Spieglein, Spieglein im deutschen Land

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flickr.com/ O de Andrade (MoScha)/ (CC BY-SA 2.0) https://www.flickr.com/photos/_o_de_andrade_/3291807473/sizes/z/

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
wer hat den wahren Retter der Nation erkannt?
Das sind die Braunen im blauen Gewand.

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
wer ist vor demokratischen Wahlen weggerannt?
Ach, das sind Nichtwähler, völlig ausgebrannt.

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
wer zieht durch die Straßen, meist brüllend bemannt?
Da ziehen Montagsspaziergänger, die zusammenfand.

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
wer schwingt zum Hitlergruß ungeniert die Hand?
Es ist derselbe Pöbel wie damals, welch Schand.

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
wer hat wohl politische Leitlinien verkannt?
Die anderen sind die Nazis, wie eklatant.

Spieglein, Spieglein im deutschen Land,
warum schaust du so ohnmächtig und gebannt?
Auch du verachtest sie, leistest Widerstand.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Entziffernde Zeichen

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Beim schummrigen Kerzenlicht
mühte er sich, zu entziffern die Schrift.
Er hatte das Stück Papier gefunden,
mit Schleife zusammengebunden.
Gelblich, fast verschlissen das Papier,
nur Buchstaben, kein Wort stand hier.
Ziffer um Ziffer, akkurat entnommen,
trotzdem blieb der Text verschwommen.
Dies war kein Kreuzworträtselspiel,
Genies gab es zu dieser Lösung nicht viel.
Davon war er absolut überzeugt,
er sah sich schon mit Trophäen überhäuft.
Jubelnde Massen fielen vor ihm auf die Knie,
so einen gescheiten Geist gab es vor ihm nie.

Wenn nur bloß die Schriftzeichen etwas klarer,
nicht so unleserlich, mehr ausdrucksstarker,
dann hätte er das Geheimnis längst gelüftet,
wär er König, nicht ein Niemand, der dichtet.
Bräucht keiner zu wissen, woher der Text stammt.
Er würde ewig schweigen, aber verdammt,
wenn der Urheber plötzlich auftauchen würde?
Bis dahin ist das Original verbrannt, Asche, Erde:
Verflixt, hieraus erschließt sich kein Sinn,
vielleicht halt ich es mal näher an die Kerze hin?
„Gelebt durch viele Zeiten, geflogen, geflattert
durch die Ewigkeit, bis ein Mensch mich ergattert!“
Die Kerzenflamme stob empor, fraß Ziffer um Ziffer.
Bis ans Lebensende dachte er: Stand das da sicher?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Deutschland am Scheideweg: Nicht nur Mäuse fängt man mit Speck

Oder mal wieder mit rechtsextremem Dreck

Links zwo drei vier, wohin marschieren wir? In den Tag hinein, nein, nicht nur so zum Schein, sondern ganz gezielt haben wir nach rechts geschielt. Wir haben nichts zu verschenken, weggewischt sämtliche Bedenken, schließlich sind wir doch das Volk, fliegen auf der dunkelsten Wolk’, die sich am Himmel zeigt, all die anderen haben’s wohl vergeigt.

In unserem wunderschönen Germania bestimmen wir die Richtung, alles klar? Von wegen per netter Schlichtung. Ausländer, Flüchtlinge raus, mit denen wird nix draus. Die Grenzen dicht, jetzt ist Schacht im Schicht, wenn’s auch umgekehrt lauten tut, nur so reimt’s sich gut. Mal Hand aufs rechte Herz: Wir kommen, ohne Scherz.

Na, fragt nicht so unbeholfen, nicht wie Trump zum Golfen, in den Deutschen Bundestag, weil der deutsche Wähler uns so richtig mag. Und wenn die Prognosen der Institute Euch Sand in die Augen streuen, Euch somit schlecht betreuen, am Ende nach der Wahl sprechen reale Zahlen eine ganz andere Sprache. Das ist Sache! Als drittstärkste Partei sind wir dann im Plenum mit dabei. Die Welt wird staunen, was wir so zu sagen haben, um Eure miesen Launen davonzujagen.

Ach, Deutschland wird diesmal blaun? Jawoll, so soll’s sein, das Volk gewinnt wieder an Zutrauen, steht nicht mehr allein. Wir, die AfD, loben nicht nur über’n Klee, sondern lassen Taten folgen, zu lange wurdet Ihr schon gemolken. Deutschland den Deutschen, alle anderen hinweg, wir fordern einen germanisch erstarkten Fleck. Egal ob patriotisch, identitär oder nationalistisch genannt, wir verbannen endlich diese historische Schand’, wollen auch die alten Grenzen zurück, nicht Stück für Stück, sondern sobald wir an der Macht, wär doch gelacht.

Doch Halt, was sehen wir da, die Bundespolitik lehnt uns einfach ab? Ach wat, das schon früher geschah, als die NPD hielt manche auf Trab. Nun sind andere Zeiten, die reichen bei weitem, uns nach vorne zu bringen, wird vieles besser gelingen. Mit Haß und Parolen können wir unverhohlen die Bürger aufhetzen, egal ob wir dabei manche verletzen, Hauptsache an der Macht, auf das es im Lande kräftig kracht.

Per lautem Geschrei sind wir bei Muttis Wahkampfreisen mit dabei. Es zählen keine Argumente, egal ob sich sichere oder keine Rente, wenn wir am Drücker sind, um’s mal zu sagen ganz gelind, dann ist Schluß mit sozialen Geschenken, da könnt Ihr Euch noch zu verrenken, gar von uns ablenken. Bei uns herrscht dann ein scharfer Ton, wer klagt oder beruflich versagt, das hat er nun davon, wird schlichtweg verjagt.

Genau, Sie haben richtig gehört. Gucken Sie nicht so verstört, Sie Oberschlau. Das wird uns doch Kosten sparen, und mit den Jahren gewöhnt sich der doofe Michel sowieso dran, weil er eben nicht anders kann, als gehorsamst vor der Obrigkeit buckeln, immer schön an Muttis Brüsten nuckeln. Ach, ist das schee, bald regiert die AfD.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Tägliches Allerlei

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Heute gab´s kein gekochtes, noch Rührei,
nicht mal ein Fitzelchen, ein klitzekleines,
der Sonntag ging wie stets schnell vorbei,
so ein Frühstück ohne Ei, ich bewein´ es!

Dafür gibt´s immer, wirklich immer, am Montag
aufgebackenes Brot, Brötchen vom Vortag.
Die kann man in warme Milch eintunken,
man fühlt Kindheitsmomente, die versunken.

Dienstags weiß man schon im Bett,
heut´ gibt’s Salami und frisches Mett.
Weil ich das nicht leiden kann, essen will,
eß ich nur Butterbrot, verhalte mich ganz still.

Marmelade wird gegessen am Mittwoch,
Süßes geht immer, das weiß jeder Koch.
Ich weiß nicht, was da drin ist, deshalb nee,
Früchte eingemacht, eß ich nur als Gelee.

Man kann es fast nicht für möglich halten,
Donnerstag gibt’s Obst und Saft, kalten.
Der Strom ist wieder mal ausgefallen,
keiner hat den Akku aufgeladen von uns allen.

Am Freitag sind alle vom Trimmradfahren schlapp,
deshalb gibt’s Müsli, Powerzeugs, nicht zu knapp.
Da greif´ ich sofort nach dem großen Glas Joghurt,
brösel es bis zum Überschwappen voll mit Knäckebrot.

Ausschlafen ist nicht, selbst am Wochenende,
pünktlich um sieben dröhnt es laut durch alle Wände.
Samstags wird gefuttert, was es an Resten zu finden gibt,
ach, wenn die Woch´ alle sieben Tage auf einmal hätt´!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Jahrestag zum Fabrikbrand in Pakistan: Kik weiterhin am Pranger

Gutachten entscheidet die Fortsetzung des Prozeßes

Dramatische Ereignisse bleiben uns haften, 9/11 vor heute sechzehn Jahren, vor fünf Jahren der Brand der Textilfabrik Ali Enterprises im Stadtteil Baldia Town von Pakistans ehemaliger Hauptstadt Karatschi, bei dem 259 Menschen ums Leben kamen. Im März 2015 initiierten im Namen etlicher anderer vier betroffene Opfer eine Klage gegen den Textil-Discounter KiK vor dem Landgericht Dortmund, ein Gutachten entscheidet die Fortsetzung des Prozeßes.

Jahrelang hatte KiK ohnehin seine Mitarbeiter selbst hierzulande weit unter dem Mindestlohn arbeiten lassen, das Arbeitsgericht in Dortmund erwirkte schließlich nach langen Protesten, daß KiK nachgab, was das Unternehmen nicht davon abhielt, seine Mitarbeiter auszuspähen, auch gesundheitsgefährdende Stoffe im Sortiment ihnen und den Kunden zuzumuten. Was interessiert die Kritik, Hauptsache Profite werden erwirtschaftet.

Rechtliche Schlupflöcher dienen der Verhinderung gezielter Schuldzuweisung

Wie schon die Rechtsanwältin Carolijn Terwindt, die für die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional Human Rights in Berlin arbeitet und die Kläger im Prozeß gegen KiK juristisch begleitet, betonte, letztlich entscheidet ein Gutachter, inwiefern pakistanisches Recht als Grundlage für Haftungsansprüche gegen den Textil-Discounter ausreicht.

Obwohl das Unternehmen davor stets versichert hatte, seine Zulieferbetriebe regelmäßig zu kontrollieren, verließ sich KiK gleichwohl auf schlampig fragwürdige, also angeblich unabhängige Zertifikate. Jene Zertifizierer wiederum berufen sich auf ihre beschränkten Prüfaufträge. Somit dienen rechtliche Schlupflöcher der Verhinderung gezielter Schuldzuweisung, ein eklatanter Mißstand, den besonders politisch Verantwortlichen mit anzukreiden ist.

Billigpreise für hiesige Verbraucher und die Kehrseite der Medaille

Gehen Sie mal ganz bewußt in eine KiK-Filiale, schneuzen vorher Ihre Nase und riechen gezielt. Na, bemerken Sie was? Genau, unangenehme Gerüche, manch einem mit empfindlichen Magen kann gar schlecht werden. Wer seine Produkte im Ausland, speziell in Asien herstellen läßt, der weiß natürlich, daß dort Vorschriften und gesundheitsgefährdende Stoffe nicht allzu ernst genommen werden nebst Sicherheitsbedingungen.

Azo-Farbstoffe, erhöhte Bleigehalte, Biozid in Schuhen, Formaldehyd in Kinderspielzeugen, um nur mal ein paar gefährliche chemische Verbindungen aufzuzählen, belasten die Verkäufer und den Kunden selbst. Aber mal Hand aufs Herz: Mußte erst in Pakistan eine Fabrik abfackeln, Menschen sterben, bis der „bequeme Verbraucher“ bemerkt, wenn überhaupt, was solche Firmen wie KiK und ihre Handelspartner alles ignorieren, um sich selbst zu bereichern?

Die Kehrseite der Medaille bedeutet, daß Ausbeutung weiterhin stattfindet, ob rechtlich verbindliche Abkommen, wie das Accord on Fire and Building Safety, welches auch KiK schließlich unterzeichnete, tatsächlich Einsicht und entsprechende Handlungen bewirken, sollte zunmindest kritisch angezweifelt werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Niveau – vom Charakter bis zum Tsunami

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Mißbrauch von Wertschätzungen auf Kosten anderer

Nennen Sie ein Synonym für Niveau. Stil. Geschmack. Charakter. Okay, das waren jetzt drei Begriffe. Was wird genannt, wenn man Synonyme für Niveau googelt? Bildungsgrad, -stand, Rang, Gesichtskreis, Anstand, Format, Klasse, Horizont, Prestige, Wertschätzung, Tugend, Image, Leumund, Unbescholtenheit und noch einige mehr.

Das Niveau als Wortbegriff wird einerseits eingesetzt, um damit eine bestimmte Linie parallel zur Oberfläche der Erde zu benennen. Beispiel, das Niveau des Wasserspiegels ist gesunken. Anderseits dient das Wort als Aussage über Charakter, Persönlichkeit, Stand eines Menschen zu beschreiben. Beispiel, er oder sie hat ein großes Niveau.

Erklärbar warum dieses Wort einerseits als sogenannte mathematische Komponente angewandt wird und als Persönlichkeitsbeschreibung für Charakter oder Qualität einer Aussage, liegt in der ursprünglichen Wortherkunft. Wie könnte es auch anders sein?

Niveau, Wasserwaage von französisch niveau, dissimiliert aus altfranzösisch livel, lateinisch libella, Libelle.

Libelle, lateinisch libella, kleine Waage, Wasserwaage.

Warum ausgerechnet die Libelle als Bezeichnung für eine kleine Waage, Wasserwaage sich in der lateinischen Sprache durchgesetzt hat, darüber kann man sicherlich nächtelang spekulieren. Am niveauvollsten wäre wohl die Vorstellung von einem phantasievollen, romantischen Naturliebhaber, der fasziniert von den kleinen Insekten, die sich meisterlich in der Luft an einem Fleck aufhalten können, inspiriert worden wäre. Weil sie pendeln mit ihren Flügeln stetig ihren Standort aus. (Interessant auch hierzu die Geschichte über die Konstruktion eines Hubschraubers)

Also der phantasievolle, romantische Naturliebhaber war so fasziniert von diesen Tierchen, möglicherweise nannte es sie „la bella“, als er gerade dabei war, eine Wasserwaage zu justieren, als eine Libelle sich neugierig entweder auf ihm selber oder neben ihm Platz nahm, um ihn zu beobachten. Er hätte in diesem Fall zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, der Wasserwaage zu einem Namen verholfen und gleichzeitig den Bewegungslauf, bis das Wasser sich „beruhigt“ hat, beschrieben. Wie hoch oder wie tief das Niveau des Wassers liegt, spielt erst eine Rolle, wenn wir auf das Niveau eines Menschen oder eines Produktes zu sprechen kommen.

Davon ausgehend, daß ein niedriger Wasserstand bedeutet, es ist nicht mehr viel übrig, dies ist der Rest und ein hoher Wasserstand Überfluß anzeigt, oder es gibt noch genügend Vorrat, kann sich dies auch in der kognitiven Umsetzung für charakterliche Eigenschaften als Niveaustufe durchgesetzt haben. Das hieße also, bei einem niedrigen Niveau ist nur ein Rest an Charakter, Anstand, Tugend vorhanden, ein hohes Niveau dagegen bedeutet ein großes Maß an Unbescholtenheit, Prestige, Image.

Nun gilt dies allgemein auch in Bezug auf Personen, die einen höheren Schulabschluß ihr Eigen nennen können, genauso wie für Menschen ohne Schulabschluß oder einen sogenannten niedrigen Schulabschluß. Allgemeinhin geht man natürlich davon aus, daß bei einem höheren Bildungsniveau gleichzeitig höhere Werte in Bezug auf sämtliche charakterlichen Eigenschaften vorhanden sind. Wie gesagt, man geht davon aus. Denn, daß dies nichtzutreffend ist, wissen viele, die auf ihrem Lebensweg vereinzelt auf Personen getroffen sind, bei denen man schlechthin die Beurteilung abgeben könnte: außen hui, innen pfui.

Wenn nun infolge von gewissen Umwälzungen, die es erforderlich machen, nicht vorschnell zu agieren, Menschengruppen auf den Plan sich berufen fühlen, die über akademische Bildung verfügen, gleichzeitig aber stets zu erkennen geben, sie haben jegliches Niveau heruntergefahren oder nie besessen, dann kann man nicht umhin, die Vermutung anzustellen, daß hier bewußt das sich ansonsten „beruhigende“ Wasser mit Absicht am Brodeln gehalten werden soll.

Die Partei, die von sich behauptet, bei einem Einzug in den Bundestag die meisten Kandidaten zu stellen mit einem akademischen Abschluß, ist die Partei, die mit dem niedrigsten Niveau der Sprache, Gossenslang sei dagegen noch harmlos, geht auf Wählerfang. Wer Diskriminierungen, Hetztriaden, Fake-News, Drohungen nicht unterbindet, sie sogar fördert, weil selbst in Anwendung von Personen, die sich als Verantwortliche anpreisen, kann nicht mit Wertschätzung rechnen. Und weil dies so empfunden wird, wird der Mißbrauch der Sprache und das Agieren mit Parolen als Meinungsfreiheit vermittelt. Dies ist zu vergleichen mit einem Niveauzusammenbruch, weil plötzlich bei jedem Essensmahl jeder nach Lust und Laune furzen und rülpsen darf, soll, muß.

Mal davon abgesehen, daß das Niveau nicht beliebig ausgewechselt werden kann wie die Bekleidung, heute Saubermann, morgen Dreckspatz, weil dies alles andere als eine charakterliche Festigkeit darstellt, ist dieses sprachliche Niveau in keiner Weise geeignet, eine niveauvolle Gesellschaftsform aufrecht zu erhalten. Noch mehr verwunderlich aber ist, daß gerade diejenigen, die ein niveauvolles Gemeinwohl (das es ihrer Meinung durch falsche politische, wirtschaftliche, soziale Entscheidungen in Deutschland nicht mehr gibt) anstreben als Vorbildfunktion auf dem untersten Level des Anstandes hausieren gehen.

Wer Niveaulosigkeit hoffähig macht, um damit Anhänger zu generieren, der hat alle Manieren über Bord geworfen, und das nicht damit der Fesselballon in die Höhe fährt, sondern damit der Hubschrauber ständig über den Boden gleitet, um möglichst viel Wind zu entfachen, das Niveau des Wasserspiegels im Sturm zu halten, damit die Libelle, die kleine Wasserwaage, das Niveau sich nicht mehr beruhigt. Über die Konsequenzen, die solch ein Verhalten nach sich ziehen, mag sich jeder selbst einen phantasievollen Namen ausdenken.

Nennen Sie für diese Stufe des Niveaus ein Synonym: Katastrophe. Sturmflut. Tsunami.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Außenseiter mitten unter uns am Rand der Gesellschaft

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Gezielte Ausgrenzung ein perfides Mittel der Verachtung

Die Gruppe verlassen müssen, nicht mehr dabei sein als deklarierter Außenseiter. Ein dramatisches Szenario für fast alle Menschen, weil wir soziale Wesen sind, uns gegenseitig brauchen, im Sein voneinander lernen. Die wenigen Ausnahmen, die aus unterschiedlichen Gründen ausgestiegen sind an der Teilhabe des Gemeinschaftslebens und sich für den einsamen Weg des Eremiten entschieden haben, bestätigen genau deshalb unser Bestreben nach gemeinsamer Nähe.

Doch was veranlaßt manche Wesen, über andere dahingehend zu bestimmen, sie zu diskriminieren, sie letztlich gezielt auszugrenzen, gar zu verachten? Das zeigt sich in verschiedenen Bereichen, von der sozialen Ausgrenzung, über die Meidung, welche besonders in Sekten angewandt wird, das Mobbing bis hin zum Rassismus. Unsere Gesellschaft trägt bis heute viel dazu bei, Außenseiter zu schaffen, anderen wiederum keine Intregration zu gönnen, denken wir an die Flüchtlingsproblematik.

Freiwillige Außenseiter vs. bewußt initiierte Ausgrenzung

Kann man tatsächlich die kühne Behauptung aufstellen, daß jeder Querdenker, jeder Phantast und somit auch jeder kreative Gedanke zunächst einmal die geistige Trägheit einer normbehafteten Gesellschaft durchbricht, in Frage stellt und daher auf bestem Wege einer freiwilligen Ausgrenzung sich befindet? Auf alle Fälle. Das muß sogar genau auf diese Weise vonstattengehen.

Wer diesen Schritt wagt, eine zeitlang das Alltagsgeschehen aus der Distanz betrachtet, beobachtet und hinterfragt, kann infolgedessen neue Ideen entwickeln, die wiederum der Gesellschaft selbst zugute kommen. Bezeichnen wir diesen Vorgang als die bestmöglichste, somit positivste Form der Ausgrenzung, wenn denn der kurzfristige, geistige „Aussteiger“ ziemlich schnell wieder Anschluß erhält und nicht tatsächlich ausgeschlossen bleibt.

Völlig anders schaut es bei der sozialen Ausgrenzung aus. Und die hat rasant zugenommen im Zeitalter der Hartz-IV-Gesetzgebung, der wachsenden Armut, der realen Arbeitslosigkeit in Verbindung immer niedrigerer Löhne nicht nur hierzulande, sondern europa- und weltweit. Wer nicht mehr am Gesellschaftsleben vollwertig teilhaben kann, weil es schlicht und ergreifend am Geld liegt, der wird nun mal ausgegrenzt. Besonders hart trifft es diejenigen, die vorher z.B. besser verdient hatten.

Die in Armut Hineingeborenen fühlen sich meist zunächst nicht ausgegrenzt, weil sie keine andere Lebensweise kennen lernen durften, für sie stellt diese Umgebung die Norm dar. Doch Ausgrenzung hat auch andere, „bösartige Gesichter“, denken wir an AIDS-Kranke, an Frauen selbst, die in Ländern ohne Gleichberechtigung gänzlich stattfindet. Immer dann, wenn Menschen aus dem dynamischen Leben in der Gesellschaft ausgegrenzt werden, was diese oftmals als eine Form der Verbannung empfinden, wird gleichzeitig ein schwelender Unfrieden erschaffen.

Da wird Mißtrauen gesät, wer heute noch sich in Sicherheit wiegt, kann morgen bereits der neue Kandidat als Außenseiter sein. Kinder praktizieren das übrigens ebenso ganz gern. Solange dies in einem gesunden Verhältnis stattfindet, spricht nichts dagegen, sie walten zu lassen. Schließlich sind sie auf Erden, um zu lernen, wobei sie genau dieses Vorgehen der Ausgrenzung auch nur von uns Erwachsenen „abgeschaut“ haben, versteht sich von selbst.

Weiterhin wird Mobbing zugelassen

Wen sollte man eigentlich zur Verantwortung ziehen, daß weiterhin in Schulen gemobbt wird? In erster Linie wegschauende und somit inaktive Lehrer, aber auch die Gesellschaft selbst, die eben entsprechend Mobbing zuläßt. Hat die Verhinderung des Mobbens vielleicht nicht nur mit ganz viel Courage zu tun, sich gegen eine hetzerische Gruppe zu stellen, um Mobbingopfer zu schützen?

Wer es wagt, den Gruppengeist einer derartigen Entrückung des Mobbens stoppen zu wollen, begibt sich natürlich in Gefahr, selbst zum Opfer werden zu können. Doch es muß immer wieder solche Mutige geben, die sich dieser bösartigen Dynamik in den Weg stellen, um sie zu unterbinden. Daß dennoch das Mobbing weiter anhält, sogar viel eher zunimmt, liegt besonders daran, daß unsere Gesellschaft Klatsch und Tratsch, Schadenfreude auf Kosten anderer gewährt, eine undurchsichtige Form der Lethargie: Ein jeder ist sich selbst der Nächste. Genau diese Mischung rollt gleichzeitig den Teppich aus, um obendrein rassistischem Gedankengut viel mehr Freiräume zu gewähren, wie man gerade im Hinblick des aufkeimenden Rechtsextremismus beobachten muß.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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