Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Tun sie denn, was sie nicht wissen?
Denn was sie tun, wissen sie nicht.
Wissen sie denn nicht, was sie tun?
Was sie denn nicht tun, wissen sie.
Nicht sie tun, was sie denn wissen.
Sie tun, denn sie wissen nicht was.
Denn was sie nicht wissen, tun sie.
Sie wissen, was sie denn nicht tun.
Tun sie denn nicht, was sie wissen?
Was sie denn nicht wissen, tun sie.
Nicht sie wissen, was sie denn tun.
Wissen sie denn, was sie nicht tun?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Der Verfall unserer Gesellschaft von einem „Irren“ beschrieben

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Würde man Jesus einfach zurückweisen?

Ich habe mal wieder etwas quer durch die Zeiten gedacht zur Entwicklung einer solidarischen Gesellschaft, heute am Beispiel Klaus Kinski. Er beschreibt in seinem Vortrag „Jesus Christus Erlöser“ den Verfall einer solidarischen Gesellschaft, gibt aber gleichzeitig auch Lösungen, um eine solidarische in groben Zügen sozialistische Gesellschaft und das Aufbegehren gegen die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus wieder herzustellen.

Er kritisiert die Furunkel der Menschheit wie den Krieg des Westens in Vietnam, indem er diesen immer wieder erwähnt, was sich wunderbar auf das Heute, die unmenschlichen Kriege, übertragen lässt. Er stigmatisiert die Gesellschaft als zurückgeblieben und verlogen.

Als einleitenden Satz möchte ich direkt einen Sprung in die heutige Zeit wagen und auch unsere politische Entwicklung anführen. Es wird immer offensichtlicher, dass unsere Gesellschaft weder christliche Werte noch solidarische Werte erhalten bzw. ausweiten will. Es wird eine AfD, eine FDP gewählt und eine CDU, welche die Schere zwischen arm und reich ausgeweitet hat in den letzten 4 Jahren.

Dieses Phänomen wurde damals schon von Klaus Kinski erkannt und in seinem Vortrag „Jesus Christus Erlöser“ vorgetragen.  Dieser beginnt mit „Angeklagt ist Jesus Christus…“.  Wenn man sich nun anschaut, dass Klaus Kinski seine Rezitation in den 70ern verfasst und vorgetragen hat, dabei lärmend unterbrochen wurde und keine Rücksicht auf seine vermeintlich außergewöhnlich psychische Situation genommen wurde, ist das im höchsten Maße kritisch zu sehen. Zeigt es doch immerhin auf, dass die Gesellschaft sich ihren damaligen Problemen nicht stellen wollte.

Dieser Mann hatte etwas zu sagen, etwas das die Gesellschaft betrifft und ist abgeprallt. Derselben Ignoranz begegnet man heute auch, allerdings verschärfter.  Leute, die sich um Drogenabhängige, Bettler, Waisenkinder, Geflüchtete, Resozialisierung von Kriminellen kümmern oder alternativ Leben, erhalten keine oder zu wenig Anerkennung, werden gesellschaftlich abgedrängt.

„Der Gesuchte gehört nicht der Gesellschaft an“ erläutert Kinski zu diesem Sachverhalt und fährt sinngemäß fort mit: Er ist weder in Kirchen, noch Parteien und verhält sich weitgehend ruhig. Hier verdeutlicht er das selbstlose, uneigennützige Handeln dieser Personen. Wenn man Gutes tut, solle man nicht mit Trompeten vor sich her schmettern, sondern dies aus Überzeugung tun, erklärt er, sinngemäß wiedergegeben. Dieses Verhalten ist laut seiner und auch meiner Überzeugung Mangelware.

„Ihr sichert euch den ersten Platz in den Kirchen, damit ihr von den Menschen gesehen werdet.“ Im weiteren Vortrag führt er aus: „Aber ihr segnet Waffen ab, die schreiende Mütter in Vietnam töten.“

Damit beschreibt Kinski eine Doppelmoral und eine Gesellschaft, die ihre Augen vor jedem Problem verschließt und vor Egoismus strotzt. Eine Verrohung, die gefährliche Ausmaße angenommen hat, und eine Gesellschaft, die niemandem Schutz oder Hilfe bietet. Diejenigen, die wahre Solidariät leben, werden an die Seite gedrängt, dort, wo sie keiner wahrnimmt oder sogar ausgeschlossen, genauso wie die, die Hilfe brauchen.

Wenn man nun weiterhin zuhört, erläutert Kinski zum besseren Verständnis seiner Figuren, was er tatsächlich ausdrücken will, dass er nicht von dem Jesus spreche im religiösen Sinne, sondern einem Jesus, der unter uns sei. Seine Wortwahl war: „Ich spreche nicht von dem Jesus mit der gelben leberkranken Haut, den eine irrsinnige menschliche Gesellschaft zur größten Hure aller Zeiten macht. Dessen Kadaver sie pervers mit sich herum schleppt an infamen Kreuzen.“

Seine Rolle verkörpert einen Jesus, der kein „Superstar“ ist und „seine Rolle am Kreuz weiterspielt“. Er redet von einem Jesus, dem die Heiligenrituale egal sind und der sich von dem Glauben abwendet. Einem Jesus, der aus Selbstverständlichkeit handelt. Damit kritisiert er die Gesellschaft nochmals und auch die Kirche und ihre Doppelmoral bezüglich Humanität scharf. Hierzu dient ihm wieder das Leid im Vietnamkrieg als Grundlage, offenbar ein Thema, das ihn sehr bewegte. Er hatte eine starke Ambition, den Menschen Abrüstung und Wege zu einer nachhaltigen Friedensentwicklung näher zu bringen.

Kinski wechselt die Rolle und spricht weiter als „Jesus“ und erzählt aus realen Begebenheiten, in denen „Pfarrer Hostien an Soldaten verteilen, die in Vietnam Frauen mit Kinder auf dem Arm abknallen“, das Sicherheit und Frieden mit Gummiknüppeln wiederhergestellt wird. Er sei der „Ungehorsame“, der sich gegen die Ordnung stellt, er ist der Obdachlose, der Gammler. Er zählt  noch weitere Negativbeispiele auf, Leute, die in der Gesellschaft aufgrund von Äußerlichkeiten eine Randgruppe bilden und will damit zeigen, dass gerade in solchen Menschen ein „Jesus“ stecken kann.

Er möchte Liebe in die Herzen werfen, die Gefangenen befreien, die Blinden sehend machen, womit er auf die Kaltherzigkeit anspielt, die in einigen Zeitgenossen lebt. Er kritisiert die „Reichen“ und ihre Blindheit, ihren Hang, sich mit perfiden Kriegsgeschäften zu bereichern, aber gleichzeitig Friedensreden und gesellschaftliche Nächstenliebe zu heucheln und Gutes tun, um mehr Prestige zu erhalten.

Es ist schwer, als ein einfacher Mensch andere Menschen Nächstenliebe und Solidarität zukommen zu lassen, wenn man bewusst ausgestoßen wird, was Kinski uns mit seinem Vortrag aufzeigen wollte. Alle, die dem „Jesus“, dem Erlöser nachfolgen und helfen, werden unvorstellbare Strapazen ertragen müssen, aus Nichtakzeptanz. „Ihr werdet von vielen gehasst werden um meinen Willen, sie werden euch auslachen und verhöhnen, anspucken und schlagen, verfolgen, misshandeln und einsperren und töten.“

Er zeichnet den unaufhaltsamen Verfall der Gesellschaft auf, der sich auch heute noch fortsetzt. Gleichzeitig versucht er damit, den Prozess der Neuerfindung einer verlorengegangenen Menschlichkeit in die Wege zu leiten, in der sich Menschenfreunde wie Märtyrer opfern für mehr Solidarität, Humanität, Gleichheit, was eine Art sozialistische Vorstufe bilden kann.

Damals wurde Kinski als Idiot dargestellt, heute würde ihm das gleiche widerfahren. Hiermit eröffnen sich Fragen:

Würde ein Jesus wie ihn Kinski beschrieben hat, ein Helfer, überhaupt noch einen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben, würde er überhaupt noch wahrgenommen werden? Oder würde man ihn blind links liegen lassen, im Regen stehen lassen? Sind wir innerlich tatsächlich so erblindet, dass wir Menschen eine Wertigkeit nach Äußerlichkeiten einräumen und nicht an Taten messen, würde ein Mann in Lumpen, eben ein Jesus, der Gutes tut, der die Bedürfnisse anderer vor seine stellt, einfach so in der Gosse versinken?

Es ist doch sehr besorgniserregend, dass unsere Gesellschaft lieber die „Ellenbogen-gesellschaft“ vorzieht, keiner sich um den Nächsten kümmert und eine solidarische Gesellschaft immer weiter in den Hintergrund rückt. Von Solidarität wollte schon damals keiner etwas hören ebenso wie anscheinend heute. Der Verfall der solidarischen Gesellschaft, in der jeder jedem hilft, unabhängig von der Vergangenheit eines Menschen, ist mehr als deutlich zu sehen. Diese wird als utopische Idee angeprangert und abgemahnt. Es tut weh, auf Kinskis direkte ehrliche Weise den Spiegel der Gesellschaft vorgehalten zu bekommen, durch eine Rezitation aus den 70ern. Es liegt an uns, uns zu verbessern.

Nils Rudolph

Kategorie: Quergedachtes

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Lethargie unerwünscht

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Rasches Handeln deutet auf Hektik hin,
aufgestützt das träge Kinn,
nach Müßiggang der Sinn.
Gedanken kreisen ums selbe Thema,
suchen willige Abnehmer,
die folgen aber keinem Schema.

Fraglich Lösungen parat,
ausgebremst die euphorische Tat,
bedauerlich, wirklich schad’.
Lethargie allenthalben aufkommt,
im Nahen Osten wird erneut gebombt.
Mediengerangel folgt prompt.

Mal schnell den Blauen Planeten retten,
Klatsch und Tratsch in Gazetten,
erscheint viel wichtiger – wetten?
Brot und Spiele fürs gemeine Volk,
am Himmel so manch dunkle Wolk
sich durchsetzt, mit Erfolg.

Metaphern finden ohne Rätselraten,
kein Problem bei soviel Schandtaten,
bloß nicht einfach abwarten.
Beherztes Hinterfragen rettet Leben,
Mensch hat letztlich viel zu geben,
anstatt seinem Untergang entgegenzustreben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Koalitionsgeschacher ohne Aussicht auf Verbesserungen

Eine Politik des Stillstandes steht nicht bevor

Die Mehrheit der Wähler entschied sich für jene Konstellation, die ohne weiteres schon lange vorhersehbar sich abzeichnete. Dabei mögen all jene hämisch sich ins Fäustchen lachen, die meinten, mit einer sogenannten Protestpartei wie der AfD, endlich hätten sie mal das politische Establishment aufgemischt, ändern wird sich allerdings nichts im Sinne von tatsächlichen politisch notwendigen Entscheidungen.

Die sähen nämlich ganz anders aus als das, was zur Zeit jene vier Parteien aushecken, um am Ende in der nach den Flaggenfarben benannten Jamaika-Koalition sich zusammenzuraufen. Ein Geschacher ohne reale Aussicht auf Verbesserungen. Insofern steht eben keine Politik des Stillstandes bevor, aber das „Weiter so“ rückt in die Nähe bestimmter Standpunkte, die sich gerade die neoliberalen Hardliner der Parteien nicht nehmen lassen werden.

Die Wiederauferstehung der FDP – grüne Politik zerlegt sich weiter

Bei einer Politik voller Kompromisse kann nichts gutes fruchten, zumal bekanntlich stets die Interessen gewisser Lobbyisten sich letztlich durchsetzen. Obendrein sind die Forderungen der Koalitionsparteien in vielen Punkten viel zu unterschiedlich. Dennoch das Drängen und darauf Bestehen, Knackpunkte und Gemeinsamkeiten bei Schwarz-Gelb-Grün nicht nur auszuloten, sondern dem Wähler als machbar zu verkaufen?

Absehbar zeichnete sich der Weg der wiederauferstandenen FDP ab. Doch statt ihren neoliberalen Weg ernsthaft zu überdenken, positioniert ausgerechnet ein Christian Lindner sich vollmundig, wittert Chancen, mit seinen Machtspielchen nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel die Parade zu stehlen, sondern obendrein mit den Grünen sich verbindend, er die Union in Schach halten will.

Simple, trügerische Politikstrategien. Wir wissen alle, welch dramatische Offenbarung sich unter Schröder die Grünen leisteten, die damals die Agenda 2010 mit einführten, etliche Umweltforderungen nicht durchsetzen konnten. Bereits im Ländle zeigte sich ihre Zerlegung, nunmehr per Regierungsbündnis muß man mit wesentlich mehr Eingeständnissen bei den Grünen rechnen, eigene Positionen über Bord zu werfen.

Die Linke in der Versenkung verschwunden?

Bleibt es bei jenem Szenarium mit der Jamaika-Koalition, dann haben es die Linken in der Opposition besonders schwer, dort eine starke SPD, eine AfD, die ihre Rolle als Störfaktor gern auskosten wird, immerhin entschieden Wähler, daß die Rechtsradikalen mit 25 Mandatsträgern mehr als die Linken tönen dürfen. Etwa ein Wehrmutstropfen, wenn Rot-rot eher zusammenkunkelt, um es den Regierungsparteien schwer zu machen? Wohl kaum.

Die Linke ist zwar nicht unbedingt in der Versenkung verschwunden, hat aber ein schweres Los gezogen, zumal nach der Wahl ihre angekündigte neue Flüchtlingspolitik wenig ausrichten wird, diese Problematik, die ohnehin schon viel zu lang eben nicht wirklich gelöst wurde, holt auch die neue Regierung schneller ein, als ihr lieb sein kann.

Muß man mit Fug und Recht davon ausgehen, daß auf dem politischen Parkett nicht nur mit äußerst harten Bandagen gerungen wird, sondern darüber hinaus es einer wirtschaftlichen Kontrolle unterliegt? Auf alle Fälle – wie sonst sind weltweit korrupte Verstrickungen und Abhängigkeiten zu erklären.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Mensch am Scheideweg seiner Existenz

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Ethik und Moral keine zufällige Entwicklung

Es bedarf nur ein paar simple Handgriffe, um etwas zu zerstören. Die Mittel aggressiven Potentials sind unübersehbar vielfältig von Menschen ausgeheckt und entwickelt worden, kommen folglich ohne Umschweife zum Einsatz. Die Folgen: Zerstörung in all ihren grausamen Folgen, vom Beziehungskonflikt über Familiendramen, von Stalking, Mobbing zu Amokläufen und schließlich zu Terror und Kriegen.

Auf der anderen Seite gebietet unsere über die Jahrtausende entwickelte Ethik und Moral, genau diese Eskalation zu vermeiden, den Erhalt gilt es insofern zu bewahren. Was hält unsere Gesellschaft letztlich trotzdem im Lot?

Liebe tragendes Element der Gewaltverhinderung

Wegen der ständig präsenten, latent vorhandenen Gewalt um uns herum, ganz besonders weltweit sichtbar verbreitet über die stetig zunehmenden Fernsehsender, darf man sich dennoch nicht wundern, daß immer mehr Aggressionspotential sich anreichert. Oder muß man eigentlich feststellen, daß die Augen verschlossen werden, eine Mentalität des Schweigens und Ignorierens stattfindet, weil wir Nichtgewaltbereiten und entsetzten Zuschauer schon fast ohnmächtig resignieren? Was verhindert daher dramatischeres?

Auf den Punkt gebracht: die Nächstenliebe in erster Linie. Ob wir sie nun kennen oder nicht, definieren oder es einfach sein lassen, sie ist fester Bestandteil des Homo sapiens als ein wesentlicher Aspekt der Liebe selbst, der größten Kraft im Kosmos. Ohne sie hätte der Mensch sich selbst und Mutter Erde schon längst den endgültigen Garaus gemacht. Sie darf folglich als das tragende Element der Gewaltverhinderung bezeichnet werden. Zum Vorschein kommt sie stets, wenn Zivilcourage vonnöten, wenn Gruppen sich definieren sowie zusammenhalten, im besonderen als Mittelpunkt des sozialen Zusammenlebens.

Eine ganz andere, aber gleichwohl wesentliche Säule der Verhinderung von Zerstörung kann nur der unabdingbare Drang zur schöpferischen Entfaltung bedeuten, eine Mischung aus Arterhaltung, Selbstbehauptung und berechtigter Verteidigung im Falle eines Angriffs. Gewachsenes und somit erkanntes Selbstbewußtsein im Einklang mit der Umwelt, den Mitmenschen fördert im friedlichen Zusammenleben die Harmonie, duldet eben keine Zerstörung.

Trotz Verharmlosung und Ahnungslosigkeit Entspannung mancher Deeskalation?

Keineswegs dürfen wir vor lauter Goodwill das ganze Ausmaß der Zerstörung übersehen, welches weltweit sehr viele Menschen leiden läßt. Um so wichtiger, daß man gerade unter Zuhilfenahme einer wesentlich besseren Technik viel schneller vom Ort der Geschehnisse berichten kann, wobei gleichzeitig die Medien und ihre Regierungsgewalten sehr gezielt kritisch betrachtet werden müssen, um Korruption und Verharmlosung zu entlarven und zu benennen.

Sich die Welt schönreden, um das geplagte Gewissen zu beruhigen, hilft nicht, ganz im Gegenteil, beflügelt dies die Zerstörer selbst, ihren gewaltbereiten Kurs fortzusetzen. Ein Bestandteil jener Verharmlosung stellt die Ahnungslosigkeit dar. Manchmal kann diese selbst aber auch, ähnlich wie bei einem Kind, als ein verbindendes Glied zur Entspannung, zur Deeskalation von Gewaltszenarien verhelfen.

Wer von Ihnen, liebe Leser, kennt es nicht, das gereizte Verweilen in Wartepositionen, ob im Gang irgend einer Behörde, im U-Bahnabteil oder im Wartezimmer einer Arztpraxis, urplötzlich entsteht da ein verbindliches Gelächter, breites Grinsen, ein Aufleuchten in vielen Augen, bloß weil ein Kind uns alle daran erinnert, wo wir selbst mal uns befanden, fragend, seine Grenzen auslotend, gänzlich naiv im positivsten Sinn des Wortes. Und dann? Dann sind für Momente die Gedanken beflügelt, das Eis gebrochen, der triste Alltag vergessen. Erfrischende Augenblicke des Seins, die es wert sind, Zerstörung erst gar nicht zuzulassen.

Ganz so einfach gestaltet sich dennoch das Leben selbst nicht, obwohl wir tagtäglich aufs Neue es in der Hand haben: aufbauen oder zerstören, lieben oder hassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Gebt den Rechtsradikalen keine Bühne

Warum Politik alternativlos sein sollte

Die Arme schmerzen beim Schreiben, mitten in der Einrichtungsphase nach ziemlich harten Umzug, immerhin raus aus einem großen Haus, rein in kleines bedeutet neben logistischen Herausforderungen, sich von manchen Dingen zu trennen, erst recht wenn gesundheitlich chronisch belastet eine physische Überwindung, um mal ein wenig persönliches eingangs zu erwähnen.

Nach dieser 19. Bundestagswahl, in der die Gehäßigkeit als Wahlsieger frohlocken darf, schon bald jene AfD im Plenarsaal des Bundestages Platz nimmt, wird nichts mehr so sein wie vorher in Deutschland. Erinnerungen an Weimar keimen bei manchen auf, obwohl ein historischer Vergleich eher fragwürdig, eine gern schnell mal dahergesagte Wiederholung der Geschichte sowieso weder der Realität gerecht wird noch den unsäglichen Opfern dieses Zweiten Weltkriegs und der Herrschaft der Nazis.

Apropos Nazis, bleiben wir doch alle mal sachlich, es gibt keine Nazis, die gehören der Vergangenheit an, die damals erwachsenen jetzt noch Lebenden sterben wortwörtlich aus, höchstens Neonazis trifft eher den Kern der Sache, gleichwohl die unter dem Sammelbegriff Neue Rechte mit einzuordnen sind. Und wenn diese AfD meint, sie würde tatsächlich real gestalten, dann sollten alle sehr genau hinschauen, was da aus der Opposition wohl verkündet wird, außer provokativen Statements darf dabei nichts anderes erwartet werden. Mit Protest hat das nichts zu tun. Politik sollte nämlich stets alternativlos sein, weil ansonsten sie sich in polemischen Grabenkämpfen verstrickt.

Zuvor eine nahezu einmütig schwache Große Koalition, jetzt ein sogenanntes Jamaika-Szenario? Dazu eine SPD, die bereits sich einen kämpferischen Pseudoanstrich verpaßt, einer Frau Nahles nimmt man diesen nicht unbedingt ab, wenn sie in einer Talkshow meint, sie müsse die Liberalen belehren, obwohl sie selbst als Arbeitsministerin in der Koalition mit der Union mehr oder weniger versagte, an der menschenverachtenden Hartz-IV-Praxis festhielt.

Was bedeutet jene neue Bühne der Rechtsradikalen, die nunmehr vier Jahre lang im Bundestag ans Rednerpult dürfen, demokratisch legitimiert, weil manch deutscher Wähler ihr auf den Leim gingen? Eine schier blauäugige Haltung in vielen Bereichen der Gesellschaft selbst bis hin zur Frankfurter Buchmesse, wobei man Buchmessen-Chef Jürgen Boss unterstellen muß, daß er sich nicht über die Tragweite der jüngsten Ereignisse im Klaren zu sein scheint. Sicher doch, gehört es zum Geschäft, sämtliche Publikationen bei Messen zu brücksichtigen, ohnehin ein schwieriger Spagat angesichts rechtsgesinnter Verlage und Autoren, aber die Zusammenarbeit mit der Polizei selbst ließ zu wünschen übrig genauso wie die mit gewissen Sicherheitskräften, die bekanntlich nicht zimperlich mit Kritikern umgehen.

Es schaut weiterhin dramatisch aus, was da auf uns zukommt. Und die Linken? Die haben es nach dieser Bundestagswahl jetzt besonders schwer, sich Gehör zu verschaffen, immerhin formiert sich just ein neoliberales Bollwerk, dem selbst die Grünen nichts entgegensetzen wollen.

Wir können zurückblicken, uns in Erinnerungen schwelgen, am Geschehenen uns erfreuen oder gar fluchend bereuen. Im Grunde mißt das Leben stets unsere Taten. Also, worauf noch warten? Carpe diem

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Gehässigkeit heißt der Wahlsieger bei der Bundestagswahl 2017

© Doris Mock-Kamm

Es wird sich nicht warm angezogen!

Vorausgesetzt ein kleines bißchen Vernunft steckt in jedem Menschen, sollte man davon ausgehen können, daß über 10% der an der Wahl beteiligten Wähler sich bewußt dafür entschieden haben, eine rassistische, rechtsradikale Partei in den Bundestag zu wählen. Es ist nicht der erste Beweis, sich gegen eine Demokratie zu stellen, wenn Herr Gauland verlauten läßt, daß er „sie jagen wird“, „unser Land und unser Volk zurückholen“ will und, daß man sich „warm anziehen“ soll.

Wer in Vollbewußtsein seiner Sinne diese Drohung als kleines Geplänkel abtut, steht auf der gleichen Stufe und vertritt dieselbe Einstellung. Die Androhung einer Jagd auf wen oder was auch immer gleicht dem Konsens, der Abschuß der Vogelfreien ist stattgegeben. Hier handelt es sich nicht um ein versehentliches kaputtgeschossenes Fenster während eines Ballspiels, hier handelt es sich um ein absichtliches Wurfgeschoß mit dem Ziel einer Zerstörung. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen „Jagdaufruf“, etwa in dem Sinne, das habe ich so nicht gewollt oder ich bin kein Nazi, aber…

„Unser Land und unser Volk zurückholen“ verdeutlicht in diesem Ausspruch sein diktatorisches Verhalten gegenüber anderen. Sinngemäß kann dieser Satz damit verglichen werden, sich sein Eigentum wieder zu beschaffen. Weder das Volk noch das Land sind abhandengekommen, denn die Landesgrenzen sind festgelegt und die Bevölkerung verweilt innerhalb dieser Linie. Wer also ein bestehendes Land mitsamt seinen Einwohnern für sich oder wen auch immer zurückholen möchte, agiert aus egoistischen, narzißtischen Beweggründen. Denn es sollte der Dümmste wissen, daß Land genauso wie Volk aus Vielfältigkeit besteht und nicht aus einer an und für sich geschlossenen Einheit. Es sei denn, diese Einheit wird mittels Angst, Unterdrückung, Einschüchterung zu einer mundtoten „Masse“. Jeder, der sich nicht wehrt, zurückgeholt zu werden, stimmt daher einer diktatorischen Regierung zu.

„Sich warm anziehen“ erinnert an die Geschichte von Sonne und Wind.

Sonne und Wind

„Einst stritten sich Sonne und Wind: wer von ihnen beiden der Stärkere sei? und man ward einig: derjenige solle dafür gelten, der einen Wanderer, den sie eben vor sich sahen, am ersten nöthigen würde, seinen Mantel abzulegen.

Sogleich begann der Wind zu stürmen; Regen und Hagelschauer unterstützten ihn. Der arme Wanderer jammerte und zagte; aber immer fester und fester wickelte er sich in seinen Mantel ein, und setzte seinen Weg fort, so gut er konnte.

Jetzt kam die Reihe an die Sonne. Senkrecht und kraftvoll ließ sie ihre Strahlen herabfallen. Himmel und Erde wurden heiter; die Lüfte erwärmten sich. Der Wanderer vermochte nicht länger den Mantel auf seinen Schultern zu erdulden. Er warf ihn ab und erquickte sich im Schatten eines Baumes, indes die Sonne sich ihres Sieges erfreute.

Zehnmal sicherer wirken Milde und Freundlichkeit, als Ungestüm und Strenge.“ August Gottlieb Meißner (Wikipedia)

In der französischen Version endet die Geschichte mit: „Mehr bewirkt Sanftheit als Gewalt.“ Und in der englischen Version ist zu lesen: „Überzeugung ist besser als Kraft.“ (Wikipedia)

Jeder, der möchte, daß man sich „warm anziehen“ soll, weil gleich ein starker Wind wehen wird, der alles um sich herum verwüstet, ist ein gehässiger Mensch, denn er hat nicht im Sinn, etwas zu schützen. Wer solch eine Situation heraufbeschwört, beabsichtigt, einen Sturm zu säen.

Man kann weder die Partei, die sich alternativ nennt noch die Menschen, die diese in den Bundestag gewählt haben, als dumm oder als klug bezeichnen. Sie sind weder das eine noch das andere, sie sind schlichtweg gehässig. Gehässig jedem und allen gegenüber. Und es ist nicht erstaunlich, daß niemand während dieser wenigen Sätze Herrn Gauland zurechtgewiesen hat, denn sie alle, die die der Partei vorstehen und deren Wähler wollen die Jagd. Die Jagd nach einem Land, deren Bevölkerung sich ausnahmslos unterwirft, um nicht als Freiwild zu gelten.

Ich ziehe mich nicht warm an, ich vermumme nicht mein Gesicht, ich zeige Gesicht. Ich bin nicht euer Land, noch euer Volk, auch lasse ich mich nicht jagen, bin nicht auf der Flucht, ich heiße

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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