentige Sicherheit gibt, somit erst recht nicht bei PCs, dem Internet und folglich gleichwohl bei Banking-Apps. Trotz etlichen Sicherheitslüclen werden sie nonchalant eingesetzt? Vincent Haupert warnte auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig vor deren Benutzung.

Vertrauen mag gut sein, dennoch wird Kontrolle schlichtweg ignoriert, vor allem wenn immer mehr Experten vor dieser fragwürdigen Benutzung warnen? Wenn ein Kind sich an einer Herdplatte die Finger verbrennt, unterläßt es normalerweise, den Fehler zu wiederholen. Gleichzeitig kann man vorwurfsvoll die Banken selbst in die Pflicht nehmen, wieso ein solches Risiko sie ihren Kunden zumuten.

Mobile-Banking der Bequemlichkeit halber

Schnell mal im Bistro zwischen Cappuccino und Croissant am Smartphone etwas überweisen. Wenn man es schon schafft, daß der Nachbartisch nicht den Geheimcode abspicken kann, Erinnerungen an Schulzeiten mögen kurz aufflammen, so riskiert man die Cleverness von Cyberkriminellen, die natürlich gern anderer Leute Bankkonten simpelst plündern.

Der Nachteil von Banking-Apps ist dermaßen offensichtlich, daß ein jeder sich die ernsthafte Frage stellen sollte: Kann man jenes Risiko tatsächlich noch eingehen? Obwohl Forscher das App-TAN-Verfahren abermals als unsicher entlarvten, halten dennoch etliche an jene bequeme Art des Online-Bankings fest. Verwunderlich, wenn Komfort gegen Sicherheit ausgetauscht wird. Oder etwa doch nicht? Schließlich suggerieren weiterhin die Banken ihren Kunden, sie würden alles menschenmögliche tun, um solch kriminelle Machenschaften zu verhindern. Das reicht aber nicht!

SMS-Banking seit fast zwanzig Jahren auf dem Markt

Trotzdem Spielball von cleveren Hackern. Bereits 1999 entwickelten die europäischen Banken die WAP-Unterstützung (WAP für Wireless Application Protocol) mit der Einführung von Smartphones, was allerdings per schnellerer Verbindungen und HTML-fähiger Mobilgeräte inzwischen abgelöst wurde.

Im Jahre 2012 stellten ein Drittel der Banken ihren Kunden optimierte Webseiten für mobile Endgeräte zur Verfügung. Ein Jahr später bot die Commerzbank das Photo-TAN ihren Kunden an. Dennoch besteht die Gefahr von Manipulation, wenn über Apps die Abwicklung geschieht. Eine höhere Sicherheit erreicht derjenige, der ein Photo-TAN-Lesegrät in Kombination des PCs beim Online-Banking einsetzt, weil somit auf eine App verzichtet wird. Absolute Sicherheit gibt es dennoch nicht, aber jenen Cyberkriminellen Tür und Tor dermaßen simpelst zu öffnen, sollten sich Bankkunden sehr genau überlegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Technik

Veröffentlicht unter Technik | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Fleck in ihr

https://pixabay.com/de/gesicht-leer-frau-warten-wartezeit-66317/

pixabay.com

Sie hat die Fremde verlassen,
den Ort,
an dem sie aufgewachsen.

Kein sehnsuchtsvoller Blick zurück,
warum auch,
ihre Kindheit war im Gepäck,
hatte Platz im Herzen,
mehr als ein kleines Stück,
obwohl kaum zu sehen, ein Fleck.

Häuser, Straßen, Bäume, Gärten,
den Bach, den See, die Gefährten
traf, sah sie von nun nicht mehr persönlich,
doch jedes Erlebte war der Fremde ähnlich.

Die Fremde war sie zuhause gewesen,
in der Fremde das fremde Wesen.
Das Kind in ihr, der kleine Punkt im Gepäck,
hat sich nicht beirren lassen,
zum Glücklichsein reicht ein winziger Fleck.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hartz IV: Gesetzgeber hat auf ganzer Linie versagt

Sozialgerichte maßregeln Mietkaution-Darlehens-praxis

Alltäglich haben etliche Betroffene mit den Jobcentern ohnehin ein schweres Los bürokratischer Gängelung zu ertragen, manch dramatische Folgen sickern immer wieder an die Öffentlichkeit, von Gewaltausbrüchen hüben wie drüben der Schreibtische gewisser Sachbearbeiter. Behördenwillkür beinhaltet den Straftatbestand der Gewalt, der nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden darf, sondern stets geahndet und benannt werden muß.

Viele Jobcenter haben bisherig völlig selbstverständlich 10 Prozent des Regelbedarfes betroffenen Empfängern monatlich abgezogen, um damit ein Mietkaution-Darlehnen zurückzufordern. Natürlich überschritten die Jobcenter mit dieser Maßnahme das Existenzminimum in eklatanter Weise, wobei die meisten Betroffenen eben keinen Widerspruch einlegten. Inzwischen haben vermehrt Sozialgerichte jene Maßregelung aufs schärfste verurteilt, gaben den Betroffenen Recht. Hat da etwa der Gesetzgeber auf ganzer Linie versagt? Unbedingt!

Politik verschanzt sich hinter perfiden Gesetzen

Allen voran jene Hartz-IV-Gesetzgebung, die weiterhin als sozialrassistisch bezeichnet werden muß, was damals unter der SPD zusammen mit den Grünen hierzulande geschaffen wurde, um Empfänger direkt zu gängeln, auszugrenzen, sogar deren Gesundheit zu gefährden, von psychischen Belastungen mal ganz zu schweigen.

Nur weil anfänglicher Widerstand inzwischen nahezu verebbt, sind die dadurch vorhandenen Probleme dieser menschenverachtenden Hartz-IV-Praxis längst nicht einfach entfleucht, ganz im Gegenteil nehmen sie viel eher zu. Neben einer vermehrten Flut von Prozeßen in den Sozialgerichten, wobei meist die betroffenen Hartz-IV-Empfänger seitens der Richter gewinnen, während Jobcenter das Nachsehen haben, was obendrein zu Lasten der Steuerzahler geschieht, sollte man unbedingt nicht weiter Effekte in der Gesellschaft selbst unterschätzen.

Während die Politik sich simpelst hinter jenen perfiden Gesetzen verschanzt, nimmt Ausgrenzung, Ungerechtigkeit und Gewalt zu, dabei läßt die Bundespolitik Betroffene nicht nur im Stich, sondern ersinnt fortlaufend neue Gängelungen bis hin zur Überwachung.

Die an den gesellschaftlichen Rand Gedrängten spielt man gegeneinander aus

Man könnte nicht nur, man sollte gar jener Politik pure Absicht unterstellen, daß diese Ausgrenzungspraxis genauso gewollt ist. Nunmehr kommen zu den Hartz-IV-Empfängern noch Flüchtlinge hinzu, schon sind die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten untereinander beschäftigt, Neid und Haß gesellen sich hinzu, ausgerechnet die Neue Rechte betrachtet das als Steilvorlage, während etablierte Parteien pikiert sich abwenden, so als ginge sie dies alles nichts an.

Welch fataler Irrtum! Die Würde des Menschen ist sanktionsfrei, so riefen vor gut einem Jahr Inge Hannemann und Michael Bohmeyer unter diesem Motto die Initiative ins Leben, um der Öffentlichkeit den Spiegel vorzuhalten. Hat es was bewirkt? Wohl eher nicht, neben anfänglichen Podiumsdiskussionen verebbte ziemlich schnell das Interesse, weiterhin müssen viele Betroffene mit jenen Sanktionierungen irgendwie überleben. Es schaut nicht im geringsten danach aus, als ob sich daran etwas ändern würde, zumal Die Linke nicht in Regierungsverantwortung sitzt, die anderen Parteien lieber den neoliberalen Kurs fortsetzen. Das ist bequem und sicherer für sie, hatte doch all die Zeit „perfide wunderbar“ gefruchtet.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

Veröffentlicht unter Soziales | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Leidenschaft des MyOm

https://pixabay.com/de/w%C3%BCrfeln-w%C3%BCrfelspiel-brettspiel-1502706/

pixabay.com

Henning Matzke liebt Spiele. Jegliche Art von Spielen. Brett-, Würfel-, Kartenspiele, selbst die einfachsten Varianten, Turnspiele, darunter zählen Hüpf- und Springspiele, Ballspiele, Wissensspiele, Versteck-, Fangenspiele, Täuschungsspiele, Feuerspiele, um ehrlich zu sein, alles ist für ihn Spiel. Ob Freude, Wut, Gefühle oder Gespräche, für ihn ist das Spiel. Nicht der Hintergedanke etwas zu gewinnen, eine Trophäe zu ergattern, der Beste zu sein, nein, sein einziger Antrieb ist spielen.

Wann genau er damit begann, ob bereits in Kindertagen oder in den Sturm- und Drangtagen der Pubertät, dies weiß ich nicht zu berichten, er selbst hält sich stets in persönlichen Dingen verschlossen, schließlich gehöre das zum Spielen, und wer bei Ratespielen sich mit ihm mißt, kann mitunter das ein oder andere erfahren. Natürlich nie wissend, entspricht dies der Wahrheit oder nicht.

Wortspiele sind seine innigste Leidenschaft, den Hinweis dazu lieferte er selbst, so jedenfalls die allgemeine Ansicht, als er seinen Namen veränderte. Ein anonymes Pseudonym sei für ihn notwendig geworden, er nannte sich ab diesem Zeitpunkt MyOm. Ausgehend von seiner Äußerung, es handle sich hierbei um ein anonymes Pseudonym, ließ die Menschen zu dem Schluß kommen, dies wäre eine Ableitung von My und Phantom, weniger von My und Home, wobei nur das „h“ und „e“ ausgelassen wurden. Ich hingegen bin überzeugt, gerade im Offensichtlichen zeigt sich seine wahre Intension, deshalb vertrat ich die Meinung, My stehe für mich und Om für Urklang, damit könne er umso mehr verdeutlichen, er sei praktisch ein Werkzeug seines Handelns und Denkens.

Nun, da ich selbst auf seine Leidenschaft hereingefallen bin, ich war tatsächlich monatelang so verliebt in ihn, daß ich alles um mich herum ausschloß, selbst mich, bemerke ich, ein Stück seiner Leidenschaft zum Spielen habe ich übernommen, mit dem Unterschied, diese Leidenschaft nur gegen ihn zu verwenden, obwohl, das muß ich gestehen, ich immer noch eine gewisse Bewunderung für ihn hege. Es will mir einfach nicht gelingen, so gefühllos Gefühle zu empfinden, so gefühlskalt berauschende Gefühle zu vermitteln, sie auszuleben, als würden sie mit Feuer im Herzen gelebt, anstatt unter einer Eisfläche gekühlt. Er vermag ständig, wirklich ständig zwischen Feuer und Eis zu leben, sein Zustand ist der Moment, wenn erhitzte Körper nach dem Saunieren ins kühle Naß springen. Er ist halb heiß, halb kalt in einem Zustand.

Momentan lebt er noch hier in der Gegend, wird aber demnächst mal wieder umziehen, sein Job ist schon gekündigt, er hat sämtliche zu erreichende Personenkreise im Stadtgebiet inzwischen gegen sich eingenommen, kurzum, sein Ziel erreicht. Neue Herausforderungen warten auf ihn, er ist nicht das Opfer, noch der Gewinner, das überläßt er den enttäuschten Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen. Umzüge sind in seinem Leben so selbstverständlich wie das Tragen von Anzügen, sie sind für ihn nur ein Wechsel von Spielorten, Spielfiguren und Spielinhalten. Trotzig, aufopferungsvoll, erhaben hakt er diesen Lebensmittelpunkt, in dem er eine Weile seine Spiele zum Besten gab, ab.

Bei den schönsten Momenten, die wir hatten, brachte er es fertig, sie zu zerstören, mittels eines provozierten Streits, er wußte, womit er mich reizen konnte, als ich nicht mehr auf diese mal sarkastisch, mal böswillig inszenierten Zwistigkeiten einging, schaffte er es durch Nichtbeachtung, indem er einfach mich überging, mich aus der Reserve zu locken, selbst als mir klar war, er will nur Pro & Contra spielen, einfach aus Lust heraus verschiedene Positionen gegeneinander antreten zu lassen, war sein Spieltrieb erst dann erschöpft, wenn ich völlig aufgelöst war oder in einem Triumphgefühl mich als Sieger empfand, zu spät erkannte ich, daß er bei all diesen Situationen nicht nur der Spieler, sondern auch der Spielleiter war.

Wie kann man jemanden, der gleichzeitig im Feuer wie im Eis lebt, der mit Leidenschaft andere auf den Boden drückt, sie in die Höhe wirft, die Rolle des Opfers als persönlichen Spielerfolg feiert, genauso wie ein Gewinn bei irgendeinem x-beliebigen Spiel vor den Kopf stoßen? Es scheint, je mehr Freunde sich von ihm abwenden, je öfter er den Arbeitsplatz, den Wohnort wechselt, desto eifriger spielt er seine Spielchen. Desto mehr blüht seine Leidenschaft auf.

Habe verstanden, zwei Seelen sind ach, in meiner Brust, wenn ich an MyOm denke, einerseits ihn büßen zu lassen für seine Art des Umgangs mit Menschen, die teils von Aufrichtigkeit und Übermaß an Lebensgier geprägt ist, andererseits seine Abgebrühtheit, Abgeklärtheit auf jede sich einstellende Situation, die Menschen als Spielfiguren zu deklarieren, all dies war es schließlich, was mich zu ihm hinzog. Diese Sucht der Leidenschaft.

Lieber MyOm, ich habe meine Leidenschaft entdeckt, die deinige Suche um einiges übertrifft, ich genieße nämlich jede nur erdenkliche Situation, so als ob sie mir völlig neu wäre. Dafür muß ich nicht Spielchen spielen, denn diese Bälle rollen allein auf mich zu, und noch einen Unterschied gibt es, bei allen traurigen oder fröhlichen Gefühlen, ich bin und bleibe der Spielmeister, ohne mich dafür positionieren zu müssen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar